Posts Tagged ‘3D-Drucker’

Druckerstau

29. März 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (204) 3D-Drucker sind real existierende Science Fiction. Aber derzeit noch nicht wirklich zukunftstauglich.

3DDruck

„Die neueste Sau, die durchs Dorf getrieben wird, heisst „Big Data“. Schrieb ich vor gerade mal zwei Wochen. An dieser Stelle. Aber natürlich sind vierzehn Tage in der hocherhitzten, hypernervösen, news-hungrigen Medienwelt eine verdammt lange Zeit. Zu lang für unsere rapide sinkenden Aufmerksamkeitsspannen. Mittlerweile werden neue Säue im Stundentakt durch neue Dörfer getrieben, deren Namen man sich gar nicht mehr zu merken braucht. Einfach, weil sie gleich wieder durch noch neuere ersetzt werden. Bücher zu aktuellen Technik-Entwicklungen z.B. (und ich meine richtige „alte“ Bücher aus Papier, Rudi Klausnitzer wird mir den Hinweis verzeihen) brauche ich erst gar nicht aus der Buchhandlung oder vom Postamt abholen. Denn: sie sind in der Sekunde veraltet, in der sie die Druckerei verlassen.

Ein Thema aber hält sich mit erstaunlicher Hartnäckigkeit: 3D-Drucker. Es gilt unter Futuristen, Nerds, Science Fiction-Fans und sonstigen Zukunftsgläubigen als ausgemacht, dass uns diese Wundermaschinen eine Alltags-Revolution bescheren werden. Und zwar bald schon. Quasi morgen. Selbst US-Präsident Barack Obama und das New Yorker Museum of Modern Art glauben daran. Sagt jedenfalls die „Kronenzeitung“.

Man muß sich das so vorstellen: per Computer erstellt man eine „Bauanleitung“ für dreidimensionale Objekte (oder lädt sie sich – legal, illegal, scheißegal – aus dem Netz runter), leitet die Informationen an den Drucker weiter und der legt los. Statt Tinte oder Druckerschwärze in Pulverform ist es hier erhitz- und formbares Material von der Plastikspule, Kostenpunkt: ca. 30 Euro / Kilogramm. Das gibt es in allen erdenklichen Farben. Und, ratzfatz!, fällt die gewünschte Schraube, das dringend notwendige Ersatzteil oder der spontan georderte Modeschmuck aus dem Printerschacht.

Langsam werden diese sagenumwitterten 3D-Maschinen – auch Lego hat schon ein Modell am Start – auch für den Hobbybastler erschwinglich. Der „MakerBot Replicator 2“ etwa – für 2250 Euro wohlfeil – ist ein Drucker, der im Gegensatz zu Profigeräten tatsächlich „recht günstig“ erscheint, so das kundige Magazin „c’t Hacks“. Eine Trillerpfeife z.B. lasse sich so für 30 Cent produzieren. Wenn man denn die Druckerkosten selbst nicht einrechnet, wage ich als gestrenger Kostenrechner einzuwenden.

Wer aber braucht schon Trillerpfeifen? Im Moment geht ein wenig die Phantasie mit den Jüngerinnen & Jüngern des Digitalzeitalters durch. Radieschen, Schokoladeosterhasen oder eine Brise Frühling wär’s, was man sich wünschen würde. Oder ein saftiger Sonntagsbraten. Selbst die Meldung, dass demnächst ganze Autos aus 3D-Druckern purzeln sollen, lässt meine Skepsis nicht schrumpfen. Der Prototyp hat fünfzig – noch zusammenzubauende – Einzelteile. Und braucht etwa 2500 Stunden für den Ausdruck. Herrje.

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The Dark Knight Rises

11. August 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (172) Wenn demnächst eine Glock-Pistole aus dem 3D-Drucker rutscht, darf man sich eventuell zu Tode freuen.

Waffen zählen nur bedingt zu den “Spielzeugen”, die der entsprechenden Seite in der Print-Ausgabe der “Presse am Sonntag“ ihren Namen geben – wiewohl hier schon einmal die Geschichte der Kalaschnikow referiert wurde, ohne die geringste Verharmlosung freilich. Waffen gehören in die Hände speziell ausgebildeter, psychisch gefestigter, streng überprüfter Professionisten. Und sonst nirgendwohin. In den USA, dem Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten, sieht man das weithin anders. Dort scheint es ja zu den Verfassungsrechten jedes Bürgers zu zählen, einen Colt im Nachttischladl oder eine Uzi am Beifahrersitz liegen haben zu dürfen.

Nach dem tragischen “Batman-Massaker” in Aurora, Colorado im Juli dieses Jahres – ein offenbar geistesgestörter Täter erschoß zwölf Kinobesucher und verletzte weitere sechzig z.T. schwer – verboten Lichtspieltheater zwar umgehend Masken und Kostüme. Der Staat und seine Organe schwiegen aber beredt zur amerikanischen Gesetzeslage in punkto Waffen. Und zur absurden Hochrüstung der Zivilgesellschaft. Jagen und Schießen seien nun mal Teil des “geschätzten nationalen Erbes”, so Barack Obama.

Ein neues Blutbad in einem US-Kino konnte dieser Tage nur knapp verhindert werden: ein Besucher trug eine geladene Pistole, mehrere Magazine und drei Messer bei sich. “Lediglich zur Selbstverteidigung”, so die Erklärung des Ersatz-Batmans. Eine Argumentation, die die Heerscharen an Waffenfanatikern, Glock-HipHoppern und selbsternannten Hilfssheriffs wahrscheinlich sogar äusserst plausibel finden. Man ist auch nur mässig erstaunt, wenn sich in einem Postpaket anstatt des bestellten Flachbild-Fernsehers ein halbautomatisches Sturmgewehr findet (wie es letzte Woche einem amerikanischen Kunden passiert ist). Die haben die Dinger im Amazon-Zentrallager wohl gehäuft herumliegen…

In wirklich fortschrittlichen Haushalten kommt aber eine zünftige Waffe hinkünftig aus dem 3D-Drucker. Ein US-Pionier hat erst neulich, wie der “New Scientist” berichtete, 200 Schüsse aus einer Pistole des Kalibers 22 abgefeuert, die partiell aus selbst hergestellten Plastikteilen besteht. Den Rest kann man legal und ungehindert zukaufen. Kosten: rund 30 Dollar. “Im Zweifelsfall ist das schwierig zu kontrollieren und zu unterbinden, da die Technologie schnell und unkompliziert fast jedes vorstellbare Produkt erzeugen kann”, so eine 3D-Druckexpertin. “Hier ist die Politik gefordert.” Na dann mal gute Nacht, Vereinigte Staaten.

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