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Hallelujah!

30. Juni 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (217) Ein Schritt zurück kann auch ein Fortschritt sein. Windows 8.1 versucht den Beweis anzutreten.

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LOL! Das Kürzel steht in der Online-Welt für „Lough Out Lout“. In tatsächlich kaum zu unterdrückendes Gekicher, Gekecker und Gekuder verfallen bin ich vorgestern. Bei der Vorstellung des ersten grösseren Updates von Windows 8. Erraten: Acht Punkt Eins. Denn bei der Live-Präsentation dieses Betriebssystems durch Microsoft-Chef Steve Ballmer – die PC-Branche ähnelt hier Sekten und ihren Predigern – erhielt der gute Mann den denkbar grössten Applaus für einen mutigen Schritt zurück.

Hallelujah, der Windows-Start-Button ist wieder da! Wenn auch ein kleiner Etikettenschwindel. Und man kann mit dem altbekannten Desktop-Modus in den Arbeitsalltag einsteigen, hat also den eigenen elektronischen Schreibtisch vor Augen und nicht mehr die Kachelwand von Windows 8. Sollte man dennoch das Bedürfnis nach dem umstrittenen Modernismus der Microsoft-Designer haben, darf man nun die Schaltflächen individueller gestalten und strukturieren. Nochmals: hallelujah!

Ich erlaube mir an dieser Stelle, die hoch bezahlten Experten auf einen verblüffenden Umstand aufmerksam zu machen. Einen reichlich trivialen, aber zugleich fundamentalen Lehrsatz. Er lautet: Menschen sind Gewohnheitstiere. Und ich habe nicht nur einmal meine Freundin – die alles andere ist als ein Computer-Nerd, aber gewiss auch nicht vernagelter als der Rest der Menschheit – leise fluchen und dabei sagen hören: „Das sieht aber anders aus als bei mir im Büro“. Irritation deluxe!

Die Vorgeschichte: zu Weihnachten hatte ich ihr einen in Geschenkpapier verpackten Windows-Laptop überreicht, weil ich die fortwährenden Beschwerden bei Nutzung meines Apple MacBooks (erraten!: „Das sieht aber anders aus als bei mir im Büro“) nicht mehr ertragen mochte. Allein: sie ist ein Gerät mit Windows Vista – oder gar noch dem Uralt-Windows XP? – gewohnt. Die bunte, verwirrende Kachelwelt von Windows 8 macht sie fertig. Und mich auch. Ich bin nun nämlich als persönlicher Amateur-Systembetreuer ständig mit Fragen konfrontiert. Fragen wie „Wenn ich da drauf klicke, was passiert dann?“ oder „Warum befinde ich mich jetzt hier?“ oder gar „Habe ich jetzt unabsichtlich alles gelöscht?“. Und bin solchermassen gezwungen, mich mehr mit diesem Betriebssystem auseinanderzusetzen als mir lieb ist.

Mister Ballmer! Hoffentlich klappt’s jetzt. Sonst, fürchte ich, werden weder Sie noch ich Windows 9 erleben. Was ja auch eine Erlösung sein könnte.

Habt Acht!

27. Oktober 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (183) Glückauf, Windows 8! Mit dem neuen Betriebssystem könnte, nein: muss Microsoft ein Wurf gelingen.

Ich freue mich auf Windows 8. Und das, obwohl ich das neue Betriebssystem von Microsoft – anders als Abermillionen PC- und Notebook-Besitzer – eventuell nie nutzen werde. Jedenfalls nicht gerade oft. Ich bin ja der MS-Hemisphäre vor vielen Jahren schon untreu geworden und ins Apple-Lager gewechselt. Setze ich mich in unserem Büro an einen Computer, auf dem Windows läuft (in der längst veralteten XP-Variante, alle Upgrades danach wurden durchgehend ignoriert), tue ich mir inzwischen wirklich schwer mit der Bedienung.

Logisch, durchschaubar und elegant ist mir die Microsoft-Welt ja nie vorgekommen – der Hauptgrund für den Wechsel –, aber das soll sich jetzt definitiv ändern. Angeblich. Und tatsächlich lacht mich schon eine Schlagzeile der November-Ausgabe der Zeitschrift “Chip” an (es handelt sich dabei übrigens um das beste Technikmagazin des deutschsprachigen Raums): “Windows 8 schlägt Apple”. Es folgen 12 Seiten Testberichte. Reizt mich deutlich mehr als der abgeschmackte Schaukampf Sido vs. Heinzlmann.

Warum mich überhaupt eine Software interessiert, fragen Sie, die ich absehbar links liegen lasse? Dafür gibt es viele Gründe. Erstens kommt man an Betriebssystemen und ihren bunten Benutzeroberflächen im Alltag nicht vorbei. Und sei es nur, weil man mal zur Abwechslung oder in der Not das Handy der Freundin nutzt. Das neue MS-Paket ist – in diversen gerätespezifischen Versionen und Konfigurationen – als “Überall-Windows” konzipiert, es soll auf PCs, Laptops, Tablets (Microsoft steigt mit dem “Surface” erstmal dick in die Hardware-Produktion ein), Spielkonsolen und Smartphones laufen. Und mit seinem „Kacheldesign“ und Hang zur Touch-Bedienung überall mehr oder weniger gleich aussehen und funktionieren. Das ist ein relativ gewagtes Kozept, und es tobt auch schon die Diskussion zwischen Experten, Konsumenten und Kaffeesudlesern. Letztere beschwören ja seit geraumer Zeit das Ende des Giganten Microsoft herauf, sollte es nun nicht klappen.

Zweitens tut Konkurrenz nicht nur gut, sondern geradezu not. Für Apple nämlich, dessen OSX 10.8 (“Mountain Lion”) auch nicht das Elysium schlechthin ist – vor allem, weil man sich ständig um die Aufwärtskompatibilität seiner einst teuer erstandenen Hard- und Software Sorgen machen muß. Funktioniert dies noch, wird das noch erkannt, muss ich jetzt Update X installieren oder klappt es auch mit Version Y? Tim Cook, das nervt unendlich! Und natürlich tun, drittens, Monokultur, Duopole und Marktdominanzen generell nicht gut. Android & Co. vertragen wohl auch den einen oder anderen Gegenentwurf. Selbst Linux-Fans könnten einen Seitenblick wagen. Insofern: Glückauf, Microsoft! Mach’ was draus.

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