Posts Tagged ‘Lautsprecher’

Garagen-Sound

9. März 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (302) Schwäbisch-Gmünd gilt nicht als Mekka der HiFi-Welt. Nubert arbeitet seit 40 Jahren daran, das zu ändern.

Günther Nubert

Die Garage ist ein mystischer Ort. Vor allem dann, wenn sie zweckentfremdet wird – also eben nicht als Autoabstellplatz, Reifenlager oder Geräteschuppen dient. Die berühmteste Garage der Welt hat die Adresse 367 Addison Avenue in Palo Alto, Kalifornien, USA. Hier werkten ab 1939 die Elektronikpioniere Bill Hewlett und David Packard, heute gilt die enge Holzhütte als Geburtstätte von Silicon Valley.

Nicht ganz so bekannt wie die Gründer des weltumspannenden Konzerns Hewlett-Packard ist der schwäbische Firmenchef Günther Nubert. Aber auch er hat es vom Tüftler und Bastler zum anerkannten, mittelständischen Unternehmer gebracht. Und auch hier stand eine Garage ganz am Beginn. Offensichtlich eine ideale Umgebung, um sich der Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts noch jungen Transistortechnik zu widmen, Mischpulte und Verstärker zu bauen und über bessere, sprich: „ehrlichere“ HiFi-Boxen zu sinnieren, als sie am Markt zu finden waren. Was wiederum Freunde und Bekannte von Günther Nubert zu ersten begeisterten Kunden machte. Im Zug der „Legalisierung eines Zustands“ (so der Firmengründer) wurde aus der Bastelbude anno 1975 die Nubert Electronic GmbH.

Dieses Unternehmen zählt heute zu den grössten Lautsprecher-Herstellern Deutschlands. Am Design kann es nicht liegen: die Schallwandler aus Schwäbisch-Gmünd machen dem Begriff „Box“ alle Ehre – sie sind solide, konservativ, geradlinig. Vielleicht sogar ein bisschen bieder. Aber sie klingen durch die Bank wirklich gut. Zu höchst erstaunlichen Preisen. Denn das ist der eigentliche kaufmännische Trick von Nubert: er verkauft seine Erzeugnisse direkt. Ohne Zwischenhandel. Und steckt die so flugs vergrösserte Marge – ähnlich wie der schärfste Kokurrent Teufel aus Berlin – in Audio-Qualität „made in Germany“.

Nun ist Lautsprecherbau keine Raketentechnologie. Die Grösse von Gehäusen, Membranen und Magneten, eine sorgfältige Auswahl von Dämpfungsmaterial, Weichen und Filtern und ihre finale Feinabstimmung ergibt üblicherweise die Rezeptur für Wohlklang. Aber vielleicht schwingen auch – unbewusst hörbar – unternehmerische Dynamik, ein ungebrochener Hang zur Feintüftelei und ein ewiger Drang nach handwerklicher Perfektion mit.

Anders lässt es sich nicht erklären, dass selbst eine pummelige 560 Euro-Zweiwege-Einsteiger-Box wie die Nubert nuBox 483 im Handumdreh’n aus meinem Wohnzimmer eine Garage macht. Also einen mit Musik erbauten Palast der Visionen, Wünsche und Ideen.

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Daft Punk meets Mo Sound

31. Mai 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (213) Der Daft Punk-Hit “Get Lucky” könnte auch der Werbespruch eines neuen Wiener Unternehmens sein.

mo sound speakers

Ein Ohrwurm hat ja die – ersehnte wie fatale – Eigenschaft, dem geplagten Hörer nicht mehr aus dem Kopf zu gehen. Das französische House-Duo Daft Punk hat immer wieder ein Händchen dafür, solche Ohrwürmer zu züchten. Und mit allerlei Marketing-Aktionismus zu überdimensionaler Grösse zu verhelfen – was natürlich nicht ohne tatsächliche Hit-Qualitäten funktioniert. „One More Time“ ging „Around The World“, und seit ein paar Wochen klebt nun der Retro-Discoschlager „Get Lucky“ in den Gehörgängen von Musikfreunden weltweit fest.

Mittlerweile hat sich auch Ö3 mit der üblichen Verzögerung – da muß zur eigenen Rückversicherung erst teure „Musikforschung“ betrieben werden – herabgelassen, den Daft Punk-Tophit auf Dauerrotation zu nehmen. Wo er wahrscheinlich verbleibt, bis ihn absolut niemand mehr hören kann.

