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Die Rache des Digitalen

11. April 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (403) Wenn schon Audio-Streaming, dann mit den richtigen Geräten – hier zwei aktuelle Highlights.

Streamer

Natürlich ist es für einen kolumnistisch aktiven Funkberater nicht der Weisheit letzter Schluß, wenn am Ende einer Betrachtung herauskommt, dass jeder nach seiner Facon glücklich werden möge.

Zumal, wenn man danach trachtet, nicht einfach nur schöngeistig vor sich hin zu philosophieren, sondern auch tunlichst handfeste und sachdienliche Hinweise zu geben. Davon lebt ja eine ganze Sparte des Technik-Journalismus: das jeweils beste, praktischste, preiswerteste Angebot am Markt zu identifizieren. Und möglichst spannend und kundig zu beschreiben.

Insofern will ich meine vorwöchige Epistel – Sie erinnern sich? Es ging um die schwierige Entscheidung, ob man denn nun zwecks persönlichen Musikgenusses endgültig auf Streaming umsteigen solle – nachbessern. Vorweg aber noch ein Erkenntnis, die ich der Lektüre des druckfrischen Buches „Die Rache des Analogen“ von David Sax (Empfehlung!) abgerungen habe: es geht in unserer heutigen Konsumwelt fast ausschliesslich um Lustgewinn.

Kurioserweise lässt sich dieser immaterielle Faktor nicht zwingend mit dem Grad erhöhter Bequemlichkeit verknüpfen (eine Domäne des Digitalen!) – bisweilen eher mit dem Gegenteil. Wer würde sonst anno 2017 altertümliche Vinylscheiben aus Papierhüllen holen und umständlich auf einem Plattenspieler applizieren wollen?

Genug sinniert. Frägt man mich nach probaten, zeit(geist)gemässen Streaming-Tools, habe ich auch ein paar Tipps auf Lager. Den Boomster XL der Berliner Firma Teufel etwa. Das ist so ziemlich der mächtigste Ghettoblaster am Markt, den man via Bluetooth mit dem Smartphone oder Tablet bespielen kann. Es gilt die alte Rock’n’Roll-Regel: Volumen kann durch nichts ersetzt werden („Der Teufel Boomster XL ist anders als der nette Bluetooth-Lautsprecher von nebenan“, beschreibt es netzwelt.de).

Dass man mit diesem Monster (am Netz oder per Akku) auch angenehm füllig tönenden Radiosprechern lauschen oder eine Spontan-Party beschallen kann, liegt auf der Hand. Ratschlag: wenn Sie ein gerade noch mobiles – zehn Kilo! – Zweitgerät für den Schrebergarten erwerben wollen, hören Sie sich den XL-Boomster an. Teufel auch! Klingt fast nach einer ernsthaften Stereoanlage. Und das ist nicht nichts.

Apropos Stereoanlage: da gibt es immer mehr eierlegende Wollmilchsäue am HiFi-Hardware-Markt. Und das zu wirklich erschwinglichen Preisen. Den Verstärker NC-50DAB von Pioneer etwa, der zugleich CD- und Network-Player ist, so ziemlich jedes Format und jeden Streaming-Dienst (außer Apple Music) abspielen kann und auch den Anschluß eines Plattenspielers zulässt. Früher hat man dazu Kompaktanlage gesagt – zwei Lautsprecher angehängt und alles ist spielbereit. Ich habe das Gerät gerade im Test. Und, ja, es klingt erstaunlich erwachsen.

Richtig warm werde ich mit den Digitaldingern aber immer noch nicht. Obwohl sie alles richtig machen. Kann es sein, dass mein Lustzentrum nach Fehlern, Kompliziertheit und ewiger Herumgschistelei verlangt?

Entweder. Oder.

11. März 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (400) Wir wollen alle nur eins: das Beste. Aber bei Alltagstechnik ist es nicht leicht aus dem unübersehbaren Angebot herauszufischen.

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Eine der wenigen Musikmanagerinnen dieses Landes – höchste Zeit, dass es mehr werden! – stellte dieser Tage auf Facebook eine Frage. Und erhoffte Antwort. Die Frage war ungewöhnlich knapp und konkret formuliert: „Bose QuietComfort 25 oder Sony MDR-1000X?“

Dazu muss man wissen, dass es sich um Kopfhörer handelt. Und zwar zwei jener besonders gefragten Modelle, die einerseits noch bezahlbar sind, andererseits den aktuellen Stand der Technik repräsentieren. Und dabei tunlichst gut klingen. Solche Kopfhörer gibt es von etlichen Markenherstellern (gelegentlich gesellt sich auch ein Newcomer dazu) – etwa von Sennheiser, Teufel, Philips, JBL. Und einigen mehr.

Die mit Blick auf das Sony-Modell implizit erwünschte Features-Kombination Bluetooth – also kabellose Übertragung der Musik, etwa vom Handy – und Noise Cancelling beherrschen aber in wirklich brauchbarer Qualität nur wenige. Letztere Eigenschaft, also die Unterdrückung des Umgebungslärms, ist eine langjährige Domäne des US-Herstellers Bose. Kein Wunder also, dass das Spitzenmodell – hier wäre es eigentlich der QuietComfort 35, der Nachfolger des kabelgebundenen Modells 25 – in jeder einschlägigen Bestenliste auftaucht.

Nun ist das so eine Sache mit Bestenlisten. Viele riechen verdächtig nach Marketingzuschüssen und Promotion-Tamtam, nachvollziehbare Wertungen liefern die wenigsten. Es gibt einige löbliche Ausnahmen (auch wenn sich der kommerzielle  Hintergrund nicht leicht recherchieren lässt) – etwa die Online-Plattformen AllesBeste.de oder Netzwelt.de. Speziell fokussiert ist Kopfhoerer.de. Im englischsprachigen Raum finden sich solch clever gestrickte Konsumenten-Wegweiser, oft mit Bewegtbild, weit häufiger, einige gelten auch als wirklich kritisch und weitgehend verlässlich. Auch die altbekannten HiFi-Magazine mischen mit.

Wie immer, wenn man sich für Produkte der Unterhaltungselektronik-Welt interessiert, ist ein Quercheck im Web angebracht (das gilt auch für den sogenannten „Marktpreis“). Man möge sich in punkto Glaubwürdigkeit ruhig auf den eigenen Instinkt verlassen: reine PR-Lobhudeleien riechen rasch verdächtig.

Nun führt AllesBeste.de aktuell den Sony MDR-1000X als „besten Kopfhörer mit Noise Cancelling“, er hat den bisherigen Favoriten aus dem Hause Bose abgelöst. Das muss noch nichts heissen. Aber exakt hier beginnt der persönliche Testparcours, sprich: der notwendige direkte Zweiervergleich. Mit eigenen Ohren. Ich sage Ihnen: der Sony kann gewiss nichts schlechter als sein Konkurrent, klingt subjektiv etwas neutraler (Geschmackssache!) und besitzt einige clevere Details (etwa die Steuerung an der Ohrmuschel oder die intuitive „Talkthrough“-Funktion).

Aber, wie gesagt: Sie werden um eine lustvolle finale Hands On-Entscheidungsfindung nicht herumkommen (und Sie können Online-Versandhäuser ärgern, in dem Sie beide Kontrahenten bestellen und das unterlegende Modell kommentarlos zurückschicken; ich empfehle aber doch den Fachhandel). Ausser Ihnen fehlt partout die Zeit.

Das Befragen der Crowd trägt dagegen – Ausnahmen bestätigen die Regel – mehr zur Verwirrung bei als zur Klärung. Weil: „X kenn’ ich nicht, aber Y ist super“ und vice versa: eh, danke.

Hörtest

25. Februar 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (398) MQA heisst der neue Fetisch für HiFi-Freunde. Aber bringt er wirkliche Klangverbesserung?

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Wer schlagartig schlechter hört, weiß um den Wert eines intakten Gehörorgans. Jedenfalls hängt im weiten Reich der Musikreproduktion so unendlich viel nicht von teuren HiFi-Geräten, armdicken Kabeln und technischem Schnickschnack ab, sondern von der Raumakustik. Und, mehr noch, von der höchstpersönlichen Befindlichkeit.

Schon ein Schnupfen kann einem die beste Aufnahme vermiesen. Ein freundlicher Hals-Nasen-Ohren-Arzt sagte mir neulich, ich möge mich vergleichsweise glücklich schätzen, weil ich immer noch besser dran sei als die meisten aktiv musizierenden Mitmenschen („Darunter viele Philharmoniker!“). Gegen den Gebrauch von Kopfhörern – ich teste gerade intensiv Sonys MDR-1000X – hatte er nichts einzuwenden. Das gibt Hoffnung.

Aber werde ich je wieder zu den Menschen zählen, die treffsicher den Unterschied zwischen einem banalen MP3-File und hochauflösenden, tunlichst verlustfreien HiRes-Formaten zu würdigen wissen? Da schwirrt zum Beispiel seit einiger Zeit die Kunde von einem neuen Wunder-Audiocodec durch einschlägige Foren und Fachzeitschriften: MQA.

Die Abkürzung steht für „Master Quality Authenticated“ und soll somit eine Art Garantiesiegel für eine höchstmögliche Annäherung an die Originalaufnahme abgeben. Hardware-Manufakturen wie Meridian, Pioneer oder Onkyo forcieren seine Verbreitung, aber auch Plattenfirmen – warum sagt man, nebstbei, immer noch Plattenfirmen? – wie Warner Music oder Universal. Seit Jänner hat auch der Streaming-Dienst Tidal MQA im Angebot.

Was kann das neue, abwärtskompatible Format besser als alle bisher existenten (darunter bekannt gute wie FLAC oder DSD)? Tontechniker und HiFi-Experten sagen: es bettet die Atmosphäre der Aufnahme akkurater ein. Und transportiert mehr an Information, Feinzeichnung und Klangqualität. Der Herausgeber des renommierten Magazins „Absolute Sound“, Robert Harley, klassifiziert MQA als „die signifikanteste Audio-Technologie meines Lebens.“ Klingt zugegebenermaßen verlockend.

Die notwendigen Datenmengen sind dennoch überschaubar – ideal also für eine neue Streaming-Dimension. Jedoch: es bedarf (zumindest im Idealfall) spezieller, zertifizierter Hardware. Und das ärgert wiederum die Konkurrenz. Der britische High End-Vorreiter Linn etwa warnt: „MQA is bad for music“. Und führt zuvorderst das Argument ins Feld, dass Meridian & Co. über Lizenzzahlungen die gesamte Verwertungskette vergolden wollen. Zwangsweise.

Wie immer auch: weite Kreise hat das neue Format noch nicht erreicht. Aber in Audiophilen-Zirkeln tobt die Schlacht pro und contra. Ich werd’ mir wohl demnächst probeweise das eine oder andere MQA-File reinziehen. Aber vorher gilt es, den Hörnerv und die Haarzellen im Innenohr auf eine neue, sensiblere, eventuell leisere Ära einzustimmen.

Wertanlage

28. Januar 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (395) Wenn Sie eine wirklich gutes, kompaktes, modernes Musiksystem kaufen wollen, könnte die Suche ein Ende haben.

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Wer sagt, dass Hören nicht auch Optik, Haptik und die Erotik des Technischen umfasst, lügt. Zumindest kann ich dies reinen Gewissens für den HiFi-Bereich postulieren – dort, wo das Streben nach audiophilem (also: möglichst wirklichkeitsnahem) Hörgenuss fliessend in den leicht esoterischen Berich von High End, Highest End und ultimativem (also: oft jenseits der Aufnahmerealität angesiedeltem) Wohlklang übergeht. Das Auge hört mit.

Den meisten Menschen, die Musik und ihre technische Reproduktion im Alltag mögen, ist derlei ja weitgehend egal. Leider. Sofern es halbwegs probat klingt, nicht zu arg nach Plastikschrott aussieht und das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt, tut’s jede durchschnittliche Stereoanlage. Für den Rest vom Fest – den mit gehobenen Ansprüchen – hätte ich hier und heute einen Fingerzeig: ein kompaktes, wirklich durchdachtes, superb aufspielendes Gerät zu einem noch bezahlbaren Preis. Es kommt aus Deutschland. Und hört auf den Namen Lindemann, Modell music:book 25.

Aufgefallen ist mir das Kästchen – denn um ein solches handelt es sich vom Format her, gewandet in elegantes Aluminium – schon vor Jahren. Mittlerweile wurde es vom in der Nähe von München angesiedelten Hersteller in vielfacher Weise weiterentwickelt. Ich will Sie nicht mit Details langweilen (allein die Erörterung der Frage, warum Lindemann so sehr auf das Digitalformat DSD setzt, würde Bände füllen) – aber es gibt kaum etwas, vom Apple-Streamingprotokoll AirPlay abgesehen, das dieses Musikbuch nicht kann. Files und Streams entgegennehmen, CDs abspielen, Internet-Radio ertönen lassen, Schallquellen wohlig rund und doch detailreich, akkurat und transparent verstärken. „This system is part of the quiet revolution that is taking place in audio today“, schreibt der britische Journalist Alan Sircom – zurecht.

Weil ich eingangs vom Faktor der äusseren Anmutung schwadronierte: Lindemann setzt auf Understatement. In Kombination mit wirklich cleveren und, ja, schön gemachten Detaillösungen (allein der Drehregler für die Lautstärkeregelung oder das bernsteinfarbene OLED-Display verdienen Höchstnoten). Dass hier Profi-Technik so augenfällig mit Wohnzimmertauglichkeit Hand in Hand geht, gibt es ganz selten am Markt – mir fiele gerade noch die Naim-Kompaktanlage Mu-so ein. Die kostet deutlich weniger, ist meinem Geschmack nach aber auch verschmockter.

Und eigentlich auch nicht direkt vergleichbar. An das Lindemann music:book 25 müssen Sie noch einen Verstärker (empfohlen: der ebenfalls getestete, optisch passende Digital-Durchlauferhitzer music:book 55) und zwei Lautsprecher anhängen. Oder, vielleicht günstiger und keineswegs schlechter, Aktivboxen. Möglicherweise sogar kabellose. Dann aber hat’s rasch ein Ende mit der Suche nach dem besten HiFi-Equipment für den Rest des Lebens.

Ersatzlaufwerk

21. November 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (336) Was kann – mitten im Vinyl-Revival – den legendären Plattenspieler Technics SL-1210 ersetzen?

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So ist das, wenn man versucht, Theorie und Praxis auf Deckung zu bringen. Man findet sich mitten im Trubel der Eröffnung eines Geschäftslokals in Wien-Neubau wieder. An diesem Ort, der eine nicht unoriginelle Kreuzung aus Plattenladen und Audio-Greisslerei (Schwerpunkt: Vintage HiFi) repräsentiert, dreht sich vieles, wenn auch nicht alles um das Thema Vinyl. Mit Recht: denn das Comeback dieses altertümlichen Tronträgers ist ebenso fulminant wie mittlerweile weithin bekannt. Wer da ein Geschäft vermutet, beweist eventuell einen Riecher. Noch besser, wenn man den Betreibern auch Fachverstand und Herzblut unterstellt.

Apropos Geschäft: ich werde einen Teufel tun, Ihnen den Namen und die genaue Adresse dieses Shops zu nennen (man würde mich ungenierter Schleichwerbung zeihen, zurecht). Nur soviel sei verraten: es befinden sich einige weitere Record Stores und HiFi-Spezialisten in nächster Nähe. Weil zu vermuten ist, dass die Konkurrenz auch positive Aspekte zeitigt – sei es in punkto allgemeiner Anziehungskraft des Viertels oder Repertoireverbreiterung für Vinyl-Liebhaber –, kann man sich umgehend drängenden Konsumentenfragen widmen. In diesem Kontext und vor Weihnachten lautet eine der meistgehörten: zu all den schönen Scheiben welchen Plattenspieler kaufen?

Nun hat jeder einschlägige Dealer – nachdem hier lange Jahre eine rechte Marktflaute zu verzeichnen war, die insbesondere der österreichische Hersteller Pro-Ject für sich nutzen konnte – heute wieder eine feine Auswahl parat: von altbekannten Marken wie Thorens, Dual, Rega, Denon und Teac bis hin zu Exoten wie Music Hall, Clearaudio oder Funk Firm. Von Spitzenlaufwerken wie dem Linn Sondek LP12 soll hier erst gar nicht geschwärmt werden… Fast alle dieser Geräte sind solide Dreher für die Stereoanlage daheim, haben aber auch Nachteile: sie sind filigran, wollen gepflegt und sensibel behandelt werden und werden via Gummiriemen angetrieben.

Jene Hobbyisten aber, die den Plattenreiter (kurz: DJ) in sich erwachen spüren, mögen aber unbedingt ein robustes Arbeitstier mit Direktantrieb erwerben. Die Messlatte legt hier der legendäre Technics SL-1210, der ungebrochen hoch im Kurs steht (auch preislich), aber einen Nachteil hat. Einen entscheidenden: er wird nicht mehr gebaut. Technics hat zwar mittlerweile vage einen Nachfolger in Aussicht gestellt, aber genaueres weiss man nicht.

Nun gibt es unzählige Nachbauten, Klone und Derivate des SL-1210. Das meiste davon Schrott. Mit einer Ausnahme. Und die heisst Audio Technica LP120-USB. Kostet nicht mal die Hälfte des Originals – und kann alles. Tipp: Händler ausfindig machen (muss nicht der in Wien-Neubau sein), zuschlagen, Spaß haben.

Testobjekt

4. Oktober 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (331) Ein Netzwerk-Audio-Player ist heute fixer Bestandteil einer ernstzunehmenden HiFi-Anlage.

Cambridge CXN

Ich steh’ grad mächtig unter Zeitdruck. Denn der Vertreiber jener Gerätschaften, die ich Ihnen heute vorstellen will, sitzt mir im Nacken. Eigentlich sind es sehr nette Leute, aber sie haben – wahrscheinlich aus schlechter Erfahrung – die Angewohnheit, Testgeräte für gerade mal drei, vier Wochen zur Verfügung zu stellen. Und einem dann beinhart eine Rechnung zuzuschicken. Da gibt es keinen Anruf „Ach, Herr Gröbchen, hätten Sie schon die Muße und Güte gehabt, unseren Netzwerk-Audio-Player auf Herz und Nieren zu prüfen?“ Oder gar eine Fristerstreckung.

Ich glaub’, ich muss dem Chef dort mal sagen, dass halbwegs ernsthafte journalistische Arbeit nicht aus dem Handgelenk geschüttelt werden kann. Vielleicht werde ich auch nur um Gnade winseln. Besser als pleite gehen allemal.

Anderseits: das getestete Gerät überzeugt. Auf voller Linie. Man könnte es glatt behalten wollen. Es handelt sich um den Cambridge CXN, einen Netzwerk-Audio-Player britischer Provenienz. Also eines jener Kastln, die man als in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sozialisierter HiFi-Fan seit geraumer Zeit misstrauisch umschleicht. Braucht man das? Kann das was?

Die Antwort lautet: ja. Ein Streaming-Tool mit audiophilem Anspruch ist anno 2015 unabdingbarer Bestandteil jeder seriösen Musikanlage. Sofern man nicht gleich – á la Sonos, Raumfeld & Co. – radikal auf körperlose Klänge setzt. Aber das würde einen um den Spassfaktor älterer Konzepte und Geräte bringen. Wenn man aber die Analog- und Digitalwelt versöhnen will (ja, das geht!), ist der CXN eine mehr als solide Wahl. Zu einem noch vertretbaren, knapp vierstelligen Preis.

Regelbare symmetrische XLR-Audioausgänge, leistungsfähiger Wandler, TFT-Display an der Frontplatte, eigene App für das Smartphone, Gapless Play, Spotify Connect, Bluetooth, UpnP-Vernetzung, dito Airplay – Kenner wissen bei all dem Wortgeklingel rasch Bescheid. Alles drin, alles dran. Wichtig ist: es läuft flüssig, ist schlüssig bedienbar und kein Mysterium für fortgeschrittene Laien. Und der Klang? „Momentan kann dem Cambridge kein vergleichbar teurer Player das Wasser reichen“, befand das Fachmagazin „Audio“. D’accord.

Aber die Jungs vom Vertrieb haben mir ja für einen Quercheck zeitgleich die Konkurrenz ans Herz und Ohr gelegt: eine Pro-Ject Streambox DS. Mindestens gleiche Qualität und Funktionalität (abgesehen von Airplay), meinen sie, zum günstigeren Preis! Jetzt müssen sie mir das Ding doch glatt noch mal drei, vier Wochen borgen.

Chinakracher

23. November 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (287) Man unterschätze HiFi „made in China“ nicht – und merke sich vorsorglich die Marke Oppo.

