Neuauflage

6. September 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (327) Der Mazda MX-5 ist der meistgebaute Roadster der Welt. Kommt er in der vierten Generation in die Jahre?

Mazda MX-5 G1+4

Meine Freundin wirft mir ja latent Konservativismus vor. Tatsächlich zähle ich nicht zu jener Sorte Mensch, die in jeder Veränderung eine Verbesserung sieht. Und im Fortschritt unbedingt einen Schritt nach vorn. Im Kontrast zum alten Gegensatzpaar Optimist/Pessimist (ersterer sieht das Glas immer halbvoll, letzterer halbleer) bin ich aber ein fröhlicher Pragmatiker: ein Glas kann immer wieder nachgefüllt werden.

Also umkreiste ich heute stundenlang mein aktuelles Testfahrzeug: einen Mazda MX-5 der vierten Generation. Das Modell begleitet mich seit einem Vierteljahrhundert auf meinen Lebenswegen – einerseits als privates Spaßgerät, anderseits als Objekt der journalistischen Berichterstattung. Der MX-5 ist ja soetwas wie ein Volkssportwagen. Er hat die Gattung des Roadsters Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fast im Alleingang wieder zum Erblühen gebracht. Sir yes sir!, ich liebe dieses Wägelchen. Es ist der Inbegriff der unkomplizierten, preiswerten, jeder Prätention und Distinktion abholden Benzindroschke. Zumindest meinem Geschmack nach.

Insofern muss ich mich an den neuen Karosseriezuschnitt erst gewöhnen. Die allererste Generation des MX-5 mit Klappscheinwerfern fand ich immer enorm stimmig, alles dazwischen waren mehr oder minder gelungene Abwandlungen der Urform – jetzt macht der Japaner aber (seine Erfinder nennen es „Kodo“-Design) auf Nachwuchs-Jaguar. Soll sein. Denn eines lässt sich nicht leugnen: fünfundzwanzig Jahre technische Weiterentwicklung lassen ein Fahrzeug in vielen Details bisweilen dramatisch besser aussehen. So leuchten die schlitzäugigen LED-Scheinwerfer die Fahrbahn in Cinemascope aus – und das keineswegs nur im Fernlicht-Modus.

Worüber man grummeln kann: über das arg gewollte Sound-Design des neuen MX-5. Vielleicht sind es aber auch die 130 Pferdestärken, die sich hier nachdrücklich zu Wort melden (es gibt auch eine 160 PS-Version; mein Oldie-Vergleichsfahrzeug hat nur 90). Innen- und Kofferraum sind geschrumpft; es gibt auch kein Hardtop mehr. Positiv dagegen: die vierte Generation ist im Vergleich zur vorhergehenden deutlich leichter geworden. Und natürlich nervt es wie bei jedem modernen Auto, von piepsenden Warngeräuschen und blinkenden Hinweisen in ein dezentes, aber zwanghaftes Kokon des Paternalismus gehüllt zu werden. Das On Board-Infotainment-System geht für den Preis (ab 26.000 Euro) aber sehr ok.

Generell gilt: mehr Sportwagen braucht kein Mensch! Auch wenn ich die Porsche- und Ferrari-Fraktion einmal mehr leise lästern höre… „It’s all about handling!“ (Jonny Lieberman, „Ignition“). Schlagen Sie zu, wenn Sie das absehbare Ende der Benzin-Ära gleichwohl mit Rationalität und Rasanz ansteuern möchten.

3 Antworten to “Neuauflage”


  1. […] angelehnt – der Italo-Spider hängt da den vergleichsweise pubertär und aggressiv wirkenden MX-5 klar ab. Aber natürlich habe ich bislang nur Fotos gesehen. Auch auf der Vienna […]


  2. […] wenn’s auf die Oldtimer-Messe nach Tulln (die an diesem Wochenende stattfindet) gehen soll? Den MX-5 Roadster? Würde zum Wetter passen, ist aber dank Baujahr 1995 ein Youngtimer. Den giftgrünen […]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: