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Fortsetzung folgt

21. Februar 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (349) Leser-Feedback ist durchaus erwünscht. Es sollte tunlichst kundig und konstruktiv sein.

Apple

Ein Leser hat sich bitterlich über diese Kolumne beschwert. Ohne Umwege direkt bei der „Presse“-Chefredaktion. Was ich, sorry!, eher unsympathisch finde. Man lernt schon in der Volksschule, dass man nicht gleich zum Direktor läuft, wenn es Zoff gibt.

Was aber magerlte den Leserbriefschreiber? Erstens: Apple-Bashing. Nun kamen letztwöchig eine Technik-Redakteurin und ich ganz unabhängig voneinander zum selben Schluss: das US-Unternehmen setzt, Stichwort „Error 53“, beinahe erpresserisch auf die Loyalität seiner Kunden. (Anm.: Apple hat hier mittlerweile reagiert.) Andererseits trudelte diese Woche eine Meldung ins Haus, Apple befinde sich gerade im Krieg mit dem FBI, um iPhone-User gegen Dateneinsicht und Spionage-Hintertüren zu schützen. Respekt! Wenn Sicherheit nicht nur eine leere Phrase, sondern tatsächlich ein hohes Gut ist, soll das keinesfalls unerwähnt bleiben.

Nebst einem Hinweis auf einen enorm bedenkenswerten Umstand: Staaten scheinen die schutzwürdigen Interessen ihrer Bürger inzwischen weniger zu vertreten als transnationale, progressiv (?) denkende Konzerne. Hier befindet sich der grösste Konzern der Welt im Konflikt mit dem mächtigsten Staat des Planeten. Das birgt Konfliktstoff sondergleichen.

Und dann war da noch der Vorwurf einseitiger Berichterstattung. Weil ich es gewagt hatte, aus einer schier unüberblickbaren Reihe von Registrierkassenlösungen – das Thema beschäftigt mich seit Herbst des Vorjahres – eine Software explizit herauszuheben. Sofortiger Rückschluß: Freunderlwirtschaft. „Zur Wahrung der Objektivität und Seriosität“ wurde mir ein Besuch der Web-Adresse http://registrierkassen-test.info anempfohlen. Nun: danke für den Hinweis! Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben, Anbieter und Produkte wenn auch nicht auf Herz und Nieren zu testen, so doch übersichtlich aufzulisten. Aber schon die erste rasche Nachschau ergibt, dass populäre Produkte wie Offisy nicht angeführt werden. Weil sie kostenlos sind?

Ich hatte ja erwähnt, dass mir Registrierkassen-Anbieter, die teure Lizenzen, Wartungspauschalen sowie monatliche Nutzungs- und Servicegebühren verlangen, eher gestohlen bleiben können. Zuviele „middlemen“ hängen sich inzwischen in die Ertragsleistung von Betrieben, von Kreditkartenunternehmen bis zu Internet-Dienstleistern. Muss da auch noch meine eigene Kasse gegen mich arbeiten?

Ich denke: nein. Und bin weiter offen für Empfehlungen, was preiswerte, taugliche und elegante gesetzeskonforme Kassensysteme betrifft. Fortsetzung folgt.

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Überraschungseffekt

1. August 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (322) Muss es immer ein Apple iPhone sein? Die Antwort darauf fällt überraschend eindeutig aus.

lg-leon-lte

Im Urlaub tat mein iPhone plötzlich keinen Mucks mehr. Es liess sich nicht mehr laden, nicht mehr starten, kurzum: nicht mehr sinnvoll nutzen.

Nun besitze ich noch ein Modell – unter Insidern: ein 4S –, das Lifestyle-Aposteln und Gadget-Freaks wahrscheinlich längst als obskures Museumsstück erscheint. Es ist aber keine vier Jahre alt, äusserlich noch gut in Schuss und hat mir bislang treue Dienste geleistet. Ob sich die Reparatur des Teils noch lohnt – wahrscheinlich ist ja nur der Akku ex –, werde ich wohl in Kürze wissen. Ich frage da inzwischen doch lieber den verschmitzt lächelnden Shopbetreiber ums Eck als den offiziellen Apple-Service, der für Routine-Handlangungen ungeniert Apothekenpreise verrechnet.

Um die Zeit zu überbrücken, wo mir das Gerät nicht zur Verfügung steht, habe ich ein Ersatzhandy erstanden. Ja, ich gestehe: ein Billig-Teil mit Android-Betriebssystem (Version 5.0.1 „Lollipop“) namens LG Leon. Das Ding sieht zwar klar weniger wertig aus als ein iPhone (doch keinesfalls unedel), kostet aber auch tatsächlich nur einen Bruchteil des Prestige-Bombers. Keine 130 Euro nämlich.

