Ziellinie

10. August 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (273) Wie futuristisch ist es anno 2014, ein Elektro-Auto zu fahren? Ein Selbstversuch, Teil drei

Opel Ampera

Natürlich ist ein Langzeittest nur ein Langzeittest, wenn man länger als ein paar Stunden mit dem Testfahrzeug in der Gegend herumgurktQuod erat demonstrandum: der Opel Ampera, den ich im Februar das erste Mal bestiegen habe, ist mir erstaunlich ans Herz gewachsen.

Gerade steht er wieder vor der Haustür, diesmal im tiefsten Niederösterreich. Es handelt sich um eine Gegend, die diesbezüglich ihre Tücken hat: die wunderschönen Waldwege an der Grenze zu Tschechien bedürfen einer gewissen Bodenfreiheit. Und futuristische Raumgleiter wie das Hybridfahrzeug aus der Opel-Fabrik haben zwar jedes erdenkliche Elektronik-Helferlein an Bord, aber mit der Geländegängigkeit ist es nicht weit her.

Dennoch muss man irgendwann mal über die Ziellinie rollen, zum Schluss kommen, ein Fazit ziehen. Das will ich gerne tun. Hier und heute. Mein Resümee lautet: es ist kein Experiment mehr, ein Elektroauto zu fahren. Der Ampera ist ein feines Beispiel dafür. Die Kombination eines kurzstreckentauglichen Elektromotors mit einem kleineren, konventionellen Benzinaggregat kombiniert Sparwillen und Umweltschutz mit hundertprozentiger Alltagstauglichkeit.

Für Pendler etwa ist dieser Opel – und man sagt der Marke ja nach, besonders beliebt bei Pendlern zu sein – nahezu ideal. Vor allem dann, wenn man im Umkreis von dreissig bis sechzig Kilometern des Arbeitsplatzes wohnt. Oder Autobahnen als Zubringer nutzt (mit mässigem Benzinverbrauch), um im spritfressenden Stadtverkehr auf flüsterleisen Elektroantrieb umzuschalten. Ein durchschnittliches Verbrauchsergebnis von 1,2 Liter Benzin auf 100 Kilometer, das der Ampera-Prospekt ausweist, ist mir zwar nie geglückt –  aber man macht sich mehr und mehr einen Spass daraus, die persönliche Benchmark nach unten zu drücken.

Sportwagen ist der Ampera keiner, obwohl er so aussieht. Und auch so beschleunigt. Innen drinnen in der für einen Opel ungewöhnlich luxuriösen und elektroleisen Kabine (die trotzdem vor Plastikteilen nur so strotzt) ist man dann vollends von der Welt abgekapselt: ein Effekt, der letztlich auch der Entschleunigung dient. Man kennt derlei von der Luxusabteilung á la Mercedes, Jaguar oder Bentley. Fast 45.000 Euro Neupreis – und die wurden schon deutlich reduziert – sind für ein Mittelklassefahrzeug allerdings auch kein Bemmerl. 

Letzlich ist der Ampera für Opel “nur ein – gewagter, aber zumindest aus meiner subjektiven Sicht gelungener – Schritt Richtung Neuland. Oder, besser gesagt: war. Denn kaum überlege ich mir, das zukünftige Sammlerstück – in das die Ingenieure ihr gesammeltes Knowhow der letzten Jahre hineingesteckt haben – vielleicht im Winter noch mal auf seine Schnee- und Eistauglichkeit testen zu wollen, trudelt die Meldung ein, das Nachfolgemodell stehe schon in den Startlöchern. Ich bin gleich wieder elektrisiert.

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3 Antworten to “Ziellinie”


  1. Eh Walter, hast du dir dir CD schon angehört?


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