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Plug’n’Pray

23. Februar 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (200) Egal, was die Werbung sagt: Technik im Alltag wird immer undurchschaubarer.

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Diese Kolumne ist eine Zerknirschungskolumne. Und in gewisser Weise die Fortsetzung, Präzisierung und Verschlimmbesserung meiner Erkenntnisse der Vorwoche. Womit wir bei einer Trilogie der alltäglichen Wunderlichkeiten angelangt wären. Die Ausgangslage lässt sich so zusammenfassen: viele Geräte – allen voran Smartphones – sind heutzutage eilerlegende Wollmilchsäue, können also fast alles. Aber einiges davon nicht wirklich gut. Was wiederum teuren, spezialisierten Profi-Werkzeugen ihre Berechtigung und ihre Zielgruppe gibt. Setzt man z.B. auf einen Mittelklasse-Camcoder statt auf die längst standardmässig vorhandenen Bewegtbild-Features einer Billig-Cam, einer Spiegelreflex oder gar eines Mobiltelefons, macht sich das in der Praxis, zuvorderst im Handling und in der Bild-/Ton-Qualität, schon deutlich bemerkbar.

Umso ärgerlicher und unverständlicher ist es dann, wenn solche (semi)professionellen Tools erst recht wieder gröbere Mängel aufweisen. Bei der Canon XA10 etwa, einem wunderbar ausgeklügelten und dennoch leistbaren Camcorder, schlug ich mich mit der Anbindung an meinen Apple iMac zum Zweck der simplen Überspielung des Videomaterials herum. Und zog spontan eine mieselsüchtiges Fazit. In aller Öffentlichkeit. Was natürlich Canon nicht freut.

Und, ja, ich verstehe inzwischen die Problematik, die den Marketing-Managern das Leben genauso schwer macht wie den Entwicklungschefs und dem gemeinen Konsumenten: hier treffen neue und neueste Codecs, also Speicherformate, auf allerlei proprietäre Besonderheiten, Kopierschutz-Massnahmen und unterschiedlichste, bisweilen auch ältere Hard- und Software auf der User-Seite. Plug’n’play, also Gerät anstecken, Files rüberziehen, fertig! spielt es nur bei Windows-Geräten, nicht bei Apple. Oder wiederum nur, wenn man Final Cut Pro X installiert hat. Oder Trick Y anwendet. Oder… Plug’n’pray! Das Netz ist voll mit Videoten, die in unzähligen Foren-Postings ihre individuelle Misere darlegen. Die einen raufen sich die Haare und kommen auf keinen grünen Zweig, die anderen lachen erstere aus und meinen, das wäre doch eh ein Kinderspiel („And what part of this was too complicated for you?“).

Mein freundlicher Ansprechpartner bei Canon Österreich hat extra in London und Tokyo angeklingelt. Jede Wette, dass bei der Recherche nichts rauskommt ausser ein entschuldigendes Achselzucken: die Systeme, die hier (nicht) ineinandergreifen, sind Teil des Problems. Nicht der Lösung. Weil einfach: zu komplex.

P.S.: Im Moment schlage ich mich damit herum, Video-Files von einem USB-Stick auf einem Sony-TV-Flachbildschirm abzuspielen. Das Gerät ist dazu fähig. Angeblich. Ich nicht.

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