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Ein Loblied auf die Registrierkasse

8. Juli 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (367) Schau einer an: Registrierkassen haben auch ihre Vorteile. Nicht nur für den Finanzminister.

ARCHIVBILD/THEMENBILD: DAS BRINGT 2016: REGISTRIERKASSENPFLICHT / BETRUGSBEKÄMPFUNG

Der Witz ist ja: was der Staat von seinen Bürgern verlangt, schafft er selbst nicht umzusetzen.

Seit 41 Jahren (!) blockieren die Länder und Gemeinden Österreichs jeglichen Fortschritt in Sachen einheitlicher und transparenter Rechnungslegung, die eine essentielle Voraussetzung für eine vernünftige Finanzgebarung wäre. Wirklichen Einblick, z.B. für den Rechnungshof, gibt es auch in Zukunft nicht.

„Eine föderale Bösartigkeit der Sonderklasse“ nennt das der „Presse“-Journalist Josef Urschitz – was eher noch untertrieben ist, wenn man bedenkt, dass z.B. der in Niederösterreich dafür jahrelang zuständige, als Spekulant agile, nunmehrige Innenminister S. gerade Scharfmacher gegenüber Mindestsicherungsbeziehern spielt. Politisches Kleingeld macht auch Mist, aber die grossen Beträge sind anderswo zu holen.

Das denken sich freilich auch tausende Geschäftsleute, denen man die Registrierkassenpflicht aufs Auge gedrückt hat. Seit 1. Juli gibt es keine Ausreden und Schonfristen mehr: wer dabei erwischt wird, Waren ohne Rechnung zu veräussern, darf sich auf einen eingeschriebenen Brief des Finanzamts freuen.

Dass das Parlament in letzter Sekunde Ausnahmen für gemeinnützige Vereine und Körperschaften (und, wenig wundersam, auch für Vorfeldorganisationen von Parteien) geschaffen hat, ist für jene, die sich täglich mit dem Zettelwerk herumschlagen müssen, eher kein Trost. Das Thema wird uns noch monate-, wenn nicht jahrelang juristisch und emotional beschäftigen – mittlerweile wird die Registrierkassa und ihr überdimensionaler Symbolwert ja sogar von Popgruppen besungen und von Kabarettisten analysiert.

Aber ist so ein Ding automatisch des Teufels? Ich sage: nein. Und gelte dabei gemeinhin nicht als Freund überbordender Bürokratie. Doch ein funktionierendes Computer-Kassensystem, eventuell in direkter Verbindung mit einem Warenwirtschaftsprogramm, kann einem auch Arbeit abnehmen: jene der peniblen Verwaltung der Ein- und Ausgänge, der Lagerhaltung, des Controllings und der internen Abrechnung. Selbst ganz simple, billige Software-Lösungen liefern hoch interessante Statistiken und Auswertungsmöglichkeiten. Smarte IT-Kassen schupfen die Daten gleich in die Buchhaltung oder zum Steuerberater weiter. Von der Rechtssicherheit bei Steuerprüfungen ganz abgesehen.

Meine Behauptung lautet also: nicht wenige, die anfänglich rumgemosert haben über die Kosten und Komplexität einer Registrierkasse, haben inzwischen auch ihre Vorzüge erkannt. Und sind heimlich heilfroh, ihren Angestellten auf die Finger schauen zu können und aussagekräftige Zahlen frei Haus geliefert zu bekommen.

Wenn es der Finanzminister nun auch noch schafft, das vorbildhaft seinen Kollegen in den Ländern und Gemeinden zu verklickern, spende ich beim nächsten Feuerwehrfest glatt ein paar Cent für die Parteikassa. Auch ohne Rechnungszettel.

Fortsetzung folgt

21. Februar 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (349) Leser-Feedback ist durchaus erwünscht. Es sollte tunlichst kundig und konstruktiv sein.

Apple

Ein Leser hat sich bitterlich über diese Kolumne beschwert. Ohne Umwege direkt bei der „Presse“-Chefredaktion. Was ich, sorry!, eher unsympathisch finde. Man lernt schon in der Volksschule, dass man nicht gleich zum Direktor läuft, wenn es Zoff gibt.

Was aber magerlte den Leserbriefschreiber? Erstens: Apple-Bashing. Nun kamen letztwöchig eine Technik-Redakteurin und ich ganz unabhängig voneinander zum selben Schluss: das US-Unternehmen setzt, Stichwort „Error 53“, beinahe erpresserisch auf die Loyalität seiner Kunden. (Anm.: Apple hat hier mittlerweile reagiert.) Andererseits trudelte diese Woche eine Meldung ins Haus, Apple befinde sich gerade im Krieg mit dem FBI, um iPhone-User gegen Dateneinsicht und Spionage-Hintertüren zu schützen. Respekt! Wenn Sicherheit nicht nur eine leere Phrase, sondern tatsächlich ein hohes Gut ist, soll das keinesfalls unerwähnt bleiben.