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Ich werde ja öfter mal gefragt – wie wohl jedermann, von dem man annimmt, dass er sich halbwegs auskennt mit der Materie –, was ich denn persönlich empfehlen könne. So in Sachen “zeitgemässe Musikanlage”. Das kann lästig sein. Aber mir macht es Spaß. Nachzuforschen, was in etwa der/die Fragesteller/in sich darunter vorstellt. Welche Musik daheim im Wohnzimmer läuft. Und was man so auszugeben gedenkt. Mit diesen Eckwerten eine feine HiFi-Kombination zusammenzustellen, ist eine mir nie langweilig werdende Aufgabenstellung.

Bisweilen – vor allem bei geringen Budgets und einem gewissen Hang zu Vintage-Objekten – werfe ich dann einen Blick in eBay oder willhaben.at. Garantie gibt’s hier keine, aber das eine oder andere Schnäppchen. Aber natürlich haben auch fabriksneue Geräte ihren Reiz. Zuvorderst den, den technischen Letztstand zu repräsentieren. Es gibt heute ab einer gewissen Preisklasse kaum mehr wirklich schlecht klingende Hardware. Und zu leistbaren Konditionen auch wirkliche Überflieger.

Hier hätten wir einen: den Oppo HA-1. Eigentlich ist das ein Kopfhörerverstärker (etwas für wirkliche Feinspitze), zugleich aber auch ein Vorverstärker mit Lautstärkeregler, Digital-Analog-Konverter und Bluetooth-Empfänger (mit gehobenem aptX-Standard). Also eine Art eierlegende Wollmilchsau, wenn man eine moderne Schaltzentrale für Musikkonsum sucht. In Kombination mit zwei Aktiv-Lautsprechern – da gibt es mittlerweile eine große Auswahl – und einem Laptop, iPad oder Smartphone ergibt das eine unauffällige, elegante, superb klingende Anlage.

Probieren Sie, sagen wir mal: Boxen von Genelec, Dynaudio oder Yamaha. Oder die (leider zu teuren) Oppo-High End-Kopfhörer. Der HA-1 hat ausreichend Ein- und Ausgänge, auch solche mit professionellen XLR-Anschlüssen. Falls Sie den Drahtlos-Standard Airplay der Bluetooth-Funkstrecke vorziehen, hängen sie noch ein Apple TV-Kästchen dazu.

Oppo – eine der Newcomer-Marken, die von China aus in den Weltmarkt drängen – baut auch Prozessoren, Mobiltelefone und herausragende BluRay-Player. Eine gewisse Verspieltheit ist den Asiaten eigen: auf einem Display simuliert der HA-1, wenn einem danach ist, VU-Meter, die im Takt der Signalstärke zappeln wie bei Verstärkern aus der guten, alten Analog-Ära. Und so vollgepackt mit Features der Oppo auch sein mag – oft sind es solche Details, die darüber entscheiden, ob nun ein Chinakracher unter dem Weihnachtsbaum liegt oder nicht.

Das Gerät wurde für Testzwecke freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Firma HEIMKINOWELT in 1230 Wien.

Drahtlos glücklich

2. November 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (285) Ihre alte Stereoanlage kann mehr als Sie denken – wenn Sie sie zukunftstauglich verlinken.

Smile

Dass ich gern über Unterhaltungselektronik parliere und in diesem Kontext die Unterkategorie Audio eine wichtige Rolle spielt, dürfte Ihnen nicht verborgen geblieben sein.

Das hat – nicht nur, aber auch – mit meiner Profession zu tun. Denn als Kolumnist betätige ich mich nur nebenher, im Alltag betreibe ich einen Musikverlag samt Management-Abteilung und Tonträger-Produktion (früher hat man dazu “Plattenfirma” gesagt). Sinnigerweise habe ich diesem Kleinstunternehmen einen ebenso markanten wie affigen Namen verpasst. Reich kann man damit nicht werden, dafür entschädigt die intime Nähe zu den holden Künsten. Es gilt der alte Leitsatz von Victor Hugo: “Musik ist das Geräusch, das denkt.”

