Posts Tagged ‘Mobilität’

Ladetätigkeit

14. Mai 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (408) Ist es abenteuerlich, in einem Tesla nach Venedig aufzubrechen? Ein Testbericht, Folge eins.

Tesla Wien

Erstmals hatte ich ein grünes Kennzeichen-Taferl vorn und hinten drangeschraubt an einem Testauto. Es signalisiert (und das seit Anfang April), dass es sich bei diesem Vehikel um ein rein elektrisch betriebenes Kraftfahrzeug handelt. Der Gesetzgeber hat angekündigt, damit bestimmte Erleichterungen zu verknüpfen – welche, ist strikt föderalistisch Landes- und Kommunalsache – und so Elektromobilität generell fördern zu wollen.

Schön und gut. Aber. Von der freundlichen Radikalität, mit der z.B. in Norwegen E-Autos forciert werden, ist man hierzulande meilenweit entfernt. Es ist wie immer ein bissl ein mutloses Hin und Her, meist mit Seitenblick auf den Gesetzgeber in unserem Nachbarland Deutschland (dessen mächtige Auto-Lobby nicht gerade als tolldreist innovationsfreudig gilt). Und so ausgestaltet, dass man niemandem richtig weh tut. (Apropos: ich bin gespannt, wie Kern, Kurz & Co. demnächst hundertausenden Diesel-Fahrern erklären wollen, dass man auf’s falsche Pferd gesetzt hat.) Jedenfalls wird sich der E-Auto-Marktanteil von hierzulande 0,2 Prozent nicht schlagartig erhöhen.

Aber hoffentlich doch merkbar. Der Politik traut man in Österreich – aus Gründen – wenig zu, der Ball liegt bei den Autokonzernen. Und hier gibt es bekanntermassen einen, der alle anderen vor sich her treibt: Tesla. Die Fahrzeuge des 2003 gegründeten US-Herstellers sind bislang, polemisch formuliert, rollende Entwicklungslabors für gutbetuchte Drittwagenbesitzer.

Aber sie sind im Alltagsverkehr sichtbar. Und gelten en gros als attraktiver, gangbarer Ansatz für den Individualverkehr der Zukunft (im Rahmen eines größeren, nachhaltigen Transport-Gesamtkonzepts, wie Tesla-Gründer Elon Musk nicht müde wird zu betonen). Da auch ein für Durchschnittsverdiener, die z.B. täglich vom Land in die Stadt und retour pendeln, leistbarer Tesla („Model 3“) in Aussicht gestellt wurde – er soll 2018 kommen und kann bereits vorbestellt werden –, könnte das für die gesamte Sparte E-Mobil ein kräftiger Turbo sein.

Aber so lange kann ich nicht warten. Es gilt zu testen und zu fahren und zu prüfen, was da ist. Das mir bereits bekannte Modell S etwa. Bislang habe ich mich damit nur von der Bundeshauptstadt aus nach Graz gewagt (und bin mit etwas Müh’ und Not zurückgekommen). Jetzt aber sitze ich gerade in einer – pardon, Mercedes! – roten S-Klasse von Tesla, Version: P100D (das ist die allerstärkste) und sause damit gen Venedig. Ein Abenteuer? Ein Wagnis? Eher: eine der vielen Nagelproben, die taugliche E-Autos bestehen müssen.

Schon stellt sich die erste elektrisierende Frage: Soll ich in Graz oder erst in Villach von der Autobahn abfahren, um Strom nachzutanken? Fortsetzung folgt.

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Oh Lord, Won’t You Buy Me…

16. Oktober 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (381) Ab sofort das Dilemma jedes Motor-Journalisten: wie sage ich’s meinen Lesern? Zukunftstauglichkeit als neuer Imperativ – ein elektrifizierendes Thema.

mercedes-e-klasse

Früher war alles einfacher. Scheinbar zumindest. Ein Auto war ein Auto war ein Auto – und es wurde als greifbare, fahrbare, letztlich weithin leistbare Einlösung des Fortschritts- und Freiheitsversprechens wahrgenommen. Sozialer Aufstieg materialisierte sich nicht nur, aber auch als motorisierter Haufen Blech. Und ein Mercedes galt, wenn ich mich recht erinnere, als besonderer Ausweis finanzieller und sonstiger Potenz.

Bekennenderweise besaß ich eine zeitlang, es ist gar nicht so lange her, einen Mercedes-Benz der Baureihe W123. Es war eine 230er-Limousine in Lindgrün, die sich fuhr wie ein Donauschleppkahn und Benzin soff, als hätte ihr Hersteller nie etwas von der Ölkrise der siebziger Jahre gehört. Der Kilometerstand war erstaunlich niedrig, weil der Vorbesitzer damit quasi immer nur zum Jahresservice in die Werkstatt (und wieder retour) rollte, der Wagen sonst aber hauptsächlich in der Gegend herumstand.

Ein wirkliches Oldtimer-Liebhaber-Exemplar. Nachhaltigkeit pur. Ich hab’ es trotzdem verkauft, mit Gewinn – ich nenne nun mal keine Datscha mit Riesen-Tiefgarage mein eigen. Und auch, weil bei jedem Zwischstopp, vor allem am Land, die Kaufangebote mit Anmerkungen wie „Ans der letzt’n guat’n Autos!“ nur so durchs Vorderfenster schneiten.

Was ist nun anno 2016 ein gutes Auto? Ich meine damit vorrangig: ein vernünftiges Vehikel. Eines, das unseren im Vergleich zu jener Hochblüte der Massen-Mobilisierung durch Technik heute weit kritischeren Zeitgeist im Hinterkopf hat, auf die Vorzüge des motorisierten Individualverkehrs aber nicht verzichten mag. Im Sommer fuhr ich also im Rahmen einer kleinen Testreihe einen aktuellen Mercedes: eine E-Klasse-Limousine. Eigentlich wollte ich das brandneue Kombi-Modell T (weil vordergründig geräumiger und mithin vernünftiger), aber die E-Klasse ist durch die Bank der Urmeter luxuriöser Basis-Fortbewegung. Und sie repräsentiert den Stand der (Diesel-)Technik. Absolut. Dachte ich. Bis vor wenigen Tagen.

Sie haben es auch gelesen: Deutschland will ab 2030 keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren mehr neu zulassen. Sowohl SPD- wie unionsregierte Bundesländer befürworten ein Verbot für nicht emissionsfreie Antriebstechnologien. Die Grünen sind sowieso d’accord, nur die Gewerkschaften (General-Argument: Arbeitsplätze!) und Mercedes-Chef Dieter Zetsche sind vorerst dagegen. Österreich wird, egal was Provinz-Politiker heute verkünden, mitziehen. Ich werde also meine Kolumne zur E-Klasse nochmals überdenken. Unter dem strikten Imperativ der Zukunftstauglichkeit. Die Gegenwart ist, perdu!, schon Vergangenheit.

Mein Kampfradler!

7. Oktober 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (380) Botschaft an einen Freund: die notorische Fixiertheit der Radfahrer/innen-Fraktion auf das Feindbild Auto ist, sorry to say, kontraproduktiv. 

radkolumne

Sagen wir mal so: Freund D. werde ich mit dieser Kolumne nicht von den Vorzügen motorisierter Fortbewegung überzeugen können. Will ich es überhaupt?

D. ist überzeugter Radfahrer. An sich ein sehr sympathischer Wesenszug, zumal als Mitbewohner einer Millionenstadt, die – wie jede moderne Metropole – ein Problem mit zuviel Autoverkehr hat. D. ist aber ein, hm, sehr überzeugter – ich verkneife mir die absichtsvolle Zuschreibung „militanter“ – Radfahrer. Und er kommuniziert das so nachdrücklich wie unablässig. Man kann das nun ebenfalls für sympathisch, weil notwendig erachten, man kann (und darf es hoffentlich auch) ein bissl schrullig finden, man könnte aber auf den missionarisch-aggressiven Ton seiner Anti-Auto-Predigten auch genervt reagieren. In Kenntnis der progressiven Denkart und liebenswerten Persönlichkeit von D. reagiere ich meist mit milde gestimmter Gelassenheit. Zumal ja auch einiges an Wahrheit in einer radikalen Sicht der Verkehrsproblematik steckt.

Neulich aber bin ich richtig erschrocken. Denn D. schrieb öffentlich, dem grösstmöglichen Facebook-Leserkreis zugedacht, von der „totalen Zerstörung der Welt“ durch eine „von Adolf Hitler erfundene Autoreligion“. Ich kann hier die ganze Epistel nur auszugsweise wiedergeben, aber Hersteller und Nutzer von Kraftfahrzeugen werden als „wahnsinnige Sekte“ beschrieben, die ober- und unterirdische „Weihestätten“ für „nutzlose Kultobjekte“ errichte – gemeint sind damit wohl Parkgaragen. Die Anhänger der „blechernen Todesmaschinen“ würden nur einen Antichristen kennen: den Radfahrer. Pardon: den „glücklichen, freien, selbstermächtigten, mit geschärften Sinnen“ dahinradelnden Anti-Hitler.

Sorry: das ist nicht lustig. Selbst wenn D. nur provokative Thesen alternativer Vordenker – wie etwa das Bild der „Heiligen Kuh“ Automobil des Kulturanthopologen Marvin Harris – paraphrasiert, hat die Heiligsprechung einer bestimmten Denkart und Bevölkerungsgruppe durch die Herabsetzung, ja Verdammung aller Andersdenkenden und -handelnden noch nie funktioniert. Á la longue. Pardon, Maschine retour: sie hat freilich immer funktioniert. Zumindest für einen bestimmten, historisch betrachtet meist kurzen Zeitraum. Bevor es zur Explosion kam. Es ist das Funktionsprinzip totalitärer Regimes, Religionen und Ideologien. Ihr unausweichlicher Niedergang ist in der Regel mit Gewalt verbunden.

Wohlan: unsere Welt ist im Umbruch begriffen. Gerade auch, was unseren mobilen Alltag betrifft. Gut so. Ich wünsche D. und uns dennoch (und zwar nicht nur metaphorisch, auch strikt real) dass Verbrennungsmotoren nicht durch Waffenräder ersetzt werden.

Die non-futuristische Freiheitsmaschine

21. August 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (373) Der Kia Sportage der vierten Generation demonstriert nicht die Zukunft des Automobils, aber eine ebenso preiswerte wie opulente Gegenwart.

Kia Sportage

„Das Auto als Freiheitsmaschine hat keine Zukunft“. Solche Überschriften – online nachzuschlagen in der Süddeutschen Zeitung – sind nicht gerade die ideale Begleitmusik, um einen aktuellen SUV zu bewerten. Aber mein Resümee nach einwöchiger Testnutzung eines KIA Sportage 2.0 CRDI fällt radikal anders aus: dieses Auto ist die leistbare Freiheitsmaschine der Gegenwart. Was in Zukunft sein wird, weiß kein Mensch.

Wie komme ich zu solch einem Urteil – das für Fortschrittsgläubige auf einen Affront hinausläuft? Nun: eigentlich sind mir SUVs (Sport Utility Vehicles) als Fahrzeuggattung eher unsympathisch – zu voluminös, oft protzig-hässlich, technisch meist unnütz überzüchtet. Zugleich ist diese Kategorie aber im Autohandel die mit Abstand erfolgreichste der letzten Jahre. Was einiges über unsere Zeit und alternde Gesellschaft aussagt. Andererseits sollte man nicht zu geschmäcklerisch an die Sache herangehen. Und Phänomene als Journalist tunlichst kühl analysieren.

Was mir beim aktuell getesteten Kia Sportage der vierten Generation, zugegebenermassen schwer fällt. Man schlüpft in dieses Fahrzeug hinein wie in einen Handschuh: alles sitzt, passt, funkt, als stünde das Auto seit Jahren in der eigenen Garage. Der Kia-Werbespruch „The power to surprise“ trifft es exakt: da definiert ein vormaliger südkoreanischer  Billigsberger die leistbare SUV-Klasse neu.

Wobei „leistbar“ relativ ist: die Listenpreise für den Sportage beginnen bei 24.000 Euro, die getestete, mit allem Schnickschnack (Vierradantrieb, Automatik, Bi-Xenon-Scheinwerfer, autonomes Notbremssystem etc. usw.) ausgerüstete Platin-Edition überspringt dann locker die 40.000 Euro. Aber ich war und bin wirklich überrascht, wie komplett, robust, durchdacht und vergleichsweise vernünftig dieses Auto ist. Quasi eine Alltags-Benchmark individueller Old School-Autoerotik. Und, ja, es geht natürlich immer (auch) um die Befriedigung des eigenen Ich.

Freilich auch bei der gegnerischen Fraktion: engstirnigen Moral- und Zukunftsaposteln, selbsternannten Verkehrsplanern und unbedingten Autohassern. Ihre Befriedigung leitet sich zumeist aus einfachem Distinktionsgewinn ab: seht her, diese SUV-Deppen! Wollen einfach nicht aufs Rad, auf die Eisen- oder Strassenbahn, auf ein Elektrowägelchen umsteigen! Sorry to say: man sollte den Instinkt von Millionen Käufern, die ihr hart erarbeitetes Geld für Mobilitäts-Prothesen auf den Tisch legen, nicht unterschätzen.

Das „ekstatisch-suizidale James Dean-Modell des Autofahrens“, wie es die „Süddeutsche“ polemisch nennt, ist – sorry to say (und zwar in jeder Hinsicht) – alles andere als von gestern. Jedenfalls, solange die Bahn bummelt und Tesla & Co. im Selbstfahrmodus in kreuzende LKWs krachen. Haben denn Unfreiheitsmaschinen eine Zukunft?

Eine Vorahnung vom Ende

28. Mai 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (362) Der Millarden-Streit um die Abgaswerte des Benzin- und Dieselmotors ist ein Symptom des Wettkampfs um die Mobilität der Zukunft.

 

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„Es ist nichts zu loben, nichts zu verdammen, nichts anzuklagen, aber es ist vieles lächerlich; es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt.“ Ich zitiere diese Worte von Thomas Bernhard gern, aber im Augenblick erweisen sie sich in schmerzlicher Weise als besonders zutreffend. Diese Kolumne handelt vom Ende einer Gattung (oder zumindest einer Vorahnung ihres Endes) – und sie entstand an einem Ort, an dem Leben und Tod nah beieinander liegen: im Wartezimmer eines Krankenhauses.

Letzteres ist übrigens kein Ort des Schreckens für einen maschinengäubigen Menschen. Im Gegenteil: die Armada der Apparaturen in der Intensivstation eines Hospitals verheisst eine erhöhte Überlebenschance; die Fortschritte der Medizintechnik in den letzten Jahren und Jahrzehnten wären ein eigenes Buch wert; zumindest in der engeren Zielgruppe ein aufgelegter Bestseller. Aber das ist nicht das Thema, um das es hier gehen soll.

Warum schreibt der Gröbchen, werden Sie sich eventuell nach Lektüre der Kolumnen der letzten Woche gefragt haben, wieder so begeistert über Autos mit Verbrennungsmotoren? Treffliche Frage. Vor allem, da ich eigentlich ständig auf der Suche nach Alternativen war und bin. Vom E-Bike über kuriose Neben- und Seitenlinien der Evolutionsgeschichte individueller Mobilität bis hin zu den Schlüsselmodellen der Generation Tesla teste ich auf Herz und Nieren, was mir so unterkommt. Oder, besser: was einen Ausweg aus dem Status Quo eröffnen und befahren könnte.

Benzin- und Dieselmotoren werden uns noch einige Jährchen erhalten bleiben; die Ablösung durch Strom und/oder Wasserstoff konkretisiert sich zwar immer mehr (Apple, liest man, arbeitet bereits am Design von Ladestationen) – aber bei der faktischen Durchsetzung im Alltag haben Politik, Gesetzgeber und Konsument noch ein gehöriges Wort mitzureden. Zumal der Generationensprung dank der Vernetzung und Autonomisierung der Fahrzeugintelligenz (Stichwort: selbstfahrendes Auto) radikal ausfallen wird.

Ist es dann nicht pure Zeitverschwendung, über fabriksneue Old School-Modelle traditioneller Bauart zu berichten? Nein: siehe oben. Es schwingt zugegebenermassen auch eine Prise Mitleid und Sorge um VW, DaimlerOpel, Fiat, Audi, Renault, Mitsubishi & Co. mit: weltumspannende Konzerne, die wir für die rasche Marktdurchdringung fortschrittlicher Mobiltechnologien noch brauchen werden.

Es würde mich übrigens sehr wundern, wenn auch nur ein Autohersteller auf diesem Planeten beim akuten Abgasskandal nicht geschwindelt (oder zumindest die Grenzen der Legalität bis zum Anschlag ausgereizt) hätte – mit vorauseilender Rückendeckung durch die bequemen Nutzniesser der (im wahrsten Wortsinn billigen und nun für die Konzerne extrateuren) Schmähtandelei: uns allen, Fahrradkrieger/innen und Fußgänger ausgenommen. Und sind nicht die Pioniere und Autopiloten der Zukunft alle zufällig in den USA daheim? Merke: „Business is war!“ (Jack Tramiel, Atari). Wie immer auch: wie beim österreichischen Weinskandal in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts könnte ein reinigendes Fanal auch eine ganz neue Denkschule  begründen. Tesla, UberGoogle und Apple alleine werden aber nicht alles zum Guten wenden (können).

Dass die Familien Piech & Porsche dagegen, wie gerade zu lesen stand, mit dem VW-Skandal – der eben kein alleiniger VW-Skandal mehr ist – ein paar Milliarden Euro verlieren, ist vergleichsweise wirklich lächerlich. Todernst.

Langstreckentest

1. Mai 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (309) Machen Sie selbst den Test: mieten Sie mal einen Tesla. Er wird Sie mit Garantie elektrisieren.

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Kaum eine Automarke wird in dieser Kolumne häufiger genannt als Tesla. Das steht in einem reziproken Verhältnis zur hiesigen Kfz-Verkaufsstatistik, hat aber gute Gründe: das Unternehmen rund um den US-Visionär Elon Musk ist ein Vorreiter der Elektro-Mobilität.

Zunächst mit einem elitären Roadster, nunmehr mit einer halbwegs leistbaren Limousine – dem auch nicht gerade unsportlichen Model S – hat man eine konsequente Philosophie entwickelt. Und erstaunliche Erfolge erzielt. Also: eine dezidierte Zukunftsperspektive. Naturgemäß stand ein Tesla schon länger auf der Test-Wunschliste.

Man nimmt dafür gerne in Kauf, mit dem auffälligen Kennzeichen W Blitz 8 unterwegs zu sein. Immerhin: Blitz 6 haben mir die freundlichen Herren des Leihgebers blitzzcar.com (Motto: „Wir sind Dein Auto“) erspart. Aber auch so darf man sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen, wenn man mit dem elegant gestylten Mobil durch Graz kurvt.

Das hatte ich mir vorgenommen: die Langstreckentauglichkeit eines Tesla zu prüfen. Skepsis ist ja der ständige Beifahrer des Konsumenten. Nun: die Hinfahrt über die Südautobahn verlief bestens. Es galt nur, mittels Tempomat strikt im Rahmen der gesetzlich erlaubten Geschwindigkeiten zu bleiben – das Drehmoment des Elektromotors (das Gefährt beschleunigt in 5,4 Sekunden von Null auf Hundert km/h) bei gleichzeitigem Flüster-Geräuschpegel verführt zu höheren Tempi. Die Straßenlage – man sitzt ja auf rund 8000 gewichtigen Lithium-Ionen-Akkuzellen – dito.

Wenn man mit 80 Prozent Ladung in Wien losfährt, liegt Graz locker in der Reichweite von über vierhundert Kilometern. Die Rückfahrt bedarf dann allerdings sorgfältiger Planung. Denn in der zweitgrößten Stadt der Republik gibt es bis dato keinen „Supercharger“, der das Fahrzeug rapide mit bis zu 120 kW Gleichstrom auflädt. Und das gratis. „In Bau“ vermerkt das bordinterne Internet. Stattdessen muss man sich bei Autobahnstationen oder auf Merkur-Parkplätzen stundenlang mit weit langsameren Zapfsäulen herumschlagen. Bei manchen lächeln einem schwachstromhungrige E-Biker und staunende Passanten verhalten zu.

Aber es wäre degoudant, zu klagen. Es gibt, wage ich zu behaupten, derzeit kein faszinierenderes käuflich erwerbbares Auto auf diesem Planeten. „Auto“ ist vielleicht zu kurzgegriffen: es ist ein Mobilitäts- & Energiekonzept. Eigentlich ist der Tesla ja ein Computer auf Rädern. Mit dem nächsten Software-Update, flüsterte man mir leise zu, könne das Ding mich auch ohne mein Zutun kutschieren. Wenn es denn der Gesetzgeber erlaubt.

Einspurig statt großspurig

26. Mai 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (212) Jede Medaille hat zwei Seiten. Auch die akute Baisse der altehrwürdigen Autoindustrie.

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Die schlechte Nachricht zuerst: die Autoindustrie geht den Bach runter. Zumindest tut sie so. In der „Presse“ etwa stand erst unlängst – unter dem drastisch unheilvollen Titel „Carmageddon“ – zu lesen, dass seit siebzehn Jahren noch nie so wenige Autos verkauft wurden. In Europa. 800.000 abgebaute Arbeitsplätze seit 2007, Zeitarbeit, renommierte Marken ohne Zukunft und Hersteller mit Milliardenschulden – das alles sei eine fatale Folge des gesättigten Marktes und der (weiter wachsenden) Zurückhaltung der Konsumenten.

„Die Autoindustrie steht“, so der deutsche Branchenexperte Ferdinand Duddenhöfer, „vor ihrer größten Belastungsprobe seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Wobei: wirklichen Grund zur Klage haben eigentlich eher lokale Autohändler – und nicht etwa Volkswagen, Audi oder Mercedes. Denn in Asien etwa brummt das Geschäft stärker denn je. Und die Platzhirsche am globalen Markt legen zu, nur die Nischenanbieter und kleineren Player haben hart zu kämpfen.

Nun zur guten Nachricht. Verbunden mit einem Fingerzeig: die Menschen haben nicht die Lust an der Mobilität verloren. Aber in Städten machen dicke Schlitten immer weniger Sinn und Spaß. Und viele Leute drehen inzwischen jeden Euro zweimal um. Woher kommt die plötzliche Flut an Motorrädern, Mopeds, Rollern, Elektrobikes und Fahrrädern auf unseren Straßen? Sie hat nur bedingt mit dem Sommerwetter zu tun.

Einspurige Fahrzeuge sind nun mal – sieht man von öffentlichen Verkehrsmitteln ab – die kostengünstigste, unkomplizierteste und cleverste Variante der Fortbewegung, vor allem im urbanen Nahverkehr. Und auch der Herr Generaldirektor sieht im 7er-BMW oder Bentley Mulsanne inzwischen alt und grau aus, auf der 300er-Vespa mit Designer-Aktentasche am Gepäckträger aber dynamisch und fit für die Jetztzeit.

Noch besser geht’s – und das ist die beste Nachricht von allen –, wenn man das Experiment wagt und auf einen Elektroroller umsteigt. Ich z.B. habe mir testweise ein paar Stündchen auf dem Vectrix VX-1 gegönnt, einem majestätischen Scooter mit Lithium-Ionen-Akku und zugkräftigem Elektromotor, der an jeder Haushaltssteckdose betankt werden kann. Zu vergleichsweise lachhaften Kosten. Sogar dem ÖAMTC – der sich allmählich auch den Benzin-Sauriern entwöhnen muß – ist der Vectrix eine Empfehlung wert. Über meine persönlichen Erfahrungen mehr demnächst in diesem Theater.

Überraschungsei

25. August 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (174) Renaults Elektro-Spaßmobil “Twizy” ist die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat – fährt sich aber nicht unlustig.

Schade, dass nicht gerade tiefster Winter ist. Und zwar ein wirklich strenger Winter, mit Eis, Schnee und Minusgraden wie am Nordpol. Oder dass zumindest ein Regenguß herunterdonnert, als hätte der Himmel seine Schleusen schon seit Monaten nicht geöffnet – und liesse alles Wasser dieser Welt nun in einem Aufwaschen los. Denn so fand dieser Test unter Bedingungen statt, die etwas unfair sind: praller Sonnenschein verklärt jedes Golfwägelchen zum ultimativen Spaßmobil.

Daran, an ein Golfwägelchen nämlich, fühlte sich auch meine Freundin erinnert, als ich – endlich! – mit dem Renault “Twizy” vorfuhr. Das vierrädrige Elektromobil ist seit wenigen Monaten am Markt und zählt mit einem Preis von rund 8000 Euro zu den leistbaren Varianten des Fortschritts (dazu kommt noch eine monatliche Pauschale für die Batterie). Dass im Gegenzug Plastik das meistverwendete Material ist und das skurill gestylte Wägelchen – sein nächster Verwandter scheint der legendäre BMW C1-Roller zu sein, aber auch das Gefährt, das gerade am Mars Gesteinsproben einsammelt, lässt grüssen – etwas, hm, karg ausgestattet ist, nimmt man dann eventuell gerne in Kauf. Oder wartet halt doch auf den Renault Zoe, den E-Smart oder die Elektroversion des VW Up. Fenster, Autoradio und eine Batterie-Reichweite jenseits einhundert Kilometer dürften zumindest Pendler vermissen. Immerhin gibt es filigrane Plastik-Flügeltüren und Wärmeschutzdecken als Zubehör. Sie entschuldigen doch, dass ich letztere im Hochsommer nicht ausgepackt habe?

Insgesamt wirkt der “Twizy” wie eine fahrbare Studie für den urbanen Avantgardisten. Durchaus alltagstauglich, sofern man ein exhibitionistisch veranlagter Einzelgänger mit 230 Volt-Steckdose (Ladezeit: dreieinhalb Stunden) in der Garage ist. Für zwei erwachsene Menschen – sie sitzen hintereinander – wird’s doch eng. Kofferraum gibt’s auch keinen, zumindest nichts, was man ernsthaft so nennen könnte. Aber beschleunigen tut der Floh, oho! Höchstgeschwindigkeit: 85 km/h. An die bretterharte Federung gewöhnt man sich rasch. Wie überhaupt an die Idee, dass mehr und mehr Menschen Gefallen an solchen Entwürfen finden könnten.

In diesem Sinne, werte Maria Vassilakou, werter Michael Häupl: gestattet “Twizy”-Eigner(inn)en das Querparken! (es geht sich gut aus). Und befreit E-Mobile – wie etwa in Graz – von den lästigen innerstädtischen Parkgebühren. Denn in der City sind “Twizy” & Co. schon heute eine willkommene Bereicherung und Alternative.

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