Distanzanzeige

8. Februar 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (298) Was nützen futuristische Schrittzähler, wenn ihre Erfinder einen Schritt vorwärts und zwei zurück gehen?

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Ich finde ja die Idee, das eigene Leben so exakt wie möglich zu vermessen, faszinierend. Dennoch tue ich mich mit kaum einer Gerätekategorie so schwer wie mit den sogenannten Wearables.

Was ist das überhaupt? Kurzgefasst: Mikro-Computer, die man am Körper trägt. Buchstäblich auf der Haut. Und demnächst wohl auch unter der Haut. „Wearable Computing unterscheidet sich von der Verwendung anderer mobiler Computersysteme dadurch, dass die hauptsächliche Tätigkeit nicht die Benutzung des Computers selbst, sondern eine durch den Computer unterstützte Tätigkeit in der realen Welt ist“ – so die etwas umständliche Erklärung von Wikipedia. Zuvorderst wird also die Welt vermessen. Und der Vermesser bzw. die Vermesserin gleich mit.

Mittlerweile gibt es Brillen, Uhren, Reifen, Ringe, Pflaster, Babyflaschen und allerlei anderen futuristischen Kram, der künstlich intelligent ist, mit Fühlern, Sensoren und bisweilen auch einer optischen Linse und einem Bluetooth-Funkmodul versehen wurde und wie gemacht scheint für den modernen Digital Lifestyle.

Am weitesten in den Alltag eingedrungen (und längst auch en masse bei Saturn, Mediamarkt, Hartlauer & Co. zu finden) sind Fitness- und Activity Tracker. Diese Wearables-Unterkategorie schien mir probat für einen intensiven Test. Wer mich kennt, wird nun den Kopf schütteln – aber meine Freundin hat sich partout in den Kopf gesetzt, pro Tag mindestens 10.000 Schritte gehen zu wollen. Eben: aus Gründen der Fitness. Und schaden kann ja Bewegung an der frischen Luft tatsächlich eher nicht. Sie läuft also seit einiger Zeit mit einem simplen Schrittzähler rum, den es für einige Euro zu kaufen gibt. Als Tech-Nerd erschien mir das zu banal. Ich orderte also, was der Markt so hergibt. Das beste Tool sollte den Old School-Schrittzähler ablösen.

Was soll ich Ihnen sagen? Beim ersten Gerät, dem elegant gestylten und überaus üppig ausgestatteten Sony Talk Band SWR30, versagte schon die Verbindung mit meinem iPhone. Okay, das Ding kann nur mit Android-Handies und -Tablets, das hatte ich überlesen. Die alte Sony-Krankheit, auf sturer Eigenständigkeit und geschlossenen Systemen zu beharren.

Die heimische Konkurrenz von Runtastic namens Orbit zeigt wiederum absurd andere Werte an als der Rest des Testfelds (den ich Ihnen nächste Woche verrate). Sorry: ein Gadget, das nach dem morgendlichen Gang vom Schlaf- ins Badezimmer verkündet, man hätte sein Zehntausend-Schritte-Tagespensum schon erledigt, erklärt die gesamte digitale Sippschaft zum halblustigen Spielzeug.

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