Denken ist wie Knipsen, nur krasser

6. April 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (256) Sex? Die schönste Nebensache der Welt. Die Parole der Stunde lautet: Macht ein, zwei, viele Protest-Selfies in diesem Land!

Düringer

Der neueste Trend auf Instagram, lese ich, sind Selfies nach dem Sex. Das zur allgemeinen Betrachtung im Netz freigegebene Partner-Porträt nach vollendetem Geschlechtsverkehr (Hashtag #AfterSex) nervt allerdings auch schon die Kollegen vom „Time Magazine“. Restgeile Angeberei, gezwungene Lockerheit und/oder moderner Exhibitionismus sind selten Ausweise von Intelligenz. Wie wär’s denn mal mit einem Selfie nach vollzogenem Denkvorgang?

Denn: „Denken ist wie Googlen, nur krasser“. Diesen trefflichen Spruch habe ich neulich im Netz gefunden, als ich auf der Suche nach Argumenten war, warum Herr Faymann und Herr Spindelegger von ihrer Idee, sich eine „unabhängige und unpolitische“ Kontrollinstanz in der Causa Hypo selbst auszusuchen, dringend Abstand nehmen sollten. Wonach es leider nicht aussieht. Kann es sein, dass die obersten Parlamentarier des Landes die Grundregeln der Demokratie nicht verinnerlicht haben? Und den Imperativ der „maximalen Transparenz“, den man in ORF-Pressestunden wie eine Monstranz vor sich herträgt, am Ende des Tages nicht annähernd ernst meinen?

Diese Kolumne soll gewiss keine Ersatzspielfläche für wutbürgerliche Einlassungen sein. Aber, pardon, es kann einem schon das Geimpfte aufgehen, wenn man einmal mehr erleben muss, wie sehr Überheblichkeit und Ignoranz der institutionalisierten Volksvertreter den gesellschaftlichen Konsens in Frage stellen. Und das Engagement des Staatsbürgers – jedes einzelnen von uns – geradezu erzwingen.

Apropos: es gibt viel zu wenige Politikblogs in diesem Land. Der junge PR-Experte Fabian Greiler präzisiert, dass es kaum Blogs gibt, die nicht eher extremistischen Positionen zuneigen und/oder von Parteizentralen selbst gesteuert werden. Das wäre also ein essentielles Betätigungsfeld: das entschiedene, mit Zahlen, Daten und Fakten unterfütterte Wachrütteln der Bevölkerung.

Und wenn Sie dem geschriebenen Wort nicht anhängen: wie wäre es, die technische Entwicklung in den Dienst der Sache zu stellen? Und in ein Gerät wie Canons Legria mini-X zu sprechen, die Files online zu stellen und darauf zu hoffen, dass sie tausendfach geteilt werden? Die spontan geknipsten Selfies müssen ja nicht zwingenderweise eitle Petitessen sein. Mit Sex zu tun haben (wiewohl, das wichtigste Sexualorgan ist das Gehirn!). Oder allein den Absender Roland Düringer zeigen. Sie sollen nur die Fayeggers und Spindelmänner in ihren Trutzburgen erreichen.

Advertisements

2 Antworten to “Denken ist wie Knipsen, nur krasser”


  1. Na ja, es gibt neben Roland Düringer durchaus weitere Blogger, die sich seit Jahren (gesellschafts-) politischen Fragestellungen entschieden kritisch-satirisch widmen, z.B.: http://klauskarlbauer.wordpress.com/2014/04/07/molznografie-oder-von-denen-rechten-begierden-revisited/


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: