Aber hallo!

5. Oktober 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (379) Apple-Computer waren einst revolutionär, schick und sauteuer. Heute macht uns das doppelt sentimental.

hello-again

„Hello again.“ So wird man gleich beim Eingang einer kleinen, feinen Ausstellung begrüsst, die dieser Tage in Wien stattfindet. Sie trägt den launigen Titel „40/20“ – was einerseits auf den Gründungszeitpunkt des Digital Lifestyle-Giganten Apple anspielt (vor vierzig Jahren in einer Garage in Cupertino, Kalifornien, USA – oder auch nicht), andererseits auf das zwanzigjährige Firmenjubiläum des namhaften hiesigen Apple-Händlers Tools At Work verweist.

Dass „40/20“ in den Räumlichkeiten der sozial engagierten Upcycling-Werkstätte Gabarage in der Schleifmühlgasse in Szene geht, ist – jenseits jeder Sentimentalität ob einer einstmalig revolutionären StartUp-Klitsche – ein feiner Kontrapunkt zur Ankündigung von Apple, demnächst den ersten österreichischen Produktpräsentations-Protzpalast (neudeutsch: Flagship Store) eröffnen zu wollen. In der Kärntner Straße, wo sonst.

Zurück zur Ausstellung. Zu sehen sind zahlreiche Geräte und Designer-Stücke aus vier Jahrzehnten Computergeschichte – nicht ausschliesslich von Apple, sondern auch von NeXT, dem kurzzeitigen Firmen-Intermezzo des Visionärs Steve Jobs. Man steht also staunend vor dem selten gesichteten schwarzen NeXT-Kubus – dessen Softwarearchitektur anno 1989 die Grundlagen für das heutige Mac-Betriebssystem OSX lieferte –, und schon eilt der Ideenspender und Kurator der Ausstellung herbei, um einen Power Mac G4 Cube aus dem Jahr 2000 danebenzustellen. Dann einen MacMini aus dem Jahr 2005. Letztlich kommt ein aktuelles iPhone obendrauf.

Was uns der gute Mann namens Gerhard Walter – man kennt ihn in der Szene unter dem Kürzel „GeWalt“ – damit verdeutlich, ist: die Leistungsstärke der Geräte nahm (und nimmt) in jenem Maß zu, in dem ihr Volumen schrumpft. Was Teenager heute ganz selbstverständlich an Computerpower in ihrer Hosentasche mit sich herumtragen, wäre uns Apple-Jüngern der achtziger und neunziger Jahre noch wie Science Fiction erschienen. Oder, mehr noch: wie durchgeknallte Fantasy.

Noch interessanter als all die liebevoll zusammengetragenen Geräte – ist es wirklich schon so lange her, dass man sie ausgemustert hat? – sind aber jene Artefakte, die man in der Regel rascher und gründlicher entsorgt als massive Hardware: Bedienungsanleitungen, Prospekte, Werbematerialien, Zeitschriften und Firmenunterlagen jener Zeit. Sie künden von erstaunlicher Naivität, unbedingtem Fortschrittsglauben und freilich auch von Mondpreisen, die man für ein paar Megabyte zu zahlen bereit war.

Ich muss mal bei Herrn Walter ernsthaft nachfragen, ob wir alle einst so jung waren. Und das Geld nicht brauchten. Hello again.

Eine Antwort to “Aber hallo!”


  1. Die Geräte mit dem Apfel haben auch heute noch Mondpreise für Leute, die das Geld nicht brauchen …


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