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Künstliche Unintelligenz

18. Dezember 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (390) Was technisch machbar ist, wird gemacht. Ob es sinnvoll ist, steht oft auf einem anderen Blatt.

A prototype of Google's own self-driving vehicle is seen during a media preview of Google's current autonomous vehicles in Mountain View, California

Hier und heute lesen Sie bestenfalls die zweitbeste Technik-Kolumne, die diese Woche in der „Presse“ erschienen ist. Die erstbeste (im Sinn von: die mit Abstand gelungenste) war am Donnerstag im Blatt und im Netz zu finden.

Sie stammte von Friederike Leibl – und war, oberflächlich betrachtet, durchzogen von Technikfeindlichkeit. „Jedes Mal, wenn von selbstfahrenden Autos die Rede ist, denke ich mir, wer will soetwas eigentlich?“ hob die geschätzte Kollegin ihr aufreizendes Pamphlet an, um letztlich zum Schluß zu gelangen: „Ich will keinen Kühlschrank, der selbst bestellt, wenn er leer ist, ich will auch keine Heizung, die sich automatisch einstellt, ich will Dinge, die so funktionieren, wie ich das bestimme.“

Nun könnte man einwerfen, gelegentlich würde es reichen, die Bedienungsanleitung zu lesen, damit Dinge auch wirklich so funktionieren, wie es ihrer Bestimmung entspricht. Aber, sorry, dieser Ansatz greift zu kurz. Friederike Leibl hat recht. Punktum. Technik, die sich nur an den eigenen Möglichkeiten und ihrer inhärenten Logik beweist, darf getrost als Fehlkonstruktion betrachtet werden. Der Mensch – so ziemlich das unberechenbarste, unmündigste und unvollkommenste Wesen des bis dato erforschten Weltenraums – ist der entscheidende Faktor. Und bleibt es auf absehbare Zeit.

Es mag ja zum Beispiel gut sein, dass autonome, also von künstlicher Intelligenz gesteuerte Fahrzeuge theoretisch weniger Unfälle bauen als solche, die von Menschenhand gelenkt werden. Aber wie will man das in der Praxis erproben? Solange humanoide Unintelligenz auf unausgereifte High Tech-Systematik trifft – und das wird wohl im Alltagsverkehr der Fall sein (müssen) –, sehe ich schwarz. Erst recht, wenn sich die Bahnen von dogmatischen Technik-Trunkenen, beschwingten Fuzzy Logic-Autopiloten und herkömmlichen Besoffenen kreuzen.

„Form follows function“, heisst ein kluger Leitsatz des Produktdesigns. Schon aus der äusseren Form (und, in komplexeren Gegenständen, der Qualität der Benutzeroberfläche) soll sich ohne Umwege, Umständlichkeiten und überflüssigen Zierrat der Gebrauchswert ableiten lassen. Hier Gehirnschmalz reinzustecken ist eine Investition, die sich möglicherweise nicht in Profit, aber in Nutzer-Zufriedenheit niederschlägt. Der Angelpunkt ist schon heute (und wird es in Zukunft stärker denn je sein), die Schnittstellen zwischen den immer mächtigeren Möglichkeiten der Technik und den oft banalen Wünschen der Menschen so elegant, zielführend, solide und verlässlich wie möglich zu gestalten.

Man kann Friederike Leibl – die stellvertretend für Millionen Laien ihr Unbehagen am Status Quo formuliert hat – Fortschrittsfeindlichkeit vorwerfen. Aber wirklich ewiggestrig ist es, Ihre Botschaft nicht mal ansatzweise verstehen zu wollen.

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Volksporsche 2.0

22. Februar 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (300) Finden wir demnächst einen angebissenen Apfel als Kühlerfigur eines High Tech-Luxus-Autos?

Apple Car (c) The Onion

Diese Kolumne basiert auf purer Spekulation. Aber derzeit überschlagen sich die Spürnasen der Branche – allen voran das „Wall Street Journal“ und hierzulande der löbliche neue Motorblock-Motor-Blog der Kollegen Sauer und Josel – in Sachen Gerüchteverdichtung. Wenn es stimmt, was man da so an Fingerzeigen, Fantasien und Fakten zusammenträgt, wäre es tatsächlich sensationell. Gerücht No. eins: der Computer- & Lifestyle-Konzern Apple, die finanziell potenteste Firma weltweit, baut ein Auto. Gerücht No. zwei: Österreich mischt mit. Und zwar in Form des Automobilindustrie-Zulieferers Magna Steyr.

Aber hallo! Unter dem Codenamen „Titan“ soll Apple jedenfalls seit geraumer Zeit in einem Geheimlabor mit hunderten Mitarbeitern an einem Vehikel basteln, das optisch an einen Minivan erinnert und mit einem Elektromotor bestückt ist. Nun gilt Magna Steyr gerade in der Akku- und Antriebs-Technik (Marke: B:LiON) als besonders innovativ und kompetent. Die Partnerschaft wäre also eine logische.

Zwar dementiert die Apple-Firmenzentrale in Cupertino sogar, dass sie irgendetwas dementiert, aber die Indizien mehren sich, dass es sich nicht nur um ein hobbyistisches Nebenprojekt eines spinnerten Abteilungsleiters handelt. Jedenfalls beschweren sich schon die alteingesessenen Konzerne – allen voran Mercedes und der E-Mobil-Fackelträger Tesla – heftig über Abwerbungsversuche von Branchen-Spitzenkräften seitens der neuen Konkurrenz.

Wird also Bruno Kreiskys Vision eines „Austroporsche“ doch noch Realität? Abwarten. Denn bevor dieser – wie zu vermuten ist – kühne Wurf mal auf den heimischen Landstrassen herumgurkt, gilt es, eine wirklich sinnstiftende Verzahnung von Mobilitäts- und Informationstechnologie unfallfrei hinzukriegen. Das ist allem voran eine Sicherheitsfrage. Schon jetzt machen sich Hacker einen Spass daraus, Teslas zu lokalisieren und die Türen wie von Geisterhand zu öffnen oder die Lücken im On Board-System eines BMW aufzuzeigen. Dabei steckt die Verquickung von IT und Mechanik erst in den Kinderschuhen; die Autoindustrie gilt als relativ konservativ.

Was sich eventuell als Vorteil herausstellen könnte: die Beta-Testphase des intelligenten, eventuell sogar selbstfahrenden, möglicherweise aber auch ungewollt fernsteuerbaren Autos – auch Google bastelt ja gerade an einem solchen Gefährt – möchte ich realiter nicht am eigenen Leib erfahren.

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