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Blue, Blue, Electric Blue

27. Mai 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (410) Gibt es „ultimative“ Gerätschaften? Eine Frage, die insbesondere die Audio-High End-Gemeinde plagt.

McIntosh VU-Meter

Ich habe es getan. Und zugeschlagen. Es mag hart klingen, aber: worauf soll ich warten? Irgendwann will man es wissen. Ob es nämlich soetwas wie das ultimative, finale, endgültige Gerät gibt. Auch wenn man die Antwort schon kennt: nein, gibt es nicht.

Aber es gilt, die Grenzen auszuloten. Die Grenzen des technisch Machbaren (hier geht immer noch mehr). Und die Grenzen des individuell Leistbaren (hier geht tendenziell eher weniger). Aber es tut gut, etwas im Haus zu wissen, an dem sich alle sonst verfügbaren Verstärker, Receiver, Aktivboxen, PAs und sonstige Audio-Krücken messen lassen. Und messen lassen werden müssen.

Es ist so: ich habe einen McIntosh MA 6900 erstanden. Das ist – Kennern aus der HiFi-Gemeinde muss man’s nicht erklären, sie bekommen automatisch wässrige Augen – ein Verstärker des US-Traditionsherstellers McIntosh Laboratory Inc. in Bighamton, New York. Ja, einer jener Boliden mit den herstellertypischen, blau leuchtenden VU-Metern!

Der MA 6900 ist bei weitem nicht das mächtigste und teuerste Teil dieses Fabrikanten, aber es sollte – um die Diktion des Autoherstellers Rolls-Royce aufzugreifen, der einst die Motorleistung seiner Fahrzeuge nobel-zurückhaltend als „ausreichend“ deklarierte – genügen. Zudem wird es nicht mehr gebaut (es muss mich also niemand der Schleichwerbung verdächtigen), gilt aber bereits als Klassiker.

Der gegenüber dem ursprünglichen Preis verlangte Obolus, der den Audio-Durchlauferhitzer gerade noch leistbar macht, ergibt sich aus seinem Second Hand-Status und dem Liebhaberwert. Jedenfalls muss sich der Vorbesitzer, der meinte, er wolle den 41,7 Kilogramm schweren Mac „nur in gute Hände legen“, nicht den Kopf zerbrechen über seriöse Zukunftsaussichten.

Ob ich enttäuscht werde oder nicht, wird sich weisen. Erst neulich habe ich gegenüber einem – ebenfalls vom Vintage-HiFi-Virus befallenen – Freund betont, die eigentliche Befriedigung liege darin, exzellente Musikwiedergabe mit tunlichst kostengünstiger Hardware zu erreichen. High Fidelity ist (und gleich hebt wohl das Geheul der Zahlenfetischisten und High End-Esoteriker an) zu sehr von äusseren Umständen – etwa der Aufnahme, der Raumakustik oder dem persönlichen Hörvermögen – abhängig und die Kombination verschiedenster Geräte ein geradezu alchemistisches Experiment und Glücksspiel, dass sich allein aus dem Preis, der Wattzahl und dem Ruf eines „legendären“ Verstärkers kaum etwas ableiten lässt.

Ich werde Sie jedenfalls vom Grad meiner Befriedigung unterrichten (eben auch, weil der Verstärker als Messlatte für aktuelles Equipment dienen soll). Es wird nur andernorts nachzulesen sein als an dieser Stelle. Ich geh’ jetzt mal den McIntosh anwerfen.

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Die Rache des Digitalen

11. April 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (403) Wenn schon Audio-Streaming, dann mit den richtigen Geräten – hier zwei aktuelle Highlights.

Streamer

Natürlich ist es für einen kolumnistisch aktiven Funkberater nicht der Weisheit letzter Schluß, wenn am Ende einer Betrachtung herauskommt, dass jeder nach seiner Facon glücklich werden möge.

Zumal, wenn man danach trachtet, nicht einfach nur schöngeistig vor sich hin zu philosophieren, sondern auch tunlichst handfeste und sachdienliche Hinweise zu geben. Davon lebt ja eine ganze Sparte des Technik-Journalismus: das jeweils beste, praktischste, preiswerteste Angebot am Markt zu identifizieren. Und möglichst spannend und kundig zu beschreiben.

Insofern will ich meine vorwöchige Epistel – Sie erinnern sich? Es ging um die schwierige Entscheidung, ob man denn nun zwecks persönlichen Musikgenusses endgültig auf Streaming umsteigen solle – nachbessern. Vorweg aber noch ein Erkenntnis, die ich der Lektüre des druckfrischen Buches „Die Rache des Analogen“ von David Sax (Empfehlung!) abgerungen habe: es geht in unserer heutigen Konsumwelt fast ausschliesslich um Lustgewinn.

Kurioserweise lässt sich dieser immaterielle Faktor nicht zwingend mit dem Grad erhöhter Bequemlichkeit verknüpfen (eine Domäne des Digitalen!) – bisweilen eher mit dem Gegenteil. Wer würde sonst anno 2017 altertümliche Vinylscheiben aus Papierhüllen holen und umständlich auf einem Plattenspieler applizieren wollen?

Genug sinniert. Frägt man mich nach probaten, zeit(geist)gemässen Streaming-Tools, habe ich auch ein paar Tipps auf Lager. Den Boomster XL der Berliner Firma Teufel etwa. Das ist so ziemlich der mächtigste Ghettoblaster am Markt, den man via Bluetooth mit dem Smartphone oder Tablet bespielen kann. Es gilt die alte Rock’n’Roll-Regel: Volumen kann durch nichts ersetzt werden („Der Teufel Boomster XL ist anders als der nette Bluetooth-Lautsprecher von nebenan“, beschreibt es netzwelt.de).

Dass man mit diesem Monster (am Netz oder per Akku) auch angenehm füllig tönenden Radiosprechern lauschen oder eine Spontan-Party beschallen kann, liegt auf der Hand. Ratschlag: wenn Sie ein gerade noch mobiles – zehn Kilo! – Zweitgerät für den Schrebergarten erwerben wollen, hören Sie sich den XL-Boomster an. Teufel auch! Klingt fast nach einer ernsthaften Stereoanlage. Und das ist nicht nichts.

Apropos Stereoanlage: da gibt es immer mehr eierlegende Wollmilchsäue am HiFi-Hardware-Markt. Und das zu wirklich erschwinglichen Preisen. Den Verstärker NC-50DAB von Pioneer etwa, der zugleich CD- und Network-Player ist, so ziemlich jedes Format und jeden Streaming-Dienst (außer Apple Music) abspielen kann und auch den Anschluß eines Plattenspielers zulässt. Früher hat man dazu Kompaktanlage gesagt – zwei Lautsprecher angehängt und alles ist spielbereit. Ich habe das Gerät gerade im Test. Und, ja, es klingt erstaunlich erwachsen.

Richtig warm werde ich mit den Digitaldingern aber immer noch nicht. Obwohl sie alles richtig machen. Kann es sein, dass mein Lustzentrum nach Fehlern, Kompliziertheit und ewiger Herumgschistelei verlangt?

Hörtest

25. Februar 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (398) MQA heisst der neue Fetisch für HiFi-Freunde. Aber bringt er wirkliche Klangverbesserung?

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Wer schlagartig schlechter hört, weiß um den Wert eines intakten Gehörorgans. Jedenfalls hängt im weiten Reich der Musikreproduktion so unendlich viel nicht von teuren HiFi-Geräten, armdicken Kabeln und technischem Schnickschnack ab, sondern von der Raumakustik. Und, mehr noch, von der höchstpersönlichen Befindlichkeit.

Schon ein Schnupfen kann einem die beste Aufnahme vermiesen. Ein freundlicher Hals-Nasen-Ohren-Arzt sagte mir neulich, ich möge mich vergleichsweise glücklich schätzen, weil ich immer noch besser dran sei als die meisten aktiv musizierenden Mitmenschen („Darunter viele Philharmoniker!“). Gegen den Gebrauch von Kopfhörern – ich teste gerade intensiv Sonys MDR-1000X – hatte er nichts einzuwenden. Das gibt Hoffnung.

Aber werde ich je wieder zu den Menschen zählen, die treffsicher den Unterschied zwischen einem banalen MP3-File und hochauflösenden, tunlichst verlustfreien HiRes-Formaten zu würdigen wissen? Da schwirrt zum Beispiel seit einiger Zeit die Kunde von einem neuen Wunder-Audiocodec durch einschlägige Foren und Fachzeitschriften: MQA.

