Wir sind die Roboter

6. Dezember 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (339) Wir sind die Roboter. Was aber, wenn uns Maschinen unseren Job streitig machen?

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Die Arbeitslosigkeit in Österreich steuert auf ein Rekordhoch zu. Man muss nicht an die schmerzlichen vorweihnachtlichen Großpleiten á la Zielpunkt erinnert werden, um generell eine trübe Stimmung zu orten. Ende September waren knapp 400.000 Personen arbeitslos gemeldet, in Wien stieg die Rate mit einem Plus von 17,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr besonders deutlich an. Noch 2013 hatte Österreich die niedrigste Arbeitslosenquote der EU, mittlerweile wurde das Land von sechs anderen überholt. Besonders ältere Arbeitnehmer haben kaum mehr eine Chance auf einen sinnvollen Job.

Sonder Zahl existieren Vorschläge, wie dieser unguten Situation zu begegnen wäre. Von Arbeitszeitsenkung über neue, flexible Job-Modelle, die auch perspektivisch Selbständigkeit ermöglichen, bis hin zu Strafzahlungen für Betriebe, die offensiv Senioren entsorgen. Letzteres übrigens oft, doppelt zynisch, auf Kosten der Allgemeinheit.

Nun bin ich weder AMS-Berater, Gewerkschaftsführer noch Experte für Konjunkturbelebung – aber ein ziemlich penibler Beobachter des Alltags. Und meine These lautet: das ist alles nicht radikal genug gedacht. Denn die nächste industrielle Revolution – Historiker haben ihr den Versionszettel 4.0 aufgeklebt – schickt ihre Sendboten schon voraus: intelligente Maschinen, Roboter, Smart Factories, das „Internet der Dinge“.

Es wird einfach nicht mehr so viel Arbeit geben in Zukunft. Oder, präziser: es wird mehr Arbeit geben denn je, aber sie wird uns zu einem grossen Teil von Maschinen, Computern und Steuerprogrammen abgenommen. Eigentlich ein Zustand, den die Menschheit jahrtausendelang ersehnt hat – der jetzt aber, mitten in einem sich immer merkbarer manifestierenden Umbruch, für Irritationen und Probleme sorgt. Es eröffnen sich Fragen, die ans Eingemachte gehen.

Darf man Maschinen Macht über Menschen geben? Welche Arbeit z.B. kann nicht durch noch so ausgeklügelte Hard- und Software ersetzt werden? Woran misst sich wirkliche (sprich: sozial wirksame) Produktivität? Wer definiert und beurteilt Leistung? Leben wir noch in einer Leistungsgesellschaft? Wenn nein (oder auch nur jein), wie verteilt man Erträge in einer Freizeit- und Überflussgesellschaft? Ist ein Job in Zukunft ein Privileg? Wenn ja, wie qualifiziert man sich dafür? Lassen sich in einer post-industriellen, digital vernetzten Welt Armut, Hunger, Unbildung abschaffen? Besteuert man Maschinen? Und so weiter und so fort.

Wir sollten diese Fragen stellen. Und mit Nachdruck bei Politik, Arbeiter- und Wirtschaftskammer, Gewerkschaft und, ja, High Tech-Unternehmen und StartUp-Investoren deponieren. Oder, eventuell zielführender, individuell nach Antworten, Zukunftsmodellen, Alternativen zu einem leise bedrückenden Status Quo suchen. Arbeit en masse!

Eine Antwort to “Wir sind die Roboter”


  1. […] Thema „Arbeit im 21. Jahrhundert“ zu reden. Und die bereits heute deutlich merkbaren Faktoren, die unsere Vorstellung davon und die gelebte Praxis des Arbeitsmarkts auf den Kopf stellen. Das […]


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