Posts Tagged ‘LTE’

Überraschungseffekt

1. August 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (322) Muss es immer ein Apple iPhone sein? Die Antwort darauf fällt überraschend eindeutig aus.

lg-leon-lte

Im Urlaub tat mein iPhone plötzlich keinen Mucks mehr. Es liess sich nicht mehr laden, nicht mehr starten, kurzum: nicht mehr sinnvoll nutzen.

Nun besitze ich noch ein Modell – unter Insidern: ein 4S –, das Lifestyle-Aposteln und Gadget-Freaks wahrscheinlich längst als obskures Museumsstück erscheint. Es ist aber keine vier Jahre alt, äusserlich noch gut in Schuss und hat mir bislang treue Dienste geleistet. Ob sich die Reparatur des Teils noch lohnt – wahrscheinlich ist ja nur der Akku ex –, werde ich wohl in Kürze wissen. Ich frage da inzwischen doch lieber den verschmitzt lächelnden Shopbetreiber ums Eck als den offiziellen Apple-Service, der für Routine-Handlangungen ungeniert Apothekenpreise verrechnet.

Um die Zeit zu überbrücken, wo mir das Gerät nicht zur Verfügung steht, habe ich ein Ersatzhandy erstanden. Ja, ich gestehe: ein Billig-Teil mit Android-Betriebssystem (Version 5.0.1 „Lollipop“) namens LG Leon. Das Ding sieht zwar klar weniger wertig aus als ein iPhone (doch keinesfalls unedel), kostet aber auch tatsächlich nur einen Bruchteil des Prestige-Bombers. Keine 130 Euro nämlich.

Was mich nun echt überrascht hat – man merkt meine Marktferne und Interessenlosigkeit, was den ewigen Strom neuer und neuester Handy-Marken und -Modelle betrifft –, war die Qualität des LG. Und die Ausgereiftheit von Android (die man als Apple-Jünger ja gern ungeschaut leugnet). Das Mobiltelefon kann alles, was man braucht und auch alles darüber hinaus, was man längst gewohnt ist von Smartphones. Das Display ist ausreichend hell und scharf, die Bedienung flüssig, die Kamera passabel. Die Sprachqualität ist besser als beim alten 4S. Das Leon beherrscht auch LTE, und, ja, es ist ein wahrer Segen, auf Standard-Netzteile (Micro-USB) und einen Slot für SD-Erweiterungskarten (Apple, schau oba!) zugreifen zu können. Mit den 8 Gigabyte On Board-Speicher kommt man klarerweise nicht weit.

Das ist übrigens der Grund, warum ich das betagte iPhone nochmals zum Leben erwecken will: die darin fix verbauten 64 Gigabyte Speicher haben damals richtig Geld gekostet. Vielleicht reichts ja noch zur Zweitkarriere als überqualifizierter iPod. Denn ich überlege ernsthaft, das LG Leon als Erstgerät zu behalten.

Eventuell sollte man öfter konservative Komfortzonen verlassen und neue Hard- und Software testen? Den Sparstrumpf freut’s wohl. Ich geh’ jetzt und werf’ mal einen Blick auf das neue Windows 10. Oder gar Linux als ewige Alternative.

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Funkstation

12. Juli 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (319) Wird der Werbespruch „Anstecken und Lossurfen!“ dank LTE österreichweit zur erfreulichen Realität?

T-Mobile Home Net Box

„Hohe Ansprüche. Das verbindet uns.“ Oho! Da spricht mich der Geschäftsführer ja recht direkt an. Und das „im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ von T-Mobile Austria. „Ich will, dass Sie unser LTE-Netz selbst testen.“

Da ist der gute Mann, wie avisiert, hierorts an der richtigen Adresse. Man kann die aktuelle Werbekampagne des zweitgrössten Mobilfunkanbieters des Landes leise belächeln, aber, ehrlich gesagt: mir taugt sie. Denn die offensive Abkehr von der Schneller-Größer-Besser-Formel der Konkurrenz, die sich bei Netztests oft nur in praxisfernen Marginalien niederschlägt, erscheint mir so clever wie notwendig. Und das Angebot, die vierte Generation des Mobilfunks („Long Term Evolution“, kurzum LTE) ohne Risiko auszuprobieren, ist wirklich kundenfreundlich.

Ich habe in diesem Kontext zunächst das Samsung-Smartphone S6 Edge getestet. Und bin nach ein paar Tagen, durchaus zufrieden mit dem eindrucksvollen Stück Technik, auf eine „Home Net Box“ umgestiegen. Hinter dieser Bezeichnung steckt eigentlich ein Huawei E5170 Internet-Router, versehen mit dem Branding des lokalen Providers. Das Modem im annähernd würfelförmigen Plastikteil versteht sich auf alle gängigen Mobilfunk-Technologien, nur die topaktuelle LTE-Variante 6 (LTE Advanced, maximal 300 Mbit/Sek.) fehlt. Dennoch kann die zweiteilige Box – Dock und Router-Modul mit Akku, der das Ding auch mobil macht – eine gute Alternative zu herkömmlichen, leitungsgebundenen Internet-Modems sein. Mit WLAN-n , einem Ethernet-Anschluss und bis zu 32 Geräten, die man solchermassen mit dem World Wide Web vernetzen kann. Es gilt – mit etwas Optimismus – der Werbespruch: Anstecken und Lossurfen!

Nun sind die angekündigten Up- und Downloadgeschwindigkeiten in der Praxis – abhängig vorrangig vom Standort – oft nicht haltbar. Dennoch: ich überlege ernsthaft, ob wir die „Home Net Box“ nicht auch als Zusatzgerät im Büro einsetzen wollen. Zumindest für den Notfall. Denn arbeitstechnisch sind die ständigen Ausfälle der Internet-Verbindung (per Standleitung!) nicht nur ärgerlich, sondern nachgerade geschäftsschädigend. Und am Land gibt es immer noch jede Menge Funklöcher. Ob hier LTE, eventuell in Verbindung mit einem Flatrate-Tarif, einen eleganten Ausweg bietet? Probieren geht über Studieren.

Nun haben aber auch andere Mütter schöne Töchter, und T-Mobile hat kein Monopol auf das LTE-Netz in Österreich. Die Abdeckung erreicht bereits über 90 Prozent, und zwar bei allen Anbietern. Was absehbar wieder eine Preisschlacht begünstigt.

Man könnte sich also auch im Elektronikmarkt nach LTE-Routern umsehen, die für SIM-Cards aller Anbieter offen sind. Und, ja, es gibt sie – von Alcatel über Netgear bis TP-Link. Kostenpunkt: ab ca. 100 Euro aufwärts. Auch den Huawei-Würfel gibt es ohne T-Mobile-Bindung. Jetzt müsste man sich nur noch mit den Daten-Tarifen aller Provider auseinandersetzen. Oder greift gleich zum Rundum-Glücklich-Paket aus einem Haus.

Die vierte Generation

5. Juli 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (318) Ohne LTE geht im heutigen Mobilfunkverkehr nichts mehr. Wäre blöd, drauf zu verzichten.

LTE-4G

Das Dasein als Kolumnist ist ein gefährliches. Gelegentlich bricht man sich Hals & Bein (und das nicht nur sprichwörtlich), wird für ein schärferes Wort verklagt oder gar Opfer eines Shitstorms.

Am lästigsten aber ist – wenn Sie mir diese persönliche Anmerkung gestatten –, ständig nach Tipps, Urteilen und Fehleranalysen gefragt zu werden. „Du, bei meinem Computer geht der Drucker nicht“, zählt beispielsweise zu den Standard-Sätzen, die man als vermeintlicher Technik-Experte ungern zu hören bekommt. „Was soll ich machen?“. Ja, was weiß denn ich!? Die Waschmaschine gibt seltsame Geräusche von sich, der Fernseher hat Aussetzer, der Nachbarssohn braucht ein neues Handy zum günstigsten Tarif… Und das Orakel hat immer Saison. Sorry: ohne mich!

Denn ich bin weder Mechaniker, Ingenieur noch IT-Fachmann. Und schon gar kein Wunderwuzzi, der im ewig undurchschaubaren Tarifdschungel der hiesigen Telekommmunikations-Unternehmen blind den aktuell gültigen Pfad zum allerallerallertiefsten Dumping-Angebot findet.

Österreich ist ja das Land des Mobilfunks. 13,2 Millionen SIM-Karten sind im Umlauf, berichtet das Forum Mobilkommunikation, viereinhalb Millionen Mitbürger surfen via Handy, per Tablet oder am Computer. Das 2014 verbrauchte Datenvolumen betrug 181,71 Millionen Gigabyte. Glücklicherweise fallen die Preise der Provider gefühltermassen etwa so stark, wie der explodierende Bedarf an Bandbreite für Musik- und Video-Streaming, Ortungs-Dienste und Messenger-Services wie WhatsApp anwächst.

