Entweder. Oder.

11. März 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (400) Wir wollen alle nur eins: das Beste. Aber bei Alltagstechnik ist es nicht leicht aus dem unübersehbaren Angebot herauszufischen.

Headz

Eine der wenigen Musikmanagerinnen dieses Landes – höchste Zeit, dass es mehr werden! – stellte dieser Tage auf Facebook eine Frage. Und erhoffte Antwort. Die Frage war ungewöhnlich knapp und konkret formuliert: „Bose QuietComfort 25 oder Sony MDR-1000X?“

Dazu muss man wissen, dass es sich um Kopfhörer handelt. Und zwar zwei jener besonders gefragten Modelle, die einerseits noch bezahlbar sind, andererseits den aktuellen Stand der Technik repräsentieren. Und dabei tunlichst gut klingen. Solche Kopfhörer gibt es von etlichen Markenherstellern (gelegentlich gesellt sich auch ein Newcomer dazu) – etwa von Sennheiser, Teufel, Philips, JBL. Und einigen mehr.

Die mit Blick auf das Sony-Modell implizit erwünschte Features-Kombination Bluetooth – also kabellose Übertragung der Musik, etwa vom Handy – und Noise Cancelling beherrschen aber in wirklich brauchbarer Qualität nur wenige. Letztere Eigenschaft, also die Unterdrückung des Umgebungslärms, ist eine langjährige Domäne des US-Herstellers Bose. Kein Wunder also, dass das Spitzenmodell – hier wäre es eigentlich der QuietComfort 35, der Nachfolger des kabelgebundenen Modells 25 – in jeder einschlägigen Bestenliste auftaucht.

Nun ist das so eine Sache mit Bestenlisten. Viele riechen verdächtig nach Marketingzuschüssen und Promotion-Tamtam, nachvollziehbare Wertungen liefern die wenigsten. Es gibt einige löbliche Ausnahmen (auch wenn sich der kommerzielle  Hintergrund nicht leicht recherchieren lässt) – etwa die Online-Plattformen AllesBeste.de oder Netzwelt.de. Speziell fokussiert ist Kopfhoerer.de. Im englischsprachigen Raum finden sich solch clever gestrickte Konsumenten-Wegweiser, oft mit Bewegtbild, weit häufiger, einige gelten auch als wirklich kritisch und weitgehend verlässlich. Auch die altbekannten HiFi-Magazine mischen mit.

Wie immer, wenn man sich für Produkte der Unterhaltungselektronik-Welt interessiert, ist ein Quercheck im Web angebracht (das gilt auch für den sogenannten „Marktpreis“). Man möge sich in punkto Glaubwürdigkeit ruhig auf den eigenen Instinkt verlassen: reine PR-Lobhudeleien riechen rasch verdächtig.

Nun führt AllesBeste.de aktuell den Sony MDR-1000X als „besten Kopfhörer mit Noise Cancelling“, er hat den bisherigen Favoriten aus dem Hause Bose abgelöst. Das muss noch nichts heissen. Aber exakt hier beginnt der persönliche Testparcours, sprich: der notwendige direkte Zweiervergleich. Mit eigenen Ohren. Ich sage Ihnen: der Sony kann gewiss nichts schlechter als sein Konkurrent, klingt subjektiv etwas neutraler (Geschmackssache!) und besitzt einige clevere Details (etwa die Steuerung an der Ohrmuschel oder die intuitive „Talkthrough“-Funktion).

Aber, wie gesagt: Sie werden um eine lustvolle finale Hands On-Entscheidungsfindung nicht herumkommen (und Sie können Online-Versandhäuser ärgern, in dem Sie beide Kontrahenten bestellen und das unterlegende Modell kommentarlos zurückschicken; ich empfehle aber doch den Fachhandel). Ausser Ihnen fehlt partout die Zeit.

Das Befragen der Crowd trägt dagegen – Ausnahmen bestätigen die Regel – mehr zur Verwirrung bei als zur Klärung. Weil: „X kenn’ ich nicht, aber Y ist super“ und vice versa: eh, danke.

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5 Antworten to “Entweder. Oder.”

  1. Dr.Wolfgang Scheibelhofer Says:

    Wenn man so auf Fachmann tut sollte man nicht die Zahl 25 mit der 35 verwechseln (Stichwort Bluetooth)

  2. Dr.Wolfgang Scheibelhofer Says:

    Wenn man so auf Fachmann tut sollte man nicht die Zahl 25 mit der 35 verwechseln (Stichwort Bluetooth)
    PS beim Posten behauptet die Software ich hätte dies schon mal gepostet – seltsam…

    • Walter Gröbchen Says:

      Ja, wenn man so auf Fachmann tut, sollte man nicht zweimal dasselbe posten ;-) Im Ernst: das ist nicht passiert. Bitte nochmals den (Online-)Text lesen. In der Zeitung wird der Beitrag fast immer gekürzt. Liebe Grüße!, WG

      • W.Scheibelhofer Says:

        Da der Presseartikel nicht mit „nach einem Blog von Walter Gröbchen“ sondern mit „von Walter Gröbchen“ gezeichnet ist, und da die Adresse Ihres Blogs am Ende des Artikels angeführt ist, liegt es wohl nahe, erstens anzunehmen dass Sie diesen Artikel so wie er in der Presse steht verantworten, und zweitens Reaktionen darauf nicht als Leserbrief an die Presse, sondern im Rahmen Ihrer Internetpräsenz erwarten. Ich würde auch vorschlagen, dass Sie sich den zum Druck vorgesehenen Text vor der Veröffentlichung nochmals selber durchlesen, dann kann so etwas nicht passieren… LG WS

      • Walter Gröbchen Says:

        Lieber Herr Scheifelhofer, Sie haben eh recht. Dazu ließe sich einiges – https://groebchen.wordpress.com/2017/01/14/des-kaisers-neue-konzerthalle/ – sagen, aber gehört werden müsste es auch in der „Presse“-Chefredaktion ;-) Nun: ich wollte die Original-Frage der Musikproduzentin nicht „ausbessern“, weil sie ja ein Bluetooth-fähiges Gerät mit einem Nicht-Bluetooth-fähigen vergleicht (und habe online, wo es einfach mehr Platz gibt, extra auf die Schieflage hingewiesen). Aber darum ging es eigentlich nur sehr am Rande. LG, WG


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