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It ain’t over till it’s over

3. Juni 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (411) Nichts währt ewig. Erst recht nicht in den tiefsten Maschinenräumen der Medienwesens.

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Die letzte Kolumne hierorts schreibe ich mit einer Krücke. Nein, kein Beinbruch. Ich musste einen uralten Laptop aus dem Keller holen, weil mein aktuelles MacBook Pro gerade beim Service ist. Display-Tausch.

Zwar gibt es bereits komplett neue Apple-Notebooks zu jenem Preis, der für diese Reparatur veranschlagt wurde, aber ich hänge an dem Ding (zumal ein Dual-Core Intel i7-Prozessor und eine 512 Gigabyte-SSD-Festplatte technisch immer noch das obere Ende der Fahnenstange markieren). Es hat mich bislang niemals in Stich gelassen – bis vor kurzem lästige Streifen und unschöne Flecken auf dem Bildschirm auftauchten. Ein Phänomen, das in der Fachwelt unter dem Namen “Staingate” bekannt ist – und Apple veranlasste, bei betroffenen Geräten das Display auszutauschen. Kostenlos.

Und hier offenbart sich drastisch der Unterschied zwischen lustlosen (oder schlicht uninformierten) und engagierten Händlern, Reparaturshops und Servicetechnikern. Während die einen nicht einmal einen beiläufigen Blick auf den Schaden werfen und gerade mal “Kostet 750 Euro, eventuell mehr!” hervorpressen, verweisen die anderen auf die Generosität von Apple. Dennoch gilt dieser Gigant bezüglich Händlermargen und Kundenorientierung sonst eher als Knauserant… Wenn also alles klappt und der freundliche Betreiber des Apple-Stores auf der Wiedner Hauptstrasse in Wien noch heute anruft, werde ich ihm ein Eis spendieren. Mindestens.

Was aber, wenn Apple noch reicher werden möchte und ein neues Display regulär (also kräftig überteuert) in Rechnung stellt? Dann könnte es gut sein, dass ich eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstelle, die eher blindwütig ausfällt als rational. Es wäre zumindest das Ende einer Liebesbeziehung. Aber so ist der Weg alles Irdischen. Alpha und Omega. Nichts währt ewig.

Ja, die Endlichkeit… Gerade erst habe ich gelesen, dass es in Hinkunft keine FM4-Soundselection mehr geben soll, jedenfalls auf CD. Vor mir liegt ein Buch, das “Vom Ende des Verkehrs, wie wir ihn kannten” handelt (“Die digitale Mobilitätsrevolution”). Und Tesla-Chef Elon Musk will nicht mehr US-Präsident Donald Trump als Berater dienen. Der, ganz trotziger Trottel, möchte ja bekanntermassen aus dem Weltklimavertrag aussteigen – steht auch das Ende dieses Planeten (exakter: das seiner Bewohner) zur Disposition? Final wahr ist freilich der Satz von Heinrich Heine: „Alles in der Welt endet durch Zufall und Ermüdung.“

Und damit Schluß! Der “Maschinenraum” übersiedelt – danke an “Die Presse” für die langjährige Gastfreundschaft. Und Ihre Aufmerksamkeit.

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Liebhaberwert

29. Oktober 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (383) Erinnert sich noch jemand daran, was ein iPod war? Schade eigentlich, dass Apple ihm keine Zukunft zudenkt.

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Diese Kolumne kommt allmählich in ein Alter, in dem man schon ins eigene Archiv hinabsteigen kann, um fündig zu werden. Zumal mein persönlicher Blog – zu erreichen  unter groebchen.wordpress.com – bis ins vorige Jahrhundert, ja Jahrtausend zurückreicht.

Hier finden sich nicht nur alle 383 bis dato erschienenen „Presse am Sonntag“-Beiträge (übrigens oft in erweiterter Form und durchwegs mit hilfreichen links versehen), sondern auch Artikel, Glossen und Texte aus jenen Jahren, in denen ich Journalismus vorrangig als probates Mittel betrachtete, um den Geheimnissen des Wirtschaftslebens auf die Spur zu kommen.

Der erste Eintrag, der das Stichwort „iPod“ enthält, datiert vom Februar 2002. Ich habe das recherchiert, weil Apple dieser Tage glatt den 15. Geburtstag seines einst revolutionären MP3-Players vergessen hat. Am 21. Oktober 2001 lancierte der heutige Konzerngigant, der damals noch ziemlich in der Krise steckte, jenes Gadget, das die Musikindustrie auf den Kopf stellen sollte. Einerseits, weil es ungeniert das verfemte Piraten-Format MP3 kommerziell nutzte, anderseits, weil damit die weitere Entwicklungsschiene – über den 2003 eröffneten iTunes Music Store bis zum ersten iPhone anno 2007 – quasi vorgezeichnet war.

Mit der explosionsartigen Vermehrung von Smartphones wurde ein reines Musikabspielgerät jedoch zunehmend obsolet. Dennoch trauere ich dem iPod – ich besitze immer noch drei Exemplare, darunter einen „Classic“ mit 120 Gigabyte-Festplatte und freilich auch den Erstling, der wahrscheinlich schon Liebhaberwert hat – nach.

„Ich liebe die Idee, meine gesamte Plattensammlung im Hosensack mir mir herumzutragen“, schrieb ich vor vierzehn Jahren. „Und ich bin gerne bereit, für qualitativ hochwertige MP3-Kollektionen zu bezahlen.“ Von Spotify, Apple Music, Deezer & Co. – und Streaming generell – war damals noch keine Rede. Es ist witzig und traurig zugleich, die trägen (und teilweise absurd falschen) Reaktionen der Chefetagen von Universal, Sony, Warner Music & Co. nachzulesen. Davor ist übrigens auch Apple nach dem Ableben seines Gründers Steve Jobs nicht gefeit: der Konzern beschränkt sich auf die Fortschreibung des Erwartbaren.

Darf ich mir als Konsument mit Ausblick auf 2017 etwas wünschen? Ein auf Musikgenuss pur spezialisiertes iPhone nämlich. Eines, das für die Post-MP3-Ära (also das Abspielen von HiRes-Files) optimiert ist. Extra edel gestaltet. Mit exklusiver Abspielsoftware. Soundtechnisch höchstwertigem Innenleben. Mit altertümlichen Kopfhörer-Anschluß. Idealerweise auch mit SD-Karten-Speicherweiterung. Meinetwegen aber ohne Telefonfunktion.

Womit wir wieder – zurück in die Zukunft! – beim iPod gelandet wären.

Aber hallo!

5. Oktober 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (379) Apple-Computer waren einst revolutionär, schick und sauteuer. Heute macht uns das doppelt sentimental.

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„Hello again.“ So wird man gleich beim Eingang einer kleinen, feinen Ausstellung begrüsst, die dieser Tage in Wien stattfindet. Sie trägt den launigen Titel „40/20“ – was einerseits auf den Gründungszeitpunkt des Digital Lifestyle-Giganten Apple anspielt (vor vierzig Jahren in einer Garage in Cupertino, Kalifornien, USA – oder auch nicht), andererseits auf das zwanzigjährige Firmenjubiläum des namhaften hiesigen Apple-Händlers Tools At Work verweist.

Dass „40/20“ in den Räumlichkeiten der sozial engagierten Upcycling-Werkstätte Gabarage in der Schleifmühlgasse in Szene geht, ist – jenseits jeder Sentimentalität ob einer einstmalig revolutionären StartUp-Klitsche – ein feiner Kontrapunkt zur Ankündigung von Apple, demnächst den ersten österreichischen Produktpräsentations-Protzpalast (neudeutsch: Flagship Store) eröffnen zu wollen. In der Kärntner Straße, wo sonst.

Zurück zur Ausstellung. Zu sehen sind zahlreiche Geräte und Designer-Stücke aus vier Jahrzehnten Computergeschichte – nicht ausschliesslich von Apple, sondern auch von NeXT, dem kurzzeitigen Firmen-Intermezzo des Visionärs Steve Jobs. Man steht also staunend vor dem selten gesichteten schwarzen NeXT-Kubus – dessen Softwarearchitektur anno 1989 die Grundlagen für das heutige Mac-Betriebssystem OSX lieferte –, und schon eilt der Ideenspender und Kurator der Ausstellung herbei, um einen Power Mac G4 Cube aus dem Jahr 2000 danebenzustellen. Dann einen MacMini aus dem Jahr 2005. Letztlich kommt ein aktuelles iPhone obendrauf.

Was uns der gute Mann namens Gerhard Walter – man kennt ihn in der Szene unter dem Kürzel „GeWalt“ – damit verdeutlich, ist: die Leistungsstärke der Geräte nahm (und nimmt) in jenem Maß zu, in dem ihr Volumen schrumpft. Was Teenager heute ganz selbstverständlich an Computerpower in ihrer Hosentasche mit sich herumtragen, wäre uns Apple-Jüngern der achtziger und neunziger Jahre noch wie Science Fiction erschienen. Oder, mehr noch: wie durchgeknallte Fantasy.

Noch interessanter als all die liebevoll zusammengetragenen Geräte – ist es wirklich schon so lange her, dass man sie ausgemustert hat? – sind aber jene Artefakte, die man in der Regel rascher und gründlicher entsorgt als massive Hardware: Bedienungsanleitungen, Prospekte, Werbematerialien, Zeitschriften und Firmenunterlagen jener Zeit. Sie künden von erstaunlicher Naivität, unbedingtem Fortschrittsglauben und freilich auch von Mondpreisen, die man für ein paar Megabyte zu zahlen bereit war.

Ich muss mal bei Herrn Walter ernsthaft nachfragen, ob wir alle einst so jung waren. Und das Geld nicht brauchten. Hello again.

Linsengericht

10. September 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (376) Gerade noch war das Huawei P9 das beste Kamera-Smartphone am Markt. Aber die Zeit steht nicht still.

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Meine Behauptung war ja: es gibt (fast) nur mehr einen Grund, ein teures Smartphone zu kaufen – die Qualität der Kamera.

Insofern hat mich bei meinem aktuellen Testgerät, einem Huawei P9, vorrangig die Güte und Schärfe der mit ihm geschossenen Fotos und Kurz-Filmchen interessiert. Das Handy des chinesischen Herstellers, der mit grossem Werbeaufwand den dicht besetzten Markt aufzurollen versucht, besitzt ja als Alleinstellungsmerkmal eine Summarit-Dual-Linse (H 1:2.2/27 ASPH, 2 x 12 Megapixel) des Edeloptik-Garanten Leica. Dank kombiniertem RGB- und Monochrom-Sensor werde deutlich mehr Licht eingefangen, ob eines spezialisierten Bildsignalprozessors die Fokussierung und Datenverarbeitung beschleunigt und verbessert. Sagt jedenfalls der P9-Prospekt. Und verkündet gar die „Neuerfindung der Smartphone-Fotografie.“

Mein Fazit nach mehrwöchigem Gebrauch lautet: ganz falsch ist das nicht. Die Bilder sind tatsächlich knackig scharf, sehr farbstark und fast schon überpräzise anmutend in der Gesamtwirkung. Sie lassen sich ordentlich aufblasen, ohne dass Schwachpunkte und Artefakte sichtbar werden. Die zugehörige App wurde ebenfalls gemeinsam mit Leica entwickelt und gefällt mit seiner reduzierten, ergebnisorientierten Struktur. Qualitätsvergleiche mit zwei weiteren High End-Geräten – einem Apple iPhone 6 und einem Samsung Galaxy S7 – sprechen klar für das Modell von Huawei, das da und dort schon für unter 500 Euro angeboten wird. Es sieht ganz danach aus, als hätten die Weissmäntel im Entwicklungslabor in Shenzhen ganze Arbeit geleistet.