Wenn wir nun einen Schritt weiter denken, landen wir rasch bei der Frage, warum Musik, sofern nicht live genossen, hierzulande immer noch vorwiegend physisch – also via CD und, in einer engen Liebhaber-Nische, auf Vinyl – transportiert und konsumiert wird. Bei einem Gesamtumsatz von 150 Millionen Euro (Quelle: IFPI Austria) entfielen anno 2013 noch knapp achtzig Prozent auf die traditionellen Erzeugnisse der Tonträger-Industrie. Und das, obwohl die Record Stores, Plattenläden und CD-Abteilungen der Elektrogrossmärkte mittlerweile – nicht unähnlich dem Buchhandel, der aber besser geschützt ist – einen regelrechten Rückzugskampf führen.

Vor allem Streaming, sprich: Spotify, Deezer & Co., gewinnt rasch an Terrain, wenn auch die Zustände in deutschsprachigen Landen noch nicht jenen in Schweden gleichen. Dort verschwindet die Compact Disc demnächst vom Markt. Ein Experte verschreckte neulich hiesige Branchengrössen mit der Aussage, es laufe in punkto Zukunftsmusik auf einen Dualismus hinaus: hie körperlose, ubiquitär verfügbare, extrem kostengünstige Digitalklänge, da Vinyl als werthaltiges Lustobjekt und konservatives Format für Jäger und Sammler.

Bei allem Fetischismus (und die Musik- und HiFi-Branche lebt von davon): wirklich glücklich wird wohl am ehesten, wer das eine tut, ohne das andere zu lassen. Man kann sich mit einem Streaming-Abo wunderbar über Neuigkeiten und ganze Back-Kataloge informieren – und gleichzeitig einen Plattendreher glühen lassen.

Ich hätte spontan einen Tipp: besorgen Sie sich einen “Wireless Audio Extender” von D-Link (Modell: DCH-M225) und machen Sie Ihre alte Stereoanlage netztauglich. Das kleine Stück Technik, das man direkt an die Steckdose steckt, nutzt die gängigen Protokolle Airplay und UPnP/DLNA, um Sie z.B. mit ihrem Smartphone zu verbinden. Kostet keine fünfzig Euro – und Pharrell Williams macht auf Knopfdruck happy. Eine Single von diesem Kerl sucht man leider vergeblich.*

*) Eine intensivere Recherche ergibt: es existiert doch eine Vinyl-7″, die mittlerweile um 70 bis 150 Euro gehandelt wird. Und es gibt eine knallgelbe Maxi-Single. Spricht für eine umfassende Renaissance des schwarzen Goldes.

Klangbilderbuch

26. Oktober 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (284) Die beste HiFi-Anlage ist die, die am besten klingt. Zuvorderst in den eigenen Ohren. Punkt.

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Demnächst – nämlich vom 7. bis 9. November – findet einmal mehr Österreichs einzig nennenswerte HiFi-Messe statt, die “Klangbilder”. Was darf man sich darunter vorstellen? Kurzgesagt: eine den Zahlen nach deutlich vierstellige Versammlung von Audio- und Video-Enthusiasten, die sich mit ehrfürchtiger Miene und getragenen Schritts von Hotelzimmer zu Hotelzimmer bewegt, um dort unterschiedlichste Erzeugnisse aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik auf Herz und Nieren zu prüfen.

Diese – für Aussenstehende möglicherweise seltsam anmutende – Prozession nimmt anno 2014 das Arcotel Kaiserwasser in Beschlag. Man muss aber, sollte sich auch bei Ihnen Interesse regen, keine allzu umständliche Anreise nach Transdanubien befürchten – die Wiener U-Bahn-Linie U1 hält unweit des Veranstaltungsorts (Station Kaisermühlen). Viel Vergnügen!

Mir jedenfalls ist es das: ein alljährlich wiederkehrendes Vergnügen. Meist packe ich eine Produktion, die ich höchstpersönlich in- und auswendig kenne, ein (und zwar sowohl als CD wie auch auf Vinyl) – und teste somit ein gutes Dutzend ausgewählter HiFi-Anlagen in unterschiedlichsten Preisklassen auf ihre Wiedergabetreue und Klangqualitäten. Die Erfahrung zeigt: nicht immer lässt das Preisschild eine á priori-Beurteilung zu. Und unbekannte Namen liefern oft für die grössten Überraschungen.