Die Abkürzung steht für „Master Quality Authenticated“ und soll somit eine Art Garantiesiegel für eine höchstmögliche Annäherung an die Originalaufnahme abgeben. Hardware-Manufakturen wie Meridian, Pioneer oder Onkyo forcieren seine Verbreitung, aber auch Plattenfirmen – warum sagt man, nebstbei, immer noch Plattenfirmen? – wie Warner Music oder Universal. Seit Jänner hat auch der Streaming-Dienst Tidal MQA im Angebot.

Was kann das neue, abwärtskompatible Format besser als alle bisher existenten (darunter bekannt gute wie FLAC oder DSD)? Tontechniker und HiFi-Experten sagen: es bettet die Atmosphäre der Aufnahme akkurater ein. Und transportiert mehr an Information, Feinzeichnung und Klangqualität. Der Herausgeber des renommierten Magazins „Absolute Sound“, Robert Harley, klassifiziert MQA als „die signifikanteste Audio-Technologie meines Lebens.“ Klingt zugegebenermaßen verlockend.

Die notwendigen Datenmengen sind dennoch überschaubar – ideal also für eine neue Streaming-Dimension. Jedoch: es bedarf (zumindest im Idealfall) spezieller, zertifizierter Hardware. Und das ärgert wiederum die Konkurrenz. Der britische High End-Vorreiter Linn etwa warnt: „MQA is bad for music“. Und führt zuvorderst das Argument ins Feld, dass Meridian & Co. über Lizenzzahlungen die gesamte Verwertungskette vergolden wollen. Zwangsweise.

Wie immer auch: weite Kreise hat das neue Format noch nicht erreicht. Aber in Audiophilen-Zirkeln tobt die Schlacht pro und contra. Ich werd’ mir wohl demnächst probeweise das eine oder andere MQA-File reinziehen. Aber vorher gilt es, den Hörnerv und die Haarzellen im Innenohr auf eine neue, sensiblere, eventuell leisere Ära einzustimmen.

Wertanlage

28. Januar 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (395) Wenn Sie eine wirklich gutes, kompaktes, modernes Musiksystem kaufen wollen, könnte die Suche ein Ende haben.

lindemann-musicbook

Wer sagt, dass Hören nicht auch Optik, Haptik und die Erotik des Technischen umfasst, lügt. Zumindest kann ich dies reinen Gewissens für den HiFi-Bereich postulieren – dort, wo das Streben nach audiophilem (also: möglichst wirklichkeitsnahem) Hörgenuss fliessend in den leicht esoterischen Berich von High End, Highest End und ultimativem (also: oft jenseits der Aufnahmerealität angesiedeltem) Wohlklang übergeht. Das Auge hört mit.

Den meisten Menschen, die Musik und ihre technische Reproduktion im Alltag mögen, ist derlei ja weitgehend egal. Leider. Sofern es halbwegs probat klingt, nicht zu arg nach Plastikschrott aussieht und das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt, tut’s jede durchschnittliche Stereoanlage. Für den Rest vom Fest – den mit gehobenen Ansprüchen – hätte ich hier und heute einen Fingerzeig: ein kompaktes, wirklich durchdachtes, superb aufspielendes Gerät zu einem noch bezahlbaren Preis. Es kommt aus Deutschland. Und hört auf den Namen Lindemann, Modell music:book 25.

Aufgefallen ist mir das Kästchen – denn um ein solches handelt es sich vom Format her, gewandet in elegantes Aluminium – schon vor Jahren. Mittlerweile wurde es vom in der Nähe von München angesiedelten Hersteller in vielfacher Weise weiterentwickelt. Ich will Sie nicht mit Details langweilen (allein die Erörterung der Frage, warum Lindemann so sehr auf das Digitalformat DSD setzt, würde Bände füllen) – aber es gibt kaum etwas, vom Apple-Streamingprotokoll AirPlay abgesehen, das dieses Musikbuch nicht kann. Files und Streams entgegennehmen, CDs abspielen, Internet-Radio ertönen lassen, Schallquellen wohlig rund und doch detailreich, akkurat und transparent verstärken. „This system is part of the quiet revolution that is taking place in audio today“, schreibt der britische Journalist Alan Sircom – zurecht.

Weil ich eingangs vom Faktor der äusseren Anmutung schwadronierte: Lindemann setzt auf Understatement. In Kombination mit wirklich cleveren und, ja, schön gemachten Detaillösungen (allein der Drehregler für die Lautstärkeregelung oder das bernsteinfarbene OLED-Display verdienen Höchstnoten). Dass hier Profi-Technik so augenfällig mit Wohnzimmertauglichkeit Hand in Hand geht, gibt es ganz selten am Markt – mir fiele gerade noch die Naim-Kompaktanlage Mu-so ein. Die kostet deutlich weniger, ist meinem Geschmack nach aber auch verschmockter.

Und eigentlich auch nicht direkt vergleichbar. An das Lindemann music:book 25 müssen Sie noch einen Verstärker (empfohlen: der ebenfalls getestete, optisch passende Digital-Durchlauferhitzer music:book 55) und zwei Lautsprecher anhängen. Oder, vielleicht günstiger und keineswegs schlechter, Aktivboxen. Möglicherweise sogar kabellose. Dann aber hat’s rasch ein Ende mit der Suche nach dem besten HiFi-Equipment für den Rest des Lebens.

Drahtlos glücklich

2. November 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (285) Ihre alte Stereoanlage kann mehr als Sie denken – wenn Sie sie zukunftstauglich verlinken.

Smile

Dass ich gern über Unterhaltungselektronik parliere und in diesem Kontext die Unterkategorie Audio eine wichtige Rolle spielt, dürfte Ihnen nicht verborgen geblieben sein.

Das hat – nicht nur, aber auch – mit meiner Profession zu tun. Denn als Kolumnist betätige ich mich nur nebenher, im Alltag betreibe ich einen Musikverlag samt Management-Abteilung und Tonträger-Produktion (früher hat man dazu “Plattenfirma” gesagt). Sinnigerweise habe ich diesem Kleinstunternehmen einen ebenso markanten wie affigen Namen verpasst. Reich kann man damit nicht werden, dafür entschädigt die intime Nähe zu den holden Künsten. Es gilt der alte Leitsatz von Victor Hugo: “Musik ist das Geräusch, das denkt.”

Wenn wir nun einen Schritt weiter denken, landen wir rasch bei der Frage, warum Musik, sofern nicht live genossen, hierzulande immer noch vorwiegend physisch – also via CD und, in einer engen Liebhaber-Nische, auf Vinyl – transportiert und konsumiert wird. Bei einem Gesamtumsatz von 150 Millionen Euro (Quelle: IFPI Austria) entfielen anno 2013 noch knapp achtzig Prozent auf die traditionellen Erzeugnisse der Tonträger-Industrie. Und das, obwohl die Record Stores, Plattenläden und CD-Abteilungen der Elektrogrossmärkte mittlerweile – nicht unähnlich dem Buchhandel, der aber besser geschützt ist – einen regelrechten Rückzugskampf führen.

Vor allem Streaming, sprich: Spotify, Deezer & Co., gewinnt rasch an Terrain, wenn auch die Zustände in deutschsprachigen Landen noch nicht jenen in Schweden gleichen. Dort verschwindet die Compact Disc demnächst vom Markt. Ein Experte verschreckte neulich hiesige Branchengrössen mit der Aussage, es laufe in punkto Zukunftsmusik auf einen Dualismus hinaus: hie körperlose, ubiquitär verfügbare, extrem kostengünstige Digitalklänge, da Vinyl als werthaltiges Lustobjekt und konservatives Format für Jäger und Sammler.

Bei allem Fetischismus (und die Musik- und HiFi-Branche lebt von davon): wirklich glücklich wird wohl am ehesten, wer das eine tut, ohne das andere zu lassen. Man kann sich mit einem Streaming-Abo wunderbar über Neuigkeiten und ganze Back-Kataloge informieren – und gleichzeitig einen Plattendreher glühen lassen.

Ich hätte spontan einen Tipp: besorgen Sie sich einen “Wireless Audio Extender” von D-Link (Modell: DCH-M225) und machen Sie Ihre alte Stereoanlage netztauglich. Das kleine Stück Technik, das man direkt an die Steckdose steckt, nutzt die gängigen Protokolle Airplay und UPnP/DLNA, um Sie z.B. mit ihrem Smartphone zu verbinden. Kostet keine fünfzig Euro – und Pharrell Williams macht auf Knopfdruck happy. Eine Single von diesem Kerl sucht man leider vergeblich.*

*) Eine intensivere Recherche ergibt: es existiert doch eine Vinyl-7″, die mittlerweile um 70 bis 150 Euro gehandelt wird. Und es gibt eine knallgelbe Maxi-Single. Spricht für eine umfassende Renaissance des schwarzen Goldes.

Do you remember?

6. September 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (277) Heissa! Die legendäre japanische HiFi-Marke Technics erlebt ein Comeback.

Watts

“Do you remember?” Die sonore Stimme, die diese Frage mit grosser Suggestivkraft in den Raum stellt, kriecht förmlich aus dem Lautsprecher. “Do you remember when skipping a song meant pressing the Fast Forward button?” Zur Tonspur gesellt sich das Bild eines VU-Meters, dessen Zeiger noch zusätzlich zum akustisch verstärkten Herzschlag des Betrachters zu zittern scheint. “Do you remember when 33 und 45 were not just random numbers?”

Hier geht es eindeutig um längst vergessen geglaubte Insignien der Unterhaltungselektronik, Audio- und Analog-Hemisphäre. Und das mitten auf der digitalen Trash-Streaming-Plattform YouTube.

Und dann plötzlich folgt die Aufklärung: es handelt sich um einen Werbespot. Um einen verdammt gut gemachten Werbespot. Er bewirbt die Rückkehr der legendären japanischen HiFi-Marke Technics. Eine überraschende Rückkehr: niemand hätte gedacht, dass die High End-Abteilung der Mutterfirma Panasonic (respektive Matsushita) – sie baute zuletzt gerade noch die unkaputtbaren SL 1210-DJ-Laufwerke, aber irgendwann auch die nicht mehr – wieder auferstehen würde.

Jetzt, zur traditionellen Branchenmesse IFA in Berlin, war es doch soweit: nach einer Pause von sechs Jahren, wurde ebendort verkündet, sollen ab Dezember 2014 wieder neue Technics-Produkte vorgestellt werden. Zunächst in Europa und später weltweit. Drei Stereo-Komponenten mit „Superlativanspruch“, so Projektleiterin Michiko Ogawa, und vier Geräte in einer etwas leistbareren Klasse. Was man zu sehen bekam und demnächst zu hören bekommen wird, ist gediegene HiFi-Retro-Ware auf der Höhe der Zeit (also inklusive Netzwerk-Player). Weihnachten kann kommen!

Natürlich spielt man hier mit der Sentimentalität der Generation 40 Plus. Denn nach den bronzebraun schimmernden, dezent technoid gestylten Geräten aus dem Hause Technics hat man sich als Youngster förmlich verzehrt. Heute ist genug Taschengeld vorhanden, um den einst erträumten Stereo-Turm aufzustapeln. Und natürlich schlägt das Pendel der Hörmoden gerade stark in die No Nonsense-Richtung. “Wir brauchen kein stinkendes, von Robotern zusammengebautes, schwarzes Plastik-Wegwerf-Zeug, das vorgibt, Hörwerkzeug zu sein” zitiert eine Vintage-Technics-Seite im Netz Rick Stout (stereomanuals.com). Gut gebrüllt, Löwe!

Jetzt warte ich nur mehr auf die Neuauflage der Technics-Plattenspieler-Ikonen. Und auf die Wiederkehr der Marken Sansui, Nakamichi, Wega und Eumig.

Rockin‘ In The Free World

13. Juli 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (219) “So viel Lautsprecher bekommt man selten für’s Geld”. Sagen Kenner. Wir schließen uns an.

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Wird Zeit, hierorts wieder Handfestes auszupacken. Der Verdruss über die akute Indifferenz, Ahnungslosigkeit und/oder schlaumeierische Heimlichtuerei unserer Volksvertreter in Sachen Datenspionage – man wünschte, sie würden einmal bei Frank Schirrmacher nachfragen, Sascha Lobo, Peter Glaser oder Erich Moechel (to name just a few) – kann nur durch hemmungslosen Hedonismus besänftigt werden. Zumindest für kurze Zeit.

Etwa, sagen wir mal, durch eine kräftige Dosis Rock’n’Roll, die das geschäftige Summen der Welt mit maximaler Lautstärke und klaren Ansagen konterkariert. Wie sang Neil Young einst? „Keep on rockin’ in the free world“. Da nehmen wir ihn doch beim Wort. Und schleppen mannshohe Lautsprecherboxen ins Wohnzimmer, um der Parole den nötigen Nachdruck zu verleihen.

Bei Lautsprechern gilt ja die Regel: Volumen kann durch nichts ersetzt werden. Zwar lassen sich mit Hilfe hochgezüchteter Elektronik auch Zwergenböxchen brauchbare Töne entlocken, aber die Souveränität und Natürlichkeit ihrer Standeskollegen erreichen sie in der Regel nicht. Wenn sich aber massive Optik, solide Bauqualität und ein vergleichsweise kleiner Preis in einem Gehäuse vereinen, werden HiFi-Fans hellhörig. Und, ja, man kann mich als solchen bezeichnen. Also wurde ich beim österreichischen Generalimporteur der deutschen Audio-Schmiede Dynavox vorstellig. Es ist eine leicht wunderliche Firma: sie bedient vorwiegend enge Marktnischen. Vom billigen, aber fein tönenden Röhrenverstärker über allerlei Zubehör bis zum eigenwilligen High End-Lautsprecher reicht das Programm. Letztere Produktkategorie repräsentiert die Dynavox Impuls III.

Pro Exemplar fast 44 Kilo schwer, 1 Meter 30 hoch und mit einer mächtigen Koax-Tief/Mittelton-Membran ausgestattet, steht das Ding als „Hochwirkungsgrad-Standbox“ im Prospekt. Und das ist sie wirklich. Schon geringe Wattzahlen treiben diesen Lautsprecher – System Blöhbaum, wer’s genau wissen will – zu Höchstleistungen. Und verhelfen zu einer rundum verblüffenden Dynamik, Räumlichkeit und Live-Atmosphärik. „Was die Dynavox in Schalldruck und Emotion umzuwandeln versteht“, urteilte das HiFi-Magazin „Stereo“, „lässt so manchen audiophilen Geheimtipp daneben recht blutarm dastehen.“ Word.

Zu ergänzen wäre noch: wahrscheinlich um einen Bruchteil des Preises. Denn ein Paar Impuls III kostet nicht mal eineinhalb Tausender. Da kann man sich dann auch wieder mit der Welt versöhnen.

Good Vibrations

10. März 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (202) Sauteuer, aber es wirkt – diese Formel gilt nicht nur für Haarshampoos. Sondern auch für Mobillautsprecher.

FoxL Bluetooth Speakers

Wenn die Geschichte nicht stimmt, ist sie zumindest gut erfunden. Sie geht so: ein dreifacher Doktor der Physik namens Godehard Guenther, ehemals bei der NASA tätig und ständig auf Reisen, ärgert sich darüber, dass es keine brauchbaren portablen Lautsprecher zu kaufen gibt. Also greift er ins Patent-Schatzkistchen, baut selbst, was er sich als Konsument sehnlichst wünscht, und benennt das Resultat – „a true labor of love“ – nach seinem Enkelsohn Fox. Auf diese Legende und das Ergebnis des Guentherschen Forschungsdrangs setzt nun ganz und gar das Unternehmen Soundmatters in Reno, Nevada, USA. Und hat mit dem FoxL V2 tatsächlich ein erstaunliches Produkt auf dem Markt. In mehrfacher Hinsicht.

Zunächst einmal ist dieser One-Box-Stereolautsprecher gerade mal so groß wie ein Brillenetui. Dafür kostet er aber soviel wie ausgewachsene HiFi-Boxen der Einstiegsklasse, also rund 200 Euro (es gibt mittlerweile auch eine teurere „Platinum“-Version, die den Bluetooth-Standard aptX beherrscht). Wer gibt soviel Geld für einen Miniatur-Lautsprecher aus? Kurzgesagt: Leute, die gerne Musik in probater Qualität hören und dazu tunlichst nicht Kopfhörer oder gar die eingebauten Nervtöter ihres Laptops, Tablets oder Smartphones bemühen möchten. Ich zum Beispiel. Es macht nun mal deutlich mehr Spaß, das neue Opus von David Bowie, das superbe Album von Naked Lunch oder meinetwegen auch Wolfgang Ambros’ ewige Ersatz-Nationalhymne „Schifoan“ im Hotelzimmer in Haus im Ennstal raumgreifend hören zu können. In partytauglicher Lautstärke. Drahtlos. Und erfrischend unkompliziert.

Man kann den Bluetooth-Lautsprecher übrigens auch als mobile Freisprechanlage verwenden. Der FoxL V2 trägt akustisch mächtig auf (und zugegebenermassen im Geldbörsel), aber nicht im Gepäck. Damit ist sein Haupteinsatzzweck erklärt. Es könnte gut sein, dass Sie Ihre JBL-, Bose- oder Logitech-Docking Station ab sofort zur stationären Drittanlage erklären, auf die Terasse, an den Badesee oder auf die Kreuzfahrt aber ersatzweise das kleine, doch tonal annähernd ebenbürtige Ding mitnehmen. Es tanzt übrigens gern auf dem Tisch, so sehr versetzt es sich selbst und seine Umgebung in Vibration.

Machen Sie sich locker, tanzen Sie mit! Wenn Ihnen nach erwachsenem Kontrastprogramm ist, schalten Sie auf Ihrem Neo-Kofferradio – also Smartphone plus Extra-Lautsprecher – einfach auf die Weltnachrichten um. Selbstverständlich auf Ö1.

Im Trotzwinkerl

17. November 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (186) Medien ohne Rückkanäle sind wie Audiogeräte ohne Funkanbindung: irgendwie von gestern.

Sogar im Urlaub, ein paar tausend Kilometer fern der Heimat, verspürt man den Drang, sich heftig an die Stirn zu tippen. Der Grund? Der “Bundeskommunikationssenat”, so liest man im Internet nach, und die “KommAustria” – kurz gesagt: die einschlägigen politbürokratischen Aufsichtsorgane des Landes – untersagen dem ORF, seine Sender, Sendungen und Inhalte auf Facebook zu bewerben. Der Verwaltungsgerichtshof hat diese Interpretation des Gesetzes bestätigt. Der Verfassungsgerichtshof dagegen gab – so der aktuelle Letztstand – einer Beschwerde des ORF-Managements gegen diese Entscheidung nach und verlieh ihr aufschiebende Wirkung. Ein unwürdiges Hin- und Her, einmal mehr prolongiert.

Wahrscheinlich ist und bleibt: die grösste Medienorgel des Landes muß ihre Social Media-Verbindungen kappen. Das ist natürlich kurios, weltfremd, vom sprichwörtlichen kleinen Gebührenzahler sicherlich so nicht gewollt. Aber die Zeitungsverleger sehen sonstigenfalls ihre Zukunft gefährdet. Im Abtausch hat man dem ORF mehr Werbezeit und Gebühren zugestanden. Man könnte lachen, wäre es nicht zum Weinen: da setzen hochbezahlte Politiker, Generaldirektoren, Finanz- und Kommunikationsexperten ihre Unterschrift unter prohibitive Basar-Vereinbarungen, die mit der heutigen Medienwelt wenig bis nichts zu tun haben. Und zeigen damit dem p.t. Publikum, das sich längst in fremdbestimmte digitale Sphären verläuft, dass es zwar zahlen darf, aber mitreden eher nicht. Man darf gespannt sein, wie die Herrschaften sich aus diesem Schlamassel wieder befreien.

