Posts Tagged ‘Bluetooth’

Chinakracher

23. November 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (287) Man unterschätze HiFi „made in China“ nicht – und merke sich vorsorglich die Marke Oppo.

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Ich werde ja öfter mal gefragt – wie wohl jedermann, von dem man annimmt, dass er sich halbwegs auskennt mit der Materie –, was ich denn persönlich empfehlen könne. So in Sachen “zeitgemässe Musikanlage”. Das kann lästig sein. Aber mir macht es Spaß. Nachzuforschen, was in etwa der/die Fragesteller/in sich darunter vorstellt. Welche Musik daheim im Wohnzimmer läuft. Und was man so auszugeben gedenkt. Mit diesen Eckwerten eine feine HiFi-Kombination zusammenzustellen, ist eine mir nie langweilig werdende Aufgabenstellung.

Bisweilen – vor allem bei geringen Budgets und einem gewissen Hang zu Vintage-Objekten – werfe ich dann einen Blick in eBay oder willhaben.at. Garantie gibt’s hier keine, aber das eine oder andere Schnäppchen. Aber natürlich haben auch fabriksneue Geräte ihren Reiz. Zuvorderst den, den technischen Letztstand zu repräsentieren. Es gibt heute ab einer gewissen Preisklasse kaum mehr wirklich schlecht klingende Hardware. Und zu leistbaren Konditionen auch wirkliche Überflieger.

Hier hätten wir einen: den Oppo HA-1. Eigentlich ist das ein Kopfhörerverstärker (etwas für wirkliche Feinspitze), zugleich aber auch ein Vorverstärker mit Lautstärkeregler, Digital-Analog-Konverter und Bluetooth-Empfänger (mit gehobenem aptX-Standard). Also eine Art eierlegende Wollmilchsau, wenn man eine moderne Schaltzentrale für Musikkonsum sucht. In Kombination mit zwei Aktiv-Lautsprechern – da gibt es mittlerweile eine große Auswahl – und einem Laptop, iPad oder Smartphone ergibt das eine unauffällige, elegante, superb klingende Anlage.

Probieren Sie, sagen wir mal: Boxen von Genelec, Dynaudio oder Yamaha. Oder die (leider zu teuren) Oppo-High End-Kopfhörer. Der HA-1 hat ausreichend Ein- und Ausgänge, auch solche mit professionellen XLR-Anschlüssen. Falls Sie den Drahtlos-Standard Airplay der Bluetooth-Funkstrecke vorziehen, hängen sie noch ein Apple TV-Kästchen dazu.

Oppo – eine der Newcomer-Marken, die von China aus in den Weltmarkt drängen – baut auch Prozessoren, Mobiltelefone und herausragende BluRay-Player. Eine gewisse Verspieltheit ist den Asiaten eigen: auf einem Display simuliert der HA-1, wenn einem danach ist, VU-Meter, die im Takt der Signalstärke zappeln wie bei Verstärkern aus der guten, alten Analog-Ära. Und so vollgepackt mit Features der Oppo auch sein mag – oft sind es solche Details, die darüber entscheiden, ob nun ein Chinakracher unter dem Weihnachtsbaum liegt oder nicht.

Das Gerät wurde für Testzwecke freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Firma HEIMKINOWELT in 1230 Wien.

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Im Aufmerksamkeitsmodus

9. Juni 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (214) “Noise Cancelling” blendet die Umwelt nach Bedarf ein und aus. Bose bringt die Technik in den Alltag.

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Wenn ein Hersteller heutzutage Revolutionäres ankündigt, folgt nicht gerade selten ein Rohrkrepierer. Mit Blitz und Donner. Und einem strengen Geruch in der Luft, die man kurzfristig bewegt hat. Denn das ist das Wesen von PR & Marketing: der Superlativ wird zum Imperativ. Wenn man aber solchermaßen die Erwartungen so hoch steckt, dass sie durch das eigentliche, oft herzlich banale Produkt nur enttäuscht werden können, vernichtet man das eingesetzte Werbebudget doppelt und dreifach.

