Einbrecher, bitte melden!

26. Oktober 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (334) Bequemlichkeit hat ihren Preis. Bei „Smart Home“-Produkten ist er auf den ersten Blick oft erstaunlich niedrig.

Home Control

Ein entfernter Freund, der vormalige Spitzenmanager, Autor, Segler und Philosoph Z., hat neulich einen bemerkenswert sarkastischen Satz fallen lassen. „Industrie 4.0 heißt übrigens auch“, so der Wortlaut seines Postings, „es kommt die Zeit, in der die Haushaltsgeräte intelligenter sein werden als viele ihrer Besitzer.“ Na bumm.

Lassen wir einmal den Industrie-Komplex beiseite – darüber hören wir eh immer Leute wie Hannes Androsch deklamieren, die sich wohl eher auf ihre offiziösen, überbezahlten Aufsichtsfunktionen im Banken- und Staatsgetriebe konzentrieren sollten… Aber zurück zum Thema: der Verschmelzung maschineller Intelligenz mit unserer alltäglichen Lebenswelt. Da ist tatsächlich allerhand in Gang.

Nehmen wir einmal das vielzitierte „Smart Home“ her. Also die Idee, Haus und Hof technisch ins 21. Jahrhundert zu befördern. Im Baumarkt wuchern die Regale mit elektronischen Lego-Bausteinen für die eigenen vier Wände mittlerweile rapide in die Höhe. Ich selbst habe aktuell zu Testzwecken das „Home Control Starterpaket“ des rührigen deutschen Anbieters devolo auf dem Schreibtisch drapiert – wo es eigentlich nichts verloren hat. Denn ein Tür/Fenster-Kontakt gehört nun mal an Tür oder Fenster, die Schalt- und Messteckdose braucht Strom, Funkschalter, Rauch- und Bewegungsmelder sowie Raumthermostat müssen integriert und vernetzt werden. „Umständliches Kabelverlegen und Bohren entfällt“, verheisst die Bedienungsanleitung – schliesslich nutzt man Powerline-Adapter und den Funkstandard Z-Wave zur digitalen Kommunikation. Und setzt zudem – wer nicht? – auf eine eigene, spezialisierte App, die man sich gratis aufs Handy (pardon: Smartphone) lädt.

Das funktioniert alles leidlich. Und man kann damit risikolos herumspielen. Andere Anbieter fügen zum Portfolio, das Heizung, Licht und Gerätsteuerung abdeckt, jedoch noch Webcams und Alarmanlagen hinzu. Stichwort: Gebäudesicherheit. Was ich wirklich gern machen würde – leider habe ich noch keinen „partner in crime“ gefunden –, wäre ein beinharter Check der tatsächlichen Brauchbarkeit solcher Smart Home-Baukästen. Gerade in Sachen Einbruch und Diebstahl. Nötigt diese vorgeblich von Laien in Minuten installierte Infrastruktur Profi-Einbrechern Respekt ab – oder lässt es sie in Sekundenschnelle in schallendes Gelächter ausbrechen? Sorglos nämlich: einen Geräuschmelder kennt das devolo-„Home Control“-Gadget-Buffet nicht. Dafür eine Fernbedienung ab wohlfeilen 39 Euro.

Die zentrale Frage lautet also: können Haushaltsgeräte tatsächlich intelligenter sein als ihre Besitzer und Benützer? Und, wenn ja: würden sie sich selbst auf die Einkaufsliste setzen?

Eine Antwort to “Einbrecher, bitte melden!”

  1. w Says:

    Neusprech.org über „Smart“ und Intelligenz: http://neusprech.org/intelligent/


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