Ersatzlaufwerk

21. November 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (336) Was kann – mitten im Vinyl-Revival – den legendären Plattenspieler Technics SL-1210 ersetzen?

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So ist das, wenn man versucht, Theorie und Praxis auf Deckung zu bringen. Man findet sich mitten im Trubel der Eröffnung eines Geschäftslokals in Wien-Neubau wieder. An diesem Ort, der eine nicht unoriginelle Kreuzung aus Plattenladen und Audio-Greisslerei (Schwerpunkt: Vintage HiFi) repräsentiert, dreht sich vieles, wenn auch nicht alles um das Thema Vinyl. Mit Recht: denn das Comeback dieses altertümlichen Tronträgers ist ebenso fulminant wie mittlerweile weithin bekannt. Wer da ein Geschäft vermutet, beweist eventuell einen Riecher. Noch besser, wenn man den Betreibern auch Fachverstand und Herzblut unterstellt.

Apropos Geschäft: ich werde einen Teufel tun, Ihnen den Namen und die genaue Adresse dieses Shops zu nennen (man würde mich ungenierter Schleichwerbung zeihen, zurecht). Nur soviel sei verraten: es befinden sich einige weitere Record Stores und HiFi-Spezialisten in nächster Nähe. Weil zu vermuten ist, dass die Konkurrenz auch positive Aspekte zeitigt – sei es in punkto allgemeiner Anziehungskraft des Viertels oder Repertoireverbreiterung für Vinyl-Liebhaber –, kann man sich umgehend drängenden Konsumentenfragen widmen. In diesem Kontext und vor Weihnachten lautet eine der meistgehörten: zu all den schönen Scheiben welchen Plattenspieler kaufen?

Nun hat jeder einschlägige Dealer – nachdem hier lange Jahre eine rechte Marktflaute zu verzeichnen war, die insbesondere der österreichische Hersteller Pro-Ject für sich nutzen konnte – heute wieder eine feine Auswahl parat: von altbekannten Marken wie Thorens, Dual, Rega, Denon und Teac bis hin zu Exoten wie Music Hall, Clearaudio oder Funk Firm. Von Spitzenlaufwerken wie dem Linn Sondek LP12 soll hier erst gar nicht geschwärmt werden… Fast alle dieser Geräte sind solide Dreher für die Stereoanlage daheim, haben aber auch Nachteile: sie sind filigran, wollen gepflegt und sensibel behandelt werden und werden via Gummiriemen angetrieben.

Jene Hobbyisten aber, die den Plattenreiter (kurz: DJ) in sich erwachen spüren, mögen aber unbedingt ein robustes Arbeitstier mit Direktantrieb erwerben. Die Messlatte legt hier der legendäre Technics SL-1210, der ungebrochen hoch im Kurs steht (auch preislich), aber einen Nachteil hat. Einen entscheidenden: er wird nicht mehr gebaut. Technics hat zwar mittlerweile vage einen Nachfolger in Aussicht gestellt, aber genaueres weiss man nicht.

Nun gibt es unzählige Nachbauten, Klone und Derivate des SL-1210. Das meiste davon Schrott. Mit einer Ausnahme. Und die heisst Audio Technica LP120-USB. Kostet nicht mal die Hälfte des Originals – und kann alles. Tipp: Händler ausfindig machen (muss nicht der in Wien-Neubau sein), zuschlagen, Spaß haben.

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