Nebst einem Hinweis auf einen enorm bedenkenswerten Umstand: Staaten scheinen die schutzwürdigen Interessen ihrer Bürger inzwischen weniger zu vertreten als transnationale, progressiv (?) denkende Konzerne. Hier befindet sich der grösste Konzern der Welt im Konflikt mit dem mächtigsten Staat des Planeten. Das birgt Konfliktstoff sondergleichen.

Und dann war da noch der Vorwurf einseitiger Berichterstattung. Weil ich es gewagt hatte, aus einer schier unüberblickbaren Reihe von Registrierkassenlösungen – das Thema beschäftigt mich seit Herbst des Vorjahres – eine Software explizit herauszuheben. Sofortiger Rückschluß: Freunderlwirtschaft. „Zur Wahrung der Objektivität und Seriosität“ wurde mir ein Besuch der Web-Adresse http://registrierkassen-test.info anempfohlen. Nun: danke für den Hinweis! Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben, Anbieter und Produkte wenn auch nicht auf Herz und Nieren zu testen, so doch übersichtlich aufzulisten. Aber schon die erste rasche Nachschau ergibt, dass populäre Produkte wie Offisy nicht angeführt werden. Weil sie kostenlos sind?

Ich hatte ja erwähnt, dass mir Registrierkassen-Anbieter, die teure Lizenzen, Wartungspauschalen sowie monatliche Nutzungs- und Servicegebühren verlangen, eher gestohlen bleiben können. Zuviele „middlemen“ hängen sich inzwischen in die Ertragsleistung von Betrieben, von Kreditkartenunternehmen bis zu Internet-Dienstleistern. Muss da auch noch meine eigene Kasse gegen mich arbeiten?

Ich denke: nein. Und bin weiter offen für Empfehlungen, was preiswerte, taugliche und elegante gesetzeskonforme Kassensysteme betrifft. Fortsetzung folgt.

Einfach smart

17. Januar 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (344) Registrierkasse ist nicht gleich Registierkasse. Für manche reichen rudimentäre Lösungen – wie cbird.

Rechnungen

Einfachheit ist die höchste Form der Raffinesse, erkannte einst Leonardo da Vinci. Einfach raffiniert, um nicht zu sagen: genial!

Im güldenen Zitatenschatzbüchlein findet man zum Thema Simplizität aber auch einen Kalenderspruch, den ich mir dieser Tage hinter die Ohren geschrieben habe: „Aus höchster Kompliziertheit erwächst höchste Einfachheit“. Zugeschrieben wird dieser Satz Winston Churchill – aber er könnte auch der Werbeslogan des Software-Entwicklers Andreas Unterluggauer sein, der unter der Marke cbird.at eine aufreizend smarte, weil unkomplizierte und kostengünstige Registrierkassenlösung anbietet. Und hier besteht ja gerade – der Finanzminister will es so – enormer Bedarf.

Cbird – Sie können es vorab ohne Risiko ausprobieren – kommt auf einem USB-Stick ins Haus und wird auf einem PC oder Notebook (egal, ob Windows- oder MacOS-Betriebssystem) installiert. Tablets sind also – bis auf Ausnahmen – nicht geeignet. Eine Internet-Anbindung ist nur für die Initialisierung des recht rudimentären Systems notwendig, sonst kommen die Daten vom Stick. Und landen auch wieder dort. Verschlüsselt und gleichwohl den Sicherheitserfordernissen des Gesetzgebers und Nutzers (die Daten werden auch auf der eigenen Festplatte gespiegelt) entsprechend. Updates sind im Kaufpreis von knapp unter 200 Euro inkludiert, das gilt vor allem für jene zwingenden Entwicklungen, deren Eckdaten kurioserweise bis heute nicht feststehen.

Das Programm ist so einfach gestrickt, dass man zunächst stutzt. Das soll reichen? Sie können die Kassa grundkonfigurieren, einen Printer einrichten (es muss kein spezialisierter Bon-Drucker sein), Zahlungen eingeben und bonieren, Barumsätze nachbonieren (gilt nur für mobile Dienste), einen Tagesabschluss erstellen und das Kassenprogramm beenden. Wichtig ist, dass die Dienstleistung oder das Produkt vollkommen frei benennbar sind – Kassen mit vielen vordefinierten Tasten, Feldern und Fixposten mögen für die Gastronomie interessant sein, anderswo ist höchste Flexibilität gefragt. Kassabons, Tages- und Monatsabschlüsse werden natürlich automatisch archiviert. Wir verwenden das System gerade im Praxistest und werden weiter berichten.

