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Selbstzünder und Spätzünder

12. Februar 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (397) Der neue Opel Zafira zeigt EU-Politikern und ihrer frisch entdeckten Diesel-Aversion elegant den Zeigefinger.

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Ich war jetzt einige Tage mit einem neuen Opel Zafira als Testfahrzeug unterwegs. Das ist ein Modell, das mir sehr liegt – eine, anders als so viele SUVs, wirklich geräumige und dabei immer noch kompakte Familienkutsche. Die sich, aus guten Gründen, geschmeidig verkauft. Und so Opel einmal fast vor der Pleite bewahrt hat. Nebstbei: ich nutze auch privat einen Zafira, freilich die erste Serie, Baujahr 2000. Und war insofern gespannt auf einen Vergleich der Generationen.

Um es vorwegzunehmen: das Ding fuhr sich anders als mein alter Opel. Nicht nur, dass mit jeder Nachfolgegeneration mehr und mehr Luxus draufgeschlagen wird (das adaptive LED-Licht ist eine wirkliche Verbesserung, auf die nervenden Zeigefinger und Warntöne der alles überwuchernden „Fahrerassistenz“-Elektronik würde ich liebend gern verzichten) – es lag auch am Dieselmotor des Testmodells. Der Schub von unten heraus, also aus niedrigen Drehzahlen, ist ja ein Vorzug des aufwändigeren Motorprinzips. Nominell ist mein zerschrammter Benziner mit Automatik etwa gleich stark, der getestete 2.0 CDTI Ecotec mit Schaltgetriebe spart – bei mehr Agilität – aber doch deutlich beim Verbrauch. Sowohl was das Volumen betrifft als auch die Kosten pro Liter. Fast die Hälfte nämlich. Gut, alles andere wäre beim rasanten Fortschritt der Technik fast schon verwunderlich.

Und doch knicken die Zulassungszahlen für Dieselmodelle ein. Verunsicherung allerorten! Und die hat nicht nur mit dem systematischen Abgaswerte-Schwindel des ehemaligen Diesel-Vorreiters Volkswagen zu tun. Sondern auch mit der Unberechenbarkeit der Politik im Bermuda-Dreieck BrüsselBerlin-Wien. Man schwankt. Und schwenkt – eventuell radikal. Es ist schon kurios: wenn man nach nachforscht, was denn eigentlich der Grund für die steuerliche Bevorzugung von Diesel-Kraftstoff gegenüber Benzin ist, findet man kaum Stichhaltiges.

Ursprünglich ging es darum, Traktoren und Landmaschinen mit billigem Sprit zu versorgen und den gewerblichen LKW-Verkehr „vor dem internationalen Kostenwettbewerb zu schützen“. Zu einem Zeitpunkt, als der Selbstzünder mit seinem prinzipiellen Vorteil des besseren Wirkungsgrades im Personenverkehr kaum noch eine Rolle spielte. Ab Mitte der achtziger Jahre änderte sich das drastisch – heute sind mehr als die Hälfte aller Autos, die auf unseren Strassen unterwegs sind, Dieselschlucker. Hier wurde eine Industrie und eine Bevölkerungsgruppe jahrzehntelang massiv subventioniert. Die Kritik daran wächst. Zurecht. Und es ist nicht nur eine Frage der Umwelt, sondern eine des Prinzips.

„Der neue Zafira liefert genau das, was man von moderner deutscher Ingenieurskunst erwartet“, lese ich im Prospekt. Ehrlich gesagt: ich erwarte mir da mehr. Und doch ist es, abseits aller Diesel-Bedenken, zutreffend: weil dieses Modell (wie alle anderen Opel-Fahrzeuge neuester Generation) auch ein wirklich innovatives, elegant verstecktes Fahrradträgersystem („FlexFix“) an Bord hat. Chapeau!

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