Und dann springt plötzlich wieder der alte Platzhirsch Apple ins Bild. Mit Anlauf. Und dem brandneuen iPhone 7 im Talon. Lassen wir mal die Diskussion um zwanghaft innovativen (?) Lightning-Kopfhörer-Anschluss beseite. Die „Super-Kamera“ („Stern“) der Siebener-Generation ist jedenfalls ein ernsthaftes Argument: 12 Megapixel, Blende 1,8, Blitz aus vier LEDs, optischer Zweifach-Zoom und Bildstabilisator, 4K-Videos. Zweifach-Linsen – die Tiefenschärfe-Manipulationen jenseits der Spiegelreflexkamera-Elite ermöglichen – scheinen sich übrigens, wenn das so weitergeht, zum Trend auszuwachsen. Denn eines ist klar: Samsung, LG, Sony, Microsoft & Co. werden nachziehen (müssen). Oder an Terrain verlieren.

Bleibt die Frage: ist eine superbe Schnappschuss-Kamera mit dem üblichen Telefon-Beiwerk eigentlich das Geld wert, wenn ich mit einem Smartphone vorrangig telefonieren möchte? Meine Antwort: doch, ja. Denn die allerbeste Kamera ist nun mal die, die man im entscheidenden Augenblick dabei hat.

Fortsetzung folgt

21. Februar 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (349) Leser-Feedback ist durchaus erwünscht. Es sollte tunlichst kundig und konstruktiv sein.

Apple

Ein Leser hat sich bitterlich über diese Kolumne beschwert. Ohne Umwege direkt bei der „Presse“-Chefredaktion. Was ich, sorry!, eher unsympathisch finde. Man lernt schon in der Volksschule, dass man nicht gleich zum Direktor läuft, wenn es Zoff gibt.

Was aber magerlte den Leserbriefschreiber? Erstens: Apple-Bashing. Nun kamen letztwöchig eine Technik-Redakteurin und ich ganz unabhängig voneinander zum selben Schluss: das US-Unternehmen setzt, Stichwort „Error 53“, beinahe erpresserisch auf die Loyalität seiner Kunden. (Anm.: Apple hat hier mittlerweile reagiert.) Andererseits trudelte diese Woche eine Meldung ins Haus, Apple befinde sich gerade im Krieg mit dem FBI, um iPhone-User gegen Dateneinsicht und Spionage-Hintertüren zu schützen. Respekt! Wenn Sicherheit nicht nur eine leere Phrase, sondern tatsächlich ein hohes Gut ist, soll das keinesfalls unerwähnt bleiben.

Nebst einem Hinweis auf einen enorm bedenkenswerten Umstand: Staaten scheinen die schutzwürdigen Interessen ihrer Bürger inzwischen weniger zu vertreten als transnationale, progressiv (?) denkende Konzerne. Hier befindet sich der grösste Konzern der Welt im Konflikt mit dem mächtigsten Staat des Planeten. Das birgt Konfliktstoff sondergleichen.

Und dann war da noch der Vorwurf einseitiger Berichterstattung. Weil ich es gewagt hatte, aus einer schier unüberblickbaren Reihe von Registrierkassenlösungen – das Thema beschäftigt mich seit Herbst des Vorjahres – eine Software explizit herauszuheben. Sofortiger Rückschluß: Freunderlwirtschaft. „Zur Wahrung der Objektivität und Seriosität“ wurde mir ein Besuch der Web-Adresse http://registrierkassen-test.info anempfohlen. Nun: danke für den Hinweis! Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben, Anbieter und Produkte wenn auch nicht auf Herz und Nieren zu testen, so doch übersichtlich aufzulisten. Aber schon die erste rasche Nachschau ergibt, dass populäre Produkte wie Offisy nicht angeführt werden. Weil sie kostenlos sind?

Ich hatte ja erwähnt, dass mir Registrierkassen-Anbieter, die teure Lizenzen, Wartungspauschalen sowie monatliche Nutzungs- und Servicegebühren verlangen, eher gestohlen bleiben können. Zuviele „middlemen“ hängen sich inzwischen in die Ertragsleistung von Betrieben, von Kreditkartenunternehmen bis zu Internet-Dienstleistern. Muss da auch noch meine eigene Kasse gegen mich arbeiten?

Ich denke: nein. Und bin weiter offen für Empfehlungen, was preiswerte, taugliche und elegante gesetzeskonforme Kassensysteme betrifft. Fortsetzung folgt.