Aber reagieren die Charts überhaupt noch auf Mainstream-Radios (und vice versa)? Mittlerweile machen sich ja viele Popfans ihr Programm selbst. Auf Spotify, Deezer, Rdio und ähnlichen Streaming-Services und natürlich dito auf iTunes, Amazon & Co. brechen Daft Punk – mittlerweile ist auch ihr höchst umstrittenes neues Album „Random Access Memories erschienen – alle Download- und Zugriffsrekorde. Hörgenuß „on demand“, also auf Wunsch & augenblicklich, schlägt halt doch jedes noch so enge Kommerz-Format, wo so verlässlich wie penetrant immer dieselben dreißig Songs durchgenudelt werden. In Deutschland empfehlen externe Berater den Privatradio-Programmchefs daher folgerichtig schon die plakative Abkehr von der Erfolgsformel der letzten Jahre.

Apropos. Wenn nun Daft Punk auch den Hit „Music Sounds Better With You“ geschrieben hätten – haben sie nicht (oder, präziser, nur zu einem Drittel), der Song stammt von den Franzmann-Kollegen Stardust –, besässe das sympathische Wiener Startup-Unternehmen mo*sound einen naheliegenden Werbespruch. „Get Lucky“ tut es aber auch.

Womit soll, kann und darf man glücklich werden? Mit kugelförmigen Lautsprechern aus Porzellan. In weiß und schwarz, Gold oder Platin. Das sieht in der Tat nicht nur famos aus, sondern klingt auch probat. Wer mag, kann das – Achtung!, Werbedurchsage – in der neuen mo*sound-Audio-Boutique in der Kirchengasse 40 in Wien-Neubau nachprüfen. Das Daft Punk-Album ist dort sicher vorrätig. Oder erschallt per Stream aus den Porzellankugeln.

Good Vibrations

10. März 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (202) Sauteuer, aber es wirkt – diese Formel gilt nicht nur für Haarshampoos. Sondern auch für Mobillautsprecher.

FoxL Bluetooth Speakers

Wenn die Geschichte nicht stimmt, ist sie zumindest gut erfunden. Sie geht so: ein dreifacher Doktor der Physik namens Godehard Guenther, ehemals bei der NASA tätig und ständig auf Reisen, ärgert sich darüber, dass es keine brauchbaren portablen Lautsprecher zu kaufen gibt. Also greift er ins Patent-Schatzkistchen, baut selbst, was er sich als Konsument sehnlichst wünscht, und benennt das Resultat – „a true labor of love“ – nach seinem Enkelsohn Fox. Auf diese Legende und das Ergebnis des Guentherschen Forschungsdrangs setzt nun ganz und gar das Unternehmen Soundmatters in Reno, Nevada, USA. Und hat mit dem FoxL V2 tatsächlich ein erstaunliches Produkt auf dem Markt. In mehrfacher Hinsicht.

Zunächst einmal ist dieser One-Box-Stereolautsprecher gerade mal so groß wie ein Brillenetui. Dafür kostet er aber soviel wie ausgewachsene HiFi-Boxen der Einstiegsklasse, also rund 200 Euro (es gibt mittlerweile auch eine teurere „Platinum“-Version, die den Bluetooth-Standard aptX beherrscht). Wer gibt soviel Geld für einen Miniatur-Lautsprecher aus? Kurzgesagt: Leute, die gerne Musik in probater Qualität hören und dazu tunlichst nicht Kopfhörer oder gar die eingebauten Nervtöter ihres Laptops, Tablets oder Smartphones bemühen möchten. Ich zum Beispiel. Es macht nun mal deutlich mehr Spaß, das neue Opus von David Bowie, das superbe Album von Naked Lunch oder meinetwegen auch Wolfgang Ambros’ ewige Ersatz-Nationalhymne „Schifoan“ im Hotelzimmer in Haus im Ennstal raumgreifend hören zu können. In partytauglicher Lautstärke. Drahtlos. Und erfrischend unkompliziert.

Man kann den Bluetooth-Lautsprecher übrigens auch als mobile Freisprechanlage verwenden. Der FoxL V2 trägt akustisch mächtig auf (und zugegebenermassen im Geldbörsel), aber nicht im Gepäck. Damit ist sein Haupteinsatzzweck erklärt. Es könnte gut sein, dass Sie Ihre JBL-, Bose- oder Logitech-Docking Station ab sofort zur stationären Drittanlage erklären, auf die Terasse, an den Badesee oder auf die Kreuzfahrt aber ersatzweise das kleine, doch tonal annähernd ebenbürtige Ding mitnehmen. Es tanzt übrigens gern auf dem Tisch, so sehr versetzt es sich selbst und seine Umgebung in Vibration.

Machen Sie sich locker, tanzen Sie mit! Wenn Ihnen nach erwachsenem Kontrastprogramm ist, schalten Sie auf Ihrem Neo-Kofferradio – also Smartphone plus Extra-Lautsprecher – einfach auf die Weltnachrichten um. Selbstverständlich auf Ö1.

Peaqfeine Markenware?

13. Oktober 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (181) Peaq? Niemals zuvor gehört! Aber bei Mediamarkt & Saturn stehen immer mehr Geräte dieses Namens herum.

Was, bitt’schön, ist denn eine “Hausmarke”? Ich kenne einen DJ dieses Namens. In Wirklichkeit heisst er Michi Beck und ist ein Viertel der Deutsch-HipHop-Veteranen Die Fantastischen 4. Gut, ich muss mich nicht extra blöd stellen: in vielen Konsumtempeln haben Haus- und Eigenmarken, sprich: im eigenen Auftrag fremdproduzierte Produkte, die exklusiv und ultragünstig unter einem Phantasienamen verkauft werden, längst Einzug gehalten. Ich denke da z.B. an “TCM” bei Eduscho/Tchibo. Oder “Privileg” bei Quelle. Auch “ja!, natürlich”-Lebensmittel bei Billa, “S-Budget”-Energydrinks bei Spar oder “Clever”-Klopapierrollen fallen drunter. Sogar Ikea-Fans rücken demnächst wohl in Eigenregie Flachbildfernseher und Multimedia-Sets mit dem vertrauten Logo ins Wohnzimmer. Oder auch nicht.

Hausmarken bedeutet vor allem eins: noch mehr Druck, Druck, Druck auf die Erzeuger und die Konkurrenz. Denn mit teurer Markenware á la Apple und Sony lässt sich im beinharten Verdrängungswettbewerb heute kaum mehr ein Stich machen, die Margen sind – befeuert durch Internet-Freibeuter wie geizhals.at – geschmolzen wie die Pasterze am Großglockner. Was Konsumenten freut, den durchschnittlichen Fachhändler aber an den Rand des Ruins treibt. Erstaunlicherweise auch deren natürliche Feinde, die Elektroriesen – allen voran die marktdominierenden Ketten Mediamarkt und Saturn (die in Wahrheit einem Konzern – Metro – gehören).

Möglicher Ausweg? Erraten: Hausmarken. Hinter dem Saturn/Mediamarkt-Exklusivanbieter “Peaq” z.B. könnte ein anonymer chinesischer Erzeuger stecken, theoretisch aber auch Samsung oder Panasonic. Egal: “Peaq” ist eine Bereicherung. Man bemüht sich nämlich, etwas anderes als 08/15-Produkte zu bauen. Und das wirklich günstig. Schwerpunkt: Heim- und Unterhaltungselektronik.

Nehmen wir z.B. die Aktiv-Lautsprecher Peaq PPA100BT her, hüsch verpackt in weißem oder schwarzem Kunstleder. Sie lassen sich via Bluetooth mit dem Laptop, iPad oder Smartphone verbinden. Und ergeben so eine probate Mikro-Musikanlage. Ohne Verkabelung! (sieht man vom Draht zwischen den Boxen und dem Elektrokabel ab). Allemal eine Alternative zu „Airplay“ von Apple oder anderen proprietären Funk-Lösungen. Im Gegensatz zu (eleganteren, aber meist auch deutlich teureren) monolithischen Standgeräten z.B. von Bose oder B&W kriegt man mit zwei Brüllwürfeln auch eine gewisse Stereo-Bandbreite hin. Nun, tendenziell topfig klingen die schnuckeligen Peaqs schon – aber klar besser als die üblichen PC-Plastikboxen. Bei einem Paarpreis von unter 170 Euronen – bisweilen auch noch deutlich darunter – kann man nicht meckern.

Trotz offensichtlichen Erweiterungs- und Verbesserungspotentials: merken Sie sich den Namen, da steht uns noch mehr ins Haus.

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