Soweit, so schlecht. Was fange ich jetzt mit dem restlichen Platz der Kolumne an? Nun: ich eröffne demonstrativ einen Rückkanal. Vorige Woche z.B. empfahl ich an dieser Stelle kleine, hilfreiche Bluetooth-Adapter, die Probleme mit einer plötzlich unaktuell gewordenen iPhone-Schnittstelle lösen. Und Musik empfangen, ganz ohne Kabel und Stecker. Was einige Leser(innen) dieser Zeilen zu Protesten veranlasste: ja, sei mir denn nicht bekannt, dass Bluetooth miese Audio-Qualität bedeute? Schon, meine Damen und Herren. Aber inzwischen gibt es auch verbesserte Standards dieser Funktechnik – A2DP oder Apt-X etwa, die durchaus probat klingen. Und Pop, Klassik oder Volksmusik sind nun mal im Alltag keine High End-Demonstrationsobjekte. Es herrschen Praktikabilität und Bequemlichkeit.

In den unzähligen Elektronik-Kaufhäusern, Technik-Shops und Bazar-Klitschen meines Urlaubsorts Bangkok kann man ein Lied davon singen: ohne Bluetooth-Connection geht da gar nichts mehr. Weder bei Smartphones, Kopfhörern und mobilen Lautsprechern noch bei Docking Stations, Autoradios oder Stereoanlagen. Fernost-Ramsch? Nein: ein pragmatischer, konsumentengetriebener, undogmatischer Trend. Qualitätsfanatiker bleiben besser daheim. Im Trotzwinkerl.

Blitz & Blauzahn

10. November 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (185) Ihr Funkberater empfiehlt: Bluetooth-Verbindungen ersparen Kabel, Adapter und Verdruß.

Manchmal sind es unspektakuläre, unkomplizierte, ja geradezu unscheinbare Dinge, die den Alltag erleichtern. Enorm erleichtern. Man fragt sich förmlich, warum nicht schon vorher jemand auf die Idee kam. Und wenn es dann auch noch nicht die Welt kostet, dieses Objekt der Begierde, dann ist’s umso beglückender.

Vielleicht ist diese Einleitung eine Spur zu pathetisch, denn es geht in Folge “nur” um ein simples Zubehörteil. Für das iPhone von Apple. Und hier nicht mal um das allerneueste Modell – denn das aktuelle iPhone 5 wurde ja bekanntermassen mit einem “Connector” (es handelt sich dabei um die Auflade- und Datenschnittstelle) namens “Lightning” aus- und aufgerüstet. Dieser Anschluß ist natürlich kleiner, eleganter und gewiß auch innovativer als der alte 30-Pin-Anschluß, der all die Jahre über seinen Zweck durchaus erfüllt hat. “Lightning” ist vor allem eins: vollkommen inkompatibel zu allem, was sonst am Markt ist.

Die großspurige Ankündigung des Industrieverbands der Mobilfunkindustrie GSMA aus dem Jahre 2009, in längstens drei Jahren würden – auf Druck der EU-Kommission – Handies mit standardisierten Micro-USB-Anschlüssen ausgeliefert und liessen sich so mit universell verwendbaren Standard-Netzteilen aufladen, hat sich als Rohrkrepierer erwiesen. Die Hersteller, allen voran Apple, kochen nachwievor ihr eigenes Süppchen. Und das schmeckt nicht jedem.

Besitzer von Docks und Soundsystemen mit einem Connector alter Bauart – das dürfte noch für Jahre deutlich die Mehrzahl sein – freuen sich sicher narrisch über all die plumpen (und, sollte es sich nicht um China-Importware handeln, auch nicht gerade billigen) Adapter, die ab sofort Verbindungsprobleme beheben sollen. Und wahrscheinlich immer dann vermisst werden, wenn man sie gerade am dringendsten benötigt.

Soviel in Kürze: man wird als iPhone 5-User ohne Adapter nicht auskommen. Aber die Übertragung von Musik lässt sich neuerdings eleganter erledigen. Drahtlos. Ganz im Trend der Zeit. Via Bluetooth. Sandberg, Tangent und wohl demnächst einige Hersteller mehr haben nun “Dock Connectors” und, relativ baugleich, “Bluetooth Links” im Programm, die das lästige Anstecken und Einstöpseln ersparen. Jedes „alte“ Audio-Dock funktauglich machen. Und Ihr Smartphone, aber auch das Apple iPad oder diverse Tablets, MP3-Player oder Laptops anderer Hersteller unkompliziert (das „Pairing“ erfolgt auf Knopfdruck) und tadellos im Raum erschallen lassen.

Kleines Ding, grosse Wirkung. Und ab sofort kein Geheimtipp mehr.

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