Was mich nun echt überrascht hat – man merkt meine Marktferne und Interessenlosigkeit, was den ewigen Strom neuer und neuester Handy-Marken und -Modelle betrifft –, war die Qualität des LG. Und die Ausgereiftheit von Android (die man als Apple-Jünger ja gern ungeschaut leugnet). Das Mobiltelefon kann alles, was man braucht und auch alles darüber hinaus, was man längst gewohnt ist von Smartphones. Das Display ist ausreichend hell und scharf, die Bedienung flüssig, die Kamera passabel. Die Sprachqualität ist besser als beim alten 4S. Das Leon beherrscht auch LTE, und, ja, es ist ein wahrer Segen, auf Standard-Netzteile (Micro-USB) und einen Slot für SD-Erweiterungskarten (Apple, schau oba!) zugreifen zu können. Mit den 8 Gigabyte On Board-Speicher kommt man klarerweise nicht weit.

Das ist übrigens der Grund, warum ich das betagte iPhone nochmals zum Leben erwecken will: die darin fix verbauten 64 Gigabyte Speicher haben damals richtig Geld gekostet. Vielleicht reichts ja noch zur Zweitkarriere als überqualifizierter iPod. Denn ich überlege ernsthaft, das LG Leon als Erstgerät zu behalten.

Eventuell sollte man öfter konservative Komfortzonen verlassen und neue Hard- und Software testen? Den Sparstrumpf freut’s wohl. Ich geh’ jetzt und werf’ mal einen Blick auf das neue Windows 10. Oder gar Linux als ewige Alternative.

Auf Biegen und Brechen

28. September 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (280) Ich gestehe: den Biegetest mit dem neuen iPhone 6 Plus habe ich nicht gewagt.

iPhone 6 Bentgate

Jetzt liegt es also da. Vor mir auf dem Schreibtisch. Eigentlich sogar zwei Stück davon. Das kleinere, 4,7 Zoll große Exemplar (soll ich einen Zollstock rausholen und in hierzulande gebräuchliche Zentimeter übersetzen?). Und das X-Large-Modell mit 5,5 Zoll Durchmesser. Erraten: es handelt sich um das neue iPhone 6. Und das 6 Plus.

Man hat es mir förmlich nachgetragen (ich bin ja als Hype-Maschine eher unbrauchbar). Ein sehr freundlicher Herr hat “im Rahmen einer Kooperation mit T-Mobile” die Geräte mit Boten schicken lassen. Noch vor dem offiziellen Verkaufsstart – Sie kennen die Bilder mit den Schlangen vor den Geschäften – waren die begehrten Objekte im Haus. Die iPhones sind, wie immer, hübsch verpackt. Und voll geladen. SIM-Karten mit dem aktuellen LTE-Paket, das eine Download-Geschwindigkeit von bis zu dreihundert Megabit pro Sekunde ermöglicht, liegen bei. Ich könnte gleich mal die Rasanz der Verbindung in meinem Büro voller toter Winkel und dicken Mauern testen. Die Haltbarkeit der Akkus. Die Qualität der Kamera-Module. Und diverse neue Apps.

Alles proper also. Fast unwirklich elegant. Und doch begebe ich mich mit diesen High Tech-Testpaketen mitten hinein in ein Minenfeld. Auch als Embedded Journalist hat man schon von “Bentgate” gehört. Irgendein Geek hatte angeblich, kaum dass das Gerät das Licht der Welt erblickt hatte, es frisch verbogen aus der Hosentasche gezogen. Sagen wir mal so: bei knapp 7 Millimeter Gehäusestärke und Aluminimum als verwendetem Material wäre ich da vorsichtig.

Sollte aber ein grober Designfehler vorliegen – Apple dementiert das freilich –, wäre es im Zeitalter der zittrigen Börsen und sensiblen Mobilfunkpartner ein Desaster. Natürlich streut die Hardware-Konkurrenz – allen voran Samsung – Zweifel, Häme und Negativpropaganda. Aber auch das Betriebssystem iOS 8 bekam mit dem ersten Update gleich einen ordentlichen Dämpfer: plötzlich zeigte das Handy durchgehend die Meldung “Kein Netz” an. Apple musste die Version rasch zurückziehen, mittlerweile ist wohl alles paletti.

Nur die Biegenummer steht noch im Raum. Ein Video mit über 40 Millionen Views, das dem Modell Plus ein markantes Minus nachweist, kann man nicht einfach ignorieren. Soll ich nun also ungeniert den Selbsttest machen? Und dem freundlichen PR-Mann unter Umständen ein bananenförmiges Leihexemplar zurückschicken? Bin noch unschlüssig.

