Posts Tagged ‘Mercedes’

Ladetätigkeit

14. Mai 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (408) Ist es abenteuerlich, in einem Tesla nach Venedig aufzubrechen? Ein Testbericht, Folge eins.

Tesla Wien

Erstmals hatte ich ein grünes Kennzeichen-Taferl vorn und hinten drangeschraubt an einem Testauto. Es signalisiert (und das seit Anfang April), dass es sich bei diesem Vehikel um ein rein elektrisch betriebenes Kraftfahrzeug handelt. Der Gesetzgeber hat angekündigt, damit bestimmte Erleichterungen zu verknüpfen – welche, ist strikt föderalistisch Landes- und Kommunalsache – und so Elektromobilität generell fördern zu wollen.

Schön und gut. Aber. Von der freundlichen Radikalität, mit der z.B. in Norwegen E-Autos forciert werden, ist man hierzulande meilenweit entfernt. Es ist wie immer ein bissl ein mutloses Hin und Her, meist mit Seitenblick auf den Gesetzgeber in unserem Nachbarland Deutschland (dessen mächtige Auto-Lobby nicht gerade als tolldreist innovationsfreudig gilt). Und so ausgestaltet, dass man niemandem richtig weh tut. (Apropos: ich bin gespannt, wie Kern, Kurz & Co. demnächst hundertausenden Diesel-Fahrern erklären wollen, dass man auf’s falsche Pferd gesetzt hat.) Jedenfalls wird sich der E-Auto-Marktanteil von hierzulande 0,2 Prozent nicht schlagartig erhöhen.

Aber hoffentlich doch merkbar. Der Politik traut man in Österreich – aus Gründen – wenig zu, der Ball liegt bei den Autokonzernen. Und hier gibt es bekanntermassen einen, der alle anderen vor sich her treibt: Tesla. Die Fahrzeuge des 2003 gegründeten US-Herstellers sind bislang, polemisch formuliert, rollende Entwicklungslabors für gutbetuchte Drittwagenbesitzer.

Aber sie sind im Alltagsverkehr sichtbar. Und gelten en gros als attraktiver, gangbarer Ansatz für den Individualverkehr der Zukunft (im Rahmen eines größeren, nachhaltigen Transport-Gesamtkonzepts, wie Tesla-Gründer Elon Musk nicht müde wird zu betonen). Da auch ein für Durchschnittsverdiener, die z.B. täglich vom Land in die Stadt und retour pendeln, leistbarer Tesla („Model 3“) in Aussicht gestellt wurde – er soll 2018 kommen und kann bereits vorbestellt werden –, könnte das für die gesamte Sparte E-Mobil ein kräftiger Turbo sein.

Aber so lange kann ich nicht warten. Es gilt zu testen und zu fahren und zu prüfen, was da ist. Das mir bereits bekannte Modell S etwa. Bislang habe ich mich damit nur von der Bundeshauptstadt aus nach Graz gewagt (und bin mit etwas Müh’ und Not zurückgekommen). Jetzt aber sitze ich gerade in einer – pardon, Mercedes! – roten S-Klasse von Tesla, Version: P100D (das ist die allerstärkste) und sause damit gen Venedig. Ein Abenteuer? Ein Wagnis? Eher: eine der vielen Nagelproben, die taugliche E-Autos bestehen müssen.

Schon stellt sich die erste elektrisierende Frage: Soll ich in Graz oder erst in Villach von der Autobahn abfahren, um Strom nachzutanken? Fortsetzung folgt.

Advertisements

Oh Lord, Won’t You Buy Me…

16. Oktober 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (381) Ab sofort das Dilemma jedes Motor-Journalisten: wie sage ich’s meinen Lesern? Zukunftstauglichkeit als neuer Imperativ – ein elektrifizierendes Thema.

mercedes-e-klasse

Früher war alles einfacher. Scheinbar zumindest. Ein Auto war ein Auto war ein Auto – und es wurde als greifbare, fahrbare, letztlich weithin leistbare Einlösung des Fortschritts- und Freiheitsversprechens wahrgenommen. Sozialer Aufstieg materialisierte sich nicht nur, aber auch als motorisierter Haufen Blech. Und ein Mercedes galt, wenn ich mich recht erinnere, als besonderer Ausweis finanzieller und sonstiger Potenz.

Bekennenderweise besaß ich eine zeitlang, es ist gar nicht so lange her, einen Mercedes-Benz der Baureihe W123. Es war eine 230er-Limousine in Lindgrün, die sich fuhr wie ein Donauschleppkahn und Benzin soff, als hätte ihr Hersteller nie etwas von der Ölkrise der siebziger Jahre gehört. Der Kilometerstand war erstaunlich niedrig, weil der Vorbesitzer damit quasi immer nur zum Jahresservice in die Werkstatt (und wieder retour) rollte, der Wagen sonst aber hauptsächlich in der Gegend herumstand.

Ein wirkliches Oldtimer-Liebhaber-Exemplar. Nachhaltigkeit pur. Ich hab’ es trotzdem verkauft, mit Gewinn – ich nenne nun mal keine Datscha mit Riesen-Tiefgarage mein eigen. Und auch, weil bei jedem Zwischstopp, vor allem am Land, die Kaufangebote mit Anmerkungen wie „Ans der letzt’n guat’n Autos!“ nur so durchs Vorderfenster schneiten.

Was ist nun anno 2016 ein gutes Auto? Ich meine damit vorrangig: ein vernünftiges Vehikel. Eines, das unseren im Vergleich zu jener Hochblüte der Massen-Mobilisierung durch Technik heute weit kritischeren Zeitgeist im Hinterkopf hat, auf die Vorzüge des motorisierten Individualverkehrs aber nicht verzichten mag. Im Sommer fuhr ich also im Rahmen einer kleinen Testreihe einen aktuellen Mercedes: eine E-Klasse-Limousine. Eigentlich wollte ich das brandneue Kombi-Modell T (weil vordergründig geräumiger und mithin vernünftiger), aber die E-Klasse ist durch die Bank der Urmeter luxuriöser Basis-Fortbewegung. Und sie repräsentiert den Stand der (Diesel-)Technik. Absolut. Dachte ich. Bis vor wenigen Tagen.

Sie haben es auch gelesen: Deutschland will ab 2030 keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren mehr neu zulassen. Sowohl SPD- wie unionsregierte Bundesländer befürworten ein Verbot für nicht emissionsfreie Antriebstechnologien. Die Grünen sind sowieso d’accord, nur die Gewerkschaften (General-Argument: Arbeitsplätze!) und Mercedes-Chef Dieter Zetsche sind vorerst dagegen. Österreich wird, egal was Provinz-Politiker heute verkünden, mitziehen. Ich werde also meine Kolumne zur E-Klasse nochmals überdenken. Unter dem strikten Imperativ der Zukunftstauglichkeit. Die Gegenwart ist, perdu!, schon Vergangenheit.

Eine Vorahnung vom Ende

28. Mai 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (362) Der Millarden-Streit um die Abgaswerte des Benzin- und Dieselmotors ist ein Symptom des Wettkampfs um die Mobilität der Zukunft.

 

familienauto-vw-zukunft

„Es ist nichts zu loben, nichts zu verdammen, nichts anzuklagen, aber es ist vieles lächerlich; es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt.“ Ich zitiere diese Worte von Thomas Bernhard gern, aber im Augenblick erweisen sie sich in schmerzlicher Weise als besonders zutreffend. Diese Kolumne handelt vom Ende einer Gattung (oder zumindest einer Vorahnung ihres Endes) – und sie entstand an einem Ort, an dem Leben und Tod nah beieinander liegen: im Wartezimmer eines Krankenhauses.

Letzteres ist übrigens kein Ort des Schreckens für einen maschinengäubigen Menschen. Im Gegenteil: die Armada der Apparaturen in der Intensivstation eines Hospitals verheisst eine erhöhte Überlebenschance; die Fortschritte der Medizintechnik in den letzten Jahren und Jahrzehnten wären ein eigenes Buch wert; zumindest in der engeren Zielgruppe ein aufgelegter Bestseller. Aber das ist nicht das Thema, um das es hier gehen soll.

Warum schreibt der Gröbchen, werden Sie sich eventuell nach Lektüre der Kolumnen der letzten Woche gefragt haben, wieder so begeistert über Autos mit Verbrennungsmotoren? Treffliche Frage. Vor allem, da ich eigentlich ständig auf der Suche nach Alternativen war und bin. Vom E-Bike über kuriose Neben- und Seitenlinien der Evolutionsgeschichte individueller Mobilität bis hin zu den Schlüsselmodellen der Generation Tesla teste ich auf Herz und Nieren, was mir so unterkommt. Oder, besser: was einen Ausweg aus dem Status Quo eröffnen und befahren könnte.

Benzin- und Dieselmotoren werden uns noch einige Jährchen erhalten bleiben; die Ablösung durch Strom und/oder Wasserstoff konkretisiert sich zwar immer mehr (Apple, liest man, arbeitet bereits am Design von Ladestationen) – aber bei der faktischen Durchsetzung im Alltag haben Politik, Gesetzgeber und Konsument noch ein gehöriges Wort mitzureden. Zumal der Generationensprung dank der Vernetzung und Autonomisierung der Fahrzeugintelligenz (Stichwort: selbstfahrendes Auto) radikal ausfallen wird.

Ist es dann nicht pure Zeitverschwendung, über fabriksneue Old School-Modelle traditioneller Bauart zu berichten? Nein: siehe oben. Es schwingt zugegebenermassen auch eine Prise Mitleid und Sorge um VW, DaimlerOpel, Fiat, Audi, Renault, Mitsubishi & Co. mit: weltumspannende Konzerne, die wir für die rasche Marktdurchdringung fortschrittlicher Mobiltechnologien noch brauchen werden.

Es würde mich übrigens sehr wundern, wenn auch nur ein Autohersteller auf diesem Planeten beim akuten Abgasskandal nicht geschwindelt (oder zumindest die Grenzen der Legalität bis zum Anschlag ausgereizt) hätte – mit vorauseilender Rückendeckung durch die bequemen Nutzniesser der (im wahrsten Wortsinn billigen und nun für die Konzerne extrateuren) Schmähtandelei: uns allen, Fahrradkrieger/innen und Fußgänger ausgenommen. Und sind nicht die Pioniere und Autopiloten der Zukunft alle zufällig in den USA daheim? Merke: „Business is war!“ (Jack Tramiel, Atari). Wie immer auch: wie beim österreichischen Weinskandal in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts könnte ein reinigendes Fanal auch eine ganz neue Denkschule  begründen. Tesla, UberGoogle und Apple alleine werden aber nicht alles zum Guten wenden (können).

Dass die Familien Piech & Porsche dagegen, wie gerade zu lesen stand, mit dem VW-Skandal – der eben kein alleiniger VW-Skandal mehr ist – ein paar Milliarden Euro verlieren, ist vergleichsweise wirklich lächerlich. Todernst.

Sonntagsmesse

20. Mai 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (361) Kraftfahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor haben ihren höchste Reifegrad erreicht. Beweis: der neue 7er-BMW.

7er BMW

Welches Fahrzeug nehmen, wenn’s auf die Oldtimer-Messe nach Tulln (die an diesem Wochenende stattfindet) gehen soll? Das MX-5 Cabrio? Würde zum Wetter passen, ist aber dank Baujahr 1995 ein Youngtimer. Den giftgrünen Corsa OPC, den mir der freundliche Opel-Pressechef leihweise zur Verfügung gestellt hat? Damit ließen sich einige Privatrallyfahrer auf die Plätze verweisen, aber darum geht’s bei einem gepflegten Ausflug aufs Land eher nicht.

Letztlich habe ich mich für den neuen 7er-BMW entschieden. Weil diese Limousine – Modell 740d Xdrive mit M-Sportpaket – in besonders scharfem Kontrast zur Retro- und Bastler-Atmosphärik in Tulln steht. Und doch auch wieder nicht. Es handelt sich um ein Fahrzeug, das die Evolution des Dieselmotors auf höchster Stufe repräsentiert. Manche prophezeihen: auch auf letzter.

Doch das wäre Schwarzmalerei; das Bedürfnis nach Luxusdroschken konservativer Bauart wird nicht verschwinden, solange Ölraffinerien existieren. Kurioserweise gilt so ein 7er mit einem Startpreis von rund 100.000 Euro (ohne Extras) ja nur als Ikone der Oberklasse; wirkliche Top-Milliardäre würden ihn vielleicht dem Hauspersonal zur Verfügung stellen. Als einigermassen standesgemässes Einkaufswagerl.

Aber geht hier irgendetwas ab? Nein, nein und nochmals nein. Hingefläzt in streichelweichem, cognacfarbenem Nappaleder delektiert man sich in der „besten Luxuslimousine der Welt“ (Autorevue) am fein ziselierten Inventar, einer Bordelektronik auf neuestem Stand und jeglichem denkbaren modernistischen Schnickschnack (Laserlicht, Head Up-Display, Gestiksteuerung des Radios, Bowers & Wilkins „Diamond Surround“ Sound System, ein „Welcome Light Carpet“ genannter beleuchteter Einstieg und anderes mehr).

Ein- oder Ausparken tut der naturgemäss nicht gerade kleine, aber elegant geschnittene Wagen übrigens auch von alleine – das auszuprobieren habe ich mich ehrlicherweise nicht getraut. Wiewohl: den taufrischen 7er bei dieser autoerotischen Lektion für Fortgeschrittene inmitten der historischen Jaguar-, Mercedes-, Bentley- & Co-Parade am Tullner Messegelände beobachten zu dürfen, das hätte schon was.

Bewegen lässt sich der Reihensechszylinder mit 320 PS, obligatem Allradantrieb und Automatik übrigens wie ein Messer, das durch Butter fährt – Butter knapp vor dem Zerfliessen, wohlgemerkt. State of the Art. Nur der Fahrzeugschlüssel mit integriertem Touchdisplay, der erscheint mir dann doch etwas mickrig. Man kann damit weder telefonieren, fernsehen, den neuen Bundespräsidenten fernsteuern noch den Wagen in den Wolken parken. Da geht noch was.

Volksporsche 2.0

22. Februar 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (300) Finden wir demnächst einen angebissenen Apfel als Kühlerfigur eines High Tech-Luxus-Autos?

Apple Car (c) The Onion

Diese Kolumne basiert auf purer Spekulation. Aber derzeit überschlagen sich die Spürnasen der Branche – allen voran das „Wall Street Journal“ und hierzulande der löbliche neue Motorblock-Motor-Blog der Kollegen Sauer und Josel – in Sachen Gerüchteverdichtung. Wenn es stimmt, was man da so an Fingerzeigen, Fantasien und Fakten zusammenträgt, wäre es tatsächlich sensationell. Gerücht No. eins: der Computer- & Lifestyle-Konzern Apple, die finanziell potenteste Firma weltweit, baut ein Auto. Gerücht No. zwei: Österreich mischt mit. Und zwar in Form des Automobilindustrie-Zulieferers Magna Steyr.

Aber hallo! Unter dem Codenamen „Titan“ soll Apple jedenfalls seit geraumer Zeit in einem Geheimlabor mit hunderten Mitarbeitern an einem Vehikel basteln, das optisch an einen Minivan erinnert und mit einem Elektromotor bestückt ist. Nun gilt Magna Steyr gerade in der Akku- und Antriebs-Technik (Marke: B:LiON) als besonders innovativ und kompetent. Die Partnerschaft wäre also eine logische.

Zwar dementiert die Apple-Firmenzentrale in Cupertino sogar, dass sie irgendetwas dementiert, aber die Indizien mehren sich, dass es sich nicht nur um ein hobbyistisches Nebenprojekt eines spinnerten Abteilungsleiters handelt. Jedenfalls beschweren sich schon die alteingesessenen Konzerne – allen voran Mercedes und der E-Mobil-Fackelträger Tesla – heftig über Abwerbungsversuche von Branchen-Spitzenkräften seitens der neuen Konkurrenz.

Wird also Bruno Kreiskys Vision eines „Austroporsche“ doch noch Realität? Abwarten. Denn bevor dieser – wie zu vermuten ist – kühne Wurf mal auf den heimischen Landstrassen herumgurkt, gilt es, eine wirklich sinnstiftende Verzahnung von Mobilitäts- und Informationstechnologie unfallfrei hinzukriegen. Das ist allem voran eine Sicherheitsfrage. Schon jetzt machen sich Hacker einen Spass daraus, Teslas zu lokalisieren und die Türen wie von Geisterhand zu öffnen oder die Lücken im On Board-System eines BMW aufzuzeigen. Dabei steckt die Verquickung von IT und Mechanik erst in den Kinderschuhen; die Autoindustrie gilt als relativ konservativ.

Was sich eventuell als Vorteil herausstellen könnte: die Beta-Testphase des intelligenten, eventuell sogar selbstfahrenden, möglicherweise aber auch ungewollt fernsteuerbaren Autos – auch Google bastelt ja gerade an einem solchen Gefährt – möchte ich realiter nicht am eigenen Leib erfahren.

%d Bloggern gefällt das: