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It ain’t over till it’s over

3. Juni 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (411) Nichts währt ewig. Erst recht nicht in den tiefsten Maschinenräumen der Medienwesens.

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Die letzte Kolumne hierorts schreibe ich mit einer Krücke. Nein, kein Beinbruch. Ich musste einen uralten Laptop aus dem Keller holen, weil mein aktuelles MacBook Pro gerade beim Service ist. Display-Tausch.

Zwar gibt es bereits komplett neue Apple-Notebooks zu jenem Preis, der für diese Reparatur veranschlagt wurde, aber ich hänge an dem Ding (zumal ein Dual-Core Intel i7-Prozessor und eine 512 Gigabyte-SSD-Festplatte technisch immer noch das obere Ende der Fahnenstange markieren). Es hat mich bislang niemals in Stich gelassen – bis vor kurzem lästige Streifen und unschöne Flecken auf dem Bildschirm auftauchten. Ein Phänomen, das in der Fachwelt unter dem Namen “Staingate” bekannt ist – und Apple veranlasste, bei betroffenen Geräten das Display auszutauschen. Kostenlos.

Und hier offenbart sich drastisch der Unterschied zwischen lustlosen (oder schlicht uninformierten) und engagierten Händlern, Reparaturshops und Servicetechnikern. Während die einen nicht einmal einen beiläufigen Blick auf den Schaden werfen und gerade mal “Kostet 750 Euro, eventuell mehr!” hervorpressen, verweisen die anderen auf die Generosität von Apple. Dennoch gilt dieser Gigant bezüglich Händlermargen und Kundenorientierung sonst eher als Knauserant… Wenn also alles klappt und der freundliche Betreiber des Apple-Stores auf der Wiedner Hauptstrasse in Wien noch heute anruft, werde ich ihm ein Eis spendieren. Mindestens.

Was aber, wenn Apple noch reicher werden möchte und ein neues Display regulär (also kräftig überteuert) in Rechnung stellt? Dann könnte es gut sein, dass ich eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstelle, die eher blindwütig ausfällt als rational. Es wäre zumindest das Ende einer Liebesbeziehung. Aber so ist der Weg alles Irdischen. Alpha und Omega. Nichts währt ewig.

Ja, die Endlichkeit… Gerade erst habe ich gelesen, dass es in Hinkunft keine FM4-Soundselection mehr geben soll, jedenfalls auf CD. Vor mir liegt ein Buch, das “Vom Ende des Verkehrs, wie wir ihn kannten” handelt (“Die digitale Mobilitätsrevolution”). Und Tesla-Chef Elon Musk will nicht mehr US-Präsident Donald Trump als Berater dienen. Der, ganz trotziger Trottel, möchte ja bekanntermassen aus dem Weltklimavertrag aussteigen – steht auch das Ende dieses Planeten (exakter: das seiner Bewohner) zur Disposition? Final wahr ist freilich der Satz von Heinrich Heine: „Alles in der Welt endet durch Zufall und Ermüdung.“

Und damit Schluß! Der “Maschinenraum” übersiedelt – danke an “Die Presse” für die langjährige Gastfreundschaft. Und Ihre Aufmerksamkeit.

Wegweiser

9. Mai 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (310) Vielleicht kann man Elektroautos ja mit Strom betreiben, der aus hitzigen Diskussionen gespeist wird?

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Fortsetzungen vor- und vorvorwöchiger Kolumnen sind oft die einzige Möglichkeit, den begrenzten Raum hier zu sprengen. Dieser Trick ist aus gutem Grund aber unbeliebt. Nichts ist älter als die Zeitung von gestern. Und an die „Presse am Sonntag“ mit Erscheinungsdatum Anfang Mai und ihre bunten Themenpracht erinnert sich kaum jemand mehr – es sei denn, es gab (und gibt) Stoff für ausufernde Diskussionen und emotionale Aufladung.

Derlei scheint mir letzte Woche geglückt zu sein. Unfreiwillig. Denn ich hatte keine weltumspannende Debatte über die Vor- und Nachteile der elektrifizierten Fortbewegung im Sinn, als ich meiner Begeisterung für Tesla Ausdruck verlieh. Der p.t. Leserschaft ist das natürlich egal. Zurecht. Die Reaktionen schwankten zwischen begeisterter Zustimmung und wütender Ablehnung meines Postulats, es handle sich beim Tesla Model S schlichtweg um das faszinierendste derzeit käuflich erwerbbare Auto. Kalt scheint das Thema Zukunftsmobilität jedenfalls kaum jemanden zu lassen – ausser dogmatische Anhänger der Fahrrad-Religion, die sich aber erst recht in jede Diskussion einmischen. Ebenfalls vollkommen zurecht.

Bietet das E-Mobil eine reelle, ja nachgerade elegante Möglichkeit, dem nahenden Ende der Ära der fossilen Brennstoffe im Rückspiegel eine lange Nase zu zeigen? Die Antwort lautet: ich habe nicht die leiseste Ahnung. Auch die Fachleute legen sich (noch) nicht wirklich fest. Jede Wette übrigens, dass in diesem Kontext der aktuelle Theaterdonner in der Chefetage des Volkswagen-Konzerns mit einem Richtungsentscheid zu tun hat… Denn der Umstieg auf neue Konzepte wird, so radikal er in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erfolgen muss, zwangsläufig eine Denkschule favorisieren.

Und hier hat – so sehr einzelne Bausteine einer grösseren Vision begeistern mögen (Teslas Elon Musk z.B. versucht gerade, Haushalte mit kühlschankgrossen Batterien in autarke Energiezellen zu verwandeln und damit der Atomlobby den Strom abzudrehen) – der Konsument das letzte Wort. Was aber, wenn der den Toyota Mirai, der mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle fährt, attraktiver findet als den kommenden Tesla-SUV oder das Billigsberger-Modell 3 aus gleichem Haus? Jedenfalls wird die Sache konkreter und konkreter. Und damit angreifbarer, in jedem Sinn des Wortes.

Auch der beste Motor-Journalist des Landes, David Staretz, reibt sich immer wieder an diesem Themenkomplex. So richtig schlau werde ich aus seiner philosophischen Ambivalenz nicht. Aber es macht demütig (und reichlich Spaß), ihm beim Nachdenken zu folgen. Bis auf weiteres in Medien, die noch immer nach Druckerschwärze und Benzin duften *). Aber sicher nicht bis in alle Ewigkeit.

*) Die Autorevue-Jubiläumsnummer (No. 1/2015, „50 Jahre Autorevue“) ist gemeinsam mit dem aktuellen Premium-Sonderheft („Supertest 2014“) noch am Kiosk erhältlich. Zum Sonderpreis. Empfehlung!

Langstreckentest

1. Mai 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (309) Machen Sie selbst den Test: mieten Sie mal einen Tesla. Er wird Sie mit Garantie elektrisieren.

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Kaum eine Automarke wird in dieser Kolumne häufiger genannt als Tesla. Das steht in einem reziproken Verhältnis zur hiesigen Kfz-Verkaufsstatistik, hat aber gute Gründe: das Unternehmen rund um den US-Visionär Elon Musk ist ein Vorreiter der Elektro-Mobilität.

Zunächst mit einem elitären Roadster, nunmehr mit einer halbwegs leistbaren Limousine – dem auch nicht gerade unsportlichen Model S – hat man eine konsequente Philosophie entwickelt. Und erstaunliche Erfolge erzielt. Also: eine dezidierte Zukunftsperspektive. Naturgemäß stand ein Tesla schon länger auf der Test-Wunschliste.

Man nimmt dafür gerne in Kauf, mit dem auffälligen Kennzeichen W Blitz 8 unterwegs zu sein. Immerhin: Blitz 6 haben mir die freundlichen Herren des Leihgebers blitzzcar.com (Motto: „Wir sind Dein Auto“) erspart. Aber auch so darf man sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen, wenn man mit dem elegant gestylten Mobil durch Graz kurvt.

Das hatte ich mir vorgenommen: die Langstreckentauglichkeit eines Tesla zu prüfen. Skepsis ist ja der ständige Beifahrer des Konsumenten. Nun: die Hinfahrt über die Südautobahn verlief bestens. Es galt nur, mittels Tempomat strikt im Rahmen der gesetzlich erlaubten Geschwindigkeiten zu bleiben – das Drehmoment des Elektromotors (das Gefährt beschleunigt in 5,4 Sekunden von Null auf Hundert km/h) bei gleichzeitigem Flüster-Geräuschpegel verführt zu höheren Tempi. Die Straßenlage – man sitzt ja auf rund 8000 gewichtigen Lithium-Ionen-Akkuzellen – dito.

Wenn man mit 80 Prozent Ladung in Wien losfährt, liegt Graz locker in der Reichweite von über vierhundert Kilometern. Die Rückfahrt bedarf dann allerdings sorgfältiger Planung. Denn in der zweitgrößten Stadt der Republik gibt es bis dato keinen „Supercharger“, der das Fahrzeug rapide mit bis zu 120 kW Gleichstrom auflädt. Und das gratis. „In Bau“ vermerkt das bordinterne Internet. Stattdessen muss man sich bei Autobahnstationen oder auf Merkur-Parkplätzen stundenlang mit weit langsameren Zapfsäulen herumschlagen. Bei manchen lächeln einem schwachstromhungrige E-Biker und staunende Passanten verhalten zu.

Aber es wäre degoudant, zu klagen. Es gibt, wage ich zu behaupten, derzeit kein faszinierenderes käuflich erwerbbares Auto auf diesem Planeten. „Auto“ ist vielleicht zu kurzgegriffen: es ist ein Mobilitäts- & Energiekonzept. Eigentlich ist der Tesla ja ein Computer auf Rädern. Mit dem nächsten Software-Update, flüsterte man mir leise zu, könne das Ding mich auch ohne mein Zutun kutschieren. Wenn es denn der Gesetzgeber erlaubt.

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