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Denksport-Aufgaben für Marketing-Gurus

9. Februar 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (198) Nichts Neues aus dem Schwitzkasten der schwindenden Margen und ewigen Mode-Zyklen.

Ixus

Gelegentlich tun mir all die Marketingstrategen, PR-Spezis und Product Manager der Unterhaltungselektronikindustrie leid. Und zwar so richtig. Denn sie sehen sich einer zunehmend abgestumpften Riege von Berichterstattern, Schreiberlingen und “Medienpartnern” (eine Bezeichnung, die jeder ernsthafte Journalist entschieden von sich weist) gegenüber. Die wiederum nur die Vorhut abgestumpfter Konsumentenmassen ist.

Und weder die professionellen Spreu-vom-Weizen-Trenner noch die – auch nicht ganz auf der Nudelsuppe dahergeschwommenen, sondern gleichfalls zu behänden Online-Checks, Re-Checks und Double-Checks fähigen – Prosumer von heute lassen sich von von einem Me-too-Produkt mehr unter Myriaden von Me-too-Produkten beeindrucken. Schon gar nicht nachhaltig. Eine neue Modefarbe für eine stinklangweilige Wegwerfkamera löst in der Regel weder einen Aha!-Effekt noch einen Kaufimpuls aus. Höchstens ein herzhaftes Gähnen.

Und dann wäre da noch das Problem (und es ist ein verdammt gewichtiges Problem für die im ewigen Hamsterrad der Innovationszyklen rotierenden Produkterfinder), dass viele Dinge längst alles können. Nun ja: fast alles. Smartphones z.B., die Schweizer Taschenmesser der Jetzt-Zeit, bringen Spezialisten schon ganz schön ins Schwitzen. “Cool, robust, mit Superzoom: so sollen Kameras überleben” titelte unlängst die Gratis-Gazette “Heute” – deren Papier-/Müllständer wohl auch tendenziell aus den U-Bahn-Stationen ins Cyber-Nirvana wandern werden. Werden müssen.

Den nachfolgenden Artikel haben wahrscheinlich nicht nur Kamerahersteller und Chefstrategen in Medienhäusern, sondern auch Vermarkter von Navigationssystemen, Entwickler von MP3-Playern und ein paar Elektronikhirne mehr studiert. Er enthielt tatsächlich handfeste Detailhinweise. Gut so. Denn: warum jemand mit klingender Münze oder auch nur ein paar Minuten Aufmerksamkeit für Funktionalitäten, Informationen und Produkteigenschaften bezahlen sollte, die man an jeder Strassenecke nachgeschmissen bekommt bzw. sowieso schon längst sein eigen nennt, bleibt eine Denksportaufgabe für Marketing-Gurus. Und solche, die es noch werden wollen.

Die solideren Naturen unter den Verkaufsprofis setzen auf Qualität und Innovation. Und die dürfen ruhig ihren Preis haben. Ein hübsches Beispiel finden Sie nächste Woche an dieser Stelle.

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