Apfelmus(s)

14. Februar 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (348) Apple betreibt ungeniert Gewinnmaximierung. Man kann das clever finden – oder auch herzlich unsympathisch.

Apple iPhone Fingerprint

Vorweg: ich bin alles andere als ein Apple-Hasser. Im Gegenteil. Seit vielen Jahren, ja Jahrzehnten nutze ich Produkte aus Cupertino, Kalifornien mit Vergnügen. Und ich war (und bin) auch gerne bereit, für eine merkbar bessere Usability, ein elegantes Design und jede Menge cleverer Detaillösungen einen höheren Preis zu bezahlen. Weil sich die Qualität von Werkzeugen – und jeder PC, jeder Laptop, jedes Tablet oder Smartphone ist ein Alltags-Tool – rasch bezahlt macht. Und Billig-Schmarrn zu oft eben nichts anderes ist als letztlich doch teurer Schmarrn.

Zunehmend schleicht sich aber in die Gefühlslage des treuen und zufriedenen Kunden ein unbehaglicher Misston ein. Dafür verantwortlich: allerlei Änderungen und Neuerungen, die zu denken geben. Mal ändert Apple einen Anschluss, so dass das Zubehör früherer Gerätegenerationen nicht mehr passt. Mal lässt man durchblicken, dass man die geliebten Kopfhörer (nein, nicht die Beipackdinger) demnächst nicht mehr ohne Adapter wird verwenden können. Eigenmächtiger Batterietausch? Speicher-Aufrüstmöglichkeit? Kompatibilität zu anderen Systemen? Nada.

Die klaustrophobische Geschlossenheit der Apple-Welt sowohl hard- wie auch softwareseitig hat man längst verinnerlicht, eventuell gar zum Bonus erklärt. Und es gibt ja auch einen unleugbaren Vorteil: Sicherheit. Apple-User werden deutlich weniger von Viren bedrängt, ständigen Abstürzen geplagt oder von kuriosen Apps verhohnepippelt als der Rest vom Fest. Dass der Konzern – mittlerweile „nur mehr“ auf Rang zwei der finanzstärksten Giganten weltweit – als Nebeneffekt eine perfekte geschlossene Verwertungskette zu schaffen sucht, liegt in der Natur eines börsennotierten Unternehmens.

Aber jetzt ist allmählich der Punkt erreicht, wo sich all die Schlaumeierei gegen den Konsumenten wendet. Und damit gegen den Erfinder selbst (Apple ist mittlerweile extrem von iPhone-Umsatzkurven abhängig). Ein ominöser potentieller „Error 53“ verbietet es, den „Home“-Button der neuesten Generation des prototypischen Smartphones beim Türken ums Eck reparieren zu lassen. Es muss eine garantiert teure, autorisierte Werkstatt sein. Nun: wer Sorge um seinen elektronischen Fingerabdruck hat, versteht das. Aber mein Stockholm-Syndrom als Apple-Fanboy ist nicht so ausgeprägt, dass ich mich unter allen Umständen freiwillig, ja freudig knebeln und fesseln lasse.

Update: Apple hat ein Einsehen – und macht seine Entscheidung rückgängig

Schweigeminute

24. August 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (325) Die digitale Sphäre ist ein idealer Durchlauferhitzer für Medien-Aktionismus. Aktuelles Beispiel: die „Schweigeminute (Traiskirchen)“.

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Ich hoffe, Sie verzeihen mir, dass ich diese Kolumne rasch und beiläufig formuliere. Ich habe gerade Besseres zu tun. Im wahrsten Sinn des Wortes.

Im Augenblick versuche ich herauszufinden, wie die zuständigen Ansprechpartner bei Apple und Amazon heissen. Und wie man sie an einem Freitagnachmittag erreichen könnte. Denn ich möchte versuchen – ahnend, dass ich damit scheitern werde –, diesen Giganten der digitalen Welt von einem grossen Wunder im kleinen Österreich zu erzählen. Und sie dazu zu bewegen, ihren Teil dazu beizutragen. Das kostet die Konzerne eventuell ein paar Euro, bringt dafür aber jede Menge Aufmerksamkeit. Und Respekt.

