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Friseusenschleuder versus Supersportwagen

12. September 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (328) Die Abwägung fällt nicht leicht: hat ein Sportwagen anno 2015 noch eine Existenzberechtigung?

Mazda MX-5 ND

Es ist schon schwer genug, in Zeiten grassierender Not, fortgesetzten Elends und erstaunlicher politischer Untätig- & Unfähigkeit (bis hinauf in die höchsten Ebenen Europas) über hedonistische Hobbies zu schreiben. Aber ich kann den Old School-Spaß nur schlecht tarnen: ein zweisitziges Cabrio mit Fetzendachl geht nun mal nicht als Familienkutsche, Flüchtlingstransporter oder Lieferwagen für Hilfsgüter durch. Zugleich will ich aber auch nicht der – bisweilen durchaus positive Aspekte zeitigenden – Hysterie anheim fallen, wir lebten inmitten einer „neuen Völkerwanderung“ („Die Welt“), es existierten keinerlei Grenzen mehr und die Reiter der Apokalypse stünden quasi vor der Haustür. Wenn doch, macht es Sinn, ein Fluchtauto in der Garage stehen zu haben.

Es muss ja kein Sportwagen sein. Was uns zu der Frage führt: was ist das überhaupt, ein Sportwagen? Und hat solch ein Ding im 21. Jahrhundert überhaupt noch eine Existenzberechtigung? Nicht, dass Sie mich für einen Sonderling halten – derlei Diskussionsbedarf taucht unweigerlich auf, wenn man über die Freud’ am Fahren mit solchen Kraftfahrzeugen schreibt (wie letztens ich an dieser Stelle über den neuen MX-5-Roadster von Mazda). Und Mitmenschen auf Facebook, Twitter, in Online-Foren oder im persönlichen Gespräch kritisch anmerken, dass man solchermassen noch immer in Bubenträumen feststecke und sich der Planet längst weitergedreht habe. Weg vom Automobil.

Direkt gegenüber sitzt dann feixend die Fraktion der Benzinbrüder, die sich solchen Diskussionen strikt verweigert und ein zwar rasant gestyltes, aber vergleichsweise billiges Spuckerl mit 130 PS für eine Friseusenschleuder, keinesfalls aber für ein ernsthaftes Angebot hält. Jössas! Mit der alten Formel des Leistungsgewichts braucht man den Herren – Damen sind da kaum mit von der Partie – nicht kommen. Denn: diese Klientel unterscheidet nicht zwischen Renn- und Sportvehikeln. Und meint, erstere („Supersportwagen“) auch im Alltag zwischen Wien-Meidling, Scheibbs und Bludenz bewegen zu müssen (und hoffentlich auch zu können). Ziemlich realitätsfremd.

Meine Definition eines Sportwagens lautet (und, wohlan!, da fällt der MX-5 eindeutig darunter): man kratzt damit an der Trennwand zur Unvernunft, ja zur Obsession, bleibt aber gerade noch auf der sicheren Seite. Es existieren – sollten Sie zu ideologischer Ereiferung neigen – solche feinen Grenzziehungen übrigens auch unter Radfahrern, Läufern, ja sogar Fußgängern.

Tipp: wenn Sie obige (und andere) Fragen mit anderen Sportwagenfahrern erörtern wollen, bewegen Sie sich und Ihren fahrbaren Untersatz zur „Speed Party“ der „AutoRevue“. Heute, Samstag, 12. September ab 10 Uhr im Magna Racino Ebreichsdorf (mehr unter: www.speedparty.at). Man sieht sich.

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Neuauflage

6. September 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (327) Der Mazda MX-5 ist der meistgebaute Roadster der Welt. Kommt er in der vierten Generation in die Jahre?

Mazda MX-5 G1+4

Meine Freundin wirft mir ja latent Konservativismus vor. Tatsächlich zähle ich nicht zu jener Sorte Mensch, die in jeder Veränderung eine Verbesserung sieht. Und im Fortschritt unbedingt einen Schritt nach vorn. Im Kontrast zum alten Gegensatzpaar Optimist/Pessimist (ersterer sieht das Glas immer halbvoll, letzterer halbleer) bin ich aber ein fröhlicher Pragmatiker: ein Glas kann immer wieder nachgefüllt werden.

Also umkreiste ich heute stundenlang mein aktuelles Testfahrzeug: einen Mazda MX-5 der vierten Generation. Das Modell begleitet mich seit einem Vierteljahrhundert auf meinen Lebenswegen – einerseits als privates Spaßgerät, anderseits als Objekt der journalistischen Berichterstattung. Der MX-5 ist ja soetwas wie ein Volkssportwagen. Er hat die Gattung des Roadsters Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fast im Alleingang wieder zum Erblühen gebracht. Sir yes sir!, ich liebe dieses Wägelchen. Es ist der Inbegriff der unkomplizierten, preiswerten, jeder Prätention und Distinktion abholden Benzindroschke. Zumindest meinem Geschmack nach.

Insofern muss ich mich an den neuen Karosseriezuschnitt erst gewöhnen. Die allererste Generation des MX-5 mit Klappscheinwerfern fand ich immer enorm stimmig, alles dazwischen waren mehr oder minder gelungene Abwandlungen der Urform – jetzt macht der Japaner aber (seine Erfinder nennen es „Kodo“-Design) auf Nachwuchs-Jaguar. Soll sein. Denn eines lässt sich nicht leugnen: fünfundzwanzig Jahre technische Weiterentwicklung lassen ein Fahrzeug in vielen Details bisweilen dramatisch besser aussehen. So leuchten die schlitzäugigen LED-Scheinwerfer die Fahrbahn in Cinemascope aus – und das keineswegs nur im Fernlicht-Modus.

