Posts Tagged ‘Jack Tramiel’

Eine Vorahnung vom Ende

28. Mai 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (362) Der Millarden-Streit um die Abgaswerte des Benzin- und Dieselmotors ist ein Symptom des Wettkampfs um die Mobilität der Zukunft.

 

familienauto-vw-zukunft

„Es ist nichts zu loben, nichts zu verdammen, nichts anzuklagen, aber es ist vieles lächerlich; es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt.“ Ich zitiere diese Worte von Thomas Bernhard gern, aber im Augenblick erweisen sie sich in schmerzlicher Weise als besonders zutreffend. Diese Kolumne handelt vom Ende einer Gattung (oder zumindest einer Vorahnung ihres Endes) – und sie entstand an einem Ort, an dem Leben und Tod nah beieinander liegen: im Wartezimmer eines Krankenhauses.

Letzteres ist übrigens kein Ort des Schreckens für einen maschinengäubigen Menschen. Im Gegenteil: die Armada der Apparaturen in der Intensivstation eines Hospitals verheisst eine erhöhte Überlebenschance; die Fortschritte der Medizintechnik in den letzten Jahren und Jahrzehnten wären ein eigenes Buch wert; zumindest in der engeren Zielgruppe ein aufgelegter Bestseller. Aber das ist nicht das Thema, um das es hier gehen soll.

Warum schreibt der Gröbchen, werden Sie sich eventuell nach Lektüre der Kolumnen der letzten Woche gefragt haben, wieder so begeistert über Autos mit Verbrennungsmotoren? Treffliche Frage. Vor allem, da ich eigentlich ständig auf der Suche nach Alternativen war und bin. Vom E-Bike über kuriose Neben- und Seitenlinien der Evolutionsgeschichte individueller Mobilität bis hin zu den Schlüsselmodellen der Generation Tesla teste ich auf Herz und Nieren, was mir so unterkommt. Oder, besser: was einen Ausweg aus dem Status Quo eröffnen und befahren könnte.

Benzin- und Dieselmotoren werden uns noch einige Jährchen erhalten bleiben; die Ablösung durch Strom und/oder Wasserstoff konkretisiert sich zwar immer mehr (Apple, liest man, arbeitet bereits am Design von Ladestationen) – aber bei der faktischen Durchsetzung im Alltag haben Politik, Gesetzgeber und Konsument noch ein gehöriges Wort mitzureden. Zumal der Generationensprung dank der Vernetzung und Autonomisierung der Fahrzeugintelligenz (Stichwort: selbstfahrendes Auto) radikal ausfallen wird.

Ist es dann nicht pure Zeitverschwendung, über fabriksneue Old School-Modelle traditioneller Bauart zu berichten? Nein: siehe oben. Es schwingt zugegebenermassen auch eine Prise Mitleid und Sorge um VW, DaimlerOpel, Fiat, Audi, Renault, Mitsubishi & Co. mit: weltumspannende Konzerne, die wir für die rasche Marktdurchdringung fortschrittlicher Mobiltechnologien noch brauchen werden.

Es würde mich übrigens sehr wundern, wenn auch nur ein Autohersteller auf diesem Planeten beim akuten Abgasskandal nicht geschwindelt (oder zumindest die Grenzen der Legalität bis zum Anschlag ausgereizt) hätte – mit vorauseilender Rückendeckung durch die bequemen Nutzniesser der (im wahrsten Wortsinn billigen und nun für die Konzerne extrateuren) Schmähtandelei: uns allen, Fahrradkrieger/innen und Fußgänger ausgenommen. Und sind nicht die Pioniere und Autopiloten der Zukunft alle zufällig in den USA daheim? Merke: „Business is war!“ (Jack Tramiel, Atari). Wie immer auch: wie beim österreichischen Weinskandal in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts könnte ein reinigendes Fanal auch eine ganz neue Denkschule  begründen. Tesla, UberGoogle und Apple alleine werden aber nicht alles zum Guten wenden (können).

Dass die Familien Piech & Porsche dagegen, wie gerade zu lesen stand, mit dem VW-Skandal – der eben kein alleiniger VW-Skandal mehr ist – ein paar Milliarden Euro verlieren, ist vergleichsweise wirklich lächerlich. Todernst.

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War Is Over

2. Februar 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (197) Im Kleinkrieg um Marktanteile macht der eine oder andere Markenhersteller eventuell bald das Licht aus.

Atari Logo

“Business is war!” Dieser markige Kriegsschrei hallt mir immer noch in den Ohren, Jahrzehnte, nachdem ich ihn das erste Mal zu hören bekam. Und zwar aus dem Mund des legendären Geschäftsführers von Atari Austria, Helmuth Rossmaier, der wiederum den Ober-Boss in den USA, Jack Tramiel, zitierte.

Die Vorwärtsstrategie von Atari war mir damals – es muss etwa Mitte der achtziger Jahre gewesen sein – herzlich sympathisch: nach der “Basic”-Brotdose Commodore C64 war der Atari 1040 ST der erste leistbare Computer, der ein Megabyte (!) Hauptspeicher und eine grafische Benutzeroberfläche hatte. Auf der sich, nebstbei, so ziemlich alles erledigen liess, was Apple weit teurer und IBM und sonstige MS-DOS-Kisten weit uneleganter anzubieten hatten. Es soll ja einige Musiker und Freaks geben, die immer noch einen Atari im Hinterzimmer versteckt halten.

Der Rest der Welt konnte und wollte mit dem einst klangvollen Namen – Atari hatte auch die ersten Videospiele (z.B. “Pong”) entwickelt – eher nichts mehr anfangen. Dass das Unternehmen aber im Januar 2013 endgültig Insolvenz anmelden musste, ist doch eine sentimental stimmende Nachricht. War is over!, die letzte Schlacht geschlagen. Und verloren. Eventuell sollte man Einschätzungen und Kommentare, dieser Business-Planet könnte noch einiger klangvoller Namen mehr verlustig gehen, nicht pauschal als Gewäsch notorischer Schwarzseher und manipulativer Börse-Analysten abtun.

Wer etwa hätte noch vor ein paar Jährchen vermutet, Philips würde anno 2013 seine gesamte Unterhaltungselektronik-Sparte aufgeben? Die Panasonic- und Sony-Aktie auf Ramschstatus fallen? Nokia und Blackberry mit ihren aktuellen Handy-Modellen tendenziell eine „letzte Chance” haben? Die Marktdominanz der koreanischen Konzerne LG und Samsung den Managern Sorgenfalten ins Gesicht zaubern? Und Apple, der güldene Apfel im Portfolio der globalen Tech-Spekulanten, trotz Rekordergebnissen im Kurs fallen und fallen?

In diesem Kontext muss man – auch ohne die genauen Zahlen und Strategien zu kennen – dem oberösterreichischen Entrepreneur Stefan Pierer gratulieren. Mit seiner dynamischen Zweirad-Marke KTM übernahm er dieser Tage den Konkurrenten Husqvarna. Von BMW. Kleinvieh macht auch Mist. Immer schöner, einen Aufstieg zu verfolgen als einen langsamen (oder auch überraschend rasanten) Abstieg.

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