Posts Tagged ‘Smart TV’

Kontrastprogramm

14. September 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (228) Während TV-Hersteller schon in die 4K-Zukunft blicken, zeigt “SimpliTV” einen Ausweg aus der Misere der Gegenwart. Eventuell.

simpliTV_T4112_BoxPlus

Was Fernsehen kann, zeigt sich am besten in Vorwahlzeiten. Denn egal, ob man den Overkill an Politikerrunden, Diskussionsarenen und Schlachtanalysen braucht und schätzt, ist es wohl so, dass die Emotionalisierung papierener Parteiprogramme am besten im TV-Studio gelingt. Life is live. Und ATV+ und Puls 4 können das mittlerweile um keinen Deut schlechter als der ORF – dem wiederum mit Hanno Setteles „Wahlfahrt“ ein Überraschungstreffer gelang.

Aber hier ist nicht der Platz für weiterreichende Medienkritik. Nicht die Inhalte, sondern die Technik von heute und morgen sind das Thema. Als jahrzehntelang wichtigster „Hub“ für Bewegtbilder aller Art verlieren Fernsehgeräte nämlich immer mehr an Bedeutung. Ein Verkaufsminus im zweistelligen Bereich beklagt der Elektrofachhandel, in Deutschland haben Smartphones vom Umsatz her erstmals die – längst mit dem Internet vernetzten, aber immer noch wenig smarten – Flachbildschirme überholt.

Da helfen weder Riesen-Dimensionen noch Design-Innovationen (3D scheint sowieso kein Thema mehr zu sein). Auch ein sanft gebogener Bildschirm, wie unlängst von Samsung auf der IFA in Berlin vorgestellt, bringt wenig, wenn die Bedienung für Durchschnittskonsumenten zu komplex und kompliziert ist. Und dann wäre da noch das neue Reiz- und Zauberwort „4K“. Denn nach „Full-HD“ schreit der Markt längst nach noch besserer, weil höherer Auflösung und Bildqualität. Angeblich. Also macht man Patschenkino-Afficionados schon mal den Mund wässrig – auch wenn es kaum noch Content gibt, der einem mit 3840 x 2160 Bildpunkten (oder mehr) die Brillengläser feinpoliert. Und die Japaner längst an 8K basteln. Oder 16K. Oder woran Superduperscharfem auch immer.

Persönlich sehe ich ein wenig zukunftsträchtiges, grieseliges Kontrastprogramm. Low End. Gezwungenermassen. Denn kaum hatte ich einen Full HD-Monitor mit 50 Zoll Diagonale erstanden, erklärte mir der zuständige A1-Techniker, leider, leider sei das Kabelsignal in meiner Wohngegend „zu schwach“ für hochauflösende Bilder. Ich residiere aber nicht in Heilligenblut oder Gföhl im Waldviertel, sondern in der drittgrößten Stadt Österreichs: in Wien-Favoriten. Und ich spreche hier nicht von 4K, sondern vom aktuellen Stand der Technik. Etwas eigenartig. Was tun? Ich könnte ja eine Satellitenschüssel am Dach montieren.

Dann aber wurde ich auf die Werbung für die „SimpliTV“-Pakete der ORS aufmerksam. Schon der Name verkündet ja recht plakativ, dass es nicht kompliziert werden würde mit HDTV-Empfang via Zimmerantenne. Ich wage wohl die Probe aufs Exempel… Verspricht, eine spannende Vorabendserie zu werden. Bleiben Sie dran!

Smart, aber tot

28. April 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (208) Televisionen? “Fernsehen” wird, sorry ORF, RTL, ATV & Co., bald ganz anders aussehen.

Störbild

„Fernsehen stirbt nicht!“ – so plakativ und beschwörend lautete anno 2013 das Resümee einer Veranstaltung in Hamburg, die jährlich unter dem Titel „newTV Kongress“ abgehalten wird. Diese Expertentagung findet, wie die Homepage verkündet, „vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung des Bewegtbilds statt“ und präsentiert „spannende Praxisbeispiele des Zusammenwachsens von Technologie und Content.“

Aber ist es wirklich ein Zusammenwachsen? Zumindest kein friedliches. Der „Reality Check“ der Branchen-Auguren fiel nicht gerade unkritisch aus. So verkündete etwa Sean Besser, der Executive Vice President of Business Development, Partnerships and Strategy – die skurrile Titelsucht der Amerikaner greift längst auch im europäischen Raum – des „Social TV“-Unternehmens GetGlue, dass interaktives Fernsehen doch tot ist. Oder zumindest scheintot. „Nobody uses Smart TVs“ lautete Bessers Leitsatz. Noch besser: der RTL-Experte Marc Schröder schloß sich ihm an. Er bezeichnete die angebliche TV-Generation von morgen als „Schläfer“ und meinte, diesem angebotsgetriebenen Markt fehlten einfach die Produkte.

Tech-Blogs wie neuerdings.com unken: „Das Internet auf dem Fernseher steht schon ungefähr so lange “kurz vor dem Durchbruch” wie der sagenumwobene Internet-Kühlschrank, der abgelaufene Lebensmittel selbst nachbestellt. Und wahrscheinlich wird beide Ansätze dasselbe Schicksal ereilen: Sie werden nie mehr ihren Durchbruch erleben.“ Punkt. Kein noch so hochgezüchteter Flachbildschirm hätte gegen ein aktuelles Tablet oder Smartphone eine Chance. Aber ist nicht „Smart TV“ dennoch das, was uns Fernseher-Fabrikanten, Elektrofachhandel, TV-Sender und Medien-Gurus ungebrochen als „next big thing“ einreden?

Bezeichnend: während etwa im ORF intern über „Second Screen“-Experimente wie spezielle Apps zu Sportereignissen oder zur kommenden Nationalratswahl gestritten wird, überholen neue, reichlich bekannte und (bislang) auch unbekannte Player aus dem Web-Universum mit Karacho die alten Fernseh-Hausmarken. Netflix z.B., ein in den USA beheimateter On Demand-Anbieter, produziert längst eigene Serien (etwa den Beuschelreisser „Hemlock Grove“ oder das 76 Millionen Dollar teure Polit-Drama „House of Cards“), die vorrangig im Netz abgespult werden. Auf Wunsch und gegen Bezahlung ohne Werbung und in einem Rutsch. Mit Verspätung folgen irgendwann Abo-TV-Stationen und die üblichen Verdächtigen.

Wenn aber jene Sitten einreissen, die derzeit unter Serien-Junkies gang und gäbe sind – alle meine Bekannten haben längst „Game of Thrones“, „Homeland“ und all die anderen US-Hits irgendwo runtergeladen und gesehen –, kommt einerseits bei Teilen des Publikums in Zukunft nur mehr das große Gähnen auf, andererseits brechen den Linear-TV-Platzhirschen dank des Verlusts des „Endgeräte“-Monopols – dem Seher ist der Übertragungsweg schlichtweg schnurz, sofern das Angebot stimmt – die Finanzierungssäulen weg wie nix. Und dabei haben Apple, Google, Yahoo, Amazon & Co. noch gar nicht richtig die Einschalttaste gedrückt.

%d Bloggern gefällt das: