Posts Tagged ‘Shpock’

Schaumwein, Baby!

18. April 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (356) Wirtschaftstreibende des 21. Jahrhunderts sitzen gerne am virtuellen Roulette-Tisch. Viel Glück!

Marketingplan

„Ihre Kolumne am Sonntag lese ich immer gerne und mit Interesse“, teilte mir Paul S. zum Auftakt mit. Um dann ohne Umschweife Kritik zu üben. Meine letzten zwei Beiträge, beide zum Thema Start-ups, wären zu negativ ausgefallen, „typisch für Österreich, wo Venture Capital Risikokapital heisst und Health Insurance Krankenversicherung“.

Ich verstehe, was er damit sagen will: es ist alles eine Frage des Betrachtungswinkels und der Motivation. Und hierzulande neigt man, d’accord!, überdurchschnittlich oft zum Granteln, Runtermachen und einer Überdosis Pessimismus.

Aber es gibt auch soetwas wie Bauchgefühl. Und Instinkt, der sich im Idealfall (auch) aus Intellekt nährt. Ich verfolge die österreichische Start-up-Szene aus vielerlei Gründen seit Jahren beiläufig-intensiv. Wunderbare Erfolgsgeschichten waren dabei – nicht nur das Paradebeispiel Runtastic, sondern auch Unternehmungen wie last.fm oder Shpock, Biotechnologie-Innovatoren wie Haplogen Genomics und hochgehypte, millionenschwere Exit-Raketen wie einst Jajah (der Voice-over-IP-Dienst existiert nicht mehr). Erst unlängst gelang es dem Wiener Start-up Robo Wunderkind, die Vision eines digitalisierten „Lego des 21. Jahrhunderts“ jenem dänischen Spielzeugriesen, der einst die Original-Plastiksteine entwickelte, für 120 Millionen US-Dollar zu verkaufen.*) Schaumwein!

Andererseits gibt es jede Menge Ideen, die sich auch bei näherer Betrachtung nicht erschliessen. Whatchado z.B., einer der meistgenannten und -prämierten Namen der hiesigen Szene, ist eine löbliche Inspiration für die Jobsuche – aber was exakt ist das Business-Modell? Die gerade bei der TV-Show „2 Minuten 2 Millionen“ mit achthunderttausend Euro bedachte App Dvel basiert auf der Annahme, höchstpersönliche A/B-Entscheidungen („Welches Kleid soll ich heute anziehen?“) wären ein gefundenes Fressen für Social Media. Mag sein, aber wie lässt sich solch Teenie-Zeitvertreib monetarisieren? Entwicklungen im hochsensiblen Humanmedizin-Sektor haben es doppelt und dreifach schwer: der Bluttest-Anbieter Kiweno ist da ein aktuelles, hoch umstrittenes Beispiel.

Und, sorry für die Investoren: meine Prognose fällt auch für Start-ups wie Recordbird, Divercity oder Wohnwagon – so lässig sich diese Projekte, wie hunderte andere auch, anhören – eher negativ aus. Eine sympathische Sache eignet sich nicht automatisch zum Geldverdienen. Zumindest solange, wie die Gemeinwohl-Ökonomie nicht Aufnahme in die Wirtschaftslehrbücher des Landes findet.

*) Leider ein Aprilscherz! ;-) (So basteln Sie ihren eigenen…)

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Tauschrausch

30. Dezember 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (192) Frohe Nach-Weihnacht! Der Flohmarkt ist ab sofort in der eigenen Hosentasche daheim.

Shpock

Nach Weihnachten ist vor Weihnachten. Denn jetzt hebt das grosse Geschenketauschen an (bzw. hat längst angehoben). Und in den Geschäften, Online-Bazaren und virtuellen Börsen wimmelt es nur so vor Tauschwütigen, die mit ihrem Fund unterm Christbaum nicht so recht glücklich wurden. So gut das Präsent – das englische Wort “gift” trifft’s exakt – auch oft gemeint war: nicht jede(r) Beschenkte steht auf knallbunt gestreifte Wollschals mit Fransen, Paulo Coelho-Esoterikfibeln oder CDs von Unheilig, Helene Fischer oder Michael Bublé. Und ein Spiel für die Playstation 2 läuft nun mal nicht auf der Playstation 3.

Freilich kann man zum Händler laufen, sofern Großmutter überhaupt die Rechnung aufgehoben hat, und um Stornierung des Kaufvorgangs oder Umtausch der Ware bitten. Das ist aber, sofern man dieses Recht nicht explizit beim Kauf vermerkt hat, letztlich von der Laune und Kulanz des Verkäufers abhängig. Online ist eine Retournierung von der Gesetzeslage her deutlich einfacher. Aber um einen gewissen Moment der Unbehaglichkeit kommt man selten herum. Warum die missliche Situation also nicht ein lustvolles Spiel verwandeln? Ebay, willhaben.at und ähnliche Web-Plattformen leben davon. Und was dem einen Verdruss bereitet, kann dem anderen ja – abseits schnöder 1:1-Finanztransaktionen – reichlich Freude machen und bares Geld wert sein. Oder zu einem überraschenden Tauschangebot motivieren.

Ich erlaube mir an dieser Stelle einen Fingerzeig auf eine App, die Schnäppchenjäger-Fieber auszulösen vermag. Die Anwendung (für iPhone und Android-Geräte) ist gratis und heisst “Shpock”. Erlaubt man der App nach der Anmeldung via Facebook den Zugriff auf die eigenen Standortdaten, zeigt sie wie ein Radar Angebote im Umkreis von, sagen wir mal: einem Kilometer. Und zwar als Bild. Das reicht für den groben Überblick allemal – und wirkt wie Augenzucker. Exaktere Informationen werden auf Knopfdruck eingeblendet. Findet man ein Angebot attraktiv, kann man umgehend Fragen stellen oder darauf bieten. Oder, ja, spontan beim Anbieter vorbeischau’n. Schliesslich handelt es sich hier um höchst innovative, simple und spassige Nahversorgung.

“Shpock” steht übrigens für “shop in your pocket”. Und wurde von einer Wiener Startup-Firma entwickelt. Jetzt noch ein elektronischer Einkaufszettel für den Naschmarkt mit Obst- & Gemüse-Frischegarantie – und ich erkläre diese Leute zu Durchstartern 2013.

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