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Wechselkurs

19. März 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (401) Schon mal von Bitcoin und Blockchain gehört? Nein? Wird dann aber mal höchste Zeit.

Neue Währung

„Ich könnte mir ein künftiges Jahrtausend denken, das unser Zeitalter der Technik anstaunte, wie wir die Antike bewundern, und Maschinen ausgrübe wie wir Statuen.“

Das aufreizende Zitat stammt von Christian Morgenstern. Aber es enthält einen Irrtum, den der 1914 verstorbene, höchst fantasievolle Literat nicht antizipieren konnte: mit massigen, mechanischen Gerätschaften klassischer Bauart – symbolhaft: Dampfmaschinen – haben Technologien des 21. Jahrhunderts selten etwas gemein. Das Internet etwa. Ist es eine Meta-Maschine? Nur die Summe unzähliger miteinander vernetzter Computer? Oder etwas, das unsere Begrifflichkeit längst übersteigt?

Darüber mögen sich Philosophen den Kopf zerbrechen. Ich bin gerade damit beschäftigt, den Internet-Phänomenen Bitcoin und Blockchain auf den Grund zu gehen. Soviel weiß ich bereits: sie haben zwingend miteinander zu tun. Die (Krypto-)Währung – oder ist es eher ein Zahlungssystem? – Bitcoin ist ja für netzaffine Auskenner längst ein Faszinosum.

Man liest immer wieder von Menschen, die Bitcoins wie Gold „schürfen“, von einem radikalen Umbruch unseres Finanzsystems, von Rekordhochs und dann wieder dramatischen Abstürzen des Bitcoin-Wechselkurses in „reale“ Währungen. Wenn diese Erfindung aktuell besser performt als jede Aktie auf diesem Planeten, werden jedenfalls nicht nur Computer-Nerds hellhörig, sondern auch Börsenmakler.

Soviel in Kürze (der FM4-Journalist Christoph Weiss hat es mir konzentriert nahegebracht): Bitcoin ist schlichtweg ein Internet-Protokoll. Wie TCP/IP, HTTP oder POP/SMTP löst es ein spezifisches Problem. Im Fall des Bitcoin-Protokolls ein Problem, das vor 2008 als unlösbar galt: die Übertragung von Wert direkt zwischen Netz-Usern. Ohne dritte Partei. Abgesichert wird es durch die Blockchain – quasi eine dezentrale Datenbank in einem mittels Kryptographie und „Proof of Work“ inhärent abgesicherten Peer-to-Peer-Netzwerk.

Das klingt reichlich kompliziert, läuft aber auf eines hinaus: jede Aktion (und damit auch jede Transaktion) ist völlig transparent, automatisch und zeitgleich auf zigtausenden Rechnern rund um den Globus gespeichert. Jede Änderung dito. Vertrauen, strikt mathematisch definiert. „Bitcoin ist nicht digitales Gold oder Geld fürs Internet“, weiß Weiss. „Bitcoin ist das Internet. Das ist der Grund, warum es die Welt verändern wird.“

Nun: neulich hörte ich einen langen Vortrag, warum es zumindest die Musikindustrie auf den Kopf stellen könnte. Die ist mir aber zunehmend wurscht. Nicht egal ist mir die Zukunft per se. Insofern bin ich für solche Ezzes doch recht dankbar.

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Maschinen-Raum & Zeit

25. April 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (308) Es gibt Maschinen, die unseren Verstand übersteigen. Eine davon kreist seit 25 Jahren über unseren Köpfen.

Hubble Teleskop

Was ist die bislang mächtigste von Menschenhand erbaute Maschine? Gute Frage. Kommt wohl darauf an, was man als „mächtig“ bezeichnet und was präzise unter einer Maschine zu verstehen ist. Denn streng genommen ist das Ding, das ich heute in den Fokus der Betrachtungen rücken möchte, eher ein wissenschaftliches Instrument – wiewohl es als Gerät, das durch ein Antriebssystem bewegte mechanische Teile enthält, auch der Definition einer Maschine entspricht.

Mit 13,1 Meter Länge, einem Durchmesser von 4,4 Metern, einer Masse von elfeinhalb Tonnen und dem Aussehen einer leicht verschrammten Blechbüchse ist das Hubble Weltraumteleskop für die „Generation Transformers“ wohl auf den ersten Blick nicht übermässig beeindruckend. Dabei ermöglicht es, ziemlich exakt seit einem Vierteljahrhundert in 560 Kilometern Höhe über unseren Köpfen kreisend, Erkenntnisse, die unseren Verstand überschreiten. Wohlgemerkt: unseren – nicht den von Stephen Hawking und jener Handvoll von Wissenschaftlern rund um den Erdball, die sich der systematischen Erforschung von Raum und Zeit verschrieben haben.

Erdacht wurde ein extraterrestrisches Fernrohr, das nicht durch den Schleier der Erdatmosphäre behindert wird, schon Jahrzehnte, bevor man die nach dem Astronomen Edwin Hubble benannte Vorrichtung via Space Shuttle ins All transportierte. Das Resultat übertraf – trotz mannigfaltiger Konstruktionsfehler und Widrigkeiten, die mit fünf komplizierten Service-Missionen bereinigt werden mussten – alle Erwartungen. Prächtige Bilder unbekannter Galaxien, erdähnlicher Exoplaneten, sterbender Sterne, riesiger Schwarzer Löcher und verbogener Neptun- und Pluto-Monde erzeugten auch bei Laien offenes Staunen.

Letztere mögen nur für Vollständigkeitsfanatiker im Sternkatalog-Club von Belang sein, die Erkenntnis aber, dass das All durch bislang unerforschte Kräfte seine Expansion immerzu beschleunigt, lässt auch die Wissenschaft an ihre Grenzen stossen. Letztlich ist Hubble eine Zeitmaschine, die uns Milliarden Jahre zurück in den Urgrund des Universums blicken lässt.

Dennoch sind die Tage von Hubble gezählt. Was wird uns erst der weit mächtigere Nachfolger, das bereits in Bau befindliche James Webb Space Telescope, erschauen lassen? Sofern der Himmelskörper, um den sich aus unserem weithin nichtsahnend-eitlen Blickwinkel alles dreht, dann überhaupt noch von der Spezies Mensch bevölkert ist.

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