Showdown

5. Juli 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (268) Können Sie das seltsame Wort “Festplattenabgabe” auch schon nicht mehr hören?

Festplattenabgabe

Das ewige Gezerre um die sogenannte “Festplattenabgabe” zerrt an unser aller Nerven. Eine Entscheidung ist überfällig. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des denkwürdigen Umstands, dass hier ungeniert Millionen Euro – die Urhebern und Rechteinhabern von Musik, Fotos, Filmen, Texten usw. zugute kommen sollen – seit Jahren von den Konsumenten einkassiert, aber nicht an die vorgesehenen Empfänger ausgezahlt werden.

Mittlerweile sind einige der Händler, die dieses Geschäft betreiben und sich zu allem Überdruss auch noch zu Vordenkern eines “modernen Urheberrechts” erklärt haben, spektakulär pleite gegangen. Jetzt fehlen nur noch ein paar jeder Verschwörungstheorie hinterhermarschierende Hanseln, die meinen, daran wären Andreas Gabalier (wahlweise: Sigi Maron), seine Plattenfirma, die AKM und die Bilderberger schuld.

Um keinen Irrtum aufkommen zu lassen: mir gefallen Preisaufschläge und Pauschalabgaben auch nicht. Aber dass z.B. ausgerechnet die Arbeiter- und (!) die Wirtschaftskammer unisono gegen eine sehr pragmatisch angelegte Form eines Beitrags zur Existenzgrundlage von Künstlern wettern, lässt sich aus dem Blickwinkel letzterer nur als Chuzpe interpretieren. Wovon lebt eigentlich der gemeine Kammerfunktionär so? Der gemeinnützig, aber nicht gratis tätige Politiker? Und was treibt all jene an, die meinen, Kreative mögen gefälligst ihre Geistesprodukte herschenken, die Hände falten und den Mund halten? Dass mit aufgeganselten “Geiz ist geil!”-Egoshootern, die nun partout aus Protest ihre Terabyte-Raids in Luxemburg, Großbritannien oder China bestellen wollen, keine weiterführende Diskussion möglich ist, ist schade, aber verschmerzbar.

Die Frage wirtschaftlicher Kompensationen und gerechter Transferzahlungen im Digitalzeitalter (mit allen seinen radikalen Implikationen) ist seit Jahren am Tapet. Und sowohl national wie international von vielen Seiten her beleuchtet, analysiert und diskutiert worden. Ohne finale Erkenntnis. Der Status Quo ist, ja, hinterfragenswert. Eine mittelprächtige Regelung sollte aber erst dann abgelöst werden, wenn eine deutlich bessere, sinnvollere, zukunftsträchtigere vorliegt. Und mir sind partout jene lieber, die versuchen, konkrete, umsetzbare Lösungen auch wirklich umzusetzen als sich entweder aus populistischen Motiven davor zu drücken oder ins weite Reich der Phantasie zu flüchten. Call it Realitätssinn!

Ich habe jedenfalls mehr Respekt vor denen, die etwas für Kunst & Kultur tun als vor jenen, die um jeden Cent greinen, den sie eh nicht ausgeben. Oder nur in China.

6 Antworten to “Showdown”


  1. Bilderberger? Foto Hartlauer?

  2. Leo Fritz Says:

    nur ein paar gründe, warum so viele (zurecht) gegen die geplante festplattenabgabe sind

    • die pauschalverdächtigung und damit auch verurteilung zu einer zahlung die wohl selten gerechtfertigt ist

    • konsumenten, die keine neuen rechte haben, sondern für (oft) nicht konsumierte leistungen mehr bezahlen sollen

    • die völlig abgedrehten „preise“, die nichts mit der realität zu tun haben

    • die protagonisten, die sich in keiner weise auf die konsumenten zubewegen, sondern sie im gegenteil, als schmarotzer und verbrecher bezeichnen

    • nicht nachvollziehbare tarifbemessungen und mysteriöse studien über das nutzungsverhalten, die nicht veröffentlicht, und daher nicht nachvollziehbar sind

    • verwertungsgesellschaften, die ohne neue leistungen durch eine tariferhöhung plötzlich ein vielfaches verdienen würden (prozentuelle beteiligung)


  3. Sehr geehrter Herr Fritz,
    kein einziger der von Ihnen genannten Gründe trifft zu:

    – nicht die Verwertungsgesellschaften erhalten das Geld, sondern deren Bezugsberechtigte, also überwiegend die Kunstschaffenden;

    – da der Tarifpartner WKÖ nicht verhandeln wollte, erfolgte die Tarifgestaltung autonom;

    – wer Produktionen in großem Stil allgemein „gratis“ zur Verfügung stellt, ohne dazu berechtigt zu sein, begeht zweifellos ein Verbrechen – das Herunterladen und Speichern ist jedoch oft völlig legal; Verbrecher und Schmarotzer dürfen als solche bezeichnet werden;

    – 1 oder 2 Cent pro Gigabyte sind „abgedrehte Preise“?
    http://www.musikergilde.at/de/Zeitung/1-Cent-fuer-mehr-als-10-Stunden-Musik.html

    – Konsumenten erhalten das Recht, privat zu kopieren [und diese Kopien im kleinen Kreis weiterzugeben], jetzt auch auf moderne Speichermedien;

    – eine Pauschalabgeltung ist keine Pauschalverdächtigung. Die Alternative wäre das Ende der legalen Privatkopie bzw. die flächendeckende Überwachung aller Speichermedien. Beides kommt für mich grundsätzlich nicht in Frage. Für Sie scheinbar schon. Oder?

  4. manfred Says:

    Scheinheiliges Gejammere. Die Kunden bezahlen die Abgaben seit –> Jahren ohne ihr Wissen, und die Konzerne haben das Geld am Konto liegen, damit sie es bereit haben, wenn sich die Verwerter endlich einmal einig sind, und dann eventuell rückwirkende Forderungen stellen. Bis es soweit ist mit der Regelung, bezahlen wir weiterhin Kopier- und Druckerabgabe, Scannersteuer, Rohling ebenso wie Brenner ! Wer also eigenes Gedankengut auf der Festplatte hat, muss diese Steuern per Antragsformular von der Musikergewerkschaft rückfordern. Ich bin ehrlich gesagt zu faul dafür…


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