Sonntagsmesse

20. Mai 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (361) Kraftfahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor haben ihren höchste Reifegrad erreicht. Beweis: der neue 7er-BMW.

7er BMW

Welches Fahrzeug nehmen, wenn’s auf die Oldtimer-Messe nach Tulln (die an diesem Wochenende stattfindet) gehen soll? Das MX-5 Cabrio? Würde zum Wetter passen, ist aber dank Baujahr 1995 ein Youngtimer. Den giftgrünen Corsa OPC, den mir der freundliche Opel-Pressechef leihweise zur Verfügung gestellt hat? Damit ließen sich einige Privatrallyfahrer auf die Plätze verweisen, aber darum geht’s bei einem gepflegten Ausflug aufs Land eher nicht.

Letztlich habe ich mich für den neuen 7er-BMW entschieden. Weil diese Limousine – Modell 740d Xdrive mit M-Sportpaket – in besonders scharfem Kontrast zur Retro- und Bastler-Atmosphärik in Tulln steht. Und doch auch wieder nicht. Es handelt sich um ein Fahrzeug, das die Evolution des Dieselmotors auf höchster Stufe repräsentiert. Manche prophezeihen: auch auf letzter.

Doch das wäre Schwarzmalerei; das Bedürfnis nach Luxusdroschken konservativer Bauart wird nicht verschwinden, solange Ölraffinerien existieren. Kurioserweise gilt so ein 7er mit einem Startpreis von rund 100.000 Euro (ohne Extras) ja nur als Ikone der Oberklasse; wirkliche Top-Milliardäre würden ihn vielleicht dem Hauspersonal zur Verfügung stellen. Als einigermassen standesgemässes Einkaufswagerl.

Aber geht hier irgendetwas ab? Nein, nein und nochmals nein. Hingefläzt in streichelweichem, cognacfarbenem Nappaleder delektiert man sich in der „besten Luxuslimousine der Welt“ (Autorevue) am fein ziselierten Inventar, einer Bordelektronik auf neuestem Stand und jeglichem denkbaren modernistischen Schnickschnack (Laserlicht, Head Up-Display, Gestiksteuerung des Radios, Bowers & Wilkins „Diamond Surround“ Sound System, ein „Welcome Light Carpet“ genannter beleuchteter Einstieg und anderes mehr).

Ein- oder Ausparken tut der naturgemäss nicht gerade kleine, aber elegant geschnittene Wagen übrigens auch von alleine – das auszuprobieren habe ich mich ehrlicherweise nicht getraut. Wiewohl: den taufrischen 7er bei dieser autoerotischen Lektion für Fortgeschrittene inmitten der historischen Jaguar-, Mercedes-, Bentley- & Co-Parade am Tullner Messegelände beobachten zu dürfen, das hätte schon was.

Bewegen lässt sich der Reihensechszylinder mit 320 PS, obligatem Allradantrieb und Automatik übrigens wie ein Messer, das durch Butter fährt – Butter knapp vor dem Zerfliessen, wohlgemerkt. State of the Art. Nur der Fahrzeugschlüssel mit integriertem Touchdisplay, der erscheint mir dann doch etwas mickrig. Man kann damit weder telefonieren, fernsehen, den neuen Bundespräsidenten fernsteuern noch den Wagen in den Wolken parken. Da geht noch was.

Eine Antwort to “Sonntagsmesse”


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: