Kühler Umgang mit Hitzköpfen

10. Oktober 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (282) Wollen wir frieren, weil die Energieeffizienz von Heizstrahlern keine optimale ist?

Thermo

Durchsage der Direktion: der Infrarot-Heizstrahler, den ich letzte Woche geordert und hierorts ansatzweise beschrieben hatte, wurde noch nicht zum Einsatz gebracht. Oktober ist ja der neue August. Und die lauen Herbstnächte schreien – noch – nicht nach Wollstrumpfhosen, Heizdecken und Gaskonvektoren. Gut so.

Im Moment durchforste ich diverse Kataloge nach einer technischen Erfindung, die das braune Laub wie von Zauberhand in sich aufsaugt, ohne dies auch mit Kieselsteinen, Nutzgegenständen und vorbeihuschenden Katzen zu tun. Für Leser/innen-Tipps bin ich dankbar! Aber wahrscheinlich überlasse ich den vorgezogenen Frühjahrsputz eh den unerbittlich waltenden Kräften der Natur. Diese Bio-High Tech-Maschinerie ist in ihrer Allmacht auch im 21. Jahrhundert ungeschlagen.

Wer sich dagegen immer wieder kleinlich zum Richter über seine eigene Spezies aufschwingt, ist der Mensch. Und was da alles kritisiert werden kann, kritisiert werden muss, kritisiert wird! “Wirklich?”, schnauzte mich etwa letzte Woche Leser Manfred F. an. “Ökologisch fragwürdige Geräte muss man bewerben, wenn sie schick sind? Ist das ein bezahltes Inserat?” Der Mann spielte damit auf eben jenen Infrarot-Heizstrahler an, dessen vorgesehener Einsatzort – auf der Terrasse, also im Freien – ihm sauer aufstiess.

Klar: ein hinterfragenswertes Szenario. Aber wir wollen doch, bitt’schön, die Kirche im Dorf lassen. Wieviele Milliarden Heizkörper strahlen auf diesem Planeten Wärme ab? Unter welchen Umständen? Mit welcher Effizienz? Und sitzt Manfred F. selbst mit fünf dicken Pullis daheim im Wohnzimmer oder im energieneutralen Kellerabteil? Ist er Raucher? Wenn ja: meidet er Lokale, wo die suchtgeplagte Gästeschar sich im Winter gezwungenermassen bibbernd im Freien unter einem Heizschwammerl zusammendrängt? Und so weiter und so fort.

Selbstgerechtigkeit nervt. Unendlich. Wer die Welt verändern will, möge bei sich selbst anfangen. Und überzeugende Argumente zusammenkratzen, damit man ihm/ihr freiwillig und mit gutem Gefühl folgt. Jeden (absehbar selten genutzten) Infrarotstrahler, jedes Auto mit Verbrennungsmotor, jede technische Errungenschaft der Moderne als Teufelszeug abzutun, hilft nicht weiter. Und befördert nur einen Ludditensturm 2.0. Ich dachte ja auch lange Zeit, ein Merkmal der Zivilisation sei es, die Natur zu überwinden. Mittlerweile ist das eine überholte Position. Es geht um eine friedliche, clevere, annähernd symbiotische Koexistenz.

Die technikgetriebene Umdeutung des Schreckens in ein stabiles Idyll: Eiseskälte passt da einfach nicht ins Bild.

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2 Antworten to “Kühler Umgang mit Hitzköpfen”

  1. meatmen Says:

    Ja, ich friere, weil wir Heizung sparen.
    Ja, ich bin Raucher.
    Nein ich setze mich explizit nicht zu Wirten, die im Winter draussen heizen.

    Das Argument, dass viele andere das Zeug auch verwenden,
    macht den Einsatz ja nicht valid ?!

    Wenn das schon coram publico passiert: nicht Ich schreibe die Kolumne in der Presse, sondern Du trittst vor uns hin !

    Weil ich reflektiere bin ich kleinlich und selbstgerecht ?? Du verzapfst ja auf Ö1 & co auch keinen Topfen, sondern Hörenswertes – warum dann über Dampfbügeleisen im Maschinenraum ;-)

    • Walter Gröbchen Says:

      Frieren, um Heizung zu sparen? Rauchen ja – aber wo? Dampfbügeleisen ohne Elektrokabel? Gern – aber ohne mich! ;-)


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