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Zukunftsmusik!

27. Mai 2020
Entwurf Voodoo_Thomas Unterberger-01-01

Was ist das für eine Wirtschaft?“ So formulierte es ein Freund in einer elektronischen Flaschenpost. „Was ist das für eine Wirtschaft“, lautete die komplette Botschaft, „die nach wenigen Wochen zusammenbricht, weil wir keine Dinge mehr kaufen, die wir nicht brauchen?“ Punkt.

Das nenne ich eine dringliche Frage. Und eine brisante. In Wahrheit stellt sie unser gesamtes ökonomisches System infrage, und die Antworten, die der Konsument – ein ähnliches Fabelwesen wie „der Wähler“ oder „der kleine Mann von der Straße“ – zur Zeit gibt, sind recht unfreundlich. Die Coronavirus-Krise mache uns, lese ich gerade im Netz auf der ORF-Startseite, trotz Lockerungen nachhaltig vorsichtig. Die Pandemie hat den Menschen die Konsumlaune verdorben. Ein sinkendes Haushaltseinkommen, Reisebeschränkungen und ein stark vermindertes Kultur- und Sportangebot lassen das Geldbörsel zu. Respektive die Kreditkarte ungezückt.

Ich sage es offen: im Sport kenne ich mich nicht aus, aber für die Kunst wird das ein Problem. Denn die, die den schönen Spruch im Mund führen, Kunst und Kultur seien ein unabdingbares Lebens-, ja Überlebensmittel, sind leider in der Minderzahl. Wiewohl: können Sie sich Ihren Alltag ohne Musik, ohne Literatur, ohne Bilder an der Wand vorstellen? Freilich stehen in jedem durchschnittlichen Haushalt schon jede Menge Bücher, Tonträger und künstlerisch wertvolle Staubfänger en masse herum – und es gibt wohl nicht wenige, die die letzten Tage genützt haben, um sie abzustauben und neu zu entdecken. Und das mit den Live-Events ist gerade, frei nach Helmuth Qualtinger, „ein Labyrinth, in dem sich jeder auskennt.“

Der Bedarf an noch unbekannten Ideen, Interpretationen und Werken ist dennoch nicht ganz zum Erliegen gekommen. Das ist die frohe Botschaft. Und die Chance für jeden Kreativen: was jetzt Auge, Ohr und Ganglien des Betrachters erreicht, wirkt oft doppelt. Doppelt intensiv, doppelt belebend, doppelt nachhaltig. Der Idealfall wäre ein weit verbreiteter Hunger nach frischen Kulturprodukten. Eventuell verbunden mit einem radikal neuen Denkansatz: was kommt hier wem wie zugute? Unterstützen wir mit dem Kauf eines Buches, eines Bildes oder einer CD Kreative direkt? Agenturen, Verlage, Labels, Buchhandlungen, Record Stores, Galerien? Oder gehts gedankenlos träge und dröge weiter mit der Anfütterung von Amazon, Spotify & Co. (die einmal mehr massiv zu den Krisengewinnern zählen).

Ich habe in eigener Sache einen Vorschlag zu machen: meine Label-Mitstreiter/innen und ich basteln gerade wieder an einer Musik-Compilation. Titel: Wien.Musik 2020. Quasi ein tönendes Jahrbuch der Stadt, ein Querschnitt durch das Beste der lokalen Szene. Wir haben überlegt, ob es Sinn macht, die Reihe in diesem Katastrophenjahr fortzusetzen. Und beschlossen: gerade jetzt!

Weil aber spezielle Zeiten spezielle Massnahmen erfordern, machen wir gleich zwei CDs. Ein handfestes, extra dickes Paket als Statement des Überlebenswillens. Vorbestellbar (und damit auch mitfinanziert) per Crowdfunding.

https://wemakeit.com/projects/wien-musik-2020

Das ist heutzutage der eleganteste und zugleich effizienteste Weg, Interesse, Sympathie und Solidarität zu zeigen, sich selbst und/oder anderen ein Geschenk zu machen und ein neues, bedürfnisorientiertes Wirtschaften zu ermöglichen. Damit wurden schon Nachtlokale gerettet, Kunst- und andere Werke geschaffen, Ideen beflügelt und Visionen materialisiert. 

Der Ton der Zukunftsmusik liegt in unseren Händen.  

Energie! & Grüße allseits. 

P.S.: Die Ausgaben der Vorjahre (ab 2010) sind noch bestellbar – hier: https://www.monkeymusic.at/store 

(Coverfoto WIEN.MUSIK 2020: Thomas Unterberger, Grafik: Christoph Stiller)

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