Posts Tagged ‘SimpliTV’

Antenne Austria

6. November 2016

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (384) Die Umstellung auf DVB-T2 bringt manchen Fernsehkonsumenten ins Grübeln: wofür zahlen wir eigentlich? Und wofür gerne?

dvb-t2

Sehen Sie schwarz? Ende Oktober wurde – vorerst in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland – das Digitalsignal für terrestrischen TV-Empfang („Antennenfernsehen“) zwar nicht abgeschaltet, aber final umgestellt. Vom bis dato gültigen Standard DVB-T auf die nächste Generation, folglich DVB-T2.

Zwar schaut der überwiegende Teil des hiesigen Publikums die „Zeit im Bild“, den „Tatort“ oder die Angebote von ATV, Puls 4 und Servus TV per Kabel, Satellitenantenne oder mittlerweile auch im Internet, aber rund fünf Prozent setzen ungebrochen auf die ursprünglichste Form des Fernsehempfangs – sei es aus Kostengründen, sei es aus Bequemlichkeit. Die für die entsprechende Infrastruktur zuständige Firma ORS (im Besitz von ORF und Raiffeisen) hat jedenfalls unter der Marke simpliTV ein entsprechendes Paketangebot geschaffen.

DVB-T2 bringt, rein technisch betrachtet, einige Vorteile. Die Videokodierung nach dem Standard MPEG 4/H.264 (Deutschland hat sich gleich für das noch fortschrittlichere HEVC/H.265 entschieden) ist – bei geringerem Stromverbrauch – deutlich effizienter als das bislang verwendete Format MPEG-2. Das Bouquet der bis dato frei empfangbaren Programme ist nun in zeitgemässer HD-Bildqualität zu erleben, theoretisch wären auch mehr Sender in das – bis auf die GIS-Gebühren – kostenfreie Basispaket inkludierbar.

Aber hier endet die alte Medienwelt (das analoge Fernsehen ist ja schon komplett Vergangenheit) und die Geschäftsinteressen der neuen werden spürbar.  Damit man nicht weiter ins bildlose Narrenkastl schaut, benötigt man, je nach Alter und Ausstattung des TV-Geräts, eventuell frische CI-Steckkartenmodule oder Receiver. Ein weiteres Kastl im Fernsehschrank? Man zuckt, Kummer gewohnt, mit den Achseln. Und eilt zum Fachhändler oder Elektrogroßmarkt.

Dort ist man erfreut, weil dem Kunden eventuell gleich ein Patschenkino der aktuellen Generation angedient werden kann, das ohne Zusatzinstallationen auskommt. Auch die simpliTV-Berater/innen, die eilfertig mit Formularen winken, weisen nachdrücklich auf die Vorteile eines freiwilligen Abo-Abschlusses hin. Mehr Sender! Mehr Kanäle! Mehr Angebot! Mehr Schärfe! Mehr Bequemlichkeit! Freilich auch: Mehrkosten. Die verbilligten (weil: preislich gestützten) DVB-T2-Receiver sind fast allerorts nicht mehr zu bekommen; die Umstiegskosten fallen ungeniert dem Konsumenten zu.

Nun ist klar, dass die Bereitstellung und der Ausbau der Sender-Infrastruktur sowie Rundum-Information, Service und Marketing einen Batzen Geld verschlingen. All die schlaumeierischen Abo-Offensiven (bei geschickter Vermengung der Eigenmarke und des notwendigen technischen Standards), die Einhebung von Freischaltentgelten, das Kleingeld mit der Verschlüsselung von Programmen und die zunehmende Lückenlosigkeit des GIS-Fangnetzes dürften im Gegenzug doch einiges einbringen. Genug ist aber bekanntlich nie genug.

Mit welchen Argumenten man TV-Konsumenten – DVB-T2 kann theoretisch von rund 90 Prozent der österreichischen Haushalte genutzt werden, in Städten reicht dafür eine simple Zimmerantenne – nachhaltig von der Pflicht zur Kür, sprich: zum freudvollen Wechsel auf DVB-T2, bewegen will (und kann), bleibt offen.

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Kontrastprogramm

14. September 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (228) Während TV-Hersteller schon in die 4K-Zukunft blicken, zeigt “SimpliTV” einen Ausweg aus der Misere der Gegenwart. Eventuell.

simpliTV_T4112_BoxPlus

Was Fernsehen kann, zeigt sich am besten in Vorwahlzeiten. Denn egal, ob man den Overkill an Politikerrunden, Diskussionsarenen und Schlachtanalysen braucht und schätzt, ist es wohl so, dass die Emotionalisierung papierener Parteiprogramme am besten im TV-Studio gelingt. Life is live. Und ATV+ und Puls 4 können das mittlerweile um keinen Deut schlechter als der ORF – dem wiederum mit Hanno Setteles „Wahlfahrt“ ein Überraschungstreffer gelang.

Aber hier ist nicht der Platz für weiterreichende Medienkritik. Nicht die Inhalte, sondern die Technik von heute und morgen sind das Thema. Als jahrzehntelang wichtigster „Hub“ für Bewegtbilder aller Art verlieren Fernsehgeräte nämlich immer mehr an Bedeutung. Ein Verkaufsminus im zweistelligen Bereich beklagt der Elektrofachhandel, in Deutschland haben Smartphones vom Umsatz her erstmals die – längst mit dem Internet vernetzten, aber immer noch wenig smarten – Flachbildschirme überholt.

Da helfen weder Riesen-Dimensionen noch Design-Innovationen (3D scheint sowieso kein Thema mehr zu sein). Auch ein sanft gebogener Bildschirm, wie unlängst von Samsung auf der IFA in Berlin vorgestellt, bringt wenig, wenn die Bedienung für Durchschnittskonsumenten zu komplex und kompliziert ist. Und dann wäre da noch das neue Reiz- und Zauberwort „4K“. Denn nach „Full-HD“ schreit der Markt längst nach noch besserer, weil höherer Auflösung und Bildqualität. Angeblich. Also macht man Patschenkino-Afficionados schon mal den Mund wässrig – auch wenn es kaum noch Content gibt, der einem mit 3840 x 2160 Bildpunkten (oder mehr) die Brillengläser feinpoliert. Und die Japaner längst an 8K basteln. Oder 16K. Oder woran Superduperscharfem auch immer.

Persönlich sehe ich ein wenig zukunftsträchtiges, grieseliges Kontrastprogramm. Low End. Gezwungenermassen. Denn kaum hatte ich einen Full HD-Monitor mit 50 Zoll Diagonale erstanden, erklärte mir der zuständige A1-Techniker, leider, leider sei das Kabelsignal in meiner Wohngegend „zu schwach“ für hochauflösende Bilder. Ich residiere aber nicht in Heilligenblut oder Gföhl im Waldviertel, sondern in der drittgrößten Stadt Österreichs: in Wien-Favoriten. Und ich spreche hier nicht von 4K, sondern vom aktuellen Stand der Technik. Etwas eigenartig. Was tun? Ich könnte ja eine Satellitenschüssel am Dach montieren.

Dann aber wurde ich auf die Werbung für die „SimpliTV“-Pakete der ORS aufmerksam. Schon der Name verkündet ja recht plakativ, dass es nicht kompliziert werden würde mit HDTV-Empfang via Zimmerantenne. Ich wage wohl die Probe aufs Exempel… Verspricht, eine spannende Vorabendserie zu werden. Bleiben Sie dran!

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