Mein Tipp: suchen Sie den Hörraum von Allegro HiFi auf! Im Vorjahr hatte dort Bernhard Mesicek, seines Zeichens Österreichs Audio-Experte mit dem exquisitesten Musikgeschmack, eine gar feine Anlage aufgebaut: ein Musicbook von Lindemann an S1-Aktivboxen aus dem Hause Manger. Okay, kostet in dieser Kombination die Kleinigkeit von knapp unter 19.000 Euro, ist aber state-of-the-art in punkto konstruktiver Modernität, optischer und tonaler Unaufdringlichkeit und audiophiler Raffinesse. “Da spielt nicht die Technik”, so Mesicek, “sondern nur die Musik.” Sie können das selbstverständlich auch per Smartphone oder iPad nachprüfen, ohne Streaming Device kommt heutzutage sowieso keine g’scheite Anlage aus. Ohne neu entdeckten Phono-MM- und/oder MC-Eingang übrigens auch nicht.

Der rührige Veranstalter der “Klangbilder”, zugleich der Doyen der Handvoll HiFi-Journalisten dieses Landes, Dr. Ludwig Flich, konnte mir noch nicht fix versprechen, dass Allegro wieder mit dabei ist im Ausstellerverzeichnis. Aber wenn Meister Mesicek diesen Lobgesang liest, hoffe ich doch. Man komme, höre und staune!

Do you remember?

6. September 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (277) Heissa! Die legendäre japanische HiFi-Marke Technics erlebt ein Comeback.

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“Do you remember?” Die sonore Stimme, die diese Frage mit grosser Suggestivkraft in den Raum stellt, kriecht förmlich aus dem Lautsprecher. “Do you remember when skipping a song meant pressing the Fast Forward button?” Zur Tonspur gesellt sich das Bild eines VU-Meters, dessen Zeiger noch zusätzlich zum akustisch verstärkten Herzschlag des Betrachters zu zittern scheint. “Do you remember when 33 und 45 were not just random numbers?”

Hier geht es eindeutig um längst vergessen geglaubte Insignien der Unterhaltungselektronik, Audio- und Analog-Hemisphäre. Und das mitten auf der digitalen Trash-Streaming-Plattform YouTube.

Und dann plötzlich folgt die Aufklärung: es handelt sich um einen Werbespot. Um einen verdammt gut gemachten Werbespot. Er bewirbt die Rückkehr der legendären japanischen HiFi-Marke Technics. Eine überraschende Rückkehr: niemand hätte gedacht, dass die High End-Abteilung der Mutterfirma Panasonic (respektive Matsushita) – sie baute zuletzt gerade noch die unkaputtbaren SL 1210-DJ-Laufwerke, aber irgendwann auch die nicht mehr – wieder auferstehen würde.

Jetzt, zur traditionellen Branchenmesse IFA in Berlin, war es doch soweit: nach einer Pause von sechs Jahren, wurde ebendort verkündet, sollen ab Dezember 2014 wieder neue Technics-Produkte vorgestellt werden. Zunächst in Europa und später weltweit. Drei Stereo-Komponenten mit „Superlativanspruch“, so Projektleiterin Michiko Ogawa, und vier Geräte in einer etwas leistbareren Klasse. Was man zu sehen bekam und demnächst zu hören bekommen wird, ist gediegene HiFi-Retro-Ware auf der Höhe der Zeit (also inklusive Netzwerk-Player). Weihnachten kann kommen!

Natürlich spielt man hier mit der Sentimentalität der Generation 40 Plus. Denn nach den bronzebraun schimmernden, dezent technoid gestylten Geräten aus dem Hause Technics hat man sich als Youngster förmlich verzehrt. Heute ist genug Taschengeld vorhanden, um den einst erträumten Stereo-Turm aufzustapeln. Und natürlich schlägt das Pendel der Hörmoden gerade stark in die No Nonsense-Richtung. “Wir brauchen kein stinkendes, von Robotern zusammengebautes, schwarzes Plastik-Wegwerf-Zeug, das vorgibt, Hörwerkzeug zu sein” zitiert eine Vintage-Technics-Seite im Netz Rick Stout (stereomanuals.com). Gut gebrüllt, Löwe!

Jetzt warte ich nur mehr auf die Neuauflage der Technics-Plattenspieler-Ikonen. Und auf die Wiederkehr der Marken Sansui, Nakamichi, Wega und Eumig.

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