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Der Frau Glatzmayer-Test

7. Oktober 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (180) Der härteste Test der Welt: Frau Glatzmayer und der Dyson DC45-Staubsauger.

Ich habe eine Rüge bekommen. Der Dyson DC44, den ich neulich zum Test angefordert habe, heisst gar nicht so. Sondern DC45. Und nur in Grossbritannien DC44. Ich hatte mich wohl auf die englische Homepage des Unternehmens verirrt. “Achtung!” schrieb mir die charmante PR-Agentin. “Sonst verwirren wir den heimischen Konsumenten!”.

Nein, sage ich, kann nicht sein. Denn dieser Staubsauger ist unverwechselbar. Er könnte in jedem Science Fiction-Trash-Movie eine Hauptrolle spielen. Als Laser-Kanone. Oder so. Und jeder Planet hat eine eigene Farbkombination. Es gibt den DC45 “Animalpro” mit blauem Alu-Saugrohr, das selbe Modell in Fuchsia und speziellem Aufsatz, um Regale und Kästen bequem obenrum von Staub zu befreien, und ein Normalbürger-Modell in silber/iron. Information übermittelt, Hausaufgabe erledigt.

Den eigentlichen Testparcours habe ich Frau Glatzmayer abstecken lassen. Sie ist die Perle vieler Haushalte – und in ihrem Urteil so gnadenlos wie unbestechlich. Bringt man ihr einen 08/15-Beutelstaubsauger, verweigert sie die Kooperation. “Was soll ich mit dem Ding?” meint sie dann kopfschüttelnd und in einem Tonfall, als hätte man Paul Bocuse eine 20 Euro-Elektrokochplatte als Arbeitsinstrumentarium angedient. Oder Manfred Klimek (wahlweise: Ingo Pertramer) eine Kodak Instamatic. Die Brauchbarkeit oder Unbrauchbarkeit selbst deklariert professioneller Tools wird von ihr innert Minuten herausgefunden. Und ziemlich deutlich kommuniziert. Jeder Haushaltswaren-Erzeuger, der Qualitätskontrolle nicht an allerletzte Stelle setzt – und erst recht die Konsumentschutzinformation –, sollte die Telefonnummer von Frau Glatzmayer haben. Natürlich rücke ich sie nicht heraus.

Um es kurz zu machen: der DC45 hat den Test bestanden. Mit Bravour. Ja Grandezza. Genaue Schilderungen der Quantität und Qualität des Drecks, der sich nach einem furiosen Putzdurchgang (Turbo-Taste ein!) im Zyklon-Behälter wiederfand, möchte ich dem p.t. Publikum ersparen. Der einzige wirkliche Schwachpunkt des kabellosen Modells ist der Akku, der gerade mal 20 Minuten Saugen am Stück ermöglicht. Und wahrscheinlich ist bei Dyson ein – gewiss formidabel designeter – Zweitakku so teuer wie anderswo ein kompletter Staubsauger.

Nur: Frau Glatzmayer wird nichts anderes mehr akzeptieren. Am besten, ich fange schon mal an zu sparen.

More Suck For Your Buck

29. September 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (179) Was kümmert uns das iPhone 5, wenn Mister Dyson den Staubsauger neu erfindet?

Ich weiss nicht, ob es im Elektrofachhandel noch die altertümlichen Begriffe “Weißware” und “Braunware” gibt. Das Verkaufspersonal unterschied einst kategorisch unter diesem Titel Haushaltsgeräte wie Herde oder Waschmaschinen (die waren nun mal in der Regel weiß) und Unterhaltungselektronik – was wohl noch auf Zeiten zurückgeht, da Fernseher, Radios und Phonotruhen Holzgehäuse trugen.

Nun gilt letztere Abteilung, zumindest bei Vertretern der männlichen Spezies, seit jeher als sexy. Wenn auch eventuell zu Unrecht. Die Weißware dagegen, technisch nicht minder anspruchsvoll, blieb der Sphäre der Hausfrauen-Arbeit zugeordnet – verdienstvoll und notwendig, aber unglamourös. Mag sein, dass die Emanzipationsbewegung und die Erosion gesellschaftlicher Geschlechter-Klischees hier etwas zum Besseren gewendet haben – aber ein Staubsauger ist ein Staubsauger ist ein Staubsauger. Und bleibt es in der Regel auch.

Dann kam James Dyson. Die Legende, wie der britische Tüftler – frustriert von einem Gerät der Marke Hoover – quasi eine ganze Branche neu erfand, lässt sich im Internet nachlesen. Der Zyklon-Staubsauer DC01, eingeführt 1993, wurde zum Prototypen einer revolutionären Bauart von Geräten ohne Staubbeutel. Der US-Hersteller Hoover wurde pikanterweise ein paar Jahre später wegen Ideenklaus bei Dyson zu einer Strafzahlung verurteilt.

Seither ist viel Wasser die Donau hinuntergeflossen. Dyson hat jede Menge Gehirnschmalz und noch mehr Marketingkohle in die Botschaft investiert, das Äquivalent von Apple (wir wollen hier vom Etikett “Braunware” absehen, auch wenn Apple-Designchef Jonathan Ive sich viel bei Braun-Legende Dieter Rams abgeschaut hat) im Haushaltsbereich zu sein. Tatsächlich sieht das allerneueste Produkt der Engländer noch tollkühner aus als all die futuristischen Putzmaschinen zuvor: der Dyson DC45.

“Vergessen Sie herkömmliche Staubsauger!” lautet die Ansage. Und (allerdings nicht offiziell): „More suck for your buck!“ Hier wurde, scheint’s, das Rad quasi „digital slim“ noch mal neu erfunden. Mit Karbonfaserbürste, Pistolengriff, Lithium-Ionen-Akku und metallisch blau schimmerndem Alusaugrohr sollen z.B. Katzenhaare ratzfatz und hundertzehnprozentig im Zyklonbehälter verschwinden.

Schau’n wir mal. Der Test wird hart. Aber es ist das erste Testgerät, bei dem mich – heissa! – meine Freundin nicht mit einem ironisch-genervten Augenaufschlag bedenkt.

(Fortsetzung folgt)

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