Eventuell umgehe ich die Sache, indem ich behaupte, so ein riesiges iPhone sehe beim Telefonieren einfach nur affig aus – und sei sowieso überflüssig.

Verapplet

21. September 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (229) 1983 kam das erste Mobiltelefon auf den Markt. Die Revolution juckt dreißig Jahre später kaum jemanden mehr.

Dynatac

In der „Tagespresse“ – die Sie keinesfalls mit dieser Zeitung verwechseln sollten, sie existiert nur online (dietagespresse.com) – erscheinen regelmässig Beiträge, die nicht gerade wenige Leser für bare Münze nehmen. Dabei handelt es sich unverkennbar um Ironie, Satire, pure Verarschung. Allerdings zumeist so nahe an der Realität, dass man bisweilen doch stutzt.

Einer meiner Lieblingsbeiträge der letzten Zeit nahm die Apple-Maniacs ins Visier, die schon Monate vor dem Erscheinen der neuen iPhone-Modelle die wildesten Phantasien plagen, welche Möglichkeiten denn die nächste Generation mit sich bringen werde. Kaffeesudleserei 2.0. Allein qietschbunte Billigbomber hatte die Gemeinde wohl nicht erwartet. „Neues iPhone kommt mit vielen Features“, verkündete die „Tagespresse denn exklusiv, „dafür ohne Telefon.“

Nach eingehenden Marktstudien hätte Apple festgestellt, dass nur knapp 5 Prozent der iPhone-Nutzer ihr Gerät tatsächlich zum Telefonieren verwenden. „Etwa zwanzig Prozent verwenden es als Taschenlampe“ zitierte man einen „gut informierten Insider“ (der lieber anonym bleiben wolle), „doch die große Mehrheit nutzt das iPhone, um damit Essen zu fotografieren.“ Um also Platz für eine bessere Kamera, mehr Speicher und ein schärferes Display zu schaffen, verzichte man ab sofort auf die „vollkommen veraltete“ Technik des Telefonierens.

Das sagt – bei aller Ironie – mehr über die Smartphone-Ära aus, als Apple & Co. lieb sein kann. Wir nutzen die hochgezüchteten Computer in unserer Jackentasche heute als Navigationsgerät, Fernseher, Wetterstation, Kalender, Musik-Player, Tauschbörse, Gameboy und tausenderlei mehr, geben uns aber weiterhin mit schlechtem Empfang und krächzender Sprachqualität zufrieden. Oder kommt nur mir das so vor?

Bezeichnenderweise feiert die Technikwelt ja gerade 30 Jahre Mobiltelefonie. Ein denkwürdiges Jubiläum. Schon 1973 hatte das US-Unternehmen Motorola die Entwicklung gestartet, zehn Jahre später – am 21. September 1983 – erhielt das Modell DynaTAC 8000X seine FCC-Zulassung. Das 800 Gramm schwere Gerät in Knochenform kostete 3995 Dollar, besaß eine Gesprächsdauer von gerade mal einer Stunde – und hatte dennoch nach einem Jahr schon dreihunderttausend Käufer gefunden.

Ich selbst war, unter uns, vergleichsweise spät dran mit einem anno 1991 erworbenen Olivetti OCT400. Und trotzdem ein Pionier, der sich für sein „Kasperltelefon“ schief anschauen lassen mußte. Die Unterstellung lautete: Angeberei schlägt Gebrauchswert. Das gab sich dann aber rasch. Zirka dreihundert Gerätegenerationen später – Olivetti, Nokia, Siemens, Sony Ericcson, wo seid ihr hin? – juckt einen ein neues iPhone oder frisch poliertes Betriebssystem dann auch nicht mehr wirklich.

Tauschrausch

30. Dezember 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (192) Frohe Nach-Weihnacht! Der Flohmarkt ist ab sofort in der eigenen Hosentasche daheim.

Shpock

Nach Weihnachten ist vor Weihnachten. Denn jetzt hebt das grosse Geschenketauschen an (bzw. hat längst angehoben). Und in den Geschäften, Online-Bazaren und virtuellen Börsen wimmelt es nur so vor Tauschwütigen, die mit ihrem Fund unterm Christbaum nicht so recht glücklich wurden. So gut das Präsent – das englische Wort “gift” trifft’s exakt – auch oft gemeint war: nicht jede(r) Beschenkte steht auf knallbunt gestreifte Wollschals mit Fransen, Paulo Coelho-Esoterikfibeln oder CDs von Unheilig, Helene Fischer oder Michael Bublé. Und ein Spiel für die Playstation 2 läuft nun mal nicht auf der Playstation 3.

Freilich kann man zum Händler laufen, sofern Großmutter überhaupt die Rechnung aufgehoben hat, und um Stornierung des Kaufvorgangs oder Umtausch der Ware bitten. Das ist aber, sofern man dieses Recht nicht explizit beim Kauf vermerkt hat, letztlich von der Laune und Kulanz des Verkäufers abhängig. Online ist eine Retournierung von der Gesetzeslage her deutlich einfacher. Aber um einen gewissen Moment der Unbehaglichkeit kommt man selten herum. Warum die missliche Situation also nicht ein lustvolles Spiel verwandeln? Ebay, willhaben.at und ähnliche Web-Plattformen leben davon. Und was dem einen Verdruss bereitet, kann dem anderen ja – abseits schnöder 1:1-Finanztransaktionen – reichlich Freude machen und bares Geld wert sein. Oder zu einem überraschenden Tauschangebot motivieren.

Ich erlaube mir an dieser Stelle einen Fingerzeig auf eine App, die Schnäppchenjäger-Fieber auszulösen vermag. Die Anwendung (für iPhone und Android-Geräte) ist gratis und heisst “Shpock”. Erlaubt man der App nach der Anmeldung via Facebook den Zugriff auf die eigenen Standortdaten, zeigt sie wie ein Radar Angebote im Umkreis von, sagen wir mal: einem Kilometer. Und zwar als Bild. Das reicht für den groben Überblick allemal – und wirkt wie Augenzucker. Exaktere Informationen werden auf Knopfdruck eingeblendet. Findet man ein Angebot attraktiv, kann man umgehend Fragen stellen oder darauf bieten. Oder, ja, spontan beim Anbieter vorbeischau’n. Schliesslich handelt es sich hier um höchst innovative, simple und spassige Nahversorgung.

“Shpock” steht übrigens für “shop in your pocket”. Und wurde von einer Wiener Startup-Firma entwickelt. Jetzt noch ein elektronischer Einkaufszettel für den Naschmarkt mit Obst- & Gemüse-Frischegarantie – und ich erkläre diese Leute zu Durchstartern 2013.

Freihändig zum Ziel

21. Oktober 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (182) Smartphones können mit billigen Navi-Geräten durchaus mithalten, notwendiges Zubehör vorausgesetzt.

Das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit. Heute zum Beispiel war ich mit einem Taxifahrer unterwegs, der sowohl ein Navigationsgerät (kurz “Navi”) als auch ein Smartphone auf seiner Windschutzscheibe kleben hatte. Durch den Verhau von Halterungen, Saugnäpfen, Kabeln, GPS-Sensoren und sonstigen Add-Ons sah man kaum mehr auf die Strasse hinaus – immerhin schaffte es der Chauffeur, mich mit starrem Blick auf das Instrumentarium zum Museumsquartier mitten in Wien zu kutschieren.

Meine erstaunte Nachfrage, ob denn das ohne Navi nicht ginge, beantwortete er mit schroffer Wortlosigkeit. Aber gut, in einem Land, das es nicht mal schafft, starre Standesregeln und strikte Grenzziehungen bei einer Fahrt zum Flughafen (kurz: Taxis mit Wiener Kennzeichen dürfen in Schwechat niemanden einsteigen lassen, Taxis mit Schwechater Kennzeichen niemanden in Wien – ökologisch total durchdacht!) zu hinterfragen, braucht man sich über die Qualitätsstandards des Lohndroschkengewerbes eher nicht den Kopf zerbrechen. Die Negativ-Korrelation zu den zuletzt wieder kräftig gestiegenen Taxipreisen ist wohl den notwendigen Investitionen in Navi-Systeme geschuldet.

Dabei würde es eventuell ein Smartphone alleine auch tun. Das war jedenfalls die Annahme, die mich im Sommer zu einem höchstpersönlichen Intensivtest verführte. Der Navi-Experte Garmin hatte mir sein aktuelles Spitzenmodell “nüvi 3590” zur Verfügung gestellt. Der Konkurrent TomTom dagegen seine Navi-Software für das iPhone. Wie würden sie gegeneinander abschneiden? Hier mein Fazit in Kurzform: das spezialisierte Gerät kann schon einiges besser. Aber es kann fast schon zu viel (zugegeben, ich liebe mein Uralt-Navi, das – noch mit Discs gefüttert – die Welt höchst überschaubar in schwarz-weiß-oranger Schlichtestsymbolik anzeigt).