Es ist so: vor ein paar Tagen wurde ein junger Mann bei uns im Büro vorstellig. Ein Künstler, der eine Idee hatte. Wie wäre es, dem lauten Getöse und Getriebe des Alltags und dem lärmenden Hickhack der Politik und Medien etwas entgegenzusetzen? Und zwar gezielt in der akuten Frage der Flüchtlichtlingswelle und des beschämenden Umgangs damit. Der Mann heisst Raoul Haspel, sein Vorschlag ist mittlerweile auf Platz eins der Download-Charts gelandet. Und wird wohl bald auch, dazu muss man kein Wahrsager sein, die offizielle Ö3 Top 40-Hitparade erobern.

Zu hören ist – nichts. „Schweigeminute (Traiskirchen)“ ist kein Song, der Robin Schulz, Sido oder Helene Fischer Konkurrenz machen will. Er zwingt uns nur zu einem kurzen, irritierenden Moment des Nachdenkens. Nebeneffekt: die Einnahmen aus dem Download der Sechzig Sekunden-Stille gehen an Organisationen, die im Flüchtlingslager Traiskirchen mehr bewirken können und wollen als der träge Staatsapparat Österreichs.

Das Echo war – und, ja, ich gebe zu, als Medien-Profi und Labelbetreiber hat mich das auch überwältigt – enorm. Von der „ZiB“ bis zur „Zeit“, vom „Spiegel“ bis zur „FAZ“, von der BBC bis zu „Le Monde“ gab und gibt es breite Berichterstattung. Natürlich tauchten auch gleich kritische Stimmen („Eigenwerbung!“) und wissende Spötter auf, die meinten, Raoul Haspel hätte seine Idee bei John Cage („4’33“), der Schweizer Caritas oder sonstwem geklaut. Es gibt aber kein Copyright auf Schweigen, wie lang es immer dauern mag. Und die digitale Moderne mit ihren ultrakurzen „Click/Like/Share/Buy“-Um- und Durchsetzungs-Halbzeiten ist ein wunderbarer Durchlauferhitzer für positiven Aktionismus dieser Bauart…

Pardon, grad’ läutet das Telefon! Ich hoffe, die Corporate Social Responsibility-Abteilung von Amazon oder Apple ist dran. Wir hören uns (nicht).

Überraschungseffekt

1. August 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (322) Muss es immer ein Apple iPhone sein? Die Antwort darauf fällt überraschend eindeutig aus.

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Im Urlaub tat mein iPhone plötzlich keinen Mucks mehr. Es liess sich nicht mehr laden, nicht mehr starten, kurzum: nicht mehr sinnvoll nutzen.

Nun besitze ich noch ein Modell – unter Insidern: ein 4S –, das Lifestyle-Aposteln und Gadget-Freaks wahrscheinlich längst als obskures Museumsstück erscheint. Es ist aber keine vier Jahre alt, äusserlich noch gut in Schuss und hat mir bislang treue Dienste geleistet. Ob sich die Reparatur des Teils noch lohnt – wahrscheinlich ist ja nur der Akku ex –, werde ich wohl in Kürze wissen. Ich frage da inzwischen doch lieber den verschmitzt lächelnden Shopbetreiber ums Eck als den offiziellen Apple-Service, der für Routine-Handlangungen ungeniert Apothekenpreise verrechnet.

Um die Zeit zu überbrücken, wo mir das Gerät nicht zur Verfügung steht, habe ich ein Ersatzhandy erstanden. Ja, ich gestehe: ein Billig-Teil mit Android-Betriebssystem (Version 5.0.1 „Lollipop“) namens LG Leon. Das Ding sieht zwar klar weniger wertig aus als ein iPhone (doch keinesfalls unedel), kostet aber auch tatsächlich nur einen Bruchteil des Prestige-Bombers. Keine 130 Euro nämlich.

Was mich nun echt überrascht hat – man merkt meine Marktferne und Interessenlosigkeit, was den ewigen Strom neuer und neuester Handy-Marken und -Modelle betrifft –, war die Qualität des LG. Und die Ausgereiftheit von Android (die man als Apple-Jünger ja gern ungeschaut leugnet). Das Mobiltelefon kann alles, was man braucht und auch alles darüber hinaus, was man längst gewohnt ist von Smartphones. Das Display ist ausreichend hell und scharf, die Bedienung flüssig, die Kamera passabel. Die Sprachqualität ist besser als beim alten 4S. Das Leon beherrscht auch LTE, und, ja, es ist ein wahrer Segen, auf Standard-Netzteile (Micro-USB) und einen Slot für SD-Erweiterungskarten (Apple, schau oba!) zugreifen zu können. Mit den 8 Gigabyte On Board-Speicher kommt man klarerweise nicht weit.

Das ist übrigens der Grund, warum ich das betagte iPhone nochmals zum Leben erwecken will: die darin fix verbauten 64 Gigabyte Speicher haben damals richtig Geld gekostet. Vielleicht reichts ja noch zur Zweitkarriere als überqualifizierter iPod. Denn ich überlege ernsthaft, das LG Leon als Erstgerät zu behalten.

Eventuell sollte man öfter konservative Komfortzonen verlassen und neue Hard- und Software testen? Den Sparstrumpf freut’s wohl. Ich geh’ jetzt und werf’ mal einen Blick auf das neue Windows 10. Oder gar Linux als ewige Alternative.

Last Man Standing

19. Juli 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (320) MP3, das Format, das die digitale Musikrevolution beflügelte, ist zwanzig Jahre alt. Und sieht immer noch einigermassen frisch aus.

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Da kann Neil Young noch soviel wettern und zetern: er wird den digitalen Geist im gegenwärtigen Musik-Business nicht mehr in die Flasche zurückzwingen.

Ganz unrecht hat die knorrige Rock’n’Roll-Legende ja nicht, wenn sie von „the worst quality in the history of broadcasting or any other form of distribution“ spricht, also dem Status Quo der vielen Download- und Streaming-Services, die die CD dennoch längst alt aussehen lassen. Youngs Fazit: er zieht sein Ouevre von Spotify, Apple Music, Deezer & Co. ab. Spötter meinen ja, der „Heart of Gold“-Schöpfer höre selbst wohl nicht mehr richtig – denn nur wenigen Feingeistern gelingt es, den Unterschied zwischen 320kbit-MP3-Files und höherwertigen Quellen präzise zu orten – und er wolle wohl den von ihm mit entwickelten „Pono“-Player promoten.

Wie immer auch: die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Streaming ist auf dem Vormarsch. Quasi unaufhaltbar. In diesem Zusammenhang registriert man mit Erstaunen, dass das dafür wesentliche Audio-Format – MP3 – mittlerweile den zwanzigsten Geburtstag feiert. Es war ausnahmsweise nicht Silicon Valley, wo die Audio-Revolution seinen Ausgang nahm, sondern eine Arbeitsgruppe am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen in Deutschland unter der Leitung von Prof. Karlheinz Brandenburg. Was man im Sinn hatte, war eine brauchbare Audio-Qualität bei der Übermittlung digitalisierter Töne via Internet. Was nach jahrelanger Tüftelei herauskam, hatte für Musikbranche die „Sprengkraft einer Atombombe“, wie es das Avantgardemagazin „de:bug“ beschrieb.

Ich erinnere mich noch haargenau daran, dass ich 1998 in einem „Zeit“-Artikel das Thema erstmals aufgriff – und unter Kollegen (ich arbeitete damals in Hamburg als Manager für die Plattenfirma MCA) nur Hohn und Spott erntete. „Das ist doch nur etwas für Computer-Nerds!“, so der Tenor. „Wie soll so etwas die prächtige, mächtige Musikindustrie gefährden?“

Nun: binnen weniger Jahre ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Zwar gibt es immer noch silbrig glänzende Compact Discs und einen bemerkenswerten Vinyl-Retro-Hype, aber allein der Umstand, dass Apple nochmals einen neuen iPod auflegt, wird schon staunend belächelt. Und Neil Young wird, so meine Prognose, auch nicht auf ewig der „Last Man Standing“ inmitten des Mainstreams des Musikvertriebs sein (was sich freilich in verschiedene Richtungen deuten lässt).

Um Audio-Qualität geht es ja bei dieser Diskussion, auch wenn Young und andere Prediger anderes verkünden, eher nicht. Ungelöst sind inmitten des Streaming-Hypes dagegen wesentliche Fragen: wie sollen Künstler/innen in Zukunft gerecht bezahlt werden? Werden sich Fans an Abo-Modelle gewöhnen? Werden Spotify & Co. je profitabel sein? Kann man überhaupt noch von einer Musikindustrie sprechen? (und hätte eine negative Antwort nicht auch positive Implikationen?) Und: wie lange wird es dauern, bis auch das Format-Kürzel MP3 vergessen sein wird?

Märchenstunde

27. Juni 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (317) Was kann „Apple Music“, was die Konkurrenz nicht kann? Uns taxfrei rührige Märchen erzählen.

Apple Deal

Sie wollen ein modernes Märchen hören? Gerne doch.

Es geht so: der reichste Konzern der Welt möchte noch mehr Geld verdienen und startet ein neues Service. Es nennt sich „Apple Music“ und fungiert, nomen est omen!, als technische Plattform, die weltweit Musikproduzenten (also Musiker/innen und ihre Labels und Verlage) mit Konsumenten und Fans verbindet. Per Streaming. Was schlichterweise bedeutet, dass es keine Handelsware mehr gibt – nicht einmal mehr schnöde Datenpakete, die dauerhaft gespeichert werden*). Dafür aber ein Abonnement, das Zugriff auf eine schier unschöpfliche Datenbank bietet. Quasi die grösste virtuelle Jukebox der Welt.

Blöderweise gibt es dieses Service schon. Mehrfach. Der Platzhirsch heisst „Spotify“ und erfreut sich auch hierzulande wachsender Beliebtheit. Was wird nun Apple als Konkurrent, der mit Verspätung in den Markt drängt, anders, frischer, besser machen? Kurz gefasst: kaum etwas. Um aber dennoch für Aufhorchen zu sorgen, hatten die Marketing-Experten in Cupertino, USA eine forsche Idee: eine dreimonatige Gratis-Testphase für jedermann, der das Angebot unter die Lupe nehmen möchte. Die Sache hatte einen Haken: nicht nur der Plattform-Betreiber wollte an dieser Aktion nichts verdienen, sondern auch die Lieferanten sollten es nicht. Sie hätten ihre Musik dem Giganten Apple kostenlos zur Verfügung stellen sollen.

Es kam, was kommen musste: ein Aufschrei. Zuerst schreckstarr leise, dann immer lauter. Labels, Vertriebe, Interessensverbände und nicht zuletzt die Urheber erhoben Protest. Apple zeigte sich ungerührt, ja trotzig. Dann aber – und hier gleitet die Story ins Märchenhafte ab – meldete sich Taylor Swift zu Wort. Ein weiblicher Pop-Star, jung, schön, charismatisch. Und mit Millionen Followern auf Facebook und Twitter verbunden. „Wir bitten Sie nicht um kostenlose iPhones“, liess sie Tim Cook und sein Streaming-Team wissen. „Bitte verlangen sie von uns nicht, dass wir unsere Musik ohne Gegenleistung zur Verfügung stellen.“

Die Botschaft wurde erhört. Apple schwenkte plötzlich um. Die gute Fee Swift lobt, pardautz!, den vormaligen Bösewicht nun lautstark. Und lässt ihr neues Album „1989“ exakt hier exklusivSpotify darf sich aus der Ferne grämen, Swift hatte schon vor Monaten ihr Repertoire zurückgezogen – vertreiben.

Mein Instinkt sagt: etwas an dieser Geschichte ist faul. Oberfaul. Aber die Welt will nun mal Märchen hören. Am liebsten per kostenlosem Audio-Stream.

Anm.: *) Apple Music bietet – via iTunes Store – eine „Buy“-Funktion, die dauerhaftes Abspeichern ermöglicht.

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