Spaghetti mit Pestizid

20. April 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (307) Die Autokorrektur dient angeblich unserer Bequemlichkeit. Im Alltag ist sie eine Geißel der Menschheit.

Autokorrektur

Eine Zeitlang ist’s ja halbwegs lustig. Vor allem, wenn es anderen passiert, und nicht einem selbst. „Der Kapitän der Costa Cordalis wurde wegen fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt“, steht da etwa zu lesen. Jedermann weiß, dass das Unglücksschiff den Namen Costa Concordia trägt und nicht jenen eines Schlagersängers. Vielleicht ist’s ja auch nur eine probate Ausrede für eigene Flüchtigkeitsfehler und Fehlleistungen – da hat wieder einmal, heisst es dann zumeist, die Autokorrektur zugeschlagen.

Tatsächlich nervt die gut gemeinte, in der Praxis aber ungut gemeine Einrichtung höllisch. Diese Funktion, die modernen Computer-Schreibprogramme, Smartphones und Tablets, aber auch Social Media-Textfeldern standardmässig innewohnt, sorgt regelmässig für Buchstabendreher, Verschreiber und Pannen. Oft peinlichster Natur. Da wird rasch mal aus einem „eleganten Körper“ ein „Elefantenkörper“, aus einem „Meeting“ plötzlich „Petting“, aus einer „Flugbuchung“ eine „Pflugbuchung“, aus dem kleinen „Maxi“ ein „Nazi“ und aus „Spaghetti mit Pesto“ ein Menü mit „Pestizid“. Fail!

Schnell getippt und kurz unaufmerksam, schon ist die falsche Botschaft – Sigmund Freud hätte da seine Freude dran gehabt! – auf dem Weg zum Empfänger, der/die dann oft reichlich konsterniert aus der Wäsche schaut. Wenn Wortschatz und Formulierungskunst des Benutzers die beschränkte künstliche Intelligenz des Geräts übersteigen, ist das Unglück quasi vorprogrammiert.

Nun kann natürlich die Autokorrektur-Funktion, übl(ich)erweise noch ergänzt durch eine automatische Ergänzung von Worten und ganzen Phrasen, ausgeschaltet werden. Es gelten aber die zwei elementaren Grundregeln des technischen Universums. Erstens: der richtige Schalter ist immer in der falschen Position. Zweitens: sollte er in der richtigen Position sein, ist es der falsche Schalter. Jedenfalls funkt die Autokorrektur, auch wenn man sie tausendmal deaktiviert, wie von Zauberhand wieder dazwischen. Meist im unpassendsten Moment.

„Der grösste Irrsinn aber ist“, bemerkte ein Leser des „Standard“ in einer einschlägigen Sammlung denkwürdiger Fehlleistungen, „dass zumindest das iPhone beim Drücken von „Senden“ das letzte Wort automatisch ersetzt – und man gar keine Chance mehr hat zu kopulieren.“

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