Das Handy holt rasant auf. Sie brauchen nur unbedingt – und ich meine unbedingt (!) – notwendiges Zubehör wie das “Hands Free Car Kit”, das mir TomTom dieser Tage dankenswerterweise nachgereicht hat. Inklusive Bluetooth-Verbindung und Freisprechanlage. Wenn Ihnen das Ding zu teuer ist (es kostet fast soviel wie ein Billig-Navi) oder zu fragwürdig, besorgen Sie sich sonstwo eine halbwegs brauchbare Halterung. Sonst fliegt Ihnen mit Garantie das lässig placierte, ohne Audio-Anbindung mit kaum vernehmbarer Ansagestimme krächzende Handy um die Ohren. Und Sie können sich mit dem Taxi ins nächste Spital chauffieren lassen. Sofern es der Fahrer auch findet.

Sonnenkraft

1. September 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (175) Ein Soundsystem mit Solar-Panel macht Sie
unabhängig vom Batterienachschub. Klingt gut, oder?

Es herbstelt. Unübersehbar. Man kehrt aus seinen Feriendomizilen, Badehütten und Wochenend-Refugien wieder in den schnöden und zunehmend kühlen Alltag zurück. Im Gepäck eventuell das eine oder andere Gerät, mit dem man sein Smartphone zur Ersatz-Stereoanlage aufgerüstet hat – und so der Sommerfrische einen individuellen Soundtrack verlieh (apropos: mein Sommerhit 2012 hiess “Nights” und stammt von den burgenländischen Pop-Weltbürgern Zeronic. Hören Sie garantiert nie auf Ö3, ausser bei Eberhard Forcher.)

Nun haben all die Lautsprechersysteme, Docking Stations und Soundblaster – man will ja nicht immer am Kopfhörer hängen – einen entscheidenden Nachteil: sie benötigen ein Stromkabel. Oder verschlingen Batterien wie nichts. Das geht ins Geld (ausser, man füttert die Batteriefächer listigerweise mit wiederaufladbaren Exemplaren). Und führt nicht selten zu ärgerlichen Deja-vús: die Stromversorgung klappt gerade dann nicht, wenn man sie am dringendsten braucht. Keine Steckdose in Reichweite, das Ladegerät verlegt, die Batterien – gerade noch halbvoll – ratzfatz leer.

Wenn Sie unter solchen Szenarios leiden – Gott gebe, dass Sie keine anderen Probleme plagen! – oder Ihr bevorzugtes Freizeit-Hideout eine einsame Berghütte ohne Stromversorgung ist, hätte ich einen Fingerzeig. Und lege Ihnen das Soulra XL ans Herz, ein “Solar Powered Sound System for iPod and iPhone”, wie die Gebrauchsanleitung (ja, sie kann auch deutsch!) das exotische, handtaschengrosse, probat klingende und nobel schwarz-rot gestylte Mehr-als-Kofferradio beschreibt. UKW-Empfang ist nicht drin. Auch die neuzeitliche und im konservativen Österreich erst unlängst abgeschmetterte Variante DAB+ fällt aus. Dafür gibts eine Klappe, hinter der Sie Ihr Mobiltelefon (das mit dem “i” im Namen) placieren – oder, wahlweise, einen Player, etwas unelegant, am Aux-Eingang anstöpseln können. Per Solar-Panel und Lithium-Ionen-Akku sind Sie damit energietechnisch autark. Zumindest, solange die Sonne scheint.

Jetzt darf nur Apple nicht zum Spielverderber werden. Sollten die Gerüchte stimmen und das nunmehr wertvollste Unternehmen der Welt seine Oberschlaumeier-Strategie mit proprietären Anschlüssen weitertreiben, passt das neue iPhone 5 nicht in das Soulra XL-Fach. Weil: neuer, kleinerer „Dock Connector“-Stecker notwendig (“proprietär” bezeichnet – hurtig das Online-Lexikon aufgeschlagen! – “herstellerspezifische Entwicklungen, die keine Rücksicht auf Standardisierungen nehmen”). Adapter wird’s natürlich geben – aber sie kosten, wie Batterien, Geld und Nerven.

Gut, vom Hauptquartier des Soulra-Herstellers Eton/Lextronix in Palo Alto, Kalifornien, zur Apple-Zentrale in Cupertino ist es nicht allzuweit. Als Fabrikant von Zubehör würde ich mich im Fall des Falles glatt ins Auto setzen. Und den zwangsinnovativen Apfelmännchen vor Ort meine Meinung kundtun. Nicht zuletzt im Namen unzähliger Konkurrenten, Händler und Kunden.

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