Posts Tagged ‘Navigationssystem’

Einmal Ausschalten, bitte!

26. Juli 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (321) Autos können – als rollende Computer – mittlerweile fast alles. Sie überfordern damit viele.

Navi

Letztes Wochenende hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Es begann, wie viele Denkwürdigkeiten, ganz harmlos.

Der Freund der Mutter meiner Freundin bat mich, ihm das Navigationssystem seines neu erstandenen Autos zu erklären. Die Marke tut nichts zur Sache, Navis gleichen einander in Sachen Bedienungsführung ja weitgehend. Dachte ich jedenfalls. Denn kaum hatten wir ein paar Runden um den Häuserblock gedreht und ich meinem staunenden Beifahrer klargemacht, dass er die trotz lieblicher Frauenstimme absolut herrischen Ansagen („In vierhundert Metern scharf rechts!“) jederzeit „overrulen“ könne, ertönte seinerseits die unschuldige Frage: „Und wie kann ich das Ding jetzt wieder ausschalten?

Ich gestehe: ich habe eine Viertelstunde gebraucht, das herauszufinden. Denn auf meinem Uralt-Navi in meinem Uralt-Van drücke ich dazu nur einen Knopf. Hier aber versteckte sich die absolut essentielle Funktion der Instant-Mundtotmachung geschwätziger elektronischer Helferlein in einem Unter-Unter-Menü eines Untermenüs. Natürlich hätte ich auch kurz in der Bedienungsanleitung nachlesen können – die, zweiteilig, dem On Board-Infotainmentsystem gleichviele Seiten widmet wie dem restlichen Fahrzeug –, aber das erschien mir dann doch zu demütigend. Wo doch so viel die Red’ ist von „Usability“, selbsterklärenden Funktionen und quasi ultimativer Trottel-Sicherheit.

Nun sind heutzutage Autos mobile Computer, ständig mit dem World Wide Web verbunden und demnächst auch für unser Leben letztverantwortlich („eCall“) – aber die Komplexität der Systeme überfordert viele. Gelegentlich auch „Maschinenraum“-Schreiberlinge. Ich bin ja gerade in der glutheissen Toskana unterwegs, mit einem riesigen Opel Vivaro Tourer (eigentlich steckt ein Renault unter der Blechhaut, erklärte mir ein mitreisender Auskenner).

Ein höchst praktisches, effizientes und erstaunlich bequemes Fahrzeug, sag’ ich Ihnen. Nur: bis heute bin ich nicht draufgekommen, warum man immerzu das Reiseziel neu ins Navi eingeben muss, wenn man zwischendurch mal das Radio bedient oder die Audio-Einstellungen ändert… Derlei lästige Details können einem die Pracht und Herrlichkeit der übrigen Technik doch ein wenig vermiesen. Wahrscheinlich liegt der Fehler eh bei mir, Irren ist ja bekanntlich menschlich. Dafür hat Opel übrigens gerade „OnStar“ erfunden, den „persönlichen Online- und Service-Assistenten“. Den ruf’ ich demnächst an. Und erzähl’ Ihnen dann, was er mir unter Experten so geflüstert hat.

Freihändig zum Ziel

21. Oktober 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (182) Smartphones können mit billigen Navi-Geräten durchaus mithalten, notwendiges Zubehör vorausgesetzt.

Das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit. Heute zum Beispiel war ich mit einem Taxifahrer unterwegs, der sowohl ein Navigationsgerät (kurz “Navi”) als auch ein Smartphone auf seiner Windschutzscheibe kleben hatte. Durch den Verhau von Halterungen, Saugnäpfen, Kabeln, GPS-Sensoren und sonstigen Add-Ons sah man kaum mehr auf die Strasse hinaus – immerhin schaffte es der Chauffeur, mich mit starrem Blick auf das Instrumentarium zum Museumsquartier mitten in Wien zu kutschieren.

Meine erstaunte Nachfrage, ob denn das ohne Navi nicht ginge, beantwortete er mit schroffer Wortlosigkeit. Aber gut, in einem Land, das es nicht mal schafft, starre Standesregeln und strikte Grenzziehungen bei einer Fahrt zum Flughafen (kurz: Taxis mit Wiener Kennzeichen dürfen in Schwechat niemanden einsteigen lassen, Taxis mit Schwechater Kennzeichen niemanden in Wien – ökologisch total durchdacht!) zu hinterfragen, braucht man sich über die Qualitätsstandards des Lohndroschkengewerbes eher nicht den Kopf zerbrechen. Die Negativ-Korrelation zu den zuletzt wieder kräftig gestiegenen Taxipreisen ist wohl den notwendigen Investitionen in Navi-Systeme geschuldet.

Dabei würde es eventuell ein Smartphone alleine auch tun. Das war jedenfalls die Annahme, die mich im Sommer zu einem höchstpersönlichen Intensivtest verführte. Der Navi-Experte Garmin hatte mir sein aktuelles Spitzenmodell “nüvi 3590” zur Verfügung gestellt. Der Konkurrent TomTom dagegen seine Navi-Software für das iPhone. Wie würden sie gegeneinander abschneiden? Hier mein Fazit in Kurzform: das spezialisierte Gerät kann schon einiges besser. Aber es kann fast schon zu viel (zugegeben, ich liebe mein Uralt-Navi, das – noch mit Discs gefüttert – die Welt höchst überschaubar in schwarz-weiß-oranger Schlichtestsymbolik anzeigt).

Das Handy holt rasant auf. Sie brauchen nur unbedingt – und ich meine unbedingt (!) – notwendiges Zubehör wie das “Hands Free Car Kit”, das mir TomTom dieser Tage dankenswerterweise nachgereicht hat. Inklusive Bluetooth-Verbindung und Freisprechanlage. Wenn Ihnen das Ding zu teuer ist (es kostet fast soviel wie ein Billig-Navi) oder zu fragwürdig, besorgen Sie sich sonstwo eine halbwegs brauchbare Halterung. Sonst fliegt Ihnen mit Garantie das lässig placierte, ohne Audio-Anbindung mit kaum vernehmbarer Ansagestimme krächzende Handy um die Ohren. Und Sie können sich mit dem Taxi ins nächste Spital chauffieren lassen. Sofern es der Fahrer auch findet.

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