Ich war also gespannt, als das renommierte Unternehmen Bose dieser Tage zu einer Produktpräsentation in München bat. „Zwei Möglichkeiten für Musikgenuß wie noch nie zuvor“ waren angekündigt. Mehr wollte man vorab partout nicht verraten. Nun hassen Journalisten nichts mehr, als ihre Zeit ohne News-Wert zu verplempern.

Andererseits hat sich Bose über die Jahrzehnte einen Namen als innovativer, agiler, im Markt sehr aggressiv agierender Hersteller von Audio-Produkten gemacht. Die tatsächlich beeindruckende „Noise Cancelling“-Technologie geht auf den Firmengründer Amar G. Bose zurück. Anno 1986 führte man das erste Headset vor, das eine wirksame Lärmreduktion in Pilotenkanzeln und Wohnzimmern ermöglichte. Seither hat man mit den „QuietComfort“ genannten Kopfhörern ein Patzengeschäft gemacht. Was natürlich die Konkurrenz nicht ruhig schlafen ließ.

Der „Soundlink Mini Bluetooth Lautsprecher“, der der staunenden Schreiberschar am Mittwoch in München präsentiert wurde, darf somit in diesem Kontext im Schnelldurchlauf abgehakt werden. Wiewohl er ein respektables Produkt ist – allein, das hat man so oder ähnlich schon anderswo gesehen.

Wirklich spektakulär war aber die Vorführung der neuen „QuietComfort 20“-In Ear-Headphones. Die kleinen Dinger, die man direkt in die Gehörgänge steckt, blenden die Umwelt nach Bedarf akustisch ein oder aus. Und zwar komplett. Wer Musik hört, hört sonst nichts mehr. Er/sie muß aber auch nicht die 44 Gramm leichten Ohrstöpsel rausziehen, wenn plötzlich der Briefträger vor der Tür steht oder ein geschwätziger Sendbote Jehovas. Der sogenannte „Aufmerksamkeitsmodus“ erlaubt auf Knopfdruck die akustische Interaktion mit der Umwelt. Er empfiehlt sich auch, wenn man z.B. auf dem Fahrrad durch die Stadt fährt und die Strassenbahn nicht überhören will.

Well done, Bose! Wenn im nächsten revolutionären Entwicklungsschritt noch die Kopfhörer-Kabel verschwinden, gibt’s die Enthusiasmus-Goldmedaille.

Good Vibrations

10. März 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (202) Sauteuer, aber es wirkt – diese Formel gilt nicht nur für Haarshampoos. Sondern auch für Mobillautsprecher.

FoxL Bluetooth Speakers

Wenn die Geschichte nicht stimmt, ist sie zumindest gut erfunden. Sie geht so: ein dreifacher Doktor der Physik namens Godehard Guenther, ehemals bei der NASA tätig und ständig auf Reisen, ärgert sich darüber, dass es keine brauchbaren portablen Lautsprecher zu kaufen gibt. Also greift er ins Patent-Schatzkistchen, baut selbst, was er sich als Konsument sehnlichst wünscht, und benennt das Resultat – „a true labor of love“ – nach seinem Enkelsohn Fox. Auf diese Legende und das Ergebnis des Guentherschen Forschungsdrangs setzt nun ganz und gar das Unternehmen Soundmatters in Reno, Nevada, USA. Und hat mit dem FoxL V2 tatsächlich ein erstaunliches Produkt auf dem Markt. In mehrfacher Hinsicht.

Zunächst einmal ist dieser One-Box-Stereolautsprecher gerade mal so groß wie ein Brillenetui. Dafür kostet er aber soviel wie ausgewachsene HiFi-Boxen der Einstiegsklasse, also rund 200 Euro (es gibt mittlerweile auch eine teurere „Platinum“-Version, die den Bluetooth-Standard aptX beherrscht). Wer gibt soviel Geld für einen Miniatur-Lautsprecher aus? Kurzgesagt: Leute, die gerne Musik in probater Qualität hören und dazu tunlichst nicht Kopfhörer oder gar die eingebauten Nervtöter ihres Laptops, Tablets oder Smartphones bemühen möchten. Ich zum Beispiel. Es macht nun mal deutlich mehr Spaß, das neue Opus von David Bowie, das superbe Album von Naked Lunch oder meinetwegen auch Wolfgang Ambros’ ewige Ersatz-Nationalhymne „Schifoan“ im Hotelzimmer in Haus im Ennstal raumgreifend hören zu können. In partytauglicher Lautstärke. Drahtlos. Und erfrischend unkompliziert.

Man kann den Bluetooth-Lautsprecher übrigens auch als mobile Freisprechanlage verwenden. Der FoxL V2 trägt akustisch mächtig auf (und zugegebenermassen im Geldbörsel), aber nicht im Gepäck. Damit ist sein Haupteinsatzzweck erklärt. Es könnte gut sein, dass Sie Ihre JBL-, Bose- oder Logitech-Docking Station ab sofort zur stationären Drittanlage erklären, auf die Terasse, an den Badesee oder auf die Kreuzfahrt aber ersatzweise das kleine, doch tonal annähernd ebenbürtige Ding mitnehmen. Es tanzt übrigens gern auf dem Tisch, so sehr versetzt es sich selbst und seine Umgebung in Vibration.

Machen Sie sich locker, tanzen Sie mit! Wenn Ihnen nach erwachsenem Kontrastprogramm ist, schalten Sie auf Ihrem Neo-Kofferradio – also Smartphone plus Extra-Lautsprecher – einfach auf die Weltnachrichten um. Selbstverständlich auf Ö1.

Im Trotzwinkerl

17. November 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (186) Medien ohne Rückkanäle sind wie Audiogeräte ohne Funkanbindung: irgendwie von gestern.

Sogar im Urlaub, ein paar tausend Kilometer fern der Heimat, verspürt man den Drang, sich heftig an die Stirn zu tippen. Der Grund? Der “Bundeskommunikationssenat”, so liest man im Internet nach, und die “KommAustria” – kurz gesagt: die einschlägigen politbürokratischen Aufsichtsorgane des Landes – untersagen dem ORF, seine Sender, Sendungen und Inhalte auf Facebook zu bewerben. Der Verwaltungsgerichtshof hat diese Interpretation des Gesetzes bestätigt. Der Verfassungsgerichtshof dagegen gab – so der aktuelle Letztstand – einer Beschwerde des ORF-Managements gegen diese Entscheidung nach und verlieh ihr aufschiebende Wirkung. Ein unwürdiges Hin- und Her, einmal mehr prolongiert.

Wahrscheinlich ist und bleibt: die grösste Medienorgel des Landes muß ihre Social Media-Verbindungen kappen. Das ist natürlich kurios, weltfremd, vom sprichwörtlichen kleinen Gebührenzahler sicherlich so nicht gewollt. Aber die Zeitungsverleger sehen sonstigenfalls ihre Zukunft gefährdet. Im Abtausch hat man dem ORF mehr Werbezeit und Gebühren zugestanden. Man könnte lachen, wäre es nicht zum Weinen: da setzen hochbezahlte Politiker, Generaldirektoren, Finanz- und Kommunikationsexperten ihre Unterschrift unter prohibitive Basar-Vereinbarungen, die mit der heutigen Medienwelt wenig bis nichts zu tun haben. Und zeigen damit dem p.t. Publikum, das sich längst in fremdbestimmte digitale Sphären verläuft, dass es zwar zahlen darf, aber mitreden eher nicht. Man darf gespannt sein, wie die Herrschaften sich aus diesem Schlamassel wieder befreien.

Soweit, so schlecht. Was fange ich jetzt mit dem restlichen Platz der Kolumne an? Nun: ich eröffne demonstrativ einen Rückkanal. Vorige Woche z.B. empfahl ich an dieser Stelle kleine, hilfreiche Bluetooth-Adapter, die Probleme mit einer plötzlich unaktuell gewordenen iPhone-Schnittstelle lösen. Und Musik empfangen, ganz ohne Kabel und Stecker. Was einige Leser(innen) dieser Zeilen zu Protesten veranlasste: ja, sei mir denn nicht bekannt, dass Bluetooth miese Audio-Qualität bedeute? Schon, meine Damen und Herren. Aber inzwischen gibt es auch verbesserte Standards dieser Funktechnik – A2DP oder Apt-X etwa, die durchaus probat klingen. Und Pop, Klassik oder Volksmusik sind nun mal im Alltag keine High End-Demonstrationsobjekte. Es herrschen Praktikabilität und Bequemlichkeit.

In den unzähligen Elektronik-Kaufhäusern, Technik-Shops und Bazar-Klitschen meines Urlaubsorts Bangkok kann man ein Lied davon singen: ohne Bluetooth-Connection geht da gar nichts mehr. Weder bei Smartphones, Kopfhörern und mobilen Lautsprechern noch bei Docking Stations, Autoradios oder Stereoanlagen. Fernost-Ramsch? Nein: ein pragmatischer, konsumentengetriebener, undogmatischer Trend. Qualitätsfanatiker bleiben besser daheim. Im Trotzwinkerl.

Blitz & Blauzahn

10. November 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (185) Ihr Funkberater empfiehlt: Bluetooth-Verbindungen ersparen Kabel, Adapter und Verdruß.

Manchmal sind es unspektakuläre, unkomplizierte, ja geradezu unscheinbare Dinge, die den Alltag erleichtern. Enorm erleichtern. Man fragt sich förmlich, warum nicht schon vorher jemand auf die Idee kam. Und wenn es dann auch noch nicht die Welt kostet, dieses Objekt der Begierde, dann ist’s umso beglückender.

Vielleicht ist diese Einleitung eine Spur zu pathetisch, denn es geht in Folge “nur” um ein simples Zubehörteil. Für das iPhone von Apple. Und hier nicht mal um das allerneueste Modell – denn das aktuelle iPhone 5 wurde ja bekanntermassen mit einem “Connector” (es handelt sich dabei um die Auflade- und Datenschnittstelle) namens “Lightning” aus- und aufgerüstet. Dieser Anschluß ist natürlich kleiner, eleganter und gewiß auch innovativer als der alte 30-Pin-Anschluß, der all die Jahre über seinen Zweck durchaus erfüllt hat. “Lightning” ist vor allem eins: vollkommen inkompatibel zu allem, was sonst am Markt ist.

Die großspurige Ankündigung des Industrieverbands der Mobilfunkindustrie GSMA aus dem Jahre 2009, in längstens drei Jahren würden – auf Druck der EU-Kommission – Handies mit standardisierten Micro-USB-Anschlüssen ausgeliefert und liessen sich so mit universell verwendbaren Standard-Netzteilen aufladen, hat sich als Rohrkrepierer erwiesen. Die Hersteller, allen voran Apple, kochen nachwievor ihr eigenes Süppchen. Und das schmeckt nicht jedem.

Besitzer von Docks und Soundsystemen mit einem Connector alter Bauart – das dürfte noch für Jahre deutlich die Mehrzahl sein – freuen sich sicher narrisch über all die plumpen (und, sollte es sich nicht um China-Importware handeln, auch nicht gerade billigen) Adapter, die ab sofort Verbindungsprobleme beheben sollen. Und wahrscheinlich immer dann vermisst werden, wenn man sie gerade am dringendsten benötigt.

Soviel in Kürze: man wird als iPhone 5-User ohne Adapter nicht auskommen. Aber die Übertragung von Musik lässt sich neuerdings eleganter erledigen. Drahtlos. Ganz im Trend der Zeit. Via Bluetooth. Sandberg, Tangent und wohl demnächst einige Hersteller mehr haben nun “Dock Connectors” und, relativ baugleich, “Bluetooth Links” im Programm, die das lästige Anstecken und Einstöpseln ersparen. Jedes „alte“ Audio-Dock funktauglich machen. Und Ihr Smartphone, aber auch das Apple iPad oder diverse Tablets, MP3-Player oder Laptops anderer Hersteller unkompliziert (das „Pairing“ erfolgt auf Knopfdruck) und tadellos im Raum erschallen lassen.

Kleines Ding, grosse Wirkung. Und ab sofort kein Geheimtipp mehr.

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