Cbird ist, so elegant es auch funktioniert, nicht für jedermann geeignet. Warum? Unterluggauer hat Klienten im Visier, die bislang ohne Kassa ausgekommen sind – nicht, weil sie Steuerbetrug im Sinn hatten, sondern weil ein Paragon-Rechnungsblock ausreichte oder die Kunden nicht unbedingt auf Belege bestanden. Dazu zählen etwa Ärzte. Kann übrigens gut sein, dass diese Berufsgruppe die vorgestellte Lösung als blutdruckmindernd empfindet (auch, weil sie in realita nichts kostet) und weiterempfiehlt. Tun wir auch.

Kalte Hände, heiße Fragen

20. Dezember 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (341) Technik-Journalismus mit Nutzwert kann sich dieser Tage an der Registrierkassenpflicht beweisen.

Registrierkasse für Kinder

Die Leistungsträger unserer Gesellschaft sehen sich mit Hohn und Spott konfrontiert. Etwa der Landwirt, Jägersmann und Lobbyist „Graf Ali“ Mensdorff-Pouilly, der seine Hände in fast jedem dreckigen Geschäft der Republik stecken zu haben scheint. Die Netzgemeinde reagierte auf die launigen Ausreden des Herrn, warum er seine Millionentransaktionen nicht belegen kann, so: „Mit einer Registrierkasse wäre mir das nicht passiert!“ Der Gesichtsausdruck des Betroffenen auf dem satirischen Web-Flyer spricht Bände. Es gilt die Unmutsverschuldung.

Das Netz wimmelt aber auch vor Wortmeldungen geplagter Mitbürgerinnen und Mitbürger, die die ab 1. Jänner 2016 staatlich verordnete Registrierkassenpflicht weniger witzig sehen. Discjockeys etwa – von keinerlei Unter-Unterabteilung der Wirtschaftskammer beraten und vertreten – realisieren gerade, dass sie in Zukunft Rechnungen ausstellen müssen (was übrigens auch bislang schon gegolten hat). Ähnlich geht es Physiotherapeuten, Nachhilfelehrerinnen, Taxifahrern, Würstelbratern und Prostituierten. Und vielen anderen Berufszweigen.

Wobei: eine sogenannte „Kalte Hände“-Regelung schafft wieder allerhand Ausnahmen (und wir wollen hier nicht über die Betriebstemperaturen für gewerbliche Unzucht witzeln.) Um den weit verbreiteten Unmut über all den bürokratischen Aufwand zu dämpfen, hat sich der Finanzminister – nebst ein rasch gebastelten Fristerstreckung für Sünder bis Ende März nächsten Jahres – auch ein Extra-Zuckerl einfallen lassen. Mittels Beilagenformular E108c kann bei der Steuererklärung eine Anschaffungsprämie von 200 Euro beantragt werden. Glückauf!

Um nun den Gebrauchs- und Nutzwert dieser Kolumne zu erhöhen, suche ich akut nach Registrierkassenlösungen, die einerseits alle Vorgaben der Behörde erfüllen, andererseits aber tunlichst die zwingend vorgeschriebene Kasse nicht übermässig belasten. Im Idealfall heisst das: sie kosten unter 200 Euro brutto. Oder sind gar gratis (zumindest, solange nicht komplexere Aufgabenstellungen bearbeitet werden müssen).

Ja, solche Programme gibt es! Sie laufen auf gewöhnlichen, längst vorhandenen PCs und Handheld-Computern, drucken über stinknormale Tintenstrahl- oder Laser-Printer aus und benötigen weder Scanner, Bon-Drucker noch tagelange Einschulungen. Es bedarf keines überdimensionierten Systems á la SAP mit eigenem Rechenzentrum, angebundener Warenwirtschaft und automatisierter Schnittstelle zum Steuerberater, um einen Würstelstand zu betreiben – auch wenn Ihnen das diverse Experten, Software-Giganten und registrierte Glücksritter einreden wollen. Sich durch das Dickicht der Anbieter und Lösungen zu schlagen, ist der Arbeitsauftrag (bleiben Sie dran!, Fortsetzung folgt).

Dass all die Kolleginnen, Kollegen, Fachleute und Funktionäre aber kaum etwas anderes in petto haben, als mittels Copy & Paste die Homepage des Finanzministeriums abzuschreiben, spricht Bände.

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