Sofortmaßnahmen

19. Juli 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (270) Egal, ob Eurofighter oder Pinzgauer – das österreichische Bundesheer rüstet systematisch ab.

Steyr-Puch Pinzgauer

Es ist keine grosse Befriedigung, mit einer schwarzmalerischen Prognose recht zu behalten. Im Gegenteil. Denn so sehr ich als Pazifist, ehemaliger Zivildiener und hoffentlich halbwegs mit Intelligenz bewaffneter Staatsbürger dazu verleitet sein mag, mich über das Bundesheer lustig zu machen – in realita tun mir die adipösen Etappenhengste der oberen Offiziersränge und ihre unfreiwilligen (und freiwilligen) Untergebenen längst leid.

Vor viereinhalb Jahren war die Truppe und ihre technische Ausstattung schon einmal Thema dieser Kolumne. Und der damalige Vorschlag, überzüchtete, unleistbare Abfangjäger schleunigst wieder los zu werden, durchaus ernst gemeint. Man kann auf den Zynismus diverser – mit hoher Wahrscheinlichkeit korrupter – Politiker und Entscheidungsträger, das Bundesheer mittels millardenschwerer Militärtechnik-Einkäufe direkt in die Pleite zu treiben, ja nur mit knallhartem Realismus antworten.

Insofern plädiere ich für drei Akutmaßnahmen. Erstens: die sofortige Rückgabe der Flieger an den Hersteller. Derlei ist vertraglich vorgesehen, wenn der Kauf nicht ganz koscher verlief – und bis zur finalen Klärung der Causa erspart man sich wenigstens die Spritkosten. EADS dürfte die Angelegenheit rasch äusserst peinlich werden. Und vielleicht erklärt man ja Peter Pilz zum obersten Heeres-Abgesandten – insofern ist Verhandlungsbereitschaft zu erwarten.

Zweitens: die Besorgung von Prospekten und Daten des Modells „Scorpion“ des Flugzeugbauers Textron AirLand. Dieser ist neu am Markt mit einer revolutionären Idee: wenn schon der Betrieb von Kampfjets nicht generell internationaler Ächtung unterworfen werden kann, weil sich die Menschheit auch im 21. Jahrhundert gegenseitig gern den Schädel einschlägt, dann könnte man sich immerhin den absurden Kostenspiralen des militärisch-industriellen Komplexes entziehen. Und Billigflieger von der Stange entwickeln, die – trotz eines Bruchteils der üblich-üblen Kosten – auch den Zweck erfüllen. Vielleicht sogar besser als die gerupften High Tech-Hendeln namens Eurofighter, die man uns – dem tumben Steuerzahler – angedreht hat. Und für die es inzwischen nicht einmal mehr genügend Piloten gibt.

Drittens: sofortige Rücknahme der Entscheidung, die halbe „Pinzgauer“-Flotte des Bundesheeres – insgesamt 699 Stück – zu veräussern. Denn natürlich sind die geländegängigen Kleinlaster absurd veraltet. Aber zugleich ein Stück genialer österreichischer Technikgeschichte. Immerhin rechnet man beim Abverkauf mit einem Erlös ab 10.000 Euro pro Fahrzeug. Also können die Pinzgauers, Puch G und sonstigen Vintage-Modelle im Fuhrpark des Heeres nicht komplett rostzerfressen sein. Wenn sie schon jahrzehntelang Dienst tun – wie auch die alten Saab 105OE-Jagdbomber -, dann könnte man ja glatt noch ein paar Jährchen dranhängen. Und die Rekruten zu Oldtimer-Liebhabern ausbilden.

Realismus, wie gesagt. Einzige Bewaffung: offensive Ironie.

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