Einen Rat kann und will ich Ihnen aber taxfrei geben, sollten Sie sich nach einem neuen Smartphone (eventuell in Verbindung mit einem neuen Anbieter) umsehen: verzichten Sie nicht auf LTE! Es ist die vierte und mit Abstand schnellste Generation der Mobilfunkstandards, und mit Downloadraten bis zu 300 Megabit pro Sekunde ein Muss für die Anforderungen der Gegenwart – außer, Sie verschicken nachwievor SMS-Botschaften (Ihre Kids tun das nicht mehr) und laden alle heiligen Zeiten mal ein Foto hoch. Also sollten ihr Provider und ihr Gerät LTE beherrschen. Und das tun mittlerweile (fast) alle, mit einer Netzabdeckung bis zu 98 Prozent. Ungeachtet jeder „Breitbandmilliarde“, die Regierung und TelKos in die Zukunftstauglichkeit der Datenversorgung zu stecken versprechen.

Apropos Versprechen: „Ich will, dass Sie unser LTE-Netz selbst testen“, spricht uns der T-Mobile-Geschäftsführer Andreas B. in Zeitungsannoncen sympathisch direkt an. Den Gefallen tu ich ihm! Schliesslich werde ich dafür sogar bezahlt.

Auf Biegen und Brechen

28. September 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (280) Ich gestehe: den Biegetest mit dem neuen iPhone 6 Plus habe ich nicht gewagt.

iPhone 6 Bentgate

Jetzt liegt es also da. Vor mir auf dem Schreibtisch. Eigentlich sogar zwei Stück davon. Das kleinere, 4,7 Zoll große Exemplar (soll ich einen Zollstock rausholen und in hierzulande gebräuchliche Zentimeter übersetzen?). Und das X-Large-Modell mit 5,5 Zoll Durchmesser. Erraten: es handelt sich um das neue iPhone 6. Und das 6 Plus.

Man hat es mir förmlich nachgetragen (ich bin ja als Hype-Maschine eher unbrauchbar). Ein sehr freundlicher Herr hat “im Rahmen einer Kooperation mit T-Mobile” die Geräte mit Boten schicken lassen. Noch vor dem offiziellen Verkaufsstart – Sie kennen die Bilder mit den Schlangen vor den Geschäften – waren die begehrten Objekte im Haus. Die iPhones sind, wie immer, hübsch verpackt. Und voll geladen. SIM-Karten mit dem aktuellen LTE-Paket, das eine Download-Geschwindigkeit von bis zu dreihundert Megabit pro Sekunde ermöglicht, liegen bei. Ich könnte gleich mal die Rasanz der Verbindung in meinem Büro voller toter Winkel und dicken Mauern testen. Die Haltbarkeit der Akkus. Die Qualität der Kamera-Module. Und diverse neue Apps.

Alles proper also. Fast unwirklich elegant. Und doch begebe ich mich mit diesen High Tech-Testpaketen mitten hinein in ein Minenfeld. Auch als Embedded Journalist hat man schon von “Bentgate” gehört. Irgendein Geek hatte angeblich, kaum dass das Gerät das Licht der Welt erblickt hatte, es frisch verbogen aus der Hosentasche gezogen. Sagen wir mal so: bei knapp 7 Millimeter Gehäusestärke und Aluminimum als verwendetem Material wäre ich da vorsichtig.

Sollte aber ein grober Designfehler vorliegen – Apple dementiert das freilich –, wäre es im Zeitalter der zittrigen Börsen und sensiblen Mobilfunkpartner ein Desaster. Natürlich streut die Hardware-Konkurrenz – allen voran Samsung – Zweifel, Häme und Negativpropaganda. Aber auch das Betriebssystem iOS 8 bekam mit dem ersten Update gleich einen ordentlichen Dämpfer: plötzlich zeigte das Handy durchgehend die Meldung “Kein Netz” an. Apple musste die Version rasch zurückziehen, mittlerweile ist wohl alles paletti.

Nur die Biegenummer steht noch im Raum. Ein Video mit über 40 Millionen Views, das dem Modell Plus ein markantes Minus nachweist, kann man nicht einfach ignorieren. Soll ich nun also ungeniert den Selbsttest machen? Und dem freundlichen PR-Mann unter Umständen ein bananenförmiges Leihexemplar zurückschicken? Bin noch unschlüssig.

Eventuell umgehe ich die Sache, indem ich behaupte, so ein riesiges iPhone sehe beim Telefonieren einfach nur affig aus – und sei sowieso überflüssig.

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