Am richtigen Dampfer?

24. August 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (275) Die E-Zigarette – harmloser Trend oder gefährliche Glimmstengel-Alternative?

EZigarette

Mein Vorsatz ist es, möglichst jedes Objekt, über das ich schreibe, auch in Händen zu halten. Und es, soweit es die Zeit, der Hersteller (bzw. Importeur) und natürlich Lust und Laune zulassen, persönlich auf Herz und Nieren zu testen. Einerseits, weil das fast immer richtig Spaß macht, anderseits aus journalistischem Urtrieb: es wäre ja gelacht, wenn ich Ihnen technische Produkte nahebringe, die sich als Mogelpackungen, Fehlkonstruktionen oder noch gröbere Ärgernisse entpuppen.

Erstmals aber muss ich passen. Die Sache ist die: ich bin Nichtraucher. Nicht das, was man einen fanatischen Nikotingegner nennen würde – ich plädiere für die Freiheit, sich umzubringen, wie immer man möchte –, aber dichte Qualmwolken oder der Geruch übervoller Aschenbecher vertreiben mich aus jeder noch so gemütlichen Runde.

Nun begegnen mir in letzter Zeit aber immer mehr Menschen, die sich statt Glimmstengel der sattsam bekannten Sorte(n) zigarettenähnliche, dampfausstossende Dinger in den Mund stecken. Und genüsslich daran ziehen. Bisweilen ähneln die E-Zigaretten – denn um solche handelt es sich gattungstechnisch – auch chromblitzenden medizinischen Instrumenten. Es duftet statt zu stinken, kein Rauch belästigt meine Nase, die Nikotinsüchtigen scheinen glücklich mit diesem Trend. Er lautet: Dampfen statt Rauchen. An vielen Ecken spriessen Shops, wo es die Inhalatoren samt Liquids (sie liefern die Aromen und Inhaltsstoffe) zu kaufen gibt, wie Schwammerl aus dem Boden.

Erfunden wurde die E-Zigarette schon in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Aber erst seit 2005, als der Chinese Hon Lik mit seiner Firma Golden Dragon Holdings (heute: Ruyan) sie auch in den Westen zu exportieren begann, rollt die lukrative Lifestyle-Offensive.

Was wiederum die Frage aufwirft, was genau die Kunden da in die Heizspiralen ihrer Geräte und danach in ihre Lungen jagen: oft bestellt man das Zeug im Internet, das kaum Qualitäts- und Gefahrenanalysen kennt. Die Politik (und natürlich die bedrohten Tabakkonzerne, die aber ihrerseits längst auch diesen Markt aufmischen) reagieren unterschiedlich: da und dort wurde der Import und Gebrauch untersagt, in der EU gibt man sich (noch?) liberal. Die Österreichische Ärztekammer verweigert jeden Kommentar zum Thema, weil “es noch keine ausreichenden Erfahrungen gibt”.

Nun: ich hätte eine – meine – Sicht der Dinge beizusteuern. Es ist strikt die eines Nichtrauchers. Sie lautet: selbst in einem vollbesetzten Restaurant stören zehn Dampfer weniger als ein einziger Macho mit einer Zigarre.

2 Antworten zu “Am richtigen Dampfer?”

  1. Helmut Czernik Says:

    Danke Walter Gröbchen für diese Stellungnahme.
    Ich bin selbst seit 11.11.2013 Dampfer. Mein Leben vor dem Rauchstopp war durch die Üblichen Höhen und Tiefen gekennzeichnet, meistens jedoch eher durch Tiefen. Wenige Wochen nach dem ich zu Dampfen begonnen habe verbesserte sich mein Geschmackssinn und das Atmen wurde von Tag zu Tag leichter. Nach drei Monaten ein kleiner Rückschlag, nach dem die MAO-Hemmer, die in Zigaretten enthalten sind, aus meinem Körper verschwunden waren hatte ich ein leichtes Stimmungstief, dass sich nach einem weiteren Monat von selbst gelöst hatte. Seit dieser Zeit hat sich nach einem Lungenfunktionstest mein Lungenvolumen um einen Liter erhöht. In meiner bisherigen Dampferkarriere hat sich auch der Nikotinkonsum eklatant reduziert, im vergleich zu meiner Raucherzeit nehme ich nur mehr ein Viertel der zuvor inhalierten Nikotinmenge zu mir.
    Jeder der Sagt es sei teuer um zu steigen, um seine Lebensqualität zu steigern und sein Leben zu verlängern, ein Raucher der pro Tag 20 Zigaretten raucht hat im Monat kosten von ca. €140.-, ein gutes Starterset, bestehend aus 2 Akkus, 2 Verdampfern, einem Ladegerät und ca. 250 ml Liquid(Verdampferflüssigkeit), kostet zwischen 90.- und 120.- Euro, mit diesem Set kommt man im Schnitt die ersten 2 (ZWEI) Monate aus, die monatlichen Folgekosten kann man mit 30.- bis 50.- Euro beziffern. ich habe mir dadurch als Nebeneffekt eine schöne Summe ersparen können.

    Wichtig ist für mich E-Zigaretten sind ein Life Style Produkt. An Jugendliche unter 16 Jahren sollten sie nicht Verkauft werden, der E-Zigaretten-Handel hat sich eine Selbstbeschränkung von unter 18 Jahren auferlegt. Schwangere Frauen, an Lungenleiden erkrankte Personen sollte nicht auf die E-Zigarette um steigen, außer nach ärztlicher Rücksprache. Die Nachtfüllflüssigkeit sollte immer außer Reichweite von Kindern verwahrt werden.

    Mein Fazit für mich war es eine wirkungsvolle Alternative die mich bis jetzt keine Zigarette mehr angreifen lies.


  2. Als Dampfer begrüße ich ihre Einschätzung. Doch Liquids werden in Österreich am liebsten lokal gekauft, hat man nichts in Reichweite wird immer noch gerne beim heimischen Händler online eingekauft. Sonst ist dem nichts hinzuzufügen.


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