Wegweiser

9. Mai 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (310) Vielleicht kann man Elektroautos ja mit Strom betreiben, der aus hitzigen Diskussionen gespeist wird?

Tesla Elon Musk

Fortsetzungen vor- und vorvorwöchiger Kolumnen sind oft die einzige Möglichkeit, den begrenzten Raum hier zu sprengen. Dieser Trick ist aus gutem Grund aber unbeliebt. Nichts ist älter als die Zeitung von gestern. Und an die „Presse am Sonntag“ mit Erscheinungsdatum Anfang Mai und ihre bunten Themenpracht erinnert sich kaum jemand mehr – es sei denn, es gab (und gibt) Stoff für ausufernde Diskussionen und emotionale Aufladung.

Derlei scheint mir letzte Woche geglückt zu sein. Unfreiwillig. Denn ich hatte keine weltumspannende Debatte über die Vor- und Nachteile der elektrifizierten Fortbewegung im Sinn, als ich meiner Begeisterung für Tesla Ausdruck verlieh. Der p.t. Leserschaft ist das natürlich egal. Zurecht. Die Reaktionen schwankten zwischen begeisterter Zustimmung und wütender Ablehnung meines Postulats, es handle sich beim Tesla Model S schlichtweg um das faszinierendste derzeit käuflich erwerbbare Auto. Kalt scheint das Thema Zukunftsmobilität jedenfalls kaum jemanden zu lassen – ausser dogmatische Anhänger der Fahrrad-Religion, die sich aber erst recht in jede Diskussion einmischen. Ebenfalls vollkommen zurecht.

Bietet das E-Mobil eine reelle, ja nachgerade elegante Möglichkeit, dem nahenden Ende der Ära der fossilen Brennstoffe im Rückspiegel eine lange Nase zu zeigen? Die Antwort lautet: ich habe nicht die leiseste Ahnung. Auch die Fachleute legen sich (noch) nicht wirklich fest. Jede Wette übrigens, dass in diesem Kontext der aktuelle Theaterdonner in der Chefetage des Volkswagen-Konzerns mit einem Richtungsentscheid zu tun hat… Denn der Umstieg auf neue Konzepte wird, so radikal er in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erfolgen muss, zwangsläufig eine Denkschule favorisieren.

Und hier hat – so sehr einzelne Bausteine einer grösseren Vision begeistern mögen (Teslas Elon Musk z.B. versucht gerade, Haushalte mit kühlschankgrossen Batterien in autarke Energiezellen zu verwandeln und damit der Atomlobby den Strom abzudrehen) – der Konsument das letzte Wort. Was aber, wenn der den Toyota Mirai, der mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle fährt, attraktiver findet als den kommenden Tesla-SUV oder das Billigsberger-Modell 3 aus gleichem Haus? Jedenfalls wird die Sache konkreter und konkreter. Und damit angreifbarer, in jedem Sinn des Wortes.

Auch der beste Motor-Journalist des Landes, David Staretz, reibt sich immer wieder an diesem Themenkomplex. So richtig schlau werde ich aus seiner philosophischen Ambivalenz nicht. Aber es macht demütig (und reichlich Spaß), ihm beim Nachdenken zu folgen. Bis auf weiteres in Medien, die noch immer nach Druckerschwärze und Benzin duften *). Aber sicher nicht bis in alle Ewigkeit.

*) Die Autorevue-Jubiläumsnummer (No. 1/2015, „50 Jahre Autorevue“) ist gemeinsam mit dem aktuellen Premium-Sonderheft („Supertest 2014“) noch am Kiosk erhältlich. Zum Sonderpreis. Empfehlung!

2 Antworten to “Wegweiser”


  1. […] Porsche- und Ferrari-Fraktion einmal mehr leise lästern höre… Schlagen Sie zu, wenn Sie das absehbare Ende der Benzin-Ära gleichwohl mit Rationalität und Rasanz ansteuern […]


  2. […] könnte ein reinigendes Fanal auch eine ganz neue Denkschule  begründen. Tesla, Uber, Google und Apple alleine werden aber nicht alles zum Guten wenden […]


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