Worüber man grummeln kann: über das arg gewollte Sound-Design des neuen MX-5. Vielleicht sind es aber auch die 130 Pferdestärken, die sich hier nachdrücklich zu Wort melden (es gibt auch eine 160 PS-Version; mein Oldie-Vergleichsfahrzeug hat nur 90). Innen- und Kofferraum sind geschrumpft; es gibt auch kein Hardtop mehr. Positiv dagegen: die vierte Generation ist im Vergleich zur vorhergehenden deutlich leichter geworden. Und natürlich nervt es wie bei jedem modernen Auto, von piepsenden Warngeräuschen und blinkenden Hinweisen in ein dezentes, aber zwanghaftes Kokon des Paternalismus gehüllt zu werden. Das On Board-Infotainment-System geht für den Preis (ab 26.000 Euro) aber sehr ok.

Generell gilt: mehr Sportwagen braucht kein Mensch! Auch wenn ich die Porsche- und Ferrari-Fraktion einmal mehr leise lästern höre… „It’s all about handling!“ (Jonny Lieberman, „Ignition“). Schlagen Sie zu, wenn Sie das absehbare Ende der Benzin-Ära gleichwohl mit Rationalität und Rasanz ansteuern möchten.

Ehrungen und Querungen

17. Mai 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (262) Der Mazda MX5 hat die Roadster-Idee in die Neuzeit gerettet. Und feiert dieser Tage seinen 25er. Happy Birthday!

mazda mx-5

Kann man – Stichwort „Smart City“ – die Idee, die Stadt weitgehend von Autos zu befreien, gut finden – und zugleich einen klassischen Sportwagen fahren? Man kann. Natürlich werden mich jetzt einige Bobo und Gutmensch schimpfen, aber als gelernter Wiener war mir seit jeher klar, dass man z.B. die Mariahilferstrasse eher nicht als High Speed-Trasse geplant hatte. Und sie auch in der Praxis, zumindest untertags und bei gesundem Menschenverstand, nicht als gelassen befahrbare Auto-Route in Betracht ziehen sollte und konnte – seit vielen Jahrzehnten schon.

Die Einkaufsstrasse zu einer Fußgängerzone umzubauen war und ist also nur logisch. Und hätte keiner ultra-umständlicher Entscheidungsprozesse samt damit zwingend einhergehender Querelen bedurft. Die per Anwohnerentscheid geforderten MaHü-Querungen jetzt allerdings nicht auch als solche zu öffnen, sondern bestenfalls als ideologische Wurmfortsätze, ist allerdings ein starkes Stück. Wann werden Die Grünen kapieren, dass noch so gut gemeinte autoritative Zwänglerei besser durch einsichtsvolle und eventuell sogar freudige Freiwilligkeit zu ersetzen ist?

Genug der Raunzerei. Her mit Spass im Alltag! Der lässt sich – egal, ob man jetzt Fahrrad fährt, Skateboard, Lastkarren, Motorrad oder Auto – am zügigsten erreichen, wenn einem der Fahrtwind durch die Haare streicht. Bewegung und ihre Begleiterscheinungen sind fast immer ein Zeichen des Glücks. Und meine Instant-Glückspille heisst Mazda MX-5.

Das ist der günstigste, unkomplizierteste und schnuckeligste Volks-Sportwagen, den man für Geld erwerben kann (vor allem in der allerersten Modellreihe mit Klappscheinwerfern, die es längst nur mehr gebraucht gibt). Es existiert zwar auch ein Hardtop als Zubehör und in späteren Baureihen ein Blech-Klappdach, aber das ist nur etwas für Weicheier. Denn der MX-5 ist per definitionem ein Cabrio. Und hat fast im Alleingang die Kategorie “Roadster” – die zuvor meist durch leicht wunderliche britische Konstruktionen repräsentiert wurde – in die Neuzeit gerettet. Als japanische Großserien-Nachempfindung eines Lebensgefühls.

Der Erfolg dieses Nischenmodells hat selbst Mazda überrascht. “Wir waren immer eine kleine, bescheidene Marke, die zu den Europäern aufgeblickt hat”, so Designer Tom Hall. “Plötzlich hatten wir Mercedes, Audi und Porsche als Nachahmer.” Chapeau!

Dieser Tage feierte der MX-5 – mit 927.000 verkauften Fahrzeuge weltweit, davon 6.135 in Österreich eines der meistgebauten Sportautos überhaupt – seinen 25. Geburtstag. Die nächste Generation wird es, leicht abgewandelt, auch mit einer Alfa Romeo-Firmenplakette geben (oder, wie Insider vermuten, eher einer von Fiat-Abarth) – durchaus eine positive Botschaft! Ein Sportwagen ist ein Sportwagen ist ein Sportwagen.

Als überzeugter Besitzer und Benützer eines solchen Gefährts lasse ich es übrigens auch gern mal stehen. U-Bahn-Pendeln oder Spazierengehen und dabei über die nächste Ausflugsfahrt sinnieren bereitet auch Freude.

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