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Uberdruber

21. April 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (405) In Österreich fahren Taxi-Standesvertretung und Gesetzgeber gern im Rückwärtsgang in die Zukunft.

Uber

Früher habe ich mich noch gewundert. Etwa darüber, dass man, wenn man am Flughafen in Schwechat ein Taxi bestieg, um nach Wien zu gelangen, auch für die Rückfahrt des Fahrzeugs löhnen musste. Adäquat galt’s für die umgekehrte Strecke zum Flughafen: der Wiener Taxler durfte am in Niederösterreich gelegenen Großstadt-Airport keine Fahrgäste aufnehmen. Und war somit gezwungen, eine Leer-Re-Tour zu machen. Bis hinter die Landesgrenze. Bezahlen durfte diese, sagen wir mal: eigenwillige Regelung der staunende Lohndroschken-Nutzer.

Als solcher bin ich dann glatt einmal – wozu ist man Journalist? – beim Obmann des Fachverbands der Taxi-Betreiber vorstellig geworden. Mit der simplen Frage, was das denn solle. Denn es mache ja nicht nur ökonomisch keinen Sinn, sondern auch ökologisch. Und überhaupt. Ja, seufzte mein Gegenüber. Er sehe das genauso. Und es hagle Beschwerden. Aber der Gesetzgeber schreibe dies der Branche so vor. Und die Wirtschaftskammer hätte es so empfohlen. Und überhaupt: wir seien in Österreich. Da komme man mit Vernunft und ohne Lobby nicht weiter.

Nun haben sich die Zeiten geändert. Soweit ich weiß (ich nehme schon lange keine Taxis mehr zum Flughafen, sondern billigere Mietwagen oder die Schnellbahn), müssen zumindest die Fahrgäste – wohl einem generellen Preisdruck geschuldet – nicht mehr diese Landesfürsten-Taxe bezahlen. Und freilich umgehen auch die Fahrer jeglichen bürokratischen Unsinn laufend (immer unter Gefahr, von üblen Kollegen angezeigt zu werden). Aber ganz scheint man zwischen Wien und Niederösterreich noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen zu sein. Auch wenn die frischgebackene Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner verkündet, wir stünden „mitten im Zeitalter der Digitalisierung“.

Warum? Man werfe einen Blick in den aktuellen Entwurf einer städtischen Verordnung zur Neuregelung der Rahmenbedingungen des Fahrdienstvermittlers Uber. Ja, das ist der Gottseibeiuns des traditionellen Taxi-Gewerbes! Nun will ich hier keine Diskussion anzetteln, ob dieser Internet-basierte Dienst die strahlende Zukunft des Lohndroschken-Gewerbes repräsentiert (eher nicht, weil ja selbstfahrende Autos bald gar keine Chauffeure mehr benötigen) oder doch eher ein glanzlackiertes trojanisches Pferd neoliberaler Disruptionsseligkeit ist.

Was aber gar nicht geht, ist die Wiederkehr jener absurden Regelungen von vorgestern unter dem Deckmantel allgemeiner Branchen– und Menschenfreundlichkeit. Da soll doch, diesem Verordnungsentwurf zufolge, glatt für Uber-Fahrer in Hinkunft dieselbe „Rückkehrpflicht zur Betriebsstätte“ gelten wie für Lenker herkömmlicher Mietwagen, Flughafentaxis und Shuttle-Limousinen. Statt sie für alle aufzuheben.

Immerhin dürften die genauen Mindestmaße für Taxischilder fallen. Schmähohne. Dass prinzipiell hierzulande nur mehr der Rückwärtsgang eingelegt werden darf, ist dagegen ein übles, defätistisches, überdrüberes Gerücht.

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