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Heimvorteil

5. April 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (305) „Made in Austria“ ist kaum mehr etwas in der HiFi-Welt. AKG hält die Tradition hoch – mit Ausnahmeprodukten wie dem Kopfhörer K812.

AKG K 812

Manchmal ist Technik stark mit Erinnerung verbunden. Mit bestimmten Orten, Bildern, Logos, ja sogar Gerüchen.

In diesem Fall ist es eine ehemalige Produktionsstätte der „Akustische und Kino-Geräte Gesellschaft m.b.H.“ in der Brunhildengasse in Wien-Fünfhaus – einer Gegend, in der ich meine Pubertät durchlebte. Die Firma AKG (die Abkürzung erklärt sich damit von selbst) genoss jedenfalls schon in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einen legendären Ruf, der den beschaulichen Bezirk mit dem internationalen Rock’n’Roll-Business in Beziehung brachte. Und damit auch einen jugendlichen Musikfan wie mich elektrisierte.

1947 von Dr. Rudolf Goerike und Ing. Ernst Pless mit nur fünf Mitarbeitern gegründet, erwarb sich AKG rasch Weltruf in der Audio- und Video-Branche. Projektoren, Lautsprecher und Mikrofone kamen in Kinos, Veranstaltungssälen und Musikclubs zum Einsatz, ab 1949 baute man auch Kopfhörer. Herbert von Karajan verwendete AKG-Equipment ebenso wie die Beatles, Rolling Stones, ABBA, Stevie Wonder oder Falco. Zunächst war Philips internationaler Partner, heute gehört das Unternehmen zur amerikanischen Harman-Gruppe, die einige berühmte HiFi-Traditionsmarken unter ihren Fittichen hat. Der Kaufpreis anno 1993: ein symbolischer Schilling – man war zuvor durch eine aggressive Expansionspolitik ins Trudeln geraten.

Trotzdem gibt es noch AKG-Geräte, die nicht in den USA oder China hergestellt werden. Zuvorderst solche der Profi-Abteilung. So ist man in Wien derzeit besonders stolz auf das Kopfhörer-Modell K812, das als „Superior Reference Headphones“ beworben wird. Und womit? Mit Recht. Ich habe selten ein Audio-Produkt getestet, das einen so exzellenten, natürlichen Klangeindruck hinterließ. Zwar kostet das gute Stück einiges – nämlich mehr als eineinhalb Tausender (diesmal freilich Euro) –, aber in der Profiliga ist präzises Hören ein Imperativ.

Es sei das „kompromissloseste Model der Firmengeschichte“, sagt der Begleitzettel. Nun: in der Form lehnt sich der K812 an frühere Klassiker wie den K240 an. Kann da ein Mittelklasse-Kopfhörer wie mein geliebter Bose Qietcomfort oder der neue Sennheiser Momentum Wireless mithalten? Gute Frage. Nächste Frage. Denn der Profi weiss: wenn man mal auf ein bestimmtes Klangbild eingeschworen ist (das im Idealfall absoluter Neutralität nahekommt), hat man seine persönliche Referenz definiert. Hier ist sie – wohlan! – „Made in Austria“.

Im Aufmerksamkeitsmodus

9. Juni 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (214) “Noise Cancelling” blendet die Umwelt nach Bedarf ein und aus. Bose bringt die Technik in den Alltag.

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Wenn ein Hersteller heutzutage Revolutionäres ankündigt, folgt nicht gerade selten ein Rohrkrepierer. Mit Blitz und Donner. Und einem strengen Geruch in der Luft, die man kurzfristig bewegt hat. Denn das ist das Wesen von PR & Marketing: der Superlativ wird zum Imperativ. Wenn man aber solchermaßen die Erwartungen so hoch steckt, dass sie durch das eigentliche, oft herzlich banale Produkt nur enttäuscht werden können, vernichtet man das eingesetzte Werbebudget doppelt und dreifach.

Ich war also gespannt, als das renommierte Unternehmen Bose dieser Tage zu einer Produktpräsentation in München bat. „Zwei Möglichkeiten für Musikgenuß wie noch nie zuvor“ waren angekündigt. Mehr wollte man vorab partout nicht verraten. Nun hassen Journalisten nichts mehr, als ihre Zeit ohne News-Wert zu verplempern.

Andererseits hat sich Bose über die Jahrzehnte einen Namen als innovativer, agiler, im Markt sehr aggressiv agierender Hersteller von Audio-Produkten gemacht. Die tatsächlich beeindruckende „Noise Cancelling“-Technologie geht auf den Firmengründer Amar G. Bose zurück. Anno 1986 führte man das erste Headset vor, das eine wirksame Lärmreduktion in Pilotenkanzeln und Wohnzimmern ermöglichte. Seither hat man mit den „QuietComfort“ genannten Kopfhörern ein Patzengeschäft gemacht. Was natürlich die Konkurrenz nicht ruhig schlafen ließ.

Der „Soundlink Mini Bluetooth Lautsprecher“, der der staunenden Schreiberschar am Mittwoch in München präsentiert wurde, darf somit in diesem Kontext im Schnelldurchlauf abgehakt werden. Wiewohl er ein respektables Produkt ist – allein, das hat man so oder ähnlich schon anderswo gesehen.

Wirklich spektakulär war aber die Vorführung der neuen „QuietComfort 20“-In Ear-Headphones. Die kleinen Dinger, die man direkt in die Gehörgänge steckt, blenden die Umwelt nach Bedarf akustisch ein oder aus. Und zwar komplett. Wer Musik hört, hört sonst nichts mehr. Er/sie muß aber auch nicht die 44 Gramm leichten Ohrstöpsel rausziehen, wenn plötzlich der Briefträger vor der Tür steht oder ein geschwätziger Sendbote Jehovas. Der sogenannte „Aufmerksamkeitsmodus“ erlaubt auf Knopfdruck die akustische Interaktion mit der Umwelt. Er empfiehlt sich auch, wenn man z.B. auf dem Fahrrad durch die Stadt fährt und die Strassenbahn nicht überhören will.

Well done, Bose! Wenn im nächsten revolutionären Entwicklungsschritt noch die Kopfhörer-Kabel verschwinden, gibt’s die Enthusiasmus-Goldmedaille.

Peaqfeine Markenware?

13. Oktober 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (181) Peaq? Niemals zuvor gehört! Aber bei Mediamarkt & Saturn stehen immer mehr Geräte dieses Namens herum.

Was, bitt’schön, ist denn eine “Hausmarke”? Ich kenne einen DJ dieses Namens. In Wirklichkeit heisst er Michi Beck und ist ein Viertel der Deutsch-HipHop-Veteranen Die Fantastischen 4. Gut, ich muss mich nicht extra blöd stellen: in vielen Konsumtempeln haben Haus- und Eigenmarken, sprich: im eigenen Auftrag fremdproduzierte Produkte, die exklusiv und ultragünstig unter einem Phantasienamen verkauft werden, längst Einzug gehalten. Ich denke da z.B. an “TCM” bei Eduscho/Tchibo. Oder “Privileg” bei Quelle. Auch “ja!, natürlich”-Lebensmittel bei Billa, “S-Budget”-Energydrinks bei Spar oder “Clever”-Klopapierrollen fallen drunter. Sogar Ikea-Fans rücken demnächst wohl in Eigenregie Flachbildfernseher und Multimedia-Sets mit dem vertrauten Logo ins Wohnzimmer. Oder auch nicht.

Hausmarken bedeutet vor allem eins: noch mehr Druck, Druck, Druck auf die Erzeuger und die Konkurrenz. Denn mit teurer Markenware á la Apple und Sony lässt sich im beinharten Verdrängungswettbewerb heute kaum mehr ein Stich machen, die Margen sind – befeuert durch Internet-Freibeuter wie geizhals.at – geschmolzen wie die Pasterze am Großglockner. Was Konsumenten freut, den durchschnittlichen Fachhändler aber an den Rand des Ruins treibt. Erstaunlicherweise auch deren natürliche Feinde, die Elektroriesen – allen voran die marktdominierenden Ketten Mediamarkt und Saturn (die in Wahrheit einem Konzern – Metro – gehören).

Möglicher Ausweg? Erraten: Hausmarken. Hinter dem Saturn/Mediamarkt-Exklusivanbieter “Peaq” z.B. könnte ein anonymer chinesischer Erzeuger stecken, theoretisch aber auch Samsung oder Panasonic. Egal: “Peaq” ist eine Bereicherung. Man bemüht sich nämlich, etwas anderes als 08/15-Produkte zu bauen. Und das wirklich günstig. Schwerpunkt: Heim- und Unterhaltungselektronik.

Nehmen wir z.B. die Aktiv-Lautsprecher Peaq PPA100BT her, hüsch verpackt in weißem oder schwarzem Kunstleder. Sie lassen sich via Bluetooth mit dem Laptop, iPad oder Smartphone verbinden. Und ergeben so eine probate Mikro-Musikanlage. Ohne Verkabelung! (sieht man vom Draht zwischen den Boxen und dem Elektrokabel ab). Allemal eine Alternative zu „Airplay“ von Apple oder anderen proprietären Funk-Lösungen. Im Gegensatz zu (eleganteren, aber meist auch deutlich teureren) monolithischen Standgeräten z.B. von Bose oder B&W kriegt man mit zwei Brüllwürfeln auch eine gewisse Stereo-Bandbreite hin. Nun, tendenziell topfig klingen die schnuckeligen Peaqs schon – aber klar besser als die üblichen PC-Plastikboxen. Bei einem Paarpreis von unter 170 Euronen – bisweilen auch noch deutlich darunter – kann man nicht meckern.

Trotz offensichtlichen Erweiterungs- und Verbesserungspotentials: merken Sie sich den Namen, da steht uns noch mehr ins Haus.

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