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Lernprozess

18. Januar 2019

MASCHINENRAUM / WIENER ZEITUNG. Der Rennfahrer Walter Röhrl hat eine Meinung zu Elektroautos. Und dann noch eine. Man kann sich von ihm etwas abschauen.

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Ich bin, zugegeben, auf Facebook und Twitter gelegentlich recht provokant unterwegs. Denn: wenn diese Kommunikations-Durchlauferhitzer einen Sinn haben – außer zum manischen Zeit-Totschlagen zu verleiten -, dann ist es die Konfrontation. Die Konfrontation mit anderen Menschen, Meinungen, Standpunkten.

Im schlimmsten Fall gerät man mit Holz- und Hitzköpfen aneinander, die notorische Rechthaberei und apodiktische Binsenweisheit  rasch in Beschimpfungen oder gar Drohungen umschlagen lassen (gottseidank eine Minderheit, die sich solchermaßen selbst disqualifiziert). Man darf derlei Narren (und, nicht selten, auch Närrinen) übrigens durchaus blockieren, wenn einem am eigenen Seelenheil gelegen ist.

Positiv dagegen, trifft man auf klare, doch konstruktive Widerrede – die vice versa zunächst provokant erscheinen mag. Gib’s mir! Nämlich: Argumente, Fingerzeige und Informationen, die sich als denkwürdig im Wortsinn, weil wohlüberlegt, faktisch zutreffend und die Diskussion bereichernd erweisen. Sie wirken dann wie ein Katalysator. Im besten Fall ergibt sich ein wirklicher Dialog, ja mehr: ein Lernprozess.

Ich musste an dieses salbungsvolle Leitmotiv meines Social Media-Zugangs denken, als ich neulich ein kurzes Video postete, das ich irgendwo in den Tiefen von Facebook entdeckt hatte. Zufällig, ich schwör’s! Es zeigt den bekannten deutschen Rallye- und Rennfahrer Walter Röhrl, eine Legende in seinem Metier. Röhrl schimpft darin, angestachelt von einem Motorjournalisten, auf Elektroautos. Durchaus subjektiv wohlbegründet. „Auch nicht uninteressant“, hatte ich den Beitrag provozierend neutral einmoderiert. Mehr hatte es nicht gebraucht.

„Alter weißer Mann!“, hob der Sturm der Entrüstung an. „Soi mit seinem Porsche in Oasch geh’n.“ Die Georg Danzer-Paraphrase erschien aber noch nicht scharf genug. „Automobilsaurus Rex!“ „Megaignorant!“, „Gekaufter Pseudojournalismus!“, „Benzinbruder-Meinungsmanipulationsforum!“ „Bezahlte Vorurteile eines inkompetenten Vollhonks… Und Du verbreitest diesen Schrott auch noch!“ Und ein paar Unhöflichkeiten mehr.

Mein sachter Einwurf, man mache es sich dermassen vielleicht etwas zu einfach, verhallte dröhnend. Ich hatte auch einen – im Facebook-Kontext lässlichen, für einen um Objektivität bemühten Journalisten groben – Fehler gemacht. Und nicht die Quelle des kurzen Videos recherchiert. Mein Posting hatte nur einen kurzen Ausriss gezeigt (worauf mich ein wirklicher Facebook-Freund höflich hinwies). „Für das, was ich unter Autofahren verstehe“, sagt Röhrl da, „wird das Elektroauto nie eine Lösung sein.“ Nachvollziehbar.

Der Treppenwitz an der Sache ist: der Rennprofi fuhr dann auch – im Windschatten von Tesla hochgezüchtete – Elektrorenner von Mercedes und Porsche. Schauen Sie sich die Videos im Netz an, sie sind leicht zu finden: das Staunen des alten Mannes – der körperlich und geistig wohl fitter ist als die meisten seiner Kritiker – spricht Bände.

Dass manch Mitstreiterin und Mitstreiter in diesem lehrreichen Thread lieber über Kleinwagen, Wasserstoffantrieb, den E-Auto-Hype und „toxische Männlichkeit“ debattiert hätte, ist wieder eine andere Geschichte.

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