Posts Tagged ‘Magna Steyr’

Fast Forward

20. November 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (386) “Die Zukunft ist hier” signalisiert Jaguars I-Pace. Dabei existiert das Auto noch nicht mal wirklich.

jaguar-ipace

Die Dinge sind ins Rutschen gekommen. Jetzt geht es plötzlich ganz rasch. So rasch, dass mancher Autohersteller Vorgriffe auf die Zukunft macht, um ein elektrisierendes Statement für die Gegenwart zu setzen. Und vorab ein Revier zu markieren, dass man selbstbewusst zu besetzen gedenkt.

So hatte Anfang dieser Woche die Luxus-Marke Jaguar – im Besitz des indischen Tata-Konzerns – zu einer Veranstaltung in London geladen. Zeitgleich waren Kollegen in Los Angeles versammelt, um Zeugen einer Präsentation zu werden, wie man sie so nie zuvor erlebt hat – eine virtuelle Pressekonferenz. Ausgestattet mit HTC Vive VR-Brillen konnte man ein Fahrzeug besichtigen, das es in der Realität noch gar nicht gibt. (oder jedenfalls nur als Prototyp).

Und zwar detailliert besichtigen: von innen, aussen, vorne, hinten, oben, unten – wonach einem gerade der Sinn stand. Selbst die Armaturen, der Motor und die Reifen liessen sich nach Lust und Laune inspizieren, rein optisch freilich. Und hatte man Fragen, stand der Chefentwickler gleich zur Verfügung. Selbst den Journalisten in Los Angeles konnte man in dieser fulminanten Synchron-Inszenierung zuwinken; sie winkten fröhlich zurück.

Vorgestellt wurde der Jaguar iPace (noch versehen mit dem Namenszusatz „Concept“): das erste rein elektrische Vehikel des Nischenanbieters. Vor Ende 2018 wird man diese stämmige, dabei aber elegant-stimmige SUV-Coupé nicht auf den heimischen Strassen sehen – ausser die Gerüchte stimmen und der iPace wird bei Magna Steyr gebaut; dann wird man wohl um Testfahrten in und um Graz nicht herumkommen. Für den heimischen Arbeitsmarkt wäre es eine positive Nachricht.

Das Jaguar-Konzept ist jedenfalls eine klare Kampfansage an Tesla & Co.: zwei je 200 Pferdestärken mächtige Elektromotore mit 700 Nm Drehmoment garantieren Sportwagen-Eckdaten, die Batterien im Boden eine formidable Straßenlage – alles kombiniert mit den Vorzügen eines Allradantriebs. Die geplante Reichweite pro Voll-Ladung, zumindest auf dem Papier: 500 Kilometer. Fragen Sie (noch) nicht nach dem Preis – aber der iPace ist zweifelsohne ein wunderhübsches Zukunftsmobil. „Kein anderes Projekt, an dem ich je gearbeitet habe“, verlautete denn auch Jaguar-Designdirektor Ian Callum, „hat mir einen so puren Thrill wie dieses gegeben.“

Die anderen Hersteller stehen mehr denn je unter Zugzwang. Einige haben ihre Hausaufgaben schon gemacht: so waren etwa BMWs Elektromobile und -Visionen vielfach präsent in London, sogar in der Hotel-Lobby. Die weit vorauseilenden Ankündigungen lassen aber auch anderen noch Spielraum für notwendige Überlegungen: den Verkehrsplanern, den Energielieferanten, der Politik und, ja, uns Konsumenten.

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Volksporsche 2.0

22. Februar 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (300) Finden wir demnächst einen angebissenen Apfel als Kühlerfigur eines High Tech-Luxus-Autos?

Apple Car (c) The Onion

Diese Kolumne basiert auf purer Spekulation. Aber derzeit überschlagen sich die Spürnasen der Branche – allen voran das „Wall Street Journal“ und hierzulande der löbliche neue Motorblock-Motor-Blog der Kollegen Sauer und Josel – in Sachen Gerüchteverdichtung. Wenn es stimmt, was man da so an Fingerzeigen, Fantasien und Fakten zusammenträgt, wäre es tatsächlich sensationell. Gerücht No. eins: der Computer- & Lifestyle-Konzern Apple, die finanziell potenteste Firma weltweit, baut ein Auto. Gerücht No. zwei: Österreich mischt mit. Und zwar in Form des Automobilindustrie-Zulieferers Magna Steyr.

Aber hallo! Unter dem Codenamen „Titan“ soll Apple jedenfalls seit geraumer Zeit in einem Geheimlabor mit hunderten Mitarbeitern an einem Vehikel basteln, das optisch an einen Minivan erinnert und mit einem Elektromotor bestückt ist. Nun gilt Magna Steyr gerade in der Akku- und Antriebs-Technik (Marke: B:LiON) als besonders innovativ und kompetent. Die Partnerschaft wäre also eine logische.

Zwar dementiert die Apple-Firmenzentrale in Cupertino sogar, dass sie irgendetwas dementiert, aber die Indizien mehren sich, dass es sich nicht nur um ein hobbyistisches Nebenprojekt eines spinnerten Abteilungsleiters handelt. Jedenfalls beschweren sich schon die alteingesessenen Konzerne – allen voran Mercedes und der E-Mobil-Fackelträger Tesla – heftig über Abwerbungsversuche von Branchen-Spitzenkräften seitens der neuen Konkurrenz.

Wird also Bruno Kreiskys Vision eines „Austroporsche“ doch noch Realität? Abwarten. Denn bevor dieser – wie zu vermuten ist – kühne Wurf mal auf den heimischen Landstrassen herumgurkt, gilt es, eine wirklich sinnstiftende Verzahnung von Mobilitäts- und Informationstechnologie unfallfrei hinzukriegen. Das ist allem voran eine Sicherheitsfrage. Schon jetzt machen sich Hacker einen Spass daraus, Teslas zu lokalisieren und die Türen wie von Geisterhand zu öffnen oder die Lücken im On Board-System eines BMW aufzuzeigen. Dabei steckt die Verquickung von IT und Mechanik erst in den Kinderschuhen; die Autoindustrie gilt als relativ konservativ.

Was sich eventuell als Vorteil herausstellen könnte: die Beta-Testphase des intelligenten, eventuell sogar selbstfahrenden, möglicherweise aber auch ungewollt fernsteuerbaren Autos – auch Google bastelt ja gerade an einem solchen Gefährt – möchte ich realiter nicht am eigenen Leib erfahren.

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