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Die Anti-Auto-Religion

7. Dezember 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (240) Vom Fetisch zum Hassobjekt – müssen wir uns an eine Zukunft ohne Auto gewöhnen?

PorscheC

Diese Kolumne zu schreiben fällt mir ungewöhnlich schwer. Denn sie fußt allein auf einer diffusen Gefühlslage. Und einem Essay von Matthias Matussek, veröffentlicht in einer „Spiegel“-Ausgabe vom Oktober dieses Jahres.

Ich habe mir seine Zeilen aus dem Heft herausgerissen und trage sie nun schon einige Wochen, fein säuberlich gefaltet, mit mir herum. Der Artikel trägt den Titel „Staatsreligion“, er ist illustriert mit zwei hübschen Damen vor einem knallroten, in der Sonne glänzenden 70er-Jahre-Porsche Carrera. Die Unterzeile aber lautet: „Die Deutschen liebten das Auto. Jetzt hassen sie es.“

Das bringt die Sache auf den Punkt: es findet gerade ein machtvoller Paradigmenwechsel statt, und natürlich lassen sich die Verhältnisse in Deutschland 1:1 auf Österreich übertragen. Vielleicht sogar auf ganz Europa. Das Auto – der Fetisch der Nachkriegsgeneration, das Symbol individueller Freiheit, die heilige Kuh des Durchschnittsbürgers – gerät aus der Mode. Wie der Marlboro-Mann. Oder das Vertrauen in Banken. Oder der Katholizismus.

„Der moderne Mensch macht sich nichts mehr aus Autos“, schreibt Matussek. „Außer er kann die der anderen verbieten.“ Es klingt weniger provokant denn resigniert. Überall Emissionshysteriker und grüne Wiedertäufer. Das neue Dogma laute: Umweltverträglichkeit, Car-Sharing, Elektromobilität oder wahlweise eine frischfröhliche Alle-aufs-Fahrrad!-Ideologie.

„Nennen wir es“, so steht’s im „Spiegel“ zu lesen, „die Religion der Selbstgerechten“. Dabei hat der Essayist noch nicht mal den aktuellen „Falter“ erblickt, der einen Grazer Stadtplaner mit dem Leitsatz „Zu Fuß gehen ist die elementare Logik der Stadt“ zitiert. Oder die peinlichen Querelen um die Wiener Mariahilferstrasse verfolgt. Oder gar einen Kaffee mit dem einstmals ketzerischen, heute längst tugendhaften Verkehrsexperten Professor Knoflacher („Das Auto ist ein Virus“) getrunken.

Zweifelsfrei ist, fragen Sie mal die Autohändler und Marketingkanonen der Pkw-Industrie!, der fahrbare Untersatz mit Verbrennungsmotor in die Defensive geraten. Und selbst boomende Modeerscheinungen wie die Spezies SUV (Statussymbol urbaner Vizeoberförster) zeigen ein Versagen der Chefetagen: Autos, zu fett, zu voluminös, zu dämlich für das 21. Jahrhundert.

Aber bevor nicht ein praktikabler, leistbarer, sinnvoller Ersatz für eine, sagen wir mal: fünfköpfige Familie mit Hund und Katz’ und einer Wohndistanz von acht Kilometern zum nächsten Supermarkt in Sichtweite ist, werde ich mich – bei aller Sympathie für neue Ideen – nicht umtaufen lassen. Religiöser Eifer war mir immer zuwider.

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Das Upgrade zum Downgrade

28. Juli 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (170) Die Verschlimmbesserung im Jahrestakt ist der Antriebsmotor der Autobranche. Nun auch bei Mazda. Leider.

Lug & Betrug im grossen Stil gibt es nicht nur im Polit- und Bankenfilz des schönen Landes Kärnten (dessen Bevölkerung sich allerdings allmählich wirklich die Frage gefallen lassen muss, warum sie sich dagegen nicht zu wehren weiß), sondern auch in der Automobilbranche. Die ist zwar längst nicht mehr so fett und rosig wie vor Jahren, aber immer noch einer der prächtigsten und mächtigsten Wirtschaftsmotoren weltweit.

Zugleich ist aber genau diese Branche auch einer der sensibelsten Sensoren und Indikatoren für das globale Konsum-Klima. Das Wort “Absatzeinbruch” fällt nun immer häufiger in den Vorstandsetagen. Es muss daher den krisengebeutelten Managern des japanischen Herstellers Mazda (Werbespruch: “Zoom-zoom”) äusserst sauer aufgestossen sein, als ihr Europa-Vizepräsident für Public Relations im Frühjahr 2012 der Untreue und Steuerhinterziehung angeklagt wurde. Er verschwand über Nacht in der Versenkung. Präziser: in Untersuchungshaft. Mutmassliche Schadenssumme: 10 Millionen Euro.

Irgendwie überrascht es dann doch nicht – der Balkan beginnt diesseits des Kleinwalsertales –, dass viele Täter- und Mitwisser-Spuren nach Österreich führen. Es gilt zu hoffen, dass „die exzellente Stellung Klagenfurts innerhalb des Weltkonzerns“ (so die „Kleine Zeitung“ über Mazda Austria, das seinen Firmensitz am Wörthersee hat) keinen Schaden gelitten hat.

Mit dem neuen CX-5 hofft Mazda nun – immerhin steht ein Drittel der Fabriks-Belegschaft zur Disposition – auf einen Aufschwung. Es ist, erraten, ein SUV, und das Prachtfahrzeug trägt ein mächtiges Haifisch-Maul. Wie neuerdings auch der beliebte Roadster MX-5. Dass ich insbesondere dieses Modell in mein Herz geschlossen habe, ist unter Freunden kein Geheimnis. Ich fahre seit vielen Jahren einen MX-5 der ersten Generation (das sind die Flundern mit den Klappscheinwerfern). Und das mit wirklich viel Spaß.

Ganz ernst werde ich allerdings beim Anblick der ersten Fotos des 2012er-Upgrades. Das Cabrio, das Ende der achtziger Jahre Vorbild und Vorreiter einer Armada offener Volkssportwägen war, wird immer gedrungener, verschmockter, uneleganter, kurz gesagt: hässlicher. Peugeot-like (haben die Franzosen nicht gerade Antrag auf Staatshilfe gestellt?). Das alles sei einer “stärkeren Aggressivität” geschuldet, entnehme ich der internationalen Motor-Presse.

Dabei täte Abrüstung not: der Zweisitzer setzt ja mit jeder neuen Zierleiste noch mehr Fett an. Dass nun ein “aktiver Stoßfänger” im Fall des (Un)Falls die Schockenergie absorbieren soll, ist wenig tröstlich. Denn eigentlich müsste das Ding noch im Schauraum der Händler in Funktion treten.

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