Regn en Wien

15. Januar 2015

Ernst Molden zählt zu den produktivsten Künstlern, die wir kennen. Und die, die ihn als Künstler kennen und, mehr noch, schätzen – also das, was man landläufig Fans nennt – zählen zu den treuesten Anhängern seiner Produktivität.

Molden Cover

Einige unter uns mögen sich bisweilen ein wenig gewundert haben, wie häufig dieser Mann in und um Wien herum bis hinauf nach München, Hamburg und Berlin auf der Bühne stehen kann, ohne an Anziehungskraft zu verlieren. Sich zu wiederholen. Oder sein Publikum gar zu langweilen.

Das mag auch daran liegen, dass Ernst Molden ein Meister der Kombinationen und Variationen ist – mal tritt er allein auf, mal zu viert, manchmal mit namhaften Mitstreiter(inn)en wie Willi Resetarits, Ursula Strauss, Hans Theessink oder dem Nino aus Wien, dann wieder mit weithin unbekannten Newcomern oder hiesigen Szene-Größen. Aber letztlich ist das nur ein Aspekt der Anziehungskraft eines Singer/Songwriters, der zum aktuellen Boom lokalen Musikschaffens Wesentliches beigetragen hat. Den virtuosen Umgang mit der Umgangssprache etwa, die legere Einbürgerung internationaler Vorbilder, die menschliche Tiefe, Reife und Wärme, die das gesamte Oeuvre Ernst Moldens wie ein roter Faden durchzieht.

Wir – und damit meine ich das Team des Labels monkey. – begleiten diesen Prozess seit vielen Jahren. Mehr als neun sind es mittlerweile. Seit den „Bubenliedern“, die auch für den Urheber selbst so etwas wie den Beginn einer neuen Zeitrechnung bedeuteten. Seither sind bei uns sieben Molden-Alben erschienen und einige, an denen er so oder so beteiligt war. Fast jedes Jahr also ein neues Opus. Zuletzt das superbe Album „Ho Rugg“, gemeinsam mit Resetarits/Soyka/Wirth. Wir scheuen uns nicht, diese Geschichte eine Erfolgsstory zu nennen. Selten war der Austausch mit einem Künstler intensiver, kreativer, ergiebiger.

Und trotzdem taten und tun wir uns schwer, wenn wir von Ungeduldigen, Unkundigen und Molden-Novizen gefragt werden, welches Album dieses Mannes wir denn nun besonders empfehlen könnten. Was man denn quasi zum Einstieg hören solle. Kurzum: welches das Beste sei. Das ist natürlich eine höchst unsinnige Frage – weil sie nur strikt subjektiv beantwortet werden kann. Wir schätzen die lässige Abgeklärtheit von „Es Lem“ genauso wie den vulgären Witz von „Häuserl am Oasch“, die dunkle Poesie von „Ohne Di“ mindestens so wie die enorme Dichte von „Ho Rugg“. Und da gäbe es einiges mehr zu nennen.

Es war also hoch an der Zeit, ein inoffizielles Best Of-Album zusammenzustellen. „A Young Person’s Guide To Ernst Molden“, sozusagen. Und die Auswahl sollte jemand treffen, der sowohl journalistische Distanz wie auch künstlerische Seelenverwandschaft unter einen Hut zu bringen vermag.

Da drängt sich einer förmlich auf, der Moldens Werdegang in etwa so lange begleitet wie seine Label-Familie: Robert Rotifer. Und er hat eingeschlagen. Wir haben nicht eine Sekunde lang diskutiert über Rotifers Song-Auswahl (sie geht zurück bis „Haus des Meeres“ von 2005 und enthält mit „schwoazze dramwei“ auch ein bislang unveröffentlichtes Stück, insgesamt sind es 24 Songs), und wir haben keinen Beistrich am begleitenden Text geändert. Es passt, wie es ist. Und es ist so, dass alles passt. An allererster Stelle für Ernst Molden selbst. Und das tut es.

Ursprünglich sollte diese Zusammenstellung – „Regn en Wien“ – nur auf Vinyl erscheinen. Dann haben wir den Gedanken als arrogante Selbstbeschränkung verworfen. So sehr wir die knisternde Intimität und Audio-Qualität von Schallplatten lieben: das Auto etwa ist einer der famosesten persönlichen Konzertpaläste, die wir kennen. Und noch besitzen die allermeisten Vehikel einen CD-Schlitz. Egal also, ob Sie analoge oder digitale Signale schätzen (oder pragmatisch beides zulassen): es sind die Songs, in genau dieser Reihenfolge und selektiven Signifikanz, die die Botschaft ausmachen.

Eine Botschaft, die da lautet: mehr Molden geht nicht. Jedenfalls nicht, bis das nächste Dezennium voll ist.

„Regn en Wien“ ist auf CD bereits erschienen, Vinyl (DoLP) folgt am 23.01.2015.

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