Triptychon der Erkenntnisse

24. April 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (357) Man sollte Kolumnisten nicht über den Weg trauen – schon gar nicht im Maschinenraum des 21. Jahrhunderts.

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Diese Kolumne schreibt sich wie von selbst. Das hat drei Gründe.

Der erste ist ein eher schmerzsamer. Ich habe nämlich eine Korrektur anzubringen: das Wiener Start-up Robo Wunderkind wurde nicht, wie hierorts leichtfertig verkündet, um 120 Millionen US-Dollar an den Spielzeugriesen Lego verkauft. Ich bin einem Aprilscherz aufgesessen, der immerhin so professionell erdacht und gemacht war, dass er auch auf den zweiten Blick plausibel erschien.

Die Gründer von Robo Wunderkind – einem Unternehmen, das programmierbare Roboter-Module für Kinder entwickelt und damit ab Herbst 2016 den Markt bespielen will – träumen wohl, wie unzählige andere Start-up-Hoffnungsträger auch, vom „Exit“. Also: dem Verkauf der Idee, des Produkts und eventuell auch des Teams an einen finanzstarken, innovationsfreudigen, möglichst global agierenden Partner. Dass Lego im 21. Jahrhundert nicht allein auf simple, intelligenzlose Plastikbausteine setzen wird, liegt auf der Hand. Insofern: wer weiß?

Wer den Schaden hat, braucht jedenfalls für den Spott nicht zu sorgen. „The problem with quotes found on the internet is that they are often not true“ – dieses Abraham Lincoln zugedachte Zitat legte mir umgehend Freund F. ins Elektropostfach. Haha! Bildchen und Sprüche mit ähnlich absurder Text-Bild-Kausalitäts-Schere kursieren ja seit Jahren im Cyberspace. Mit Recht. Ich klatsche sie auch immer wieder gerne mal auf den virtuellen Wirtshaustisch.

Allein: können jene, die sich über meine Schludrigkeit in punkto Recherche ins Fäustchen gelacht haben, immer Realität von Satire, Dichtung von Wahrheit und plumpe Propagada von ehrlicher Verlogenheit unterscheiden? Ich wage zu behaupten: die Quantität und Qualität der Fälschungen nimmt in der digitalen Hemisphäre in ähnlich bestürzender Weise zu wie Zahl der Leichtgläubigen und potentiellen Opfer. Sign o’ the times.

Damit zu Punkt drei im Triptychon der Erkenntnisse: Einem Start-Up (das eigentlich kein Start-up mehr ist, sondern ein ausgewachsenes Unternehmen) habe ich eventuell Unrecht getan mit meiner kritischen Einschätzung zu den langfristigen Erfolgsaussichten: Whatchado. Die Leute dort sind auf Zack und haben sich gleich gemeldet – und, ja, ich werde mir ihre Argumente gerne anhören. Und darüber schreiben.

Beim Gründer, Ali Mahlodji, ist’s mir mittlerweile klar: der Mann ist aus dem Akquise-Business ausgestiegen und als Markenbotschafter unterwegs. Die Marke ist er selbst (und Whatchado „nur“ mehr die Plattform). Storytelling, Baby! Das bringt zumindest mittelfristig mehr Kohle. Wenn Mahlodji aber jungen Leuten da draussen wirklich Ideen, Neugier und Mut spendet, verdient er seine Brötchen absolut respektabel.

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