Warm ums Herz

4. Oktober 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (281) Hurra! Endlich ein Technik-Objekt im Haus, für das sich auch meine Freundin erwärmen kann.

Infrarot-Heizer

Meine Freundin ist – grad’heraus gesagt – keine Freundin der Technik. Sie liest Bedienungsanleitungen höchstens, wenn ein Gerät mal keinen Mucks mehr von sich gibt, lässt Glühbirnen von dienstbaren Geistern (zuvorderst, erraten!,: mir) einschrauben und ist zwar die Herrin über Geschirrspüler, Waschmaschine und Fernseher, ohne sich aber für die Details zu interessieren. Meinem Technikpark begegnet sie mit offensiver Ignoranz. Oder, wahlweise, mit aufreizender Ironie. “Wofür brauchst Du schon wieder so ein Kastl? Da stehen doch schon mehr als genug herum!” ist eine Standardansage in unserer Konversation.

Ganz unwirsch wird sie aber, wenn ich ihr zu einem Festtag – zu Weihnachten etwa oder zu ihrem Geburtstag – etwas schenke, das auch nur entfernt als technisches Objekt zu identifizieren ist. Wenn es schon keine Reise, kein Schmuck oder, sagen wir mal, kein Einkaufsgutschein für das Schuhhaus Wunderl in Sollenau sein darf (wofür wiederum, zugegebenermaßen, ich mich weniger interessiere), möge ich ihr lieber gar nichts überreichen. Sagt sie. Was natürlich auch nicht geht.

Was tun? Die Frage hat schon Lenin gestellt. Der alte Revolutionär kannte aber noch nicht die Firma Pro-Idee, die den kapitalistischen Warenverkehr der Jetzt-Zeit in extraordinärer Weise bedient. Pro-Idee, laut Eigendefinition ein “Spezialversandhaus für exklusive Produkte aus aller Welt”, verschickt regelmässig bunte Kataloge. Voll wunderlicher, innovativer und attraktiver Angebote. Vom beheizbaren Handschuh über patentierte Schuheinlagen, Teleskop-Wäscheständer und Design-Schwebelampen bis zum futuristischen Kunststoff-Iglu für den Garten ist da allerhand zu bestaunen. Und zu bestellen.

Was mir schnurstracks die oben gestellte Frage zu beantworten half. Denn da lachte mir doch glatt ein “Infrarot-Heizer mit klappbarem Strahler-Arm” entgegen. Leistung: 1800 Watt, dimmbares LED-Licht, fernbedienbar und – im Gegensatz zu all den grauenhaft designten Konvektoren und Heizschwammerln, die es im Baumarkt um die Ecke gibt – auch noch probat aussehend. Das Ding lässt sich wie ein Galgen über den Gartentisch schwenken und wärmt laut Prospekt jede spätherbstliche Freiluft-Tratschrunde (Test folgt). “Endlich!” verkündet Pro-Idee. Und ich stimme ein. Meine Freundin – die möchte auch bei Minusgraden im Garten rumsitzen, es fröstelt sie aber schon in lauen Julinächten – wird sich absehbar dafür erwärmen können.

Nun kann ich diese ökologisch fragwürdige Gerätekategorie – wiewohl Technik pur! – eigentlich gar nicht leiden. Aber Geschenke von Herzen müssen ja dem/der Beschenkten gefallen. Und nicht mir selbst.

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4 Antworten to “Warm ums Herz”

  1. Manfred Fleischmann Says:

    wirklich ? ökologisch fragwürdige Geräte muss man bewerben wenn sie schick sind ? ist das ein bezahltes inserat ?

    • Walter Gröbchen Says:

      Das ist eine Kolumne.

      • Manfred Fleischmann Says:

        ..das kleingedruckte..spiegelt nur die persönliche meinung des autors wieder…und hat er keine macht über die themenwahl ? „schicken“ out door